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Danko Jones

Storie von: Daniel, am 20.03.2008 ]

Mr. Jones und seine nach ihm benannte Band lieben die Straße. Sie lieben schmale Buskojen, Backstageräume von zweifelhafter Hygiene, aufgedrehte Amps, Schweiß, morgens aufzuwachen und nicht zu wissen, in welcher Stadt man gerade ist, wo der nächste Gig stattfindet. Klingt nach schöngeredeter Rockeromantik? Weit gefehlt.

 
Wenn man die Musik, die Performance und die Alben von DANKO JONES in einem Wort zusammenfassen müßte, dann wäre es wohl: Authenzität. Während andere Bands schon nach ein paar Tagen über das Leben auf der Straße und im Bus jammern, dann eine schnulzige Ballade darüber schreiben, scheint diese Musik wie gemacht, um sie auch noch in den hinterletzten Winkel der Welt zu tragen. Dazu gesellt sich zu der offensichtlichen Tourfreudigkeit von DANKO JONES auch noch ein zutiefst ehrlicher Arbeitsethos. Kaum war man wieder im heimischen Kanada, schon ging es wieder ins Studio. Das Ergebnis: "Never Too Loud", eine grundehrliche, knallende Rockscheibe, die gerade vom reichen Erfahrungsschatz der Band on the road profitiert.

Kaum ist die Produktion abgehakt, die Scheibe bereit, um sie auf die gierende Fanschar loszulassen, ist DANKO JONES auch schon wieder unterwegs. Stilvoll, aber eben wiederum authentisch und ein wenig vom Jetlag gezeichnet sitzt er, der abseits der Bühne eher zu den ruhigen und überlegten Vertretern gehört, im Kölner Hopper Hotel und beantwortet ausführlich und eloquent die Fragen der Presse.

Die Überraschung könnte nicht größer sein. On stage entfesselt DANKO JONES immense Energien, lässt Schweiß und vermutlich auch andere Körpersäfte fliessen und nun sitzt hier ein Mann, der sehr entspannt wirkt. Ein Widerspruch? Wie empfindet man es persönlich, wenn man von Teilen der Fans zu einer Art von Rock-Sexsymbol gemacht wird? "Es schmeichelt mir natürlich, es würde jedem schmeicheln. Niemand kam zu mir und hat mich so genannt als ich noch Bagels gemacht habe, also genieße ich diese Situation umso mehr. Allerdings betrachte ich es auch nüchtern. Ohne meine/unsere mediale Präsenz, die eine bestimmte Aura erschafft, wäre es wohl anders."

Doch genau diese Aura ist es, die Fans der Band in ihren Bann zieht. Sieht man DANKO JONES on und dann off stage, man kann sich nicht des Eindrucks erwehren, es handle sich tatsächlich um eine Form von gespaltener Persönlichkeit. "Nein, da stimme ich nicht zu. Es gibt Freunde von mir, vor allem jene, die mich privat kennen und doch nie eine Show von uns gesehen haben, die nach ihrem ersten Konzert in schallendes Gelächter ausbrechen. Auf der Bühne bin ich wie unter eine Lupe, hundertfach vergrößert. Ich konzentriere eben all meine Energie auf diese Minuten auf der Bühne. Daher wird es auch nie nächtelange Parties nach den Konzerten bei mir geben." Das beinhaltet wohl auch die Gefahr, daß Fans enttäuscht sein könnten, wenn sie DANKO JONES abseits der Bühne sehen und die Band anders agiert, als es die auf sie projizierten Vorstellungen vorsehen.

"Ich hoffe sie sind wenn überhaupt nur überrascht, nicht enttäuscht. Von mir ausgehend wäre der einzige Weg mich zu enttäuschen, sich wie ein kompletter Arsch aufzuführen. Weißt Du, ich bin der größte Fan dieser Band. Wäre ich nicht Teil von ihr, ich würde sie sehen wollen. Also kann ich die Fanperspektive


durchaus nachvollziehen und ich fände es eher enttäuschend, wenn sich die Bandmitglieder als Ärsche herausstellen würden." Lässt man die Geschichte des Rock Revue passieren, stand der Terminus immer auch für Sex. Kein Wunder also, daß sich das auch in der Musik von DANKO JONES niederschlägt. "Wir sind da diesem Thema durchaus treu. Rock'N'Roll war lange Zeit einfach nur ein Synonym für Sex. Da stehen wir also in einer langen Tradition. Aber speziell auf der neuen Platte erweitern wir das Spektrum. Wir gehen ohnehin immer streng nach dem Motto "schreib über Dinge, die du kennst". Auf diesem Album gibt es eben eine Menge Songs über das Leben auf Tour, schon weil wir in den letzten Jahren eben das gemacht haben, auf Tournee sein. Natürlich spielen auch immer Frauen eine Rolle. Schaut man sich die großen Platten des Rock an, drehten sie sich immer um diesen Themenkreis".

Wie steht es um die Beschäftigungen abseits der Musik? Entsteht bei der kontinuierlichen Beschäftigung mit Musik nicht manchmal das Bedürfnis nach anderen, künstlerischen Ausdrucksformen? "Nun, ich habe immer mit Musik zu tun. Ich habe immer noch meine Kollumne im deutschen Rock Hard, dazu die Kollumne im schwedischen Close-Up. Dazu meine Radioshow. Trotzdem, daß dies alles mit Musik zu tun hat, es gibt mir eine andere Perspektive auf den Gegenstand." Da DANKO JONES ja offenbar auch umfassend interessiert ist, es gibt ja daneben auch die Spoken Words – Performances, war Politik nie ein Thema, so wie es Henry Rollins beispielsweise vorgemacht hat? "Ich möchte die Leute einfach nicht vor den Kopf stossen. Was würde man angesichts unserer Songs sagen, wenn ich auf einmal über die Entwicklungen der religiösen Rechten sprechen würde. Nach außen hin haben wir ja ohnehin das Image, bei uns handle es sich um eine Horde biertrinkender Wilder, die sich einen Dreck um Politik schert. Doch letzten Endes möchte ich einfach, daß die Leute zu unseren Shows kommen, um harten Rock zu hören."

Auch wenn DANKO niemals einen Hehl daraus macht, welche Einflüsse er hat, so scheint die neue Scheibe doch noch mehr als in der Vergangenheit ein Ausdruck der Liebe zu Melodien zu sein. Die heilige Dreifaltigkeit der Rock-Einflüsse auf diesem Album sind demzufolge Thin Lizzy, Kiss und UFO.

"Ich wollte mehr singen anstelle einfach nur zu Growlen. Mehr Melodien. Das ist kein Widerspruch zu unserem Dasein als Rocker. Eigentlich sollte es ja ein Konzeptalbum zum Thema "Tournee" werden. Letztlich haben sich dann doch noch ein paar andere Songs eingeschlichen. Der Anspruch, das finale Konzept war: Lass uns ein Album machen, daß wir selber kaufen würden."

Diese Zielsetzung ist ohne Zweifel gelungen. Noch mehr, es sollte doch kaum verwundern, wenn die ohnehin treue Fanbase dieses Album kaufen und lieben wird. Der Erfolg wird sich zeigen, auf den Bühnen dieser Welt und dort sind DANKO JONES ohnehin omnipräsent und sicherlich niemals zu laut.

 
 Links:
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