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Cataract

Storie von: arne, am 06.03.2008 ]

Ihr zehnjähriges Bandjubiläum begehen CATARACT standesgemäß mit einem neuen Longplayer. Mit starken Releases im Spannungsfeld zwischen Thrash und MetalCore sowie mit energiegeladenen Live-Shows ist das Quintett über die Jahre zu einer Konstante in der europäischen Metal-Szene geworden. Auf ihrem fünften Album setzen die Schweizer abermals auf unerbittliche Härte, direkten Druck und ihren erfolgreich erprobten Stop’n’Mosh-Stil.

 
„Ich denke, der Grundstein war, dass wir die ganze Band-Sache recht professionell angegangen sind.“, beginnt Drummer Ricky den Rückblick auf eine Dekade CATARACT. „Wir hatten eine klare Vorstellung davon, was wir musikalisch wollten, und es war uns auch klar, dass wir uns den Arsch aufreißen wollten, um es weiter zu bringen als die Unzahl an Bands, die nach ein paar Shows wieder das Zeitliche segnen. Unserer früherer Bassist Simon und ich waren mit unserer alten Band Mine schon recht erfolgreich und mussten leider kurz vor einem geilen Indie-Deal aufgeben, weil unser damaliger Sänger den Bettel hinschmiss. Von dem her war es für uns klar, dass wir mindestens soweit kommen wollten wie mit Mine; sprich europaweit Konzerte, ein Album veröffentlichen und das möglichst auf ’nem coolen Label. Unser erster Erfolg mit CATARACT war es wohl, dass wir unser erstes Album “Golem“ auf dem amerikanischen Ferret Recordings rausgebracht haben. Das war damals (und ist es auch heute auch noch) eher unüblich. Für uns war das ein Riesenschritt vorwärts. Danach kam die Trennung von unserem alten Sänger (heute Dark Day Dungeon) und Fedi’s Einstieg. Das erlaubte uns häufigere und regelmäßigere Proben. Dadurch machten wir große Fortschritte. Dann kam 2004 der Deal mit Metal Blade, “With Triumph Comes Loss“ erschien und die Welt hat sich für uns komplett verändert. Alles lief nun sehr professionell ab, wir konnten uns auf die Musik konzentrieren und uns den Arsch abspielen. Den Moment, als wir den Vertrag unterschieben, behalte ich auf ewig in Erinnerung. Es war fast schon irreal. Wir hatten die ganze Zeit auf so etwas hingearbeitet, aber nicht davon zu träumen gewagt. Und dann war es plötzlich Fakt! Ende 2006 dann der Split mit Simon und Toms Einstieg. Unseren größten Erfolg sehe ich darin, dass wir uns trotz der Querelen im letzten Jahr nicht unterkriegen ließen und beständig unseren Weg gegangen sind. Und was mir kürzlich enorm eingefahren ist, war die Show am Greenfield Open Air in Interlaken/Schweiz. Wir waren neben Slayer die mit Abstand härteste Band, aber wir hatten ein mit 5000 Leuten vollgepacktes Zelt und die Leute haben uns abgefeiert, als würde das Festival nach uns abgebrochen. Ich war das ganze Set damit beschäftigt, die Moshpits zu zählen.“

