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Misery Speaks

Storie von: arne, am 25.01.2008 ]

Mit ihrem Drakkar-Einstand “Catalogue Of Carnage“ liefern MISERY SPEAKS eines der (!) deutschen Metal-Alben des noch jungen Jahres ab. War man auf dem selbstbetitelten Debüt noch allein auf ein Maximum an Tempo und Brutalität fixiert, zeigen sich die Münsteraner auf ihrem Zweitwerk weitaus differenzierter und ideenreicher. Die Basis melodischen Death Metals ist geblieben, doch der Weg durch die insgesamt zehn Stücke des Albums gestaltet sich deutlich abwechslungsreicher.

 
Das ist bemerkenswert, da das Quintett seine Härte nur selten relativiert. Es dürfte den Musikern einiges an Zurückhaltung abverlangt haben, auch mal einen Gang zurück zu schalten, um hier stampfig zu grooven und dort einen melodischen Zwischenpart zu setzen. Den Zuspruch, den MISERY SPEAKS erfahren, verstehen die Musiker als Privileg:

„Wir sind uns im Klaren darüber, dass wir so eine Chance wohl nie wieder kriegen werden.“, bestätigt Gitarrist Florian. „Wir werden vermutlich nie wieder die Gelegenheit haben, in einer relativ bekannten Band zu spielen, zu touren, Festivals zu spielen und Alben zu veröffentlichen. Deshalb ist uns das Ganze sehr viel wert und wir nutzen jede Chance, mit der Band vorwärts zu kommen. Leider verdienen wir mit der Musik nicht wirklich Geld, so dass wir unseren Lebensunterhalt auf andere Art und Weise finanzieren müssen. Unser Sänger Claus arbeitet als Sozialarbeiter, Janosch (Drums) jobbt, Martin (Bass) ist unter anderem als freiberuflicher Designer tätig und Stephan und ich (die beiden Gitarristen) studieren.“ Motivationsprobleme sind den Münsteranern dennoch unbekannt, die jedem neuen Auftritt und jeder Tour entgegen fiebern: „Die Band ist das Beste, was uns allen bisher passiert ist. Es gibt nichts Geileres, als Shows zu spielen und zu touren. Und natürlich die Herausforderung, neue Songs zu schreiben, sich zu steigern und zu versuchen, noch mehr aus sich herauszuholen. Wie gesagt, diese Chance kriegen wir vermutlich nie wieder. Deshalb wollen wir sie nutzen. Es ist ja auch die Erfüllung meiner/unserer Träume, denn welcher Musiker träumt nicht davon, Platten auf einem etablierten Label zu veröffentlichen, diese dann im Laden im Regal stehen zu sehen und dann in den Live-Support zu gehen?!“

Höhepunkte auf der Bühne

Doch trotz Signing auf Drakkar und Teilnahme an prominenten Touren haben sich MISERY SPEAKS nur so weit professionalisiert, wie es eben sein muss. Ihr spontanes und unberechenbares Wesen hat sich die Band bis heute bewahrt: „Wir sind alle schon ziemlich verpeilt, um es mal so zu sagen. Das kann manchmal zu Verwirrung oder sogar zu Missverständnissen führen. Es kommt durchaus vor, dass wir ziemlichen Stress miteinander haben und uns richtig in die Haare kriegen. Nach ein paar Minuten ist dann aber auch alles gut und wir haben uns wieder lieb. Es ist zwar manchmal anstrengend, wenn fünf Starrköpfe in einem Raum sind, aber ich denke, es ist wichtig, dass man Sachen so lange diskutiert, bis alle in der Band zufrieden sind. Wir machen nichts, womit einer nicht zu Recht kommt. Denn letztendlich geht es ja um den Metal und da sind wir uns alle einig. Wir lassen uns auch schnell dazu hinreißen, albern zu sein. Besonders im Van auf dem Weg zu Konzerten. Wir alle haben kein Problem damit Stunden lang nur absoluten Schwachsinn zu reden. Unser Basser Martin ist da ganz groß drin.“

