Go There
INFOS > Interviews-Stories > Details
/ 1 2 3 6 A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W X Y Z [
Interviews/Stories gesamt: 1769

The Red Chord

Storie von: arne, am 10.08.2007 ]

Die Bostoner Crazy-Frickler THE RED CHORD zementieren mit ihrem dritten Longplayer “Prey For Eyes” (Metal Blade) die eigene Ausnahmestellung in der weltweiten Extrem-Community. Abermals kreiert die Band aus Elementen von Death Metal, Grind, Hardcore und bloßem Heavy Metal einen Aggro-Cocktail der Extraklasse.

 
In der Wahl der verwendeten Stilmittel zeigen sich die Musiker längst routiniert bis entspannt, so dass heute durchaus schon einmal ruhigere Bridges in den nächsten Abrissblock führen dürfen. Doch sowohl die schleppenden Brutalo- als auch die straighten Tempo-Passagen werden mit einer Konsequenz vorgetragen, die nach wie vor Kinnladen klappen lässt und immer breitere Hörerkreise auf THE RED CHORD aufmerksam macht:

„Ja, es ist verrückt und wird mit jeder neuen Platte schlimmer. Doch es bestätigt den von uns eingeschlagenen Weg.“ sagt Shouter Guy am Telefon: „Die Kehrseite ist, dass ich noch mehr Interviews als früher führen muss, wobei ich immer wieder dieselben Fragen gestellt bekomme. Ich mag nicht mehr erklären, wie wir zu unserem Bandnamen gekommen sind, oder wie sich unser Stil entwickelt hat. Das sollte doch inzwischen hinlänglich bekannt sein. Viel lieber spreche ich über die Konzepte hinter den Platten. Doch es ist schwer, unsere Ansätze zu vermitteln, wenn Journalisten keinen Zugang zum Artwork und den Texten haben. Denn alles steht miteinander in Verbindung und ist für das Verständnis von THE RED CHORD und unseren Releases wichtig.“

Und es hat wirklich Tradition, denn sowohl “Fused Together In Revolving Doors” als auch “Clients” waren neben der bloßen Musik auch durch ihren textlichen Rahmen und die Bilder im Booklet geprägt. So verhält es sich auch bei “Prey For Eyes”: „Grundlegend sollte man wissen, dass jeder Song mindestens zwei bis drei Bedeutungen hat. In jedem Stück finden sich mehrere Storylines. Das hat sich mit der Zeit eher unbewusst herausgebildet, auch wenn ich von jeher gerne offene Enden getextet habe. Ich möchte die Leute dazu bewegen, selbst zu denken und nicht meine, oder eine andere vorgefertigte, Meinung einfach so anzunehmen.“

In der Hektik der modernen Informationsgesellschaft und in einer bisweilen nicht unbedingt als denkfreudig geltenden Szene verfolgen THE RED CHORD einen Anspruch, der es durchaus schwer haben dürfte, sein Ziel zu erreichen: „Vielleicht stimmt es, dass die Leute, die unsere Songs bei itunes downloaden, sich nicht mit den Texten beschäftigen und der eine oder andere, der unsere CD kauft, dem Artwort und den Texten nicht die nötige Aufmerksamkeit widmet.“, räumt Guy ein:

„Sicherlich gibt es auch Leute, die lediglich die Songs zu hören und daran Spaß haben, doch in diesem Fall erschließt sich einem das Gesamtbild nicht und man lässt einen großen Teil des Puzzles aus. Doch langsam spricht es sich herum, dass THE RED CHORD eine Band sind, die


etwas zu sagen hat und mit der man sich beschäftigen muss. Genau das wollen wir ja auch. Als ich selbst 12 oder 13 Jahre alt war, habe ich jede Platte. Die ich gekauft habe von vorn bis hinten studiert und alle Texte gelesen. Ich wollte wissen, worüber die Bands sprechen und welche Standpunkte sie vertreten. Heute tun das nur noch wenige Kids, was schade ist. Nimm meinen kleinen Bruder, er hat in seinem ganzen Leben noch nicht eine richtige CD gekauft. Da geht eine ganze Kultur verloren, was durch den Umstand erschwert wird, dass man im MP3-Format einen Teil der Recording-Qualität aufgibt. Ich hoffe, dass man dem mit ganzheitlichen Konzepten, so wie wir sie vertreten, entgegenwirken kann.“

Doch auch Fronter Guy geht für seine Texte Kompromisse ein: „Unsere Texte sind an erster Stelle fiktiv, auch wenn man sie bisweilen durchaus auf seinen Alltag oder aktuelle Geschehnisse beziehen kann. Das ist eine der Möglichkeiten, von denen ich vorhin gesprochen habe. Wir haben jedoch keine vordergründig politischen Texte, denn dann müssten sie die Ansichten aller Bandmitglieder widerspiegeln, was nicht möglich ist. Für mich besteht die Aufgabe darin, unbestimmt und bestimmt zugleich zu texten. Das fordert mich heraus.“ Musikalisch sind die Mitglieder der Band eine fest aufeinander eingeschworene Einheit, die weiß, was sie will:

„Wenn man es auf den Kern herunterbricht, sind wir eine harte Metal-Band, die in ihren Songs Elemente von Hardcore, Grindcore sowie Tech- und Death-Metal vereint. Von dieser Basis haben wir uns bislang niemals weit entfernt. Was sich mit den Jahren verändert hat, ist unsere Einstellung, die heute weitaus offener und wagemutiger ist. Das zeigt sich nicht zuletzt in der Integration melodischer Komponenten. Die hatten wir zwar schon immer versteckt in den Riffs, doch niemals wirklich vordergründig. Auf “Prey For Eyes“ haben wir diesmal viel Wert darauf gelegt, die Gitarren atmosphärischer zu setzen und mit ihnen stärker als bisher Emotionen zu transportieren. In der Vergangenheit klangen wir sehr mechanisch, was wir durch offensichtlichere Melodien aufgebrochen haben.“

Krasse Technik setzen THE RED CHORD inzwischen vor allem zur „Veredelung“ ihrer ohnehin schon tollen Songstrukturen ein. Crazy-Breaks und Rhythmus-Spielereien schränkt man auf ein auch für Hörer traditionellen Death Metals verträgliches Maß ein. Und doch teilt man noch immer so rigoros wie in der Vergangenheit aus. Nur eben anders gewichtet. Nachlegen kann man ja immer noch. Und das tun THE RED CHORD ausgiebig.

 
 Links:
  theredchord.com
 
oben
Platte der Woche:

Die letzten Reviews:

  Aleister
  Beneath The Massacre
  Regarde Les Hommes Tomber
  Sylosis
  Eizbrand

Interviews/Stories:

  Spoil Engine
  Une Misere
  Eskimo Callboy

Shows:

  22.02. Amigo The Devil - Berlin
  22.02. Erik Cohen - Munchen
  22.02. Beartooth - Wiesbaden
  22.02. Engst - Hannover
  23.02. Petrol Girls - Berlin