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P.o.box

Storie von: Daniel, am 09.12.2007 ]

Beim französischen Kollektiv – von einer Band kann man angesichts von zehn Mitgliedern nicht sprechen – P.O. BOX handelt es sich um eine Punk-Ska-Band, mit der eindeutigen Betonung auf Punk. Wie das im Ernstfall und auf Tonträger klingt, kann man auf "And The Lipstick Traces" hören und hier wird auch deutlich, wie sehr sich nicht nur die Punk-Attitüde durch die Texte, sondern auch und gerade durch die Musik zieht.

 
Der schwache Widerspruch zwischen den Polen Punk und Ska ist auch der Band bewußt, trotzdem man sich glücklich schätzt, daß die Musik trotzdem ein breites Publikum anspricht, denn "Wir spielen gerne mit verschiedenen Einflüssen und in der Regel geben wir unsere Musik als Punk-Ska aus (ich meine mehr Punk als Ska). Wir haben eine Bläsersektion und ich muß zugeben, viele Menschen, die Ska nicht mögen, mögen uns". Mehr noch, denn Trompeter Yul sieht eine direkte Verbindung zwischen Punk und Ska, sofern letzterer nicht allzu seicht daherkommt, denn auch eine Band wie The Clash haben diesen Spagat gewagt und beide Stile gekonnt vermischt.

Ungewöhnlich lange, nämlich sechs Jahre seit Bestehen der Band, hat es gedauert bis das Debüt in den Läden steht. Ein Umstand, nicht etwa der Tatsache geschuldet, daß das Kollektiv Schwierigkeiten bei der Koordination der einzelnen Mitglieder hätte. Im Gegenteil: "Wir alle sind einer Meinung. Wenn wir etwas zu entscheiden haben, dann folgen wir immer der Meinung der Mehrheit. Seb, Jay und ich schreiben die Texte, aber alle anderen bringen ebenso ihre Ideen ein". Zudem wollten sich P.O. BOX einfach Zeit lassen, vor allem viel live spielen, ein nicht unwichtiger Bestandteil der Punk-Idee. "Wir sind keine Studio-Band, wir spielen lieber live. Wir reisen


gerne, entdecken andere Kulturen und Menschen und lernen dadurch."

Gerade die französische Herkunft mag die Band zumindest in der jüngsten Vergangenheit (erinnert sei an die Aufstände in den Banlieues) dazu inspiriert haben , einen starken politischen Weg eingeschlagen zu haben, wie es natürlich auch im Punk an sich angelegt ist. Trotzdem sieht man Punk nicht als auschließlich musikalischen Ausdruck und nicht als Protest um des Protestes Willen, sondern umfassender als alternativen Lebensentwurf. "Nun, wir glauben keine politische Band, sondern eine sozial engagierte Band zu sein. Wir gehören keiner Partei an, sind aber sehr medienkritisch."

Gerade die Riots in den Pariser Vororten scheinen von den ausländischen, wie auch den französischen Medien stark aufgebauscht worden zu sein, inszeniert als eine Art Bürgerkrieg. So sehen es auch P.O.Box: "Die Medien wollen Gewalt zeigen, denn dies erzeugt Angst und unsere politischen Führer wissen: Kontrolliere die Angst und du kontrollierst das Volk." Wessen Interesse nach diesen Worten geweckt sein sollte, wer mit Ska nicht nur Tanzmusik verbindet, wer ein wenig Punk im Herzen trägt, dem sei "...And The Lipstick Traces" empfohlen, denn hier ist die Fusion von sozialem Engagement und Musik wirklich unverkrampft und gelungen.

 
 Links:
  pobox-band.com
 
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