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The Black Dahlia Murder

Storie von: arne, am 14.10.2007 ]

Die „Altmeister“ rigoroser Weirdo-Attacken – THE BLACK DAHLIA MURDER – haben für ihr Drittwerk nochmals gehörig nachgelegt. Auf “Nocturnal“ verbinden die Detroiter das unerwartete Moment von “Unhallowed“ mit der strukturierteren Anlage und dem Coolness-Faktor von “Miasma“.

 
Intensiver und direkter lässt sich moderner Death’n’Thrash’n’Grind-Crossover nicht inszenieren, und ganz nebenbei lässt das Quintett die eigenen Favs Carcass und At The Gates endgültig hinter sich. Live-Support für “Nocturnal“ gab es bereits auf ausgewählten Sommer-Festivals, auf denen die Metal Blade-Kombo immer wieder mit Problemen kämpfen musste. Nach ihrem Auftritt beim Summer Breeeze in Dinkelsbühl stand Shouter Trevor dennoch sichtlich gut gelaunt Rede und Antwort: „Es hat gewissermaßen Tradition. Immer, wenn wir in Europa sind, folgt uns eine dunkle Wolke, die Unglück bringt. Wenn wir draußen spielen, regnet es und spätestens nach zwei Songs geht irgendetwas kaputt. Das war schon beim Wacken so und hat sich auch heute hier fortgesetzt. Aber das gehört dazu, wenn man in THE BLACK DAHLIA MURDER ist. Unsere Band ist der Mittelpunkt des Unglücks.“

Abgesehen von gewohnheitsmäßig wiederkehrenden Problemen sind die Jungs gerne fern der Heimat auf Tour: „Ja, wir lieben es, in Europa unterwegs zu sein. Metal ist hier so verdammt groß und die Leute nehmen die Bands ernst, selbst die krassen Death und Black Metal-Gruppen. In den Staaten sieht man nur den kommerziellen Scheiß im TV und hört ihn im Radio. Es geht nur um die Verkäufe. Selbst bei den Ozzfests ist das so. Dieses Jahr war es zum ersten Mal anders, weil Behemoth und Nile mit dabei waren. Ansonsten liegt der Fokus ganz klar auf NuMetal-Acts, die sich verkaufen und die angesagt sind. Als relativ unbekannte Band hat man kaum eine Chance. Und dann die Eintrittspreise: Sie verlangen von den Kids um 100 Dollar, was in meinen Augen viel zu viel ist. Auch wenn es letztlich Spaß macht, Teil der Tour zu sein, fühlt man sich schuldig, und hat das Gefühl, die Kids mit abzuziehen. Immerhin war in diesem Jahr der Eintritt frei.“

Überwiegend negativ fällt das Resümee der Ozzfests für THE BLACK DAHLIA MURDER nicht aus, denn die Benefits sind unübersehbar: „Vor allem hinsichtlich der Berichterstattung seitens der Presse haben uns die Ozzfests definitiv geholfen. Das möchte ich auch gar nicht bestreiten. Obschon wir weitaus extremer als die übrigen NuMetal- oder MetalCore-Bands sind, die dort auftreten, waren auch wir mit in den Heften und es wurde über uns geschrieben. Erst das hat uns unsere erste Headliner-Tour ermöglicht, die wir mit Between The Buried And Me und Cephalic Carnage gespielt haben. Zu diesen Shows kamen dann auch Kids, die uns von den Ozzfests her kannten.“ Von Popularität möchte Trevor in Bezug auf die eigene Band aber noch nicht sprechen, jedenfalls nicht in den Staaten. Dass es sich in Europa teilweise anders verhält und die Detroiter in relevanten Hörerkreisen einen Ausnahmestatus besitzen, überrascht den sympathischen Shouter:

„Das hätte ich nicht erwartet, und es freut mich natürlich, das zu hören. Wir fühlen uns hier sehr gut aufgenommen, aber noch immer gibt es viele Leute, die uns nicht kennen. Hoffentlich hilft auch der Auftritt hier auf dem Summer Breeze, uns weiter bekannt zu machen. Wenn man sich vor Augen hält, dass vor allem Folk- und Gothic-Metal-Gruppen auftreten und wir am helllichten Tag zur Mittagszeit aufgetreten sind, ist unser technischer Death Metal doch richtig gut angekommen. Wir sind jedenfalls zufrieden, denn wann immer wir die Haare fliegen sehen, haben wir unseren Job gut gemacht. Vorhin hat das geklappt.“

In Support von “Nocturnal“ werden THE BLACK DAHLIA MURDER in diesem Winter oder spätestens im Frühjahr 2008 zurück nach Europa kommen, um auch die deutschen Club-Bühnen zu rocken. Das Material des dritten Albums der Band spricht für sich, denn längst ist die Gruppe eine Klasse für sich, die im Genre Standards definiert: „Es ist unsere bislang extremste Platte, auf der wir uns selbst nicht zurück genommen haben.“, so Trevor: „Anders als auf den ersten beiden Scheiben haben wir dieses Mal alles laufen lassen. “Nocturnal“ ist sowohl technischer als auch aggressiver und schneller als seine Vorgänger. Es ist mehr von allem und so viel THE BLACK DAHLIA MURDER, wie eben geht. Wir spielen schon eine ganze Zeit zusammen und sind dabei immer besser und sicherer geworden. Unser Ziel für die Platte ist es gewesen, sowohl brutaler als auch eingängiger zu klingen. Es sollte ein richtiges Statement werden, und das ist uns geglückt, denke ich. Was die Art und Weise angeht, wie sie rigoros und direkt nach vorne gehen, haben wir uns an polnischen Acts wie Vader oder Decapitated orientiert. Das ist genau die Richtung, in die wir mit der Platte wollten. Dabei profitieren wir enorm von unserem neuen Drummer, der wie keiner seiner Vorgänger verstanden hat, was wir anderen wollen. Von Beginn


an haben wir uns blind verstanden und insbesondere sein starker Groove ist für unseren Sound eine unglaubliche Bereicherung.“

