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Mercenary

Storie von: arne, am 26.03.2008 ]

Nachdem die dänischen MERCENARY auf der letzten Platte “The Hours That Remain“ ihre verträgliche und eingängige Schlagseite betont haben, präsentieren sie sich auf ihrem neuen Longplayer wieder härter und metallischer. An der zu Grunde liegenden Rezeptur hat sich allerdings wenig verändert. „Architect Of Lies” ist durch melodischen Death Metal geprägt, der um progressive Elemente erweitert wird.

 
“Eine unserer Stärken ist die Vielfältigkeit unserer Einflüsse, die fast alle bis in unsere Songs durchschlagen.“, erklärt es Gitarrist Jakob Mølbjerg am Telefon. „Aus welchem Grund auch immer gibt es nur wenige andere Bands, die so klingen wie wir. Und das, obwohl melodischer Death Metal im Grunde nichts Neues ist und es unglaublich viele Gruppen gibt, die ihn spielen. Meiner Ansicht nach hat es viel mit dem Songwriting von MERCENARY und unserer Detailversessenheit zu tun. Anders können wir es uns jedenfalls nicht erklären. Das Gute ist wohl, dass wir keinem Idealbild folgen und kein „ultimatives Album“ in unseren Köpfen haben, das wir erschaffen wollen. Das bewahrt uns die Freiheit, viele unterschiedliche Sachen zu probieren und immer wieder neue Wege zu gehen; sowohl was die verwandten Stile anbelangt als auch die Wege im Songwriting. Als Kontrollgrößen fungieren allein unsere Ohren, und wenn etwas Hörbares entsteht, das uns gefällt, und das nach MERCENARY klingt, ist es für uns okay.“

Auf andere Metal-Kombos übertragen, würde das bedeuten, dass man sich als Band schon einen eigenen Stil erarbeitet haben müsste, was nur in seltenen Fällen zutrifft: „Es scheint mir immer so, als wenn ein großer Teil der Musiker lediglich versucht, seine Idole möglichst gut zu kopieren und zufrieden ist, wenn das halbwegs gut gelingt. Zu viele Gruppen hegen gar nicht erst den Anspruch, über den Tellerrand hinaus zu schauen und einen eigenen Stil zu entwickeln. In den eng gesteckten Grenzen ihres jeweiligen Genres fühlen sie sich wohl und gehen keinen Schritt darüber hinaus. Für MERCENRAY beginnt die Herausforderung aber gerade erst an diesem Punkt, denn wir wollen uns weder limitieren noch eindimensional klingen. Das würde unseren Stolz als Band verletzen. Vielleicht ist es gerade diese Einstellung, die uns von anderen Vertretern im Melodic-Death unterscheidet. Wir sind verdammt stolz darauf, variabel und vielschichtig unterwegs zu sein und das Songwriting immer wieder anders anzugehen. Sich lediglich zu wiederholen, ist keine akzeptable Lösung, denn unser Anspruch reicht weiter. Für jedes Album setzen wir uns neue Ziele, wobei sich als gleichbleibender Anspruch herauskristallisiert, Songs zu schreiben, die einerseits anspruchsvoll sind und die wir andererseits live auch problemlos umsetzen können und die ordentlich knallen. Aus diesem Grund haben wir sowohl komplex-technische als auch einfach und prägnant gehaltene Songs auf „Architect Of Lies”. Nur so kann es doch funktionieren, denn in den einfacheren Parts konzentriert man sich neu und schöpft Kraft für die nächste Herausforderung. Ein positiver Nebeneffekt ist es, dass sich die Leute nie zu sicher sein können, was man ihnen als nächstes serviert.“

Im Einsatz der Vocals bieten sich den Dänen auf der neuen Platte dieses Mal noch breitere Möglichkeiten, denn mit René Pedersen hat man seit der Veröffentlichung von “The Hours That


Remain“ (2006) einen neuen Bassisten mit an Board, der auch extrem gut und hart screamen kann. So werden ganz bewusst starke Kontraste zum cleanen Gesang von Mikkel Sandager gesetzt, was dem Sound von MERCENARY eine neue Facette eröffnet, mit der die Musiker sogleich ausgiebig arbeiten:

„René hat sich völlig natürlich und problemlos eingefügt. Sein Einstieg erfolgte ja schon kurz nach Beendigung der Aufnahmen der letzten Platte, so dass er eine lange Vorbereitungszeit hatte, bevor wir das erste Mal gemeinsam ins Studio sind. Live ist er ja bereits einige Zeit dabei und bestens integriert. Dass es sich um einen alten Fan handelte, der fast alle unsere Stücke kannte und spielen konnte, hat die Sache natürlich entscheidend vereinfacht. Schnell hat sich dann herausgestellt, dass René nicht nur ein außerordentlich guter Bassist, sondern auch ein ebenso toller Shouter ist. Da ihm die Doppelbelastung nichts ausmacht und er daran Spaß hat, wurde er von Beginn an in die Ausarbeitung der Vocals mit eingebunden, um ein maximales Ergebnis zu erschaffen. Es ist schon phänomenal, wie dynamisch der Gesang und das Geshoute auf “Architect Of Lies“ klingt. Es ist typisch MERCENARY geblieben und geht doch auch ein gutes Stück weiter. Wir haben sehr intensiv mit den Möglichkeiten, die sich durch zwei unterschiedliche Sänger/Shouter bieten, gearbeitet. Wie auch bei der eigentlichen Musik standen auch bei den Arrangements der Vocals Abwechslung und Unterhaltung im Vordergrund. Im Ergebnis fahren wir nun zweigleisig: Das Interesse der Hörer wird sowohl von der Musik als auch dem Gesang wach gehalten und auch nach dutzenden von Rotationen sind noch immer Feinheiten zu entdecken, die überraschen. Das ist ein weiterer Grund, weshalb man als Band vielschichtig und bedächtig arrangieren muss. Schließlich gilt es, die Hörer möglichst lange zu unterhalten und immer auch ein wenig zu fordern. Der Test der Zeit ist die Messlatte für gute wie für schlechte Platten. Man darf weder die vordergründige Eingängigkeit noch die substanzielle Tiefe aus den Augen verlieren.“

Wider Erwarten steht für Gitarrist Mølbjerg der handwerkliche Aspekt nicht unmittelbar im Mittelpunkt: „Ich verstehe MERCENARY nur mittelbar als technische Band, da wir uns außerhalb des Wettbewerbs bewegen. Es geht uns nicht darum, möglichst tight zu sein oder krasse Riffs und Songs zu schreiben. Was das übergeordnete Songwriting anbelangt schon, doch ist dafür weniger die handwerkliche Komponente als das generelle Verständnis von Musik ausschlaggebend. Nur mit dem Wissen um die kompositorischen Möglichkeiten und nur mit kreativen Ideen lohnt es, in die Umsetzung zu gehen. Und obwohl “Architect Of Lies“ wieder etwas härter und straffer ausfällt, ist dennoch ein ausbalanciertes Album entstanden, das nicht auf vorschnelle Wirkungen oder dominante Technik setzt. Die Entwicklung von Atmosphären und Stimmungen sind uns wichtiger.“

 
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