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Dead Eyed Sleeper

Interview von: Daniel mit DES, am: 13.09.2007 ]

Die ehemals zumindest durch ihren Namen scherzhaft als Hausband des Legacy-Magazins benannte Band Legacy ist Geschichte und wir erleben die Geburt von DEAD EYED SLEEPER. Der Name mag sich geändert haben, doch die Musik ist erfreulicherweise die gleiche geblieben, nämlich hochtechnischer Death Metal, aber nicht ohne den Hang zu derben Grooves. Im Interview erläutert die Band die Fakten zum grandiosen neuen Album "In Memory Of Mankind" und zum Neustart unter neuem Namen.

 

Musicscan: Auch wenn ihr mit dem alten Namen wesentlich besser zum Legacy gepasst habt, bitte erläutert doch kurz, was den Namenswechsel nötig gemacht hat und was hinter dem neuen steckt.

Dead Eyed Sleeper: Natürlich war es nicht gerade leicht - nach 13 Jahren, zwei Langrillen und einer Mini -sich des alten Bandnamens zu entledigen, doch davon abgesehen heißt aber leider nicht nur diese Zeitschrift so, sondern unzählige Bands allein im Metal/Rock-Bereich… dazu kommen all die Legacy Ofs, Vons, und Zus... Leider geht da auch der Wiedererkennungswert total flöten. Kein Musikfan hat da noch Durchblick. Ferner haben zu diesem doch gewagten Schritt unsere musikalische Weiterentwicklung der letzten Jahre sowie einige Besetzungswechsel in der Rhythmussektion beigetragen. Der neue Name ist ein Kunstwort, das den Hörer/Leser zunächst im Rätselhaften, Dunkeln lassen soll. Es bezeichnet, sagen wir eine Person, Existenz, als was man auch immer den „Dead Eyed Sleeper“ bezeichnen möchte. Von diesem, und speziell dem nächsten Album an, das übrigens bereits komplett komponiert ist und voraussichtlich im Sommer/Herbst des nächsten Jahres rauskommen wird, wird sich textlich alles um die Erlebnisse, Erkenntnisse, Eindrücke dieses Wesens drehen…

Musicscan: Technischer Death Metal ist immer schon eine Nischenmusik gewesen. Welche Vorbilder hattet ihr anfangs und welche heute? War es eine natürliche Entwicklung, oder habt ihr die Entscheidung einen technischeren Weg einzuschlagen bewußt gefällt?

Dead Eyed Sleeper: Diese Musik hat uns schon immer fasziniert, und somit natürlich beeinflusst. Allerdings waren anfangs verstärkt Bands der frühen 90er Jahre, wie Unleashed, Bolt Thrower oder Deicide zu unseren musikalischen Einflüssen zu zählen, wobei uns Bands wie beispielsweise Pestilence, Voivod oder Meshuggah ebenfalls schon zu unseren Anfangstagen beeindruckt haben. Bands wie Death, Morbid Angel und Atheist kamen dann im Laufe der Zeit, mit wachsendem musikalischem Horizont hinzu, sodass diese Einflüsse mit zunehmender musikalischer Reifung auch verstärkt in unsere Kompositionen Einzug erhielten. Nach wie vor beeinflussen uns zum Beispiel ebengenannte Bands, die wir nach wie vor verehren. Es sind aber im Laufe der Zeit viele hinzugekommen. Je weiter man sich entwickelt, desto vielschichtiger werden (hoffentlich) auch die musikalischen Vorlieben. Im „neuen“ Death Metal stehen wir vorrangig auf Gojira, Scarve, Meshuggah, Nile etc… Als Death Metal – fremde Einflüsse sind da wohl Tool, Frantic Bleep, Monster Magnet, Pink Floyd, Porcupine Tree, etc. zu nennen. Technischer zu werden war natürlich keine bewusste Entscheidung, wir machen Musik aus dem Bauch heraus. Aber mit dem Wachsen der Vielfalt der Einflüsse kam natürlich auch eine größere Vielseitigkeit in unsere Musik hinein. Es ist uns wichtig, dass auf unseren Alben nicht jeder Song klingt wie der andere.