Apropos Groove, das Detroiter Quintett überrascht auf “Nocturnal“ mit einer durchgängig hörbaren und nachvollziehbaren Anlage: „Der Groove ist die zweite Seite unseres Sounds. Man kann nicht immer extremer werden, ohne darauf zu achten, dass man auch hörbar bleibt. Die Leute sollen ja auch Spaß haben.“, so der Shouter: „Wenn man zu krass wird und allein die Technik heraus stellt, finden die Leute keinen Zugang und es bleibt auch nichts hängen. Da draußen gibt es schon genug gesichtlose Death Metal-Acts, die sich verlieren. In früheren Tagen haben sich die großen Death Metal-Acts zunächst mit dem Songwriting und erst in einem weiteren Schritt mit der extremen Komponente auseinander gesetzt. Eben das ist der richtige Weg, den auch wir gehen. Und gerade hier spielt das Cover von “Nocturnal“ herein. Mit seiner Old School-Gestaltung wollten wir repräsentieren, was für unsere Band wichtig ist und welchen Weg wir gehen. Man sollte erkennen, in welcher Tradition wir stehen.“

Die für “Unhallowed“ und “Miasma“ noch überdeutlichen Referenz-Größen sind auf der neuen Platte dennoch in die zweite Reihe zurückgetreten. THE BLACK DAHLIA MURDER haben ihre ganz eigene Liga eröffnet: „Das kannst du laut sagen und ich sehe es ebenso. Ich wusste, dass Brian (Gitarrist) gute Songs geschrieben hat, doch das, was ich hörte, hat mich regelrecht umgehauen. “Nocturnal“ hat einfach so viel Stil und das sind unverkennbar wir. Endlich ist es uns gelungen, unsere Vorbilder At The Gates und Carcass hinter uns zu lassen. Sie sind nicht länger die offensichtlichen Einflüsse unserer Songs, denn wir haben unseren eigenen Stil gefunden.“ Das Quintett agiert weitaus abwechslungsreicher und unterhaltsamer als in früheren Tagen: „Es freut mich, dass du es so empfindest, denn genau das wollten wir erreichen. Wir haben es ähnlich gesehen und im Songwriting ganz bewusst auf größere Variabilität gesetzt. Das ist aber leichter gesagt als getan. Denn die meiste Zeit über spielen wir schnell, hart und technisch. Man muss sich erst einmal locker machen, um unerwartete Wendungen und andere Stilelemente einzubauen. Das Tolle an “Nocturnal“ ist, dass wir immer noch vollends nach THE BLACK DAHLIA MURDER klingen und gleichfalls das Potenzial besitzen, die Leute zu überraschen.“

Dieses Statement gilt sowohl für die bloße Musik als auch für Trevors Shouting, denn beide Komponenten zeigen sich stark verbessert: „Ich habe keine klassische Ausbildung genossen, sondern mir alles selbst beigebacht. Ich habe immer weiter an mir gearbeitet und mir immer größere Ziele gesetzt. Bis zum jetzigen Zeitpunkt konnte ich sie glücklicherweise auch alle umsetzen. Auf der neuen Platte wollte ich beispielsweise auch klare Vocals haben, damit die Leute sie verstehen können. Denn auch das stärkt die Eingängigkeit der Songs. Wir alle haben uns so intensiv wie nie auf die Aufnahmen vorbereitet. Wir sind schließlich keine Kids mehr, die ihre erste Scheibe aufnehmen. Unser neuer Bassist ist ein Engeneer, von dessen Erfahrungen wir stark profitiert haben. Sowohl was die eigentlichen Aufnahmen als auch was die Soundqualität anbelangt haben wir exakt das bekommen, was wir wollten.“

Und die Musiker haben sehr konkrete Vorstellungen von dem, was sie mit THE BLACK DAHLIA MURDER erreichen wollen und scheuen auch nicht vor unbequemen Entscheidungen zurück: „Brain und ich haben die Band vor sechs-sieben Jahren aus der Taufe gehoben und uns im Vorfeld der Arbeit an “Nocturnal“ zu einer Bestandsaufnahme getroffen. Wir kamen zu dem Ergebnis, dass wir noch besser sein können. Als Schwachstellen identifizierten wir die Drums und den Bass. Wir hatten coole Leute im Line-Up, mit denen wir auch gut auskamen, aber in Bezug auf Proben und Touren waren sie nicht so ernsthaft und intensiv dabei wie wir anderen. Es fiel uns schwer, aber wir haben sie gebeten, die Band zu verlassen und ihren Platz für individuell bessere Musiker zu räumen. Heute haben wir den Sound, den wir wollten und sind toll verstärkt.“ Mit der Stereotypisierung der “Unhallowed“-Zeit kämpft man indes noch immer: „Wir sind eine Death Metal-Band, die von Beginn an mit einem Hardcore-Stempel versehen war. Die Leute haben uns, ohne auch nur einen Track gehört zu haben, abgestempelt und damit unterschätzt. Das wirkt sich heute als Vorteil aus, denn sie sind überrascht, wenn sie uns dann doch einmal hören. Die Leute sollten sich lieber von der Musik und nicht von Klischees und Mutmaßungen leiten lassen. Der extreme Underground hat mehr gemein, als viele denken.“

 
 Links:
  myspace.com/blackdahliamurder
 
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