Ein klares Statement

Die Arbeit an ihrem fünften und selbstbetitelten Album haben CATARACT mit einem neuen Gitarristen und ohne festen Bassisten in Angriff genommen. So kann Ricky „lediglich“ den neuen Klampfer im Line-Up vorstellen: „Tom ist kein unbeschriebenes Blatt. Er ist seit sicher zwanzig Jahren in unserer Szene aktiv und hat in diversen Schweizer Bands gespielt (Sickening Gore, Bonedust und zuletzt Disparaged), wovon zumindest zwei auch außerhalb der Schweiz von sich Reden machten. Als wir hörten, dass er sich tatsächlich für die offene Gitarristenposition interessierte, konnten wir es nicht richtig glauben – Disparaged spielen sehr frickeligen Tech-Death Metal – und wollten uns erst sicher sein, dass er der Richtige ist. Wir trafen uns also mit ihm und besprachen die ganze Chose; was wir von ihm erwarten und auch erhoffen, und wollten dasselbe von ihm hören. Er zeigte sich als ein bescheidener, umgänglicher und begeisterungsfähiger Typ, und nach diesem Gespräch war uns eigentlich klar, dass er der Mann für uns ist. Wir haben die Entscheidung nicht eine Sekunde bereut, im Gegenteil. Ich denke, sein Einstieg war etwas vom Besten, dass uns in den zehn Jahren passiert ist. Tom ist 34 Jahre alt, hat als Einziger bereits Ehefrau und Familie (zwei künftige Metaller), hat die Fähigkeit, drei Tage am Stück hinterm Steuer zu sitzen, kennt wohl jeden Film, in dem gemordet wird, und ist nebenbei ein begnadeter Gitarrist! Was der im Studio an Solis aus dem Ärmel schüttelt, hat uns mehr als einmal die Sprache verschlagen.“

Mit “CATARACT“ ist eine logische Fortführung der beiden Vorgänger “Kingdom“ (2006) und “With Triumph Comes Loss“ (2004) entstanden. Im gewohnten Stop’n’Mosh-Stil arbeiten sich die Schweizer durch zehn Tracks, die in ihrer Anlage vielleicht einen Tick breiter aufgestellt sind. Die grundlegende Dualität thrashiger Tempo-Parts in bester Slayer-Tradition und Hatebreed-artiker Breakdowns und Mosh-Passagen ist geblieben: „Wir haben dieses Album in relativ kurzer Zeit geschrieben. Es waren grade mal drei Monate, wenn ich mich nicht irre. Es war länger beschlossene Sache, dass wir absolut unbefangen an die neue Scheibe gehen, jedem Riff Gehör geben und keine Idee vorschnell abtun würden. Wir wollten jeden Song sich selbst sein lassen, auch wenn er nicht unseren Trademarks entsprach. Im Gegenteil, es sollten auf jeden Fall Songs dabei sein, die absolut Neues enthalten. Es war klar, dass wir nach “Triumph…“ und “Kingdom“ nicht noch einmal ein Album


machen wollten, in dem fast alles aus ähnlichen Zutaten besteht. Wir wollten zeigen, dass sich einiges geändert hat und dass wir uns nicht verstecken brauchen. Wir wollten ein klares Statement setzen. Allein schon deshalb die Selbstbetitelung.“

Zurück auf los

Vielleicht ist die Jubiläumsscheibe eine Spur eingängiger ausgefallen und mit etwas mehr Melodien bestückt, doch die direkte und brutale Thrash-MetalCore-Kombination steht nach wie vor im Mittelpunkt des Geschehens. Eben so kennt und liebt man CATARACT ja. Die Musiker profitieren dabei von ihrer „Routine“, die sich bei dem Quintett allein positiv auswirkt: „2008 ist unser zehntes Jahr und wir haben uns schon recht früh an Metal Blade gewandt und gecheckt, wie’s mit Studio etc. aussieht, wenn das Album im Frühjahr veröffentlicht werden soll. Das war unsere Absicht, denn wir wollen durch den Sommer wieder ’ne Hucke voll Festivals spielen und dann im Herbst/Winter eine Tour anhängen. Die Antwort war klar: Wir mussten im Spätherbst 2007 ins Studio. Es war uns bewusst, dass dies Stress bedeutet, aber wir sahen das ziemlich relaxt. Die besten Songs entstehen bei uns immer in letzter Minute. Dazu kam, dass Tom gerade eingestiegen war und wir richtig scharf drauf waren, zusammen neue Songs zu schreiben. Wir haben drei Mal die Woche geprobt, oftmals auch an den Wochenenden, und haben unser soziales Leben komplett vernachlässigt. Aber wir hinterfragten unsere Absicht nie, sondern arbeiteten konsequent auf das Ziel hin. Mit jedem Song, den wir fertig hatten, haben wir uns selbst bestätigt. Die erwähnten „Personalprobleme“ waren die beste Motivation und Inspiration für uns.“

