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Victims

Storie von: arne, am 07.04.2008 ]

Die VICTIMS aus Schweden setzen völlig unbeeindruckt von den Trends der letzten Jahre auf eine temporeiche und dicht-intensive Mischung aus crustigem D-Beat und old schooligem Hardcore, die sie mit einem rockigen Punk-Einschlag verbinden, und der sie schon seit ihrer Gründung nachgehen. Nach jahrelanger Kooperation mit dem amerikanischen Underground Kult-Label Havoc veröffentlicht die zum Trio geschrumpfte Band ihr neues Album “Killer“ über das finnische Combat Rock Industries von Endstand-Sänger Janne.

 
„Wir und Havoc haben uns in gegenseitigem Einvernehmen getrennt.“, erläutert Drummer Andy die Hintergründe. „Felix fährt die Arbeit am Label gerade etwas herunter, um mehr Zeit für andere Sachen zu haben, und aus diesem Grund war es der richtige Zeitpunkt, sich nach einem neuen Label umzusehen. Böses Blut oder Ähnliches hat es dabei nicht gegeben und Felix ist nach wie vor hochgradig involviert. Für Combat Rock hat er beispielsweise das Vinyl des neuen Albums gepresst und in den USA ist er für den Vertrieb der Platte verantwortlich.“ Die drei Schweden verstehen die geänderten Rahmenbedingungen allein positiv und blicken ihrer Zukunft optimistisch und erwartungsfroh entgegen:

„Wenn man nach so langer Zeit das Label wechselt, ist das natürlich schon so etwas wie ein Neuanfang, der zusätzliche Motivation freisetzt. Hinzu kommt die Tatsache, dass wir zum ersten Mal mit einem Mann weniger Songs geschrieben und sie dann auch aufgenommen haben. Das ist eine völlig neue Erfahrung für uns gewesen, denn man muss seine Arbeitsweise komplett verändern und an die neue Situation anpassen. Mit dem Ergebnis sind wir deshalb mehr als zufrieden, schließlich ist mit “Killer“ ein verdammt starkes und intensives Album entstanden. Ich denke sogar, dass wir unsere früheren Releases toppen konnten. Vielleicht liegt es daran, dass wir uns für jeden einzelnen Song der Platte bewusst die Zeit genommen haben, ihn so stark wie möglich zu machen. Darüber hinaus haben wir im Vorfeld so intensiv wie niemals zuvor geprobt. Das hat sich ausgezahlt.“ Die Gigs, die VICTIMS im März und April im Rahmen ihrer Tour mit The Ocean, Rotten Sound und Trap Them gespielt haben, stützten diese Aussage. Die Schweden erspielten sich die Gunst vieler Konzertbesucher:

„Für uns als Band ist es natürlich schön, dass wir mit unserem Hardcore-Verständnis und unserem Stil heute einen weitaus größeren Hörerkreis als noch vor fünf Jahren ansprechen und Touren mit Grindcore- und Metal-Gruppen spielen können, auf denen uns die Leute dann sogar noch mögen. Weshalb sich immer mehr Hörer für punkig-crustigen Hardcore interessieren, kann ich nicht so richtig sagen, aber vielleicht liegt es daran, dass die Leute offener für die Basis-Spielarten im Hardcore geworden sind und neue Bands entdecken wollen. Wir machen jedenfalls das Beste draus.“ Diese Einschätzung resultiert aus einem tief verwurzelten DIY-Verständnis, dem die drei Musiker verpflichtet sind sowie ihrer positiven Grundhaltung: „Aus meiner Sicht ist es egal, wie viele Sub-Genres und Bands es im Hardcore gibt. Für uns findet sich immer ein Platz, denn da draußen werden immer Leute sein, die rauen und simpel strukturierten Hardcore hören wollen. Da kommen wir dann ins Spiel. Wir befinden uns in der komfortablen Situation, dass wir nicht darauf achten müssen, ob wir vor 100 oder 10.000 Leuten spielen. Bei uns steht der Spaß im Vordergrund und so lange wir unsere Motivation nicht verlieren, wird es mit VICTIMS weiter gehen. Es ist immer wieder eine spannende Herausforderung, vor neuen Leuten zu


