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Year Long Disaster

Storie von: arne, am 10.03.2008 ]

Vom amerikanischen Rolling Stone werden YEAR LONG DISASTER als „Artist To Watch“ geführt, was für das Trio, das gerade einmal sein Debüt-Album auf dem Markt hat, eine große Ehre ist, die Aufmerksamkeit garantiert. Die kalifornische Gruppe steht ja gerade erst am Anfang ihrer Karriere und ist noch damit beschäftigt, den eigenen Band-Sound zu finden.

 
Auf ihrer selbstbetitelten Scheibe nutzen die Musiker aus Los Angeles die gesamte Bandbreite amerikanischer Roots-Musik. Sie integrieren Blues, 70ies Sludge, 80ies Thrash und viel Southern Rock sowie Stoner. Wer eine Affinität für groovig-harte Rock-Klänge mitbringt, wird mehr als ein YEAR LONG DISASTER erleben, denn die Hooklines der Tracks des Trios sind herausragend stark:

“Als Daniel (Sänger und Gitarrist Daniel Davies) und ich uns kennenlernten, haben wir die erste Woche einfach nur zusammen rum gehangen, ohne dass ich wusste, dass er Gitarre spielt.“, erzählt der gut gelaunte Bassist Rich Mullins (ex-Karma To Burn) über die Gründungstage der Gruppe. „Natürlich haben wir dann schnell herausgefunden, dass wir dieselbe Art von Musik mögen und als dann klar war, dass wir beide Instrumente spielen, ist der Schritt zur Band nicht mehr weit gewesen. Wir haben viel darüber gesprochen, wie organisch die Gruppe seines Vaters (The Kinks) gewesen und wie toll ihr Konzept gewesen ist. Als er dann sagte, „Wir können das auch.“, habe ich ihm einfach geglaubt. Wenig später haben wir Brad (Brad Hargreaves von Thrid Eye Blind) auf einem Konzert spielen sehen und konnten ihn überzeugen, mit uns zu proben. Als wir zusammen kamen, fühlte es sich von Beginn an gut und richtig an. So etwas hört man immer wieder, doch ich hatte es niemals zuvor erlebt. Es war so natürlich, dass wir nicht einmal groß darüber gesprochen haben. Wir entschieden nur, weiter zu machen und zu schauen, ob die Leute es mögen würden.“

Selbst gebuchte Touren führten schnell zu der Erkenntnis, dass YEAR LONG DISASTER den Nerv vieler Rock-Hörer treffen, die etwas „Neues“ oder „Besonderes“ suchen. Nach Verhandlungen mit diversen Major-Labels kam es schließlich zu seinem Signing auf Volcom.

Leidenschaft und Hingabe zum Rock’n’Roll prägen den Sound der Band, wobei das achtminütige Finale ’Swan On Black Lake’ auch von Led Zeppelin stammen könnte: „Wir haben die Nähe zu Led Zeppelin bewusst gesucht, als wir gestartet sind.“, gibt Rich zu. „Wenn du ein Instrument erlernst, ist es ja ganz genauso. Man versucht, das nachzuspielen, was man kennt und mag. Erst mit der Zeit entwickelt man sich, wird besser und beginnt, etwas Eigenes zu spielen. Wird man später mit den eigenen Helden verglichen, ist das legitim und wenn es wie bei dir als Kompliment gemeint ist, habe ich absolut nichts dagegen.“

Das „Erfolgsgeheimnis“ der Kalifornier ist es, dass sie trotz ihres rückwärts gewandten Sounds nicht zu antiquiert und auch ein Stück weit zeitgemäß klingen. Zugleich zeigen sich die Musiker stilistisch frei und latent progressiv:

„Wenn man zurück blickt, ist es wie folgt gewesen: In den 1980er Jahren kam der Punk Rock auf und öffnete die einengenden Regeln des klassischen Rocks. Außerdem brachten die Bands das Spielen mit nur drei oder vier Akkorden zurück. Erst da hat für mich der Rock, der mich interessiert, begonnen. Gruppen wie Led Zeppelin oder Queen hoben den


Rock auf ein virtuoses Level, fielen in der Gunst der breiten Masse aber irgendwann wieder zurück. Das ändert jedoch nichts daran, dass es immer Rock-Fans gibt und Bands, die sich an den Großen orientieren und es ihnen gleich tun wollen. Warum sonst versuchen sich Gruppen in regelmäßigen Abständen an Pink Floyd-artigen Stücken? Mit verrückten und teilweise verqueren Ideen versuchen sie 15 Minuten lange Songs zu schreiben, aber mehr als einige interessante Zwischenparts kommen dabei meistens nicht heraus. Sie haben nicht aufgepasst, denn egal, ob man sich nun Led Zeppelin oder Pink Floyd anschaut, beide haben ihre monumentalen Tracks aus drei oder vier Melodie-Strukturen zusammengesetzt, die am Ende ineinander übergingen. Greift man so etwas heute auf, muss man aber auch den Punk Rock einbeziehen. Bei uns heißt das Ergebnis ‘Swan On Black Lake’. Wir haben das, womit wir aufgewachsen sind und was wir bis heute hören kombiniert.“

Im Gegensatz zu dem im Radio gespielten Pop- oder Stadion-Rock klingen YEAR LONG DISASTER real und authentisch, schließlich stimmt bei ihnen auch die Einstellung: „Bei uns geht es weder um die Attitüde noch um unser Aussehen. Im Mittelpunkt stehen allein die Gefühle, die unsere Songs in den Hörern hervorrufen. Ich träume immer davon, Hank Williams ohne Anlage mit seiner Gitarre spielen zu sehen und Gänsehaut zu bekommen. Es geht um Gefühle, das Wissen um die Wurzeln der Musik und die Entwicklung des Blues. Eines habe ich bei der Beschäftigung mit Led Zeppelin gelernt: Wenn du wie sie klingen willst, musst du das hören, was sie damals beeinflusst hat. Erst dann stellt sich das Feeling ein, mit dem sie ihre Klassiker geschrieben haben. Das ist eine Facette unseres Sounds. Natürlich gibt es viele Leute, die sagen „Die klingen nach dem oder dem.“, aber das interessiert mich überhaupt nicht.“

YEAR LONG DISASTER entwickeln sich viel lieber beständig weiter, indem sie zurück schauen und sich inspirieren lassen: „Wir hören viel alten Blues wie Buddy Guy oder Robert Johnson. Geht es um Rock, sind ZZ Top meine Helden. Viele kennen von ihnen nur ’Sharp Dressed Man’, einen zugegebenermaßen schlechten Song. Ihre frühen Sachen zählen jedoch zum Interessantesten, was der Rock’n’Roll jemals hervorgebracht hat. Vor Kurzem hatte ich das Glück, mich mit Lemmy von Motörhead unterhalten zu können und fragte, aus welcher musikalischern Ecke er kommt. Alles, was er sagte, war: ZZ Top. Neben ihnen sind für uns natürlich auch Pink Floyd wichtig, denn es gibt wohl keinen Rock-Fan, der sie nicht mag. Aber auch David Bowie, The Kinks und Rolling Stones haben mich stark beeindruckt. Hinsichtlich des Songwritings sollte man zudem AC/DC mit im Blick haben, insbesondere in der Zeit mit Bon Scott.“

Wenn es YEAR LONG DISASTER gelingt, auf absehbare Zeit einen eigenständigen Sound zu entwickeln, werden sie in die Liga der inspirierten und wichtigen Rock-Bands aufsteigen, denn über ausreichend Potenzial verfügen sie!

 
 Links:
  myspace.com/yearlongdisaster
 
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