Angesichts dieser sympathischen Eingeständnisse verwundert es fast, dass sich MISERY SPEAKS in ihren Songs als harte und toughe Metaller zeigen, die schon mit ihrer selbst betitelten Debüt-Scheibe (Alveran) für Aufmerksamkeit sorgen konnten: „Das war schon verrückt. Mir ist besonders hängengeblieben, dass wir fast durch die Bank sehr gute Kritiken für die Platte bekommen haben. Das war wirklich nicht zu erwarten und hat uns sehr motiviert. Auch, dass andere Musikerkollegen das Material sehr gut fanden, hat uns beflügelt. Ein Höhepunkt für uns ist es gewesen, als Leute aus dem Publikum zum ersten Mal unsere Songs mitgesungen haben und sogar ganze Lieder auswendig konnten. Dann macht es gleich noch mehr Spaß.“

Mehr von allem und alles neu

Nach nur einer Platte für das Bochumer Alveran Records führte der Weg von MISERY SPEAKS zum renommierten Metal-Label Drakkar, in dessen Roaster die Münsteraner als zweite junge Metal-Kombo nach den Österreichern The Sorrow aufgenommen wurden: „Diese Kooperation wird uns voran bringen. Musikalisch unterscheiden wir uns von den meisten Bands auf dem Label, so dass nicht die Gefahr besteht, dass wir unter Hundert anderen ähnlichen Bands untergehen. Bei Alveran waren wir neben End Of Days die einzige wirkliche Metal-Band und auch das war nicht unbedingt nachteilig.“ Da Drakkar sein Programm wieder mehr in Richtung Metal drehen will, kommt der Hassbatzen “Catalogue Of Carnage“ gerade recht. Nach den positiven Reaktionen auf das Debüt haben die Münsteraner kräftig nachgelegt und bescheren dem Label ein qualitativ hochwertiges und international konkurrenzfähiges Death-Brett:

„Wir wollten bessere Songs schreiben und uns musikalisch weiterentwickeln. Uns war dabei von Anfang an klar, dass


die neuen Songs anders klingen würden als die des Debüts. Wir wollten mehr Metal einbauen und haben uns nicht daran orientiert, ob man etwas so machen sollte oder nicht. Wir haben darauf geachtet, dass die Songs stärker knallen, eingängiger sind und in sich stimmiger wirken. Die Platte klingt wie aus einem Guss, was nicht zuletzt daran liegt, dass wir das Album in einem relativ kurzen Zeitraum geschrieben haben. Beim Debüt hatte sich alles über einen viel längeren Zeitraum erstreckt. Fünf Songs hatten wir zunächst als Demo aufgenommen und erst nachdem wir ein Label hatten, ist dann den Rest entstanden. Dieser Bruch war zu hören. Die neue Platte klingt sowohl geradliniger als auch abwechslungsreicher. Das verdanken wir unserem Basser Martin, der dieses Mal viel stärker ins Songwriting integriert gewesen ist. Er hat einen völlig anderen Stil, Riffs zu schreiben. Da er eigentlich Gitarrist ist, konnte er sich sehr gut einbringen und hat uns neue Wege gezeigt.“

Diese neue Arbeitsweise hat sich für MISERY SPEAKS ausgezahlt, wie Top Ten-Soundcheck-Platzierungen in Legacy, Rock Hard und Hammer beweisen. Florian zeigt sich zufrieden: „Na klar!!!! Das ist genau das, was wir uns erhofft hatten. Natürlich wäre Platz 1 in einem der Soundchecks der absolute Killer, aber uns war schon klar, dass das ein Wunschtraum bleiben würde. Ich denke, wir können uns nicht beschweren, da jeden Monat so viele Platten erscheinen. Wichtig ist, dass “Catalogue Of Carnage“ insgesamt viel besser als unser Debüt abgeschnitten hat.“

