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Out For The Count

Storie von: Daniel, am 04.01.2008 ]

Welche Wege kann es für die Hardcore-Szene geben, heraus aus der Sackgasse der selbstgewählten Limitierung durch Klischees und der Überbetonung von Attitüden? OUT FOR THE COUNT aus Frankreich zeigen eine Lösung auf. Mit "Between Light And Shade" ist ein Album gelungen, das offenbart welche Möglichkeiten einer Band offen stehen, die ihre Einflüsse aus verschiedensten Richtungen bezieht.

 
Hart, mitunter brutal, groovend und doch vielschichtig und keineswegs stumpf. Bewußt stellen sich Sänger Ken und Drummer Aurel gegen den vielfach herrschenden Szenedünkel, denn "wir möchten nicht in einem Klischee gefangen sein, wie momentan etwa 98% der Hardcore-Szene". Das, was vor zig Jahren in der sogenannten Crossover-Welle mit Bands wie Dog Eat Dog und anderen kulminierte und im Metal mit dem "Judgement-Night"-Sampler gipfelte, bei OUT FOR THE COUNT wird es Programm. Damals erschöpfte sich die Faszination noch in der Exotik der Zusammenführung von Metal und HipHop, doch dieses Sextett aus Paris vermag es diese beiden Extreme organisch zusammen zu führen.

Ken sieht trotz augenscheinlicher Unterschiede doch einige Parallelen, so "ist die erste Verbindung, die ich ziehen kann, daß beide Stile immer noch dem Untergrund zugehörig sind. Zumindest gilt das für einen Großteil der Acts und Band. Doch auch, wenn manche Menschen diese beiden Richtungen immer noch getrennt voneinander betrachten, sehe ich mehr und mehr Annäherungen, Fans die Metal und HipHop gleichermaßen lieben".

Eine unbequeme Wahrheit, der manch engstirniger Metaller oder HipHopper nicht gerne ins Auge schaut, sind die direkt auszumachenden Gemeinsamkeiten, musikalisch wie textlich. Gerade oben erwähnter Sampler ("wenn ich an Crossover zwischen HipHop und Metal denke, dann ist "Judgement Night" das erste, woran ich denke...") hat viele Mauern eingerissen und erstmals wurde offenbar, wie gern sich harte Gitarrenmusik beim HipHop bedient. "Du kannst das sehr leicht an Aurels Beats nachvollziehen, oder in unserem Textfluss, sie machen unsere Musik schwerer und kräftiger", wie Ken betont. Betrachtet man die


Beats bei Grindcore-Bands beispielsweise, so kann man obige Wahrheit nur unterschreiben.

Auch textlich nähern sich die beiden Szene durchaus und immer mehr an, denn HipHop erschöpft sich gottlob nicht mehr (und tat dies auch in der Vergangenheit nicht) im Besingen sexistischen Verhaltens, männlicher Potenzhymnen und dem verbalen Niederringen vermeintlicher Gegner. Acts wie Public Enemy waren immer schon anders und nimmt man ganz aktuell den Rapper Necro, dann ist das durchaus als Rap-Death Metal zu bezeichnen. Auch OUT FOR THE COUNT reflektieren sich und ihre Umwelt. "Ich schreibe über die Dinge, die ich fühle, über die grauen Zeiten, durch die wir alle mal gehen müssen. Daher stammt auch der Titel "Between Light And Shade". Es ist alles sehr persönlich. Allerdings gibt es auch keine bestimmte Message, die hinter OFTC steckt, denn wir tun nicht so, als könnten wie die Welt ändern", wie Ken offen zu Protokoll gibt.

Über die französische Szene, in der in letzter Zeit an allen musikalischen Fronten Bewegung gekommen zu sein scheint, haben beide wenig Gutes zu berichten. "Ich denke, Hardcore ist tot. Die meisten spielen nur noch in Bands um "cool" oder "tough" auszusehen. Allerdings ist das wohl kein rein französisches, sondern ein internationales Problem", stellt Aurel fest. Womit sich der Kreis wieder schließt, denn OUT FOR THE COUNT stellen sich genau dieser Haltung in den Weg. Mehr noch, mit Kraft, unbändiger Spielfreude und stilistischer Offenheit sprengt "Between Life And Shade" die teils selbstauferlegten Fesseln. Hier fühlt sich der Mix aus harten Beats und Klartext organisch an, nicht etwa wie bemüht zusammengeführt. OFTC reißen die Grenzen ein – jetzt!

 
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