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Mekong Delta

Interview von: Daniel mit Ralph Hubert, am: 17.09.2007 ]

Für die Progfans, deren Geduld nun über Jahre auf eine harte Probe gestellt wurd, hat das Warten nun endlich ein Ende. Ralph Hubert, seit jeher Mastermind hinter der deutschen Legende MEKONG DELTA, hat es endlich geschafft eine neue Mannschaft um sich zu scharen und veröffentlicht dieser Tage mit "Lurking Fear" das längst überfällige neue Album. Für Music-Scan hat der Meister der Verschmelzung von Metal und Klassik sich ordentlich Zeit genommen ein paar Antworten in die Tasten gehackt.

 

Musicscan: Natürlich muß ich ein wenig mit Euch schimpfen, denn nach "Visions Fugitive" sind dreizehn Jahre vergangen. Was habt ihr in der Zwischenzeit gemacht und warum hat es so lange gedauert, eine neue Scheibe aufzunehmen (nehmen wir mal die Interimsgeschichten beiseite)?

Mekong Delta: Nach der „ Pictures ...........“ war es eindeutig an der Zeit mal ein Break einzulegen, um festzustellen wo man eigentlich musikalisch jetzt steht, letzendlich ist man mit jedem Album neue Wege gegangen und das ohne Pause. Da ich eh ziemlich durch war – allein die Vorbereitung zur „Pictures ..........“ hatte 2 Jahre gedauert - hatte ich beschlossen mal eine Auszeit zu nehmen. Die erste Zeit habe ich mich nicht mit Musik beschäftigt sondern habe etliche Andere Sachen gemacht – Hardware und Datenbank Progarmmierung, viel Literatur – um mal einen freien Kopf zu erhalten und Abstand von der Musik zu gewinnen. Nach 2 Jahren begann ich wieder zu komponieren, wobei die Orchester / Gruppe Stücke mir immer gefielen – über die Jahre entstand der Zyklus „ Fünf Fragmente für Gruppe und Orchester “ von dem 2 Stücke auf dem Album vertreten sind - ; allerdings konnten mich die Ideen die ich für Gruppe / Vocals hatte in keinster Weise überzeugen, ich hatte immer das Gefühl das ich was ganz Anderes wollte als ich da eigentlich schrieb.

Musicscan: Was hat letztendlich den Ausschlag gegeben, doch noch eine neue Platte zu machen und über welchen Zeitraum sind die Songs entstanden?

Mekong Delta: Das Gefühl, daß die Kompositionen die ich Ende 2005 in der Basis fertig hatte, es wert wären aufgenommen zu werden, Der eigentlich Kompositionsprozess für die Gruppe / Vocal Stücke war in 2 Monaten abgeschlossen, wenn ich einmal weiss was ich will, geht das meistens sehr schnell.

Musicscan: Zwar warst Du immer der kreative Kopf der Band und ebenso der Produzent, aber zumindest bis "Visions Fugitive" hattet ihr ein relativ stabiles Line Up. Was ist aus den anderen Jungs (besonders aus Uwe) geworden und gab es Überlegungen auch wieder Jörg Michael und Doug Lee an Bord an Bord zu holen?

Mekong Delta: Was aus den Anderen Musikern gworden ist, weiss ich nicht, ausser daß Peter ( Haas ) in der Schweiz sehr viel Bigband macht, sowie einige Lehrbücher geschrieben hat, er ist dort quasi eine Instanz. Überlegungen die Anderen wieder an Board zu holen gab es von meiner Seite ausser für Peter Haas nicht. Dies hat sich aber aus zeitlichen Gründen leider nicht ergeben da er frühestens Ende 2006 hätte zu uns stoßen können was deutlich zu spät gewesen wäre.

Musicscan: Wie habt ihr die Entwicklungen des Metal speziell in den letzten 20 Jahren erlebt, mit all seinen Trends. Denkt Ihr, daß die Szene heute offener für progressive Töne ist als früher?

Mekong Delta: Ich habe das nie so genau verfolgt, weil mir Trends am Arsch vorbeigehen. Es ist auch schwer zu sagen ob Leute heute offener für progressive Töne sind, da müßte man erst einmal genau definieren was den progressiv ist. Von meiner Seite her kann ich nur sagen, daß wir über die Jahre sämtliche Alben immer verkauft haben. Vielleicht ist es einfach so, daß Leute nach einiger Zeit das 5 Akkord-Geschrammel Leid sind und nach komplexeren Stücken suchen. Insofern sind die Leute vielleicht nicht unbedingt progressiver, wahrscheinlich ist es wohl so daß du „ Musikeinsteiger “ hast und dementsprechend auch „Fortgeschrittene“, die sich von der Standardmusik entfernen und mal was Anderes ( „komplexeres“ ) hören wollen.

Musicscan: So wie ich das neue Album empfinde, seid Ihr zwar keinen Deut von Eurer Linie abgewichen, trotzdem tönt das Album bisweilen ein wenig metallischer und deutlich härter, auch vom Sound her. Hattet Ihr einen bestimmten Hintergedanken, ein bestimmtes Konzept beim Komponieren? Ralph Hubert: Der Grundgedanke hinter dem Album war / ist eine Verschmelzung von allen bisher komponierten Stücken zu erreichen, somit mußte es härter werden, da mit Ausnahme von „ Visions...“ und „ Pictures...“ die Gangart eigentlich immer recht hart wahr. Man könnte vereinfacht sagen jeder Song enthält eine Verschmelzung von 80% Altem und 20% sich aus der Verschmelzung ergebendem Neuen, aber das ist schon stark vereinfacht gesagt, eine Nummer wie „ Allegro Furioso “ wäre auf den alten Alben schlicht schon aus mangelnder kompositorischer Fähigkeit so etwas zu der damaligen Zeit zu schreiben gar nicht möglich gewesen.