spielen und zu sehen, wie sie auf uns reagieren. Mehr wollen wir gar nicht.“

Die musikalische Anlage zwischen dominantem Old School-Hardcore-Punk und einem gewissen modernen Anstrich ermöglicht schnelle Identifikation mit den Songs der Schweden, die neben ihrer direkten Attitüde auch auf Nachhaltigkeit abzielen: „Für das Songwriting gibt es bei uns kein großes Geheimnis. Wir schreiben die Art von Tracks, die wir hören wollen und die sich richtig anfühlen. Im Grunde genommen ist es das. Wir sagen uns immer, dass weniger meistens mehr ist, und diesem Motto folgen wir. Beim Hauptteil unserer Stücke handelt es sich um ehrliche Punk Rock-Songs. Es stimmt aber auch, dass “Killer” etwas verträglicher und in sich geschlossener als seine Vorgänger ist. Ich führe das darauf zurück, dass wir uns dieses Mal deutlich mehr Zeit gelassen haben und stärker als in der Vergangenheit an den einzelnen Stücken gefeilt haben, bis alles passte und sich rund anhörte. Zum allerersten Mal überhaupt haben wir mehr Tracks aufgenommen, als letztlich auf die Platte gekommen sind. So konnten wir die besten Songs auswählen und sie so arrangieren, dass ein stimmiges Album entstanden ist.“

Das Ergebnis ist umso bemerkenswerter, da das Bandgefüge VICTIMS zunächst einmal mit der neuen Aufgabenteilung im Dreier-Line-Up klar kommen musste: „Als Ziel hatten wir ausgegeben, ein “Killer”-Album einzuspielen und ich denke, das ist uns gelungen. Schließlich standen wir in der Pflicht zu beweisen, dass wir auch als Trio eine tolle Platte abliefern können. Das hat uns zusätzlich angetrieben. Hinter dem Titel steckt keine andere Bedeutungsebene. Er ist simpel und bringt in einem Wort unseren Arbeitsprozess und die Neuausrichtung der Band auf den Punkt.“ Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht. Das gilt auch in Bezug auf die maßgeblichen Einflüsse der VICTIMS:

„Da hat sich im Grunde nichts geändert. Seit es die Band gibt, sind die Inspirationsquellen vor allem bei Discharge, Meanwhile, Sick Of It All und alten Bad Religion zu suchen. Daneben sind für “Killer” auch Another Breath zu nennen sowie viele unbekannte Gruppen aus der DIY-Hardcore- und Punk-Szene. Das ist die Szene, in der wir uns bewegen und wo wir uns wohl fühlen. Letztlich orientiert man sich als Band immer an den nahen Bezugspunkten.“ Nach jahrelangem Dasein im Underground sind die Schweden längst ein fester Bestandteil des Crust-HC-Genres und neben Skit Sytem, Wolfbrigade und Totalitär einer der konstanten Leuchttürme, an dem sich andere orientieren und der sich seine Sporen verdient hat: „Auf jeden Fall haben wir eine Menge netter Leute getroffen und viele Freunde auf der ganzen Welt gewonnen. Teil der großen DIY-/Undergound-Szene zu sein, erfüllt mich mit Stolz, wie auch die Tatsache, dass wir als VICTIMS recht große Aufmerksamkeit erfahren. Man kann schon sagen, dass wir uns in einer privilegierten Position befinden. Das wissen wir zu schätzen, schließlich geht es uns nicht ums Geldverdienen, sondern darum, unsere Passion auszuleben und uns zu verwirklichen.“

 
 Links:
  myspace.com/victims
 
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