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Spheric Universe Experience

Interview von: SUE mit Daniel, am: 20.09.2007 ]

Beim Teutates, die spinnen die Gallier! Denn momentan schwappt zumindest aus hiesiger Perspektive eine ganze Welle französischer Bands nach Deutschland, die überrascht. Zwar galten die flügelbehelmten Brüder im Westen schon immer als Vetreter extraordinärer Bands, konnten aber ihren Exotenstatus in der hiesigen Szene nie ganz ablegen. So legten SPHERIC UNIVERSE vor kurzem aber mit "Anima" eine extrem originelle ProgMetal-Scheibe vor, die aufhorchen lässt, steht sie doch in punkto Qualität der internationalen Konkurrenz in nichts nach. Grund genug bei Fred Colombo, seines Zeichens Keyboarder der Franzosen, einmal nachzuhaken.

 

Musicscan: Zunächst einmal muß ich euch natürlich zu eurem Album gratulieren, wirklich eine gelungene Mischung aus progressiven Elementen, Melodien und Aggressivität. So, wie ich das sehe, schöpft ihr aus einer breiten Quelle an Einflüssen. Man möchte an Symphony X denken, gerade was die Progressivität und die Melodien angeht. Was würdet ihr an Einflüssen für "Anima" nennen, musikalisch und auch abseits der Musik?

Spheric Universe Experience: Tatsächlich sind Symphony X einer unserer Haupteinflüsse, Aber da gibt es noch so viel mehr! Mal von zahlreichen anderen Prog-Bands abgesehen, beziehen wir eine Menge Inspiration von fast allen Musikstilen, die wir mögen, angefangen bei Latin, Jazz-Rock, bis hin zu Electronica und Death Metal. Ein weites Feld. Ich würde generell sagen, daß uns das Leben inspiriert, das menschliche Leben abseits der Musik. Es ist sicherlich komplex genug, um uns ein weites Themenfeld zu eröffnen, um uns kreativ ausleben zu können.

Musicscan: Um was geht es beim Titel "Anima", der sicher dem lateinischen Wort für "Geist" entspricht?

Spheric Universe Experience: Es ist tatsächlich das lateinische Wort für "Geist" gemeint. Wir kommen eben aus dem schwer vom Lateinischen geprägten Teil Europas und Latein als historisches Erbe hat hier einen hohen Stellenwert. Das Wort hat allerdings mehrere Bedeutungen, die zwar unterschiedlich zu sein scheinen, jedoch auf das gleiche Konzept verweisen: Leben, Existenz, Atem, Seele, Tier, Sein, lebendes Ding, etc.pp. Es repräsentiert sehr gut die Bedeutung unserer Texte und die Inhalte unserer Kompositionen.

Musicscan: Seid ihr manchmal mit Problemen konfrontiert, so weit es das Ausbalancieren von technischen Aspekten und Emotionen in der Musik betrifft? Was ich meine ist, daß ihr einerseits diesen starken technischen Aspekt in eurer Musik habt, der eher den Intellekt anspricht, während die aggressive und melodiöse Schiene eher eine gefühlsmäßige Angelegenheit ist.

Spheric Universe Experience: Weißt Du, im Prog-Metal geht es doch letztlich genau um das Ausbalancieren dieser beiden Elemente. Also können wir auch nicht behaupten, niemals mit solchen Erfahrungen konfrontiert worden zu sein. Allerdings ist es eine wenig problematische Angelegenheit, eher ein lustiges Spiel. Uns geht es beim Prog-Metal einfach genau um diesen Spaß beim Komponieren. Wir sind dann wie Kinder beim Songwriting, allerdings mit der emotionalen Tiefe von Erwachsenen. Die Taktarten zu wechseln, das Tempo, die Tonart, oder Skalen, das sind alles Bestandteile des ProgMetal-Spiels. Wir wollen reichhaltige Musik erschaffen, die so viele verschiedene Emotionen wie möglich transportiert.

Musicscan: Als ich mir das Cover von "Anima" so anschaute, mußte ich unwillkürlich an 9.11. denken. Was könnt ihr mir darüber sagen und wovon handeln die Texte?

Spheric Universe Experience: Oha, dabei hat es gar nichts mit 9.11. zu tun. Es ist nur so, daß unsere Texte oftmals von harten, psychisch schwierigen Zeiten handeln, von traurigen Gefühlen, Zweifeln. Dennoch herrscht immer auch ein Gefühl von Hoffnung, sowohl in der Musik, wie auch in den Texten. Es gibt viele Dur-Akkord-Themen und diese Oase, die es inmitten des Chaos gibt, ist auch auf dem Cover illustriert, diese unsterblich hellere Seite, die immer nach der Trauer zurückkehrt. Das Cover sollte letztlich nur eine Illustration unserer Gefühle und unserer Musik sein. Was unsere Texte betrifft, so handeln sie allesamt von den Gedanken der Menschheit, ihren Reaktionen und Gefühlen in den verschiedenen Situationen unserer aller Existenz. Das menschliche Bewußtsein ist etwas, das so komplex und reich ist, daß wir glauben es benötigt auch komplexe und reiche Musik. Am Ende des Tages sind die Gefühle die wir ansprechen nicht so abwegig, so daß viele Hörer sich selbst in ihnen wiedererkennen können. Sie werden sagen: "Oh, ich kenne das. Ich habe so etwas auch erlebt. Es erinnert mich an diese oder jene Episode in meinem Leben".

