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Strange Fruit

Interview von: Matthias mit Achim Roschmann, am: 02.08.2002 ]

Eines der interessantesten aufstrebenden deutschen Indie-Labels ist momentan Strange Fruit, die mit Bands wie Morning Before, Sunday Inn, A Modest Proposal, Ariel Kill Him oder Starmarket immer wieder aufs Neue ein stilsicheres Händchen für gute und eigenständige Gitarrenmusik beweisen. Dies war Grund genug, mich einmal mit Achim, einen der beiden Menschen hinter Strange Fruit, etwas näher zu unterhalten.

 

Musicscan: Wer ist Strange Fruit? Welche Menschen stehen dahinter und wie sieht ein Tag im Leben dieser Menschen aus?

Strange Fruit: Strange Fruit ist in erster Linie Tim und ich (Achim). Wir hatten die Idee und haben 1999 mit dem Mailorder/der Plattenkiste angefangen. Dann gibt es noch Tilo, der unsere Homepage macht und einige Freunde und Bekannte, die uns bei vielen Dingen helfen und ohne die Vieles wahrscheinlich gar nicht möglich wäre. Ein Tag im Leben dieser Menschen? Keine Ahnung. Naja, also ich bin Student, und da gerade Semesterferien sind, habe ich ziemlich viel Zeit für das Label. Die meiste Arbeit ist halt E-Mails schreiben, Pakete und Promos verschicken und Shows für Bands suchen. Das sind so die Dinge, die ich regelmäßig mache. Tim ist seit ein paar Monaten mit seinem Studium fertig, arbeitet seither als Sozialpädagoge und schreibt die ganzen Reviews für die Homepage, und macht irgendwelches anderes Zeugs, das gerade ansteht.

Musicscan: Wie seid ihr auf den Namen Strange Fruit gekommen und hat dieser eine tiefere Bedeutung für euch?

Strange Fruit: Als wir damals einen Namen suchten, haben Tim und ich den Film "Still Crazy" gesehen, der von einer 70er Jahre Glamrock Band handelt, die in den 90ern ein Comeback starten. Die Band in dem Film heißt Strange Fruit, und da wir den ganz gut fanden und uns nichts besseres eingefallen ist, haben wir ihn einfach genommen - nur um dann später rauszufinden, dass es mal eine deutsche Hardcore Band mit dem Namen gab, mehrere Ami-Fanzines und ein etwas größeres englisches Label. Da warten wir eigentlich schon die ganze Zeit, bis die sich mal melden. Aber immerhin gibt es auch ein Gedicht von Lewis Allen mit dem Titel "Strange Fruit", das von Billie Holiday vertont wurde, das finde ich eigentlich ziemlich cool. Der Name an sich ist mir jetzt nicht so wichtig, aber er steht halt für das Label und alles was dazugehört, und das bedeutet mir schon ziemlich viel!

Musicscan: Wie kam die Idee ein Label aufzuziehen? Ihr hattet ja vorher schon einen Mailorder am Start. Bot es sich da an, die vorhandene Infrastruktur zu nutzen und ein Label anzuschließen?

Strange Fruit: Die Idee war eigentlich von Anfang an da. Nur kannten wir ja zunächst überhaupt keine Bands oder Labels persönlich, als wir mit Strange Fruit angefangen haben. Das hat sich dann mit der Zeit geändert, vor allem, da wir auch angefangen haben, selber Shows zu machen. Viele Bands, von denen wir was rausgebracht haben, haben bei uns vorher auf Shows gespielt. Bobby Peru zum Beispiel auf unserer ersten Show, die wir gemacht haben (mit With Love und Tidal) und Andy, der ja auch Two Friends Recordings macht, hat uns am Anfang echt ziemlich viel geholfen. Dadurch hat es sich dann auch ergeben, dass wir die Picture Single mit Bobby Peru gemacht haben und so ging es dann immer weiter. Dem Mailorder tat das Label natürlich ziemlich gut, da wir jetzt mit vielen Labels tauschen können, und die Platten oft nicht mehr auf Kommission nehmen müssen. Auch vergrößert sich unser Angebot dadurch immer mehr, da wir einfach bekannter werden, und auch mal andere Labels auf uns zukommen.

Musicscan: Wie ist das Verhältnis zu euren Bands? Kennt ihr alle persönlich?

Strange Fruit: Ja eigentlich schon. Wie gesagt, viele Bands haben wir ja dadurch kennengelernt, dass sie auf Shows von uns gespielt haben. Oder bei A Modest Proposal war es z B. so, dass wir sie vorher live sehen und kennenlernen wollten, bevor wir den Deal mit ihnen klargemacht haben. Also wir versuchen schon, immer in Kontakt mit unseren Bands zu bleiben, was eigentlich auch gut klappt. Das ist mir schon wichtig, da Hardcore einfach auch was mit Freundschaft zu tun haben sollte, finde ich. Ok, bisher gibt es eine Ausnahme: The [Jukebox Scenario] (sind auf SF-002 Neverending/ The [Jukebox Scenario] split 7") haben sich vorher aufgelöst, bevor wir mal zu einer Show gehen konnten und da hatten wir dann immer nur e-mail Kontakt.

Musicscan: Gibt es so was wie eine Labelphilosophie oder Grundeinstellung?