Musicscan: Der Titel des neuen Albums liest sich wie ein Abgesang auf die Menschheit. Welche textlichen Inhalte möchtet ihr transportieren, da ihr ja relativ klar und weit weg von allem Gore-Zeugs seit?

Dead Eyed Sleeper: Abgesang ist ein gutes Wort! Diese unglaublich egoistische Spezies macht alles um sich herum, und damit letztlich auch sich selbst kaputt. Lange kann das nicht mehr dauern.Wir versuchen unserer Verzweiflung und Schockiertheit über soviel Gier, Manipulation, Perversion -generell Verachtenswertes- Ausdruck zu verleihen. Immer aus der Sicht des „Dead Eyed Sleeper“.

Musicscan: Die Songs erinnern mich bisweilen stark an Necrophagist (wohl nicht anders machbar in dieser Stilistik), obwohl ihr doch etwas straighter, will sagen headbang-kompatibler zu Werke geht. Wie wichtig ist euch die Balance zwischen den brutalen aber eingänigen Parts und den technischen Finessen? Habt ihr jemals Probleme beim Songwriting diese beiden Pole auszubalancieren?

Dead Eyed Sleeper: Vielen Dank für diesen Vergleich, die sind einfach eine Liga für sich! Aber wie Du schon sagst, geht’s bei uns grooviger und straighter zur Sache. Für uns ist es das wichtigste, ausgewogene Songs zu schreiben. Wir stehen nicht auf Dauergeprügel, genauso wenig wie auf allzu Simples. Probleme gab´s da eigentlich nie, wir arbeiten intuitiv, nicht berechnend und was unsere Gemüter bewegt, findet Einzug in unser Songwriting.

Musicscan: Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem Cellisten und inwieweit sind außereuropäische Volksmusiken (ich denke vor allem an "Sickening Foresight") ein Einfluss?

Dead Eyed Sleeper: Der Cellist ist unser Drummer Corny… die Violine, die in den Zwischenstücken zu hören ist, stammt von seiner Schwester. Speziell erstgenannter ist aufgrund seiner schlagzeugbezogenen Bildung sehr an afro-kubanischem und brasilianischem Getrommel interessiert. Generell gilt aber bei uns: was gefällt wird gehört, wir sind in dieser Hinsicht sehr open-minded und riskieren gerne mal mit unseren „dead eyed ears“ auch mal einen Blick über den Tellerrand. Von einem großen Einfluss kann man aber eher nicht sprechen, wir fanden es einfach geil, den Track „Sickening Foresight“ mit einem Percussionpart ausklingen zu lassen, sodass wir mit Florian Lauer einen befreundeten Drummer und Percussionisten für eine Session ins Studio eingeladen haben. Den abrupten Wechsel der Klänge kann man natürlich auch als Bruch zwischen dem High-tech der Industrienationen und dem Ursprünglichen der Urvölker interpretieren.

Musicscan: Wie seht ihr die deutsche Metal-Szene? Ihr seid lang genug dabei um beurteilen zu können, was sich getan hat. Macht ihr auch die Beobachtung, daß man nicht unbedingt immer nach Skandinavien oder in die USA schielen muß, um wahre Perlen zu entdecken? Fühlt ihr euch und die Szene insgesamt genug unterstützt von Seiten der Fans und der Presse?