Es zahlt sich aus, dass CATARACT die Veränderungen als Chance begreifen und an ihrem Weg festhalten: „Für mich selbst ist die Eigenbetitelung ein Statement, die Re-Definition von uns als Band.“, so Ricky. „Wie schon zum Zeitpunkt, als wir die erste Scheibe auf Metal Blade veröffentlichten, haben wir die Möglichkeit erhalten, noch einmal neu zu starten. Damals hatten wir ja schon diverse Releases auf dem Markt, aber für viele war “Triumph…“ das erste Album von uns. Sie haben uns erst ab diesem Zeitpunkt wahrgenommen. So wird es sich natürlich nicht nochmals ereignen, denn diesmal ist es vor allem für uns selbst ein Neubeginn. “CATARACT“ hat uns als Team extrem weiter gebracht, und wir sind in diesem einen Jahr enorm gewachsen; als Personen und als Band. Ich bin sehr gespannt auf das, was wir in Zukunft noch machen werden.“

Blumenpflücken mit Vorschlaghammer

Im Unterschied zu den früheren Alben der Metal Blade-Kombo fällt auf, dass die einzelnen Songs etwas länger und in ihrer Anlage auch ein Stück weit komplexer geworden sind. Darüber hinaus setzen die Musiker offensichtlichere Kontraste, was den Tracks größere „Eingängigkeit“ beschert. Und doch bleibt man typisch CATARACT: „Ich denke die relativ kurze Entstehungszeit in Kombination mit dem neuen Line-Up hat die Songs sehr spontan werden lassen, hält sie lebendig und gibt ihnen Dynamik.“, erklärt es der Drummer. „Ich finde es interessant, das du die Tracks eingängiger findest, denn die Songs sind wirklich um einiges länger geworden als man es von uns gewohnt ist und auch einiges komplexer. Da hast du Recht. Bei manchen Stücken konnten wir es einfach nicht fassen, wie lang sie geworden sind. Wir mussten es erst mit ’nem Minidisc-Recorder aufnehmen und prüfen. Aber wenn der Song richtig funktioniert, spielt die Zeit keine Rolle mehr. Das Jammen mit Tom hat eine gefährliche Eigendynamik. Der Typ hat so viele Ideen. Wir könnten jeden Song zehn Minuten lang werden lassen, aber das wäre dann wohl wieder übers Ziel geschossen haha!“

Für die Zukunft verspricht das interessante und fesselnde Tracks, da “CATARACT“ zunächst noch als Annäherungsprozess zwischen neuem Gitarristen und alter Bandachse verstanden werden muss. Die Unterschiede zu den früheren Alben dürften demnach deutlicher werden: „Ich muss zu meiner eigenen Überraschung sagen, dass es uns nicht schwer fällt, hin und wieder Tempo heraus zu nehmen. Wir hatten natürlich die Diskussion, ob die Songs dadurch zu „soft“ werden, kamen aber zur Erkenntnis, dass das Gegenteil der Fall ist. Gerade wenn es ab und zu ruhiger wird, wirken die harten, fiesen Riffs viel mächtiger und brutaler. Wenn du in einem Mosh-Pit einen Tritt and die Fresse kriegst, fängst du dich schnell wieder. Wenn du allerdings Blumen pflückst und ’nen Vorschlaghammer aufs Dach kriegst, wird dich das ziemlich sicher verstören. So verhält es sich auch in der Musik. In unserem Fall achten wir natürlich darauf, dass nicht falsch zu interpretieren und plötzlich mit irgendwelchen Clean-Gesängen oder Keyboardgedudel anzufangen. Da ist bei uns nach wie vor Schluss.“ Die Fans dürfte das freuen!

 
 Links:
  myspace.com/cataract
 
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