Musicscan: Die Songs werden sicherlich nicht improvisiert sein, demnach ist jede Note auskomponiert. Probt ihr als Band zusammen, jamt gar und erarbeitet so neue Ideen? Wie habe ich mir dann anschließend das Recording vorzustellen, Spielen vom Blatt?

Mekong Delta: Nein, weder jammen, noch proben wir zusammen. Die Songs sind in der Grundstruktur stets fertig komponiert, existieren also als Partitur. Die erhält zunächst der Peter damit er das auf Gitarre einspielt und wir erkennen können, was u.U. geändert werden muß. Wenn das ganze zwischen Bass und Gitarre geklärt ist, kriegt der Drummer, hier Uli, die Strukturen mit einergroben Zielvorgabe was ich mir vorstelle. Während er diverse Vorschläge ausprobiert und wir darüber sprechen was geht und was nicht, erarbeite ich die Guidelines für Vocals. Wenn das Schlagzeug abgeschlossen ist, erhält der Sänger die Songs mit Gitarre / Bass / Drums & Guidelines. Auf dieser Basis erarbeitet er in Absprache mit mir die fertigen Vocals. Steht dies alles, kann jeder noch eigene Ideen hinzufügen. Wir haben diese ganze Produktion übers Netz gemacht, ich habe weder Peter noch Uli getroffen, alles wurde per E- mail oder Telefon geregelt, eine extrem effiziente Art zu arbeiten, hat mir ausgezeichnet gefallen. Wenn dich interressiert wie ein Song entsteht geh mal auf unsere offizielle Webseite ( mekongdelta.eu ) und lass dich registrieren. Im Memberbereich gibt es ein „Song Diary“ wo mit Samples und vielen Erklärungen ausführlich die Entstehung des Songs „ Rules of Corruption “ dokumentiert wird.

Musicscan: Wie wichtig sind generell die Texte? Die sind früher schon immer etwas im Hintergrund geblieben, obwohl ich immer der Meinung war, daß auch die Texte wichtige und richtige Aussagen und "Messages" transportieren.

Mekong Delta: Die Texte sind wichtig, bloß werde ich selten danach gefragt. Sie behandeln fast immer Kritik an ( jeglicher ) Religion sowie an ( meiner Meinung nach ) gesellschaftlichen Mißständen. Dies hier im einzelnen allgemein zu erörtern würde einige Seiten dauern, wenn du allerdings möchtest schicke ich dir gern die Texte des neuen Albums zu, wenn dann spezielle Fragen Auftauchen beantworte ich die gerne.

Musicscan: Wie ist das neue Lineup entstanden und wieweit kann man von einer Band sprechen?

Mekong Delta: Grundsätzlich war und ist MD immer eine Projekt gewesen und jedes Album hat sich seine eigenen Musiker gesucht. Peter Lake habe ich über unsere Webpage bzw. über unseren Webmaster kennengelernt. Hab ihm dann 3 – 4 alte Titel gesagt die er mir bitte einspielen sollte, die hab ich dann prompt per Mail nach ein paar Tagen erhalten, waren perfekt gespielt und on top hatte er noch ein paar eigene Ideen draufgepackt die ziemlich abgfahren waren, somit war klar, daß er bei dem neuen Album die Gitarre übernehmen würde. Nach meiner Auffassung ist das, was er auf dem neuen Album leistet für Europa outstanding, hör dir mal die Gits bei Schostakovich an, unglaublich. Bei Uli war das lustig. Eigentlich sollte das der Peter Haas machen, aber – wie gesagt – er hatte erst wesentlich später Zeit. Just in dem Moment wo ich seine Mail erhielt, mailte mir auch Uli. Was lag da näher als ihn zu fragen, nach dem er ein paar Titel gehört hatte war er dabei. Leo kam hinzu nachdem ich kurz vorm ausrasten bezüglich der Sänger war, die wir probierten ( hat keiner vernünftig hingekriegt ). Uli hat ihn als Ass aus dem Ärmel gezaubert, und – voila – nach einer Woche erhielt ich die ihm gemailten Titel mit perfektem Gesang zurück. Aber – was noch viel besser war – in der Mail bat er mich um die Notation der Stücke. Dies war daß erste mal das mich ein Sänger danach fragte, für mich war damit eindeutig, daß er der richtige für das neue Material war.

Musicscan: Abschließend noch die Frage, mehr eine Bitte eigentlich: Wird es Live-Aktivitäten geben?

Mekong Delta: Ja, die sind geplant. Ende dieses Monats werden wir uns treffen und mal abchecken wie wir das am besten auf die Reihe kriegen.

Musicscan: Na, wenn das keine guten Nachrichten sind. Nicht nur ein neues Album, sondern die zu spät Geborenen werden in naher Zukunft ebenso die Gelegenheit haben, die Legende MEKONG DELTA livehaftig auf der Bühne zu sehen. Manchmal ist das Leben doch schön.

 
 Links:
  mekongdelta.eu
 
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