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Claus Grabke

Interview von: Claus mit Daniel, am: 09.05.2008 ]

Auf die Person, den Künstler CLAUS GRABKE hat jeder vermutlich eine andere Sicht, nimmt ihn aus einer anderen Perspektive wahr, facettenreich und mitunter extrem wandlungsfähig, wie er sich in der Vergangenheit nicht neu erfunden, sondern immer neue Schichten seines kreativen Schaffens freigelegt hat. Daraus folgert, daß man manchmal den Eindruck hat es in verschiedenen Stadien gar nicht mit der gleichen Person zu tun zu haben, denn mal spricht man von der deutschen Skate-Legende, dem Macher hinter dem Label "Homeboy", mal vom Sänger der Eight Dayz, später von Thumb, dann der Alternative Allstars. Nun schließt sich, zumindest was den Namen angeht der Kreis, denn nach dem Album "Dead Hippies – Sad Robots" erscheint dieser Tage "Deadly BossaNova" ebenso unter dem schlichten Banner CLAUS GRABKE.

 

Musicscan: Im ostwestfälischen Gütersloh, inmitten von Feldern auf einem alten Bauernhof, hat sich Claus sein Studio eingerichtet, fernab ach so lebhafter und pulsierender Großstädte, in seiner Heimat, die er auch nur etappenweise einmal verlassen hat. Hier, in der Abgeschiedenheit produziert er andere Bands und bildet zusammen mit seinem Sohn und dem Schlagzeuger Sven Pollkötter das kreative Trio, das nun mit neuem, überraschendem Album auftrumpft.

Musicscan: Claus, bisher hast du immer in einem Bandkontext gestanden. Nun könnte man, auch bei der neuen Scheibe, wie auch beim Vorgänger annehmen, es ist näher an dir als Person, näher an CLAUS GRABKE.

Claus Grabke: Die Namensgebung ist eher eine Art Flucht nach vorn, keinesfalls Personenkult oder Narzissmus. Nach dem Ende der Alternative Allstars, als wir neue Songs aufgenommen hatten, benötigten wir eben einen Namen. Da kam Sven eben mit dem Gedanken, daß ich ohnehin alle Interviews gebe, sich wohl ein Großteil einfach über mich als Person abspielt, warum es also nicht schlicht CLAUS GRABKE nennen. Zudem, Sven ist es durch seinen klassischen Background auch gewöhnt, unter einem Dirigenten zu arbeiten. Das beschreibt unsere Arbeitsweise zwar nicht, aber es erklärt, warum er auch kein Problem damit hat.

Musicscan: Meinst Du, daß es in diesem Kontext auch so ist, daß du dich als Künster mit deinen Visionen hier vollkommen verwirklichen kannst?

Claus Grabke: Viel mehr, viel mehr als früher, auch mehr als beim letzten Album. Ich ordne das neue Album als das am weitesten entwickelte Objekt von mir ein, das bin am meisten ich. Bei den anderen, bisherigen Projekten war ich "nur" ein Teil einer Gemeinschaft. Ich hatte immer starke, kreative Mitstreiter. Da mußt Du Dich als Einzelperson schon zurücknehmen. Bisher wußte ich nie, wie ich das, was ich in mir habe auch ganz, ungefiltert rauslasse. Das war eine Entwicklung. Das neue Album ist eine Bestandsaufnahme, das bin ich. Das ist meine Vorstellung, was Musik ist, kein Entertainment.

Musicscan: Es hat verschiedentlich immer mal wieder Kritik an Dir und an der Band Alternative Allstars gegeben, die Musik sei zu seicht, zu poppig. Meinst Du, die beiden Alben unter eigenem Namen waren auch so etwas wie eine Gegenreaktion?

