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Obscurity

Interview von: Daniel mit Ziu, am: 10.07.2007 ]

Gerade wo sich eine Ausgabe des Rock Hard unlängst mit der unsäglichen Unterwanderung von Teilen der Metal-Szene von ganz rechts befasst, dies vor allem im Black Metal, ist es mehr als interessant ein Interview mit einer Band zu führen, die Black Metal spielt, sich deutscher Texte bedient und doch meilenweit davon entfernt ist, in politisch verwerfliche Regionen abzudriften. Mit "Schlachten & Legenden" haben OBSCURITY gerade eine starkes, wie ein Orkan dahinbrausendes Album abgeliefert, das erneut beweist, daß einheimische BlackMetal-Bands nicht notwendig auch stumpfe Gesellen sein müssen. Ganz im Gegenteil, denn Ziu gibt sich im Interview überaus sympathisch und in wahrer Plauderlaune.

 

Musicscan: Zunächst etwas ganz Grundlegendes : Wie lange hat der Schaffensprozess zu "Schlachten und Legenden" einem echten Kracher von Album gedauert, wie lange habt ihr im Studio benötigt ?

Obscurity: Hehe, danke für die Blumen, freut mich, dass SCHLACHTEN & LEGENDEN Dir so gut gefällt. Nun, für die reine Einspielzeit haben wir 10 Tage gebraucht, die wir an einem Stück durchgezogen haben, dann kamen nochmal zwei Tage zum Mischen dazu und ein weiterer für das Mastern. Allerdings waren wir zunächst nicht ganz mit dem ersten Mix/Master zufrieden, sodass wir später nochmal komplett abgemischt und gemastert haben, bis wir mit dem Gesamtergebnis zufrieden waren. Wir wollten das Album nur herausbringen, wenn es wirklich knallt und auch eine dementsprechende Qualität erreicht. Wir wollen, dass jeder, der sich SCHLACHTEN & LEGENDEN zulegt, auch wirklich was für sein Geld geboten bekommt. Tja, und als das dann endlich geschaft war, haben wir uns um einen Plattenvetrag bemüht und in Massacre Records einen guten Partner gefunden.

Musicscan: Wo würdet ihr, auch wenn ihr vermutlich noch wenig Abstand zu der neuen Scheibe habt, den Unterschied zu ihren Vorgängern sehen ?

Obscurity: Ich denke SCHLACHTEN & LEGENDEN verbindet die herausragenden Eigenschaften von „THURISAZ“ (Kompromisslose Härte, Schnelligkeit und eiserne Kälte) und „BERGISCH LAND“ (hymnenhafte Erhabenheit und marschierende Schlachtenlieder) und legt noch ne ordentliche Schippe an Klasse bzw. Technik zu. Durch unsere spieltechnische Entwicklung, auch beeinflusst durch Cortez, unserem „neuen“ Gitarristen, der 2004 für Dornaz in die Band kam