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Baroness

Storie von: arne, am 05.09.2007 ]

Durchaus überraschend erscheint “Red Album“, das Debüt von BARONESS, via Relapse. Was das Quartett aus Savannah, Georgia bereits auf den vorangegangen (Split-)Veröffentlichungen unter Beweis stellte, funktioniert auch über die volle Spielzeit: Mit ungemein verspielten, hoch dynamischen Rock-Kompositionen ziehen BARONESS in ihren Bann und fesseln ihre Hörer.

 
Auf die Entwicklungen der Band zwischen dem 2006er Euro-Trip und der Veröffentlichung des ersten Longplayers angesprochen, berichtet Gitarrist John Baizley im Gespräch: „Um ehrlich zu sein, hat sich bei uns nach der letztjährigen Europa-Tour nicht viel getan. In der Zwischenzeit haben wir zwar unser “Red Album“ aufgenommen, doch davon abgesehen ist nichts gelaufen. Wir sind unseren regulären Jobs nachgegangen und erwarten nun voller Vorfreude die Veröffentlichung unserer Debüt-Platte. In der kleinen Stadt, in der wir hier im Südosten von Georgia leben, schenkt uns niemand Aufmerksamkeit und man kann nichts erleben. Die Band bietet uns die Möglichkeit raus zu kommen und andere Gegenden kennen zu lernen. Die nächste Tour können wir kaum abwarten.”

Und doch treibt man die eigene Karriere trotz gewachsener Beachtung nicht konsequent voran: „Die Wertschätzung, die wir innerhalb bestimmter Hörergruppen erfahren, ehrt uns, auch wenn mir scheint, sie würde für uns alles komplizieren. Wenn an dich Erwartungen gerichtet werden, erhöht das die Gefahr, diesen nicht gerecht zu werden und Hörer zu enttäuschen. Diese Erfahrung mache ich selbst auf der Fanseite und weiß daher um das Dilemma bekannterer Gruppen. Für uns und unsere Fans kann ich nur hoffen, dass wir hoffentlich dieselben Erwartungen teilen und sie beim Hören der Stücke dieselben Erfahrungen machen wie wir sie beim Schreiben und Aufnehmen hatten.“

Eine perfekt ausgewogene Balance aus episch getragenen Prog-Instrumental-Passagen bzw. kehlig besungenen Rock-Tretern erschafft auf “Red Album“ abwechslungsreiche Unterhaltung, die süchtig macht. Dort, wo Isis mit ihren letzten Releases immer mainstreamiger geworden sind, setzt der Relapse-Vierer an und spielt sich mit dem Ideenreichtum und der Frechheit einer Überband wie Tool in die Herzen der Post-Rock-Fans:

„Für uns geht es mit der Band primär darum, unsere Kreativität in sich beständig entwickelnden Songs auszuleben und nicht still zu stehen.“, so Baizley: „Daneben liegt mein größter Fokus darauf, auf Tour zu gehen und live zu spielen. Erst wenn wir für jeden Besucher unserer Shows so etwas wie ein 1-zu-1-Konzert-Erlebnis realisieren können, bis ich zufriedengestellt.“ Dabei erweist es sich als genau der richtige Weg, die Vocals auf “Red Album“ auf ein Mindestmaß beschränkt zu haben. Bereits mit der bloßen Musik erschaffen BARONESS unglaubliche Wirkung unter unterschiedlichen Hörergruppen:

„Diesen Punkt kann ich mir selbst nicht erklären. Vielleicht liegt es daran, dass wir uns für die Band weder Limits noch Restriktionen setzen und all unsere Einflüsse zulassen. Was sich im Songwirting-Prozess richtig anfühlt, wird Teil der


Songs. Alle Ideen werden allerdings bewertet, bevor sie Teil des Ganzen werden. Das heißt jedoch nicht, dass wir es bewusst planen, unterschiedliche Stile zusammen zu führen. Wir starten jeweils mit in beide Richtungen offenen Ansätzen und arbeiten uns am jeweiligen Soundfluss entlang, bis ein in sich geschlossener Song entstanden ist. Im Ergebnis stehen zumeist Stücke mit unterschiedlichen Tonalitäten und Stimmungen. Dabei gibt es niemals eine dominante Richtung wie brutal, dunkel oder schnell. Da all diese Komponenten enthalten sind, bieten sich Ansatzpunkte für Hörer verschiedenster Stile.“

Und es stört überhaupt nicht, dass die Kombo aus Savannah hier und da die Zügel aus der Hand gibt und in letztlich engen Grenzen experimentiert: „Es scheint für Außenstehende stets einfacher zu sein, individuelle Entwicklungen von Bands nachzuvollziehen und diese zu bewerten.“, so der Gitarrist:

„Als Musiker ist man schließlich zu nah dran. Es fehlt die nötige Distanz. Mit Dingen wie bewusster Weiterentwicklung beschäftigen wir von BARONESS uns ohnehin nicht. Wir machen schlichtweg weiter und schreiben die uns best möglichen Stücke. Das Material von “Red Album“ musste sich von dem der früheren Aufnahmen unterscheiden, schließlich waren nach den ersten vier Releases über zwei Jahre vergangen. In der Zwischenzeit haben sich die Rahmenbedingungen verändert und wir haben an unserem Soundbild gearbeitet. Neben dem Fakt, dass wir nach der Split mit Unpersons hinsichtlich neuer Aufnahmen nicht sonderlich aktiv gewesen sind, kommt der Austausch eines unserer Gitarristen, was zu recht deutlichen Veränderungen geführt hat.“

Die technische Komponente spielt bei BARONESS wider Erwarten nur eine untergeordnete Rolle: „Ich habe mich niemals sonderlich bewusst mit technischen Fragen beschäftigt. Es ging mir schon von Beginn an darum, Stimmungen oder Vibes zu kreieren. Sicherlich muss die handwerkliche Basis stimmen, doch diese habe ich mir über intensives Ausprobieren erworben. Mit den Jahren habe ich dabei eine Menge gelernt.“

Auch, wie man in sich stimmige Songs schreibt: „Die ausgewogene Balance ist es, die den Schlüssel zu unserem Album darstellt. Bereits zu Beginn des Songwritings haben wir uns von allen Erwartungen oder Ideen befreit, die die Arbeit an den Songs hätten belasten können. Bandintern haben wir uns über unsere Vorstellungen auch bewusst nicht ausgetaucht und die Intuition die Arbeit machen lassen. Einzige Maßgabe war es, eine ausgeglichene Balance zu erreichen. Witzigerweise resultierte aus der natürlichen Art und Weise des Songwritings ein stärkeres persönliches Involvement, als wir es in der Vergangenheit erlebt hatten.“

 
 Links:
  YourBaroness.com
 
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