Strange Fruit: Ja, schon. Wie gesagt, uns ist wichtig, wie die Leute drauf sind, von denen wir was rausbringen. Ich könnte mir jetzt zum Beispiel nicht vorstellen, eine Platte einer Band zu machen, von der ich weiß, dass es Arschlöcher sind oder die ich einfach nicht leiden kann. Da kann die Musik dann auch noch so gut sein wie sie will. Ansonsten machen wir halt nur das, wozu wir Lust haben und was wir gut finden. Wir würden sicher nie eine Platte rausbringen, die wir nicht mögen, aber bei der sicher wäre, dass sie sich gut verkauft. Naja, aber das ist ja eher normal, denke ich. Auch noch Strange Fruit typisch ist, dass wir bisher nur was von europäischen Bands gemacht haben. Das war schließlich die ursprüngliche Idee von Strange Fruit, dass wir Platten aus Ländern wie Spanien, Italien, etc. verkaufen, die man hier normalerweise fast nicht bekommt. Das hat sich echt cool weiterentwickelt, da wir ja jetzt was mit Miles Apart gemacht haben und im Herbst zwei Platten mit spanischen Bands. Wobei das jetzt zwar nicht heißen soll, dass wir nie was mit einer Amiband machen werden, aber das muß dann einfach auch passen.

Musicscan: Wie viel Zeit und Energie nimmt das Label in eurem Leben in Anspruch? Gibt es Momente, an denen bestimmte Sachen zur Routine werden?

Strange Fruit: Generell nimmt es schon sehr viel Zeit in Anspruch, vor allem wenn wir neue Platten draußen haben und auch sonst gibt es eigentlich immer irgendwas zu tun. Das einzige was wirklich nervt, ist Promos packen und verschicken, das macht echt keinen Spaß. Aber am liebsten würde ich gar nichts anderes als ein Label machen und ich darf auch gar nicht drüber nachdenken, wieviel Zeit ich in mein Studium stecke und wieviel in Strange Fruit...

Musicscan: Habt ihr ein Faible für weiblichen Gesang, denn mit Morning Before, Sunday Inn und den Gruffalos habt ihr immerhin gleich drei Bands mit "female vocals" am Start?

Strange Fruit: Naja, ein richtiges Faible eigentlich nicht, das hat sich einfach so ergeben. Bei den Gruffalos haben wir noch gar nicht drüber nachgedacht und als uns kurz darauf Morning Before gefragt haben, eigentlich auch nicht. Danach kam dann Sunday Inn, und da haben wir dann schon kurz überlegt, ob wir echt drei Bands mit Frauengesang hintereinander rausbringen wollen. Aber da wir Sunday Inn sehr mögen, war das für uns eigentlich nie wirklich ein Problem. Wie gesagt, wir wollen halt das machen, worauf wir Lust haben, und da war das einfach nur Zufall. Wobei, im Herbst haben wir ja mit Maple schon wieder Frauengesang.

Musicscan: Glaubst du, dass es in der "korrekten" HC- und Indielandschaft immer noch Ressentiments gegen Frauen in Bands gibt? Man hört ja öfters Sachen wie "ist das die Freundin des Gitarristen" oder ähnlichen Müll. Wie siehst du das?

Strange Fruit: Also ich denke schon. So direkt hat mir das zwar noch nie jemand gesagt, aber wenn man in Reviews Sätze liest, wie, "ich mag keinen Frauengesang", dann finde ich das schon krass. Ich habe zumindest noch nie den Satz "ich mag keinen Männergesang" gehört. Auch werden sowohl Morning Before als auch Sunday Inn immer wieder mit den Cranberries verglichen, was totaler Quatsch ist. Bis eben auf die Tatsache, dass eine Frau singt.

Musicscan: Wie sieht die finanzielle Seite aus? Investiert ihr alles wieder in das Label oder zweigt ihr euch manchmal etwas selbst ab, was ja durchaus verständlich wäre?

Strange Fruit: Ne, bisher stecken wir das ganze Geld sofort wieder rein. Wir machen das, um Platten rauszubringen und wir sind lieber in der Lage ein paar Platten mehr im Jahr zu machen, als dass ich etwas mehr Kohle auf meinem Konto habe. Ok, falls es passieren sollte, dass wir irgendwann so viele Platten verkaufen, dass wir wirklich nicht jeden Pfennig sofort wieder in neue Platten reinstecken müssen, dann könnte ich mir schon vorstellen, auch mal etwas Geld mit Strange Fruit zu verdienen, aber das ist jetzt kein Ziel, auf das wir hinarbeiten.

Musicscan: Wie sieht die Zukunft von Strange Fruit aus? Welche Projekte und Releases sind geplant und wann kann man damit rechnen?

Strange Fruit: Also zunächst machen wir die LP der letzen Starmarket Platte "Song of Songs". Die wird zur Tour fertig, die am 14.8. beginnt. Und das ist für uns echt unglaublich und ich kann es eigentlich immer noch nicht richtig glauben. Dann bringen wir Anfang September eine Single von Buck raus, das ist auch eine schwedische Band. Im Herbst machen wir dann zwei Platten von spanischen Bands: Die einen sind The Unfinished Sympathy, da machen wir die LP Version der CD, die auf BCore rauskam, die andere ist Maple (sind auch auf BCore), da machen wir ein Single. Im Moment sind wir auch dabei, für beide Bands eine Tour im November zu buchen. Und Ende des Jahres machen wir dann noch eine full-length von Lights at Amber.

Musicscan: Momentane 3 Lieblingsplatten?

Strange Fruit: -The Miles Apart "Storyboard" -As Friends Rust "A Young Trophy Band..." - Cursive "Burst&Bloom"

Musicscan: 3 Lieblingsbücher?

Strange Fruit: "High Fidelity" - Nick Hornby "Fahrenheit 451" - Ray Bradbury "Slaughterhouse 5" Kurt Vonnegut

Musicscan: Filme?

Strange Fruit: Viel zu viele...Herr der Ringe, High Fidelity, Absolute Giganten

Musicscan: Last Words?

Strange Fruit: Danke für's Interview!

 
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