Dead Eyed Sleeper: Zur deutschen Metalszene muss man zunächst sagen, dass die Leute hier definitiv Bock auf Metal haben. Festivals sind überfüllt, alle zwei Tage spielt eine Band um die Ecke, usw. Das lässt auf eine große, starke Szene schließen. Auf der anderen Seite muss man aber auch erwähnen, dass in unserem Land eine gewisse Zurückhaltung gegenüber Neuem zu bestehen scheint: Bis Neues akzeptiert, bzw. etabliert ist, dauert es entschieden länger als anderswo. Darunter leiden wir natürlich und generell experimentellere Bands (und von denen gibt’s ne Menge! Mangel an interessanten Bands gibt’s hier definitiv nicht!). In Frankreich beispielsweise sieht das anders aus; Bands wie Gojira, Scarve oder Grotesque through Incoherence feiern dort Erfolge, bei uns tut es die x-te Destruction-Kopie, und aufm einzigen Cynic Deutschlandkonzert sind gerade mal hundert Gäste, von denen man siebzig kennt. In dieser Hinsicht zu beneiden ist auch das Amiland, wo Bands wie Intronaut, The End oder eben auch unsere Necros einen ganz anderen Stellenwert besitzen, was nicht zuletzt die dortige Summer Slaughter Tour gerade wieder bestätigt hat. Unterstützung ist von Seiten der Fans und der Presse definitiv vorhanden, vor allem unseren treuen Fans gilt hier natürlich besonderer Dank. Das Feedback der Presse ist allerdings wie das Leben selbst. Gerade für IMOM haben wir zwischen zahlreichen positiven auch die absurdesten Reviews erhalten: der eine schreibt, unsere Musik würde nur aus Breaks und Fummeleien bestehen, ein anderer behauptet, wir würden stumpfen Einheits-Death Metal fabrizieren, der nächste spricht uns gar spielerische Fähigkeiten ab… was will man da sagen? Wir sind über derartig drastische Widersprüchlichkeit und offensichtlich mangelnde Objektivität relativ sprachlos.

Musicscan: Was würdet ihr mit der Band gerne noch erreichen? Habt ihr noch die Absicht Profis zu werden, oder lieber die Sache als Hobby zu belassen, damit auch nicht der Druck auf Euch lastet, aus finanziellen Gründen kreativ sein zu müssen?

Dead Eyed Sleeper: Wir wollen uns in erster Linie immer weiter steigern und vielfältigere Musik machen. Man könnte es vielleicht als professionelle Selbstbefriedigung bezeichnen. Als ein weiteres konkretes Ziel könnte man zahlreichere Auslandsgigs anführen. Auch hoffen wir nächstes Jahr auf ein paar Festivalauftritte, um in diesem Rahmen unser nächstes Album vorzustellen. Oder mal eine Tour mit Morbid Angel…? ;-) Mit unserer Musik bleibt uns aber wohl oder übel gar nichts anderes übrig, als was wir tun als Hobby (Scheißwort für etwas, das einem so viel gibt…) zu bezeichnen. Auch wenn DES soviel Zeit frisst wie ein zweiter Job. Aber das wird man sehen. Zur Kreativität mussten wir uns jedenfalls noch nie zwingen, sodass wir uns kaum vorstellen könnten, mit irgendeinem Erwartungsdruck Probleme zu bekommen.

Musicscan: Abschließend wüßte ich noch gerne, was euch außerhalb von Musik zur Kreativität inspiriert. Bücher? Filme? Bildende Künste?

Dead Eyed Sleeper: Außer auf Konzerten unser Unwesen zu treiben, Bücher zu lesen, Filme zu schauen, gehen wir auch gerne hin und wieder in eine Kunstausstellung oder ins Theater. Die Aggression der Songs resultiert jedoch hauptsächlich aus der uns tagtäglichen umgebenden, medial verzerrten Realität. Manchmal lässt uns das verzweifelte, beinahe schon paralysierende Gefühl der Ungerechtigkeit der Welt, das bis zum Himmel vor Entsetzen schreit, einen Song oder einen Text schreiben. Manchmal ist aber auch die Machtlosigkeit der Antrieb, der uns angesichts einer zunehmend sedierten, passiv und gläsern werdenden Welt übermannt und uns am liebsten einfach den ganzen Tag lang schlafen lässt, gleichwohl immer mit einem offenen Auge, wie ein Scharfschütze der Themen zwischen Welt und Subjekt anvisiert. So gesehen ist es ja vielleicht der Dead Eyed Sleeper der uns kreativ sein lässt.

 
 Links:
  DeadEyedSleeper.com
 
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