Dumpf ist nicht immer Trumpf

Die kurze Spanne zwischen den beiden Longplayern des Fünfers ist einerseits auf die lange Vorlaufzeit der Einstandsscheibe und andererseits durch „taktisches Kalkül“ zu erklären. So verpeilt, wie es Flo Glauben machen will, sind MISERY SPEAKS gar nicht: „Da es so viele gute Bands gibt, muss man sich schon anstrengen, um nicht in der Veröffentlichungsflut unterzugehen oder in Vergessenheit zu geraten. Wir sind ja eine kleine Band und müssen uns unsere Fanbase erst noch erarbeiten. Deshalb wollten wir die nächste Platte so schnell wie möglich raus hauen. Außerdem können wir unter Druck sehr gut arbeiten. Wir haben das Studio gebucht, als wir grade mal drei Songs fertig hatten. Man kann es sich als Band, die nicht Millionen von Platten verkauft hat, einfach nicht erlauben, auf der faulen Haut zu liegen und wie zum Beispiel Tool alle fünf Jahre eine Platte zu machen. Wir sind einfach hoch motiviert und ich denke, der Zeitraum bis zur nächsten Scheibe wir ähnlich kurz ausfallen. Wir sind schon fleißig dabei, neues Material zu schreiben.“

Darüber hinaus müssen MISERY SPEAKS weiterhin an ihrem eigenen Sound arbeiten und sich wieder erkennbare Trademarks aneignen, was leichter gesagt als getan ist: „Alle in der Band haben einen sehr breit gefächerten Musikgeschmack. Das geht von Grindcore über Thrash-Metal bis hin zu Singer-/Songwriter-Kram oder elektronischen Sounds. Vielleicht waren wir auf “Catalogue Of Carnage“ einfach mutiger, auch mal ein paar andere Beats und Geschwindigkeiten einzubauen, anstatt die ganze Zeit nur zu ballern. Auf dem Debüt waren alle Songs mit Ausnahme von ’All Bones Broken’ sehr ähnlich. Auf dem neuen Album haben wir an größerer Breite gearbeitet und neben dem bereits bekannten Death-Metal auch Elemente aus dem Thrash mit eingebaut. Das wird sich fortsetzen, denn es ist eine rein natürliche Entwicklung. Die ruhigen Passagen des Albums resultieren beispielsweise daraus, dass wir einfach angefangen haben, zu jammen oder Riffs auszuprobieren. Die Songs haben wir dann darum herum gebastelt. Im Vorhinein gab es keine genauen Richtlinien, also hatten wir alle Freiheiten. Klar war nur, dass wir die Moshparts reduzieren und stattdessen Grooveparts einbauen wollten. Die ruhigen Passagen kamen zu Stande, weil wir gemerkt haben, dass wir sonst zu dumpf klingen würden.“ Hierbei helfen auch die Erfahrungen aus dem Nebenprojekt, an dem einige der MISERY SPEAKS-Mitglieder beteiligt sind:

„Ich denke schon, dass Long Distance Calling unbewusst beim Songwriting mitschwingen. Wirklich schwer fällt es uns nicht, uns zurück zu nehmen. Ich habe auch viel mehr Spaß daran, Songs zu spielen, wo man mal etwas entspannen kann. Immer nur schneller, höher, weiter funktioniert auf Dauer nicht. Das soll aber nicht heißen, dass es nicht geil ist, zu ballern. Wir hatten früher einfach nicht das Bedürfnis, auch ruhigere Parts einzubauen oder sie haben einfach nicht zu dem jeweiligen Song gepasst.“ Heute ist das anders und nicht zuletzt deshalb ist “Catalogue Of Carnage“ eine weitaus substanzhaltigere Scheibe geworden.

 
 Links:
  miseryspeaks.com
 
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