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Venomous Concept

Storie von: arne, am 16.04.2008 ]

Vier Jahre ist es her, dass VENOMOUS CONCEPT mit “Retroactive Abortion“ ihr Debüt über Ipecac vorlegten. Das Allstar-Quartett bewegte sich auf dieser Platte schnörkellos und temporeich im Spannungsfeld zwischen Crust-/Anarcho-Punk, Death Metal und Grindcore. Auf ihrem Zweitwerk “Poisoned Apple” zeigt sich die Band abermals straffen Sounds in der Tradition von Discharge, The Accused, Blag Flag und Napalm Death verschrieben, doch zur old schooligen Grundhaltung gesellen sich dieses Mal auch modernere Stilelemente.

 
Das Line-Up rekrutiert sich heute aus den beiden Naplam Death- Mitgliedern Shane Embury (Gitarre) und Danny Herrera (Drums) sowie Kevin Sharp (Vocals) und Danny Lilker (Bass) von Brutal Truth. Buzz ist aufgrund terminlicher Überschneidungen etwas in den Hintergrund gerückt, steht live aber nach wie vor in Reihen von VENOMOUS CONCEPT, wie Projektkopf Shane Embury berichtet:

„Buzz ist noch immer dabei und ein aktives Bandmitglied. Aufgrund seiner Verpflichtungen mit den Melvins und unseren mit den jeweiligen Hauptbands ist es jedoch schwierig, alle Musiker zu einem Termin an einen Punkt zusammen zu bekommen. Was immer fehlt, ist Zeit, aber das haben wir ja nicht anders gewollt. Da wir mit der Arbeit am Album voran kommen wollten, haben wir immer wieder ohne Buzz gearbeitet. Da ich die Songs ohnehin alleine geschrieben habe, war es ein logischer Schritt, dass ich an die Gitarre gewechselt bin. Mit Dan Lilker war innerhalb kürzester Zeit ein alter Freund als neuer Bassist rekrutiert. Für die anstehenden Shows werden wir, wenn Buzz dabei sein kann, mit zwei Gitarren auftreten. Das verbreitet einerseits die musikalischen Möglichkeiten und erhöht andererseits den Spaßfaktor.“

Neben einem neuen Bassisten haben VENEMOUS CONCEPT mit Century Media auch ein neues Label zu vermelden: „Geplant ist der Wechsel nicht gewesen. Als wir mit dem Album fertig waren, habe ich Mike Patton eine Kopie zu Ipecac geschickt und ihn gefragt, wie er die neuen Songs findet. Da wir bereits seit Jahren eng befreundet sind, ist mir seine Meinung sehr wichtig. Natürlich hoffte ich darauf, dass er auch unsere zweite Platte heraus bringt. Das Material hat ihm auch dieses Mal gefallen, doch der Release-Plan war schon so dicht, dass es für uns keine Lücke mehr gab. Da eine zeitnahe Veröffentlichung nicht möglich gewesen ist, haben wir uns nach einem anderen Label umgesehen. Es war naheliegend, Century Media anzusprechen, mit denen auch Naplam Death zusammen arbeiten. Schnell kam das Feedback, dass sie die Platte herausbringen wollen und das ist schon die ganze Geschichte.“

Musikalisch hat sich gegenüber “Retroactive Abortion“ nicht viel verändert. “Poisoned Apple” bietet Hass und Aggression in Reinkultur und entwickelt sich als schnelle, laute und unbequeme Abrissbirne: „Es hat zwei Richtungen gegeben, in die wir mit den neuen Songs gearbeitet haben. Einerseits ist das Songwriting variabler und dynamischer ausgefallen, so dass einfach mehr passiert. Und andererseits ist die Produktion noch direkter und rougher angelegt. Wenn Beides zusammen kommt, knallt es einfach. Russ Russel war bereits an einigen der Platten von Napalm Death beteiligt und ich wusste, dass er auch für VENEMOUS CONCEPT der Richtige ist.“

Die kratzige Mischung aus Crust-Punk, Grindcore und Death Metal präsentiert sich ansprechend in Szene gesetzt. Das Quartett wirkt mit dem Zweitwerk


fast zeitgemäß, was auch Shane Embury freut:

„Es ist doch toll, dass Old School-Musik eine Wiederauferstehung feiert. Es ist eine Plattitüde, doch es stimmt: Alles bewegt sich in Wellen und kommt wieder. Der allzu strukturierte und „maschinell erstellte“ Metal der letzten Jahre langweilt die Leute immer mehr, so dass sie sich wieder auf die Wurzeln zurück besinnen und sie wieder zu schätzen wissen. Für mich gibt es ohnehin nur Old School. Vor den jungen Metal-Hörern und der Konkurrenz mit den vielen Newcomern fürchten wir uns nicht. Schließlich haben wir VENOMOUS CONCEPT gerade deshalb gegründet, um die Musik zu spielen, mit der wir aufgewachsen sind, und die es heute nicht mehr gibt. Wir wollen direkte und harte Musik spielen und unsere Einflüsse mit den Kids teilen. Hoffentlich können wir einige von ihnen dazu bringen, sich für die Originale zu interessieren.“

Im eigenen Songwriting setzt das Quartet auf eine Mischung aus Routine und Intuition: „Es gibt weder einen großen Plan noch irgendwelche Hintergedanken. Für VENEMOUS CONCEPT schreibe ich Songs, die im Kontext von Napalm Death nicht funktionieren würden. Sie sind deutlich einfacher und punkiger angelegt. Natürlich versucht man immer, auch eine eigene Komponente mit einzubauen, aber dieser Anspruch steht im Hintergrund. Zuallererst wollen wir uns gut fühlen und Spaß haben. Kevins Art, seine Vocals zu setzen, hält die Songs zusammen und führt zu Wiedererkennung.“

Und doch lag dem Zweitwerk auch ein klarer Anspruch zu Grunde: „Es ist mir wichtig gewesen, dass sowohl in den einzelnen Songs als auch im Album als Ganzen mehr passiert. Die erste Platte ging straight nach vorne und war eine Mischung aus Discharge und japanischem Hardcore. Dieses Mal sind wir variabler aufgestellt und nehmen uns die Zeit, die Songs zu entwickeln. Zwei Scheiben nur durchzuprügeln, wäre zu einfach gewesen. Was sich positiv auswirkt, ist die Tatsache, dass “Poisoned Apple“ in mehren Etappen geschrieben und aufgenommen worden ist. Schon allein deshalb unterscheiden sich die Tracks voneinander.“

Textlich zeigt sich der Vierer politisch orientiert, ohne zu stark in diese Richtung zu zielen. In bester Crust-Tradition fungiert eine Adaption des bekanntesten Photos aus dem Vietnam-Krieg als Cover: „Man sollte das Artwork nicht zu ernst nehmen. Mit VENEMOUS CONCEPT wollen wir nicht die Welt verändern. Das ginge nicht einmal, wenn es unser Anspruch wäre. Die Welt ist ein abgefuckter Ort mit vielen Problemen. Niemand von uns ist perfekt und hat einen Bissen vom Apfel genommen. Auf die eine oder andere Art ist jeder von uns korrupt. Das ist die Idee hinter “Poisoned Apple“. Kevin behandelt „normalen 9-to-5 Bullshit“, frei nach dem Motto: Mache das Beste aus den sich dir bietenden Möglichkeiten. Darüber hinaus denke ich, dass man auch die Erde als großen “Poisoned Apple“ verstehen kann.“

 
 Links:
  myspace.com/venomousconcept
 
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