Musicscan: Ich kann auch falsch liegen, aber da ich in letzter Zeit vermehrt interessante und mitunter sehr coole Scheiben französischer Bands auf den Schreibtisch bekommen habe, kann ich mich nicht des Eindrucks erwehren, es würde momentan ordentlich Bewegung in die dortige Szene kommen.

Spheric Universe Experience: Tatsächlich befindet sich die französische Szene im stetigen Wachstum. Auch wenn die Bands und ihre Fans rein von der Anzahl her nicht mit den USA oder beispielsweise Skandinavien konkurrieren können, vermehren sich die Aktivitäten langsam, Jahr für Jahr und zumindest wir sind sehr sicher, daß die hiesige Szene in spätestens zehn Jahren richtig groß ist. Die Bands und Label arbeiten hart. Es gibt großes Potential. In Frankreich gibt es hunderte talentierte Metal-Bands, aber die Strukturen (wie Proberäume, Veranstaltungsorte, Tonstudios) sind eher lückenhaft. Die französischen Medien unterstützen die einheimischen Bands nicht und die Promoter buchen lieber ausländische Headliner, sogar ausländische Opener als eine französische Metalband. Aber wir sehen, daß manche Band hart arbeitet und langsam andere Regionen erobert. Bands wie Gojira, Fairyland, Heavenly, Kragens etc., die häufig aus unserer südöstlichen Region stammen. Wir glauben, daß sich diese harte Arbeit irgendwann auszahlt und die französische Metalszene sich endlich öffnen wird, in spätestens ein paar Jahren.

Musicscan: Habt ihr Unterricht bekommen und falls ja, wie hat es eure Perspektive auf die Musik verändert und wie die Herangehensweise an das Songwriting?

Spheric Universe Experience: Ja, wir haben alle eine musiktheoretische und praktsiche Ausbildung genossen. Fraglich, ob das einen Einfluss auf unser Songwriting hat, aber es ermöglicht uns, Musik in einem akkuraten und vertrauten Zusammenhang zu sehen. Soweit es mich betrifft, kann ich die Musik "sehen". Ich kann mir Noten und Harmonien in meinem Kopf bildlich vorstellen. Ich kann mich nicht mehr erinnnern, wann ich mich erstmals mit Musik beschäftigt habe, da ich schon sehr früh mit dem Klavier anfing. Also ermöglicht mir dieser "gebildete" Hintergrund einen sehr vertrauten Zugang zur Musik. Es ist sehr natürlich, wie Deine Muttersprache. Immer im Kopf, auch wenn Du gerade nicht daran denkst.

Musicscan: Ist SPHERIC UNIVERSE EXPERIENCE in irgendeinem Sinne eine politische Band und wie seht ihr euren neuen Ministerpräsidenten Nicholas Sarkozy?

Spheric Universe Experience: Nicht im geringsten. Zwischen Kunst und der Verwaltung eines Territoriums besteht keinerlei Zusammenhang. Zwei ganz verschiedene paar Schuhe. Manch einer mag eine Verbindung herstellen, vielleicht gibt es sogar welche, aber SEU gehören definitiv nicht dazu! Was den französischen Präsidenten angeht, so gibt es einige von uns, die der Meinung sind, er sei der Mann, den Frankreich benötigt, andere denken, daß er sicher nicht alle Probleme des Landes wird lösen können, auch wenn er das behauptet zu tun. Es sind komplexe Themen, bei denen ich nicht weiß, ob wir eine relevante Meinung dazu haben können.

Musicscan: Zum Abschluß noch etwas weit abseits der Musik. Wie ihr sicher wißt, ist die Tour De France vor kurzem zu Ende gegangen. Wie seht ihr dieses letztlich hochunterhaltende Drama?

Spheric Universe Experience: Sport ist sicherlich etwas tolles. Allerdings, wenn so viel Geld investiert wird, durch Sponsoren und Firmen, möchten diese natürlich ihre Sportler gewinnen sehen, koste es was es wolle. Das verursacht wohl das massive Doping, auch weil die Tour de France (immerhin 3800km in drei Wochen und durch die Berge ist körperlich fast unmöglich) eine extreme Angelegenheit ist. Es ist wirklich scheiße, denn es ist nicht mehr länger saubere Unterhaltung. Mir tut das unheimlich leid. Gottlob sind manche andere Sportarten nicht so so dreckig und Doping ist nicht so sehr präsent. Allerdings, die Tour de France macht es den Leuten rund um den Globus möglich, die wundervollen Landschaften, Berge, Wälder und Dörfer Frankreichs zu entdecken. Das ist wahrlich der letzte positive Aspekt der Tour!

 
 Links:
  fr.sphericuniversexp.com
 
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