Claus Grabke: Komischerweise war ich aber nie wieder so populär als Musiker. Aber, dieses kreative Outlet entstand schon während meiner Zeit bei Thumb, wir haben im gleichen Gebäude geprobt. Alternative Allstars war allerdings auch immer eine Art Antithese, immer mit einem Augenzwinkern versehen. Zu der Zeit habe ich die Kritik gar nicht so wahrgenommen. Ich muß auch gestehen, ich möchte die Erfahrung auch gar nicht missen. Die beste Tour, die wir je gemacht haben war damals mit Bon Jovi. Ich wollte, daß die Leute meine Songs vor dem Spiegel singen. Das war gut fürs Ego, wenn 70000 Leute Deine Songs mitsingen.

Musicscan: Ist das, was du mit CLAUS GRABKE machst eine bewußte Reduktion?

Claus Grabke: Es ist reduziert, aber dennoch keine Reduktion. Es geht mehr darum natürlich zu klingen, wenig Overdubs, gegen bestehende Konventionen. Es geht darum, sein "Es" ungefiltert von der Leine zu lassen. Das "Es" im Sinne von Freud, zu befreien. So sind auch die Songs entstanden. Wir sind hierher gekommen, haben gejammt und das Band mitlaufen lassen. Erst danach habe ich gefiltert, die Songs zurechtgeschnippelt, die besten Parts ausgewählt. Eine interessante Erfahrung, wenn du dann am nächsten Tag hierher kommst und mit etwas Abstand den Jam des Vortages hörst. "Radioactivity" war als Jam beispielsweise endlos.

Musicscan: Um da kurz einzuhaken: Warum Kraftwerk, warum "Radioactivity"?

Claus Grabke: Kraftwerk ist für mich die beste deutsche Band aller Zeiten. Eigenständig, als hippieeske Band im Prog-Sektor angefangen, dann mit diesem Konzept durchgestartet...."Mensch-Maschine", ein göttliches Album. Dazu ist der Song enorm melancholisch, damals waren die Auswirkungen von Radioaktivität ja noch gar nicht bekannt. Wir wollten halt den Song, bei Beibehaltung der grundlegenden Struktur, in unsere Zeit transportieren, mit allem was wir nun zu diesem Thema wissen. Daher wirkt er auch sicherlich etwas zerstörerischer als das Original.

Musicscan: Bei eurem künstlerischen Prozess, versucht ihr da bewußt Musik von außen auszublenden? Anders gefragt: Wie steht ihr zu möglichen Vergleichen, Assoziationen, die man bei diversen Songs des neuen Albums haben könnte?

Claus Grabke: Natürlich gibt es immer mal wieder vor allem produktionstechnisch Ansätze, die ich höre, gut finde und von denen ich mich inspirieren lasse. Das gilt zum Beispiel für das Schlagzeug. Ein wenig Garage ist zum Beispiel auch dabei. Oder Jack White, den ich als Gitarristen sehr schätze.

Musicscan: Gerade die White Stripes sind ein Name, der in diesem Kontext schon gefallen ist, die Beats...

Claus Grabke: Da traue ich Sven aber mehr zu, zudem er die Band nichteinmal gut findet. Ich denke eher an John Spencer Blues Explosion, die mir als erstes in den Sinn kämen.

Musicscan: Wie würdest Du denn den Ansatz dieses Albums zusammenfassen?

Claus Grabke: So wie ich das sehe, geht es bei diesem Album mehr denn je um das Nicht-Nachdenken, Gitarre spielen ohne an Strukturen denken zu müssen, Freiheit, absichtliche Dummheit.

Musicscan: Warum "Deadly BossaNova"? Wegen Connie Francis?

Claus Grabke: Die Idee stamm von Sven, der mit der Idee dieses Rhythmus ankam. Ein Modetanz. Der letzte Tanz. Übersetzt bedeutet dieser Titel: "Sich von einer Idee verabschieden". Damit wendet man sich der Zukunft zu.

 
 Links:
  myspace.com/clausgrabkemusic
 
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