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Wirtz

Storie von: Dominik, am 05.05.2008 ]

Daniel WIRTZ ist vielen wohl eher aus den glorreichen Zeiten seiner Band Sub7even ein Begriff. Diese ruhmreichen Zeiten und der damalige Hit ‘Weatherman’ sind aber schon einige Tage her und daher brauchte der Sänger und Songschreiber ein neues Ventil für seinen kreativen Output. Was machste da? Neue Pfade einzuschlagen schien WIRTZ ganz oben auf seinem Zettel gehabt zu haben und so wurde kurzerhand ein eigenes Plattenlabel gegründet, um die entstandenen Solosongs veröffentlichen zu können.

 
Dieses Material hebt sich aber erfrischend von den bekannten Veröffentlichungen seiner Band ab und präsentiert sich zusätzlich zum eher akustisch gehaltenen Klangbild vor allem mit deutschsprachigen Texten. Die Karriere von WIRTZ startete klassisch mit ‘Life Is Life’ auf der Blockflöte, das Trommeln auf des Bruders Kommunionsschlagzeug und dem Wechsel zu Gitarre und Gesang in diversen Schülerbands. Der feste Glauben an das eigene Können und der Traum, auf großen Bühnen zu stehen motivierten den Musiker dazu alles zu geben und zu opfern. Der wie nur allzu oft zu kurz andauernde Erfolg ereilte WIRTZ als Sänger der Band Sub7even, die vor acht Jahren den Kracher ‘Weatherman’ in die Charts ballerten. Durch das Ausbleiben weiterer kommerzieller Erfolge jäh auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt zieht der mittlerweile 33-jährige Bilanz.

“Es endlich genauso cool ausdrücken, wie man es in der eigenen Sprache kann”

Der erste Vorwurf, den WIRTZ sich mit dem Album “11 Zeugen” machen lassen muss, wären wohl die deutschsprachigen Texte, die erste Unkenrufe nach Ausverkauf und Kommerz beschwören. Im Interview mit dem sehr sympathischen Mucker wird allerdings schnell klar, dass da jemand spricht, der auch wirklich was zu sagen, seine Erfahrungen gemacht und seinen Preis bezahlt hat. “Ich habe mir schon immer viel Mühe mit den Texten gegeben. Nur in einer fremden Sprache kann man die Dinge nicht genauso cool ausdrücken, wie man es in der eigenen könnte. Für mich war deutsch aber nie eine Sprache, die man singen kann”, berichtet WIRTZ von ersten Versuchen, auf Deutsch zu singen. “Ich habe das ausprobiert, aber es hat sich anders und nicht so gut angefühlt. Da dachte ich, ich bleib lieber bei Englisch und kann mich da auch ein wenig hinter dem guten Sound verstecken.” Mit Anfang 30 war es allerdings Zeit, sich selbst einen Spiegel vorzuhalten und selbstkritisch zog WIRTZ Bilanz einer Karriere, die “hoch anfing und stetig immer kleiner wurde”. Die Grundidee für das Album war geboren und schnell auch klar, dass die harten und ehrlichen Worte nur in seiner Muttersprache Ausdruck finden konnten. “Ich wollte keine Missverständnisse aufkommen lassen. Wenn ich schon mal


alles so ehrlich sage, dann wollte ich, dass es auch so verstanden wird, wie ich es sage. Der Malkasten mit fünf Basic-Farben ist einfach nichts im Vergleich zu einem dreistöckigen Pelikan Malkasten mit 48 Farben.” Nachdem feststand, was gemacht werden musste, produzierte er das Material in Eigenregie vor und enterte anschließend das Studio seines Freundes Matthias Hoffmann in Frankfurt. Daniels Talent und Vielseitigkeit trugen dazu bei, dass es sich bei “11 Zeugen” auch tatsächlich um ein Soloalbum im eigentlichen Sinne des Wortes handelt. Es gibt auf der Scheibe also nichts, an das WIRTZ nicht selber seine Hände gelegt hat. “Ich hatte so ein genaues Bild davon, wie es am Ende klingen sollte, dass ich egoistisch sein musste. Ich brauche die Band, um es live auf die Bühne zu bringen, aber nicht, um sich kreativ mit einzubringen.”

Selbstkritik zwecks Selbstheilung ist das große Thema der Songs des Debüts und da liegt die Frage nahe, was passieren würde, sollte bei WIRTZ einmal wieder alles geschmeidig laufen. “Ich habe jetzt gerade einmal begonnen, die zweite Schicht anzukratzen und dort wieder soviel Dreck gefunden, dass ich gar nicht so viele Alben schreiben könnte, wie ich wollte.” Aber eine Eintagsfliege soll die Sache definitiv nicht sein und nach dem Album soll noch lange nicht Schluss sein. “Es macht tierisch Spaß! Da gibt’s auf jeden Fall einen weiteren Teil. Da wird auf jeden Fall noch was kommen.”

Angst vor dem Kommerz?

Was wäre, wenn MTVIVA, oder gar RTL sich auf WIRTZ stürzten und der Kommerzhammer geschwungen würde, beantwortet der Hesse souverän. “Ich habe heute noch ‘ne Anfrage bekommen, dass die Coupe mich gerne mit ein paar halbnackten Frauen ablichten würde. Ich habe gesagt, die Weiber könnten gerne auf das nächste Konzert kommen, wenn sie Eintritt bezahlen. Nur habe ich keinen Bock, in der Coupe zu stehen. Ich habe nach der ganzen Zeit einen gewissen Filter entwickelt und aufmerksam geworden. Wenn “Mainstream” heißt, Platten zu verkaufen, dann habe ich natürlich vor, Platten zu verkaufen, weil dann habe ich was zu essen. Wenn das allerdings den Ausverkauf bedeutet, hungere ich lieber und gehe mit wehenden Fahnen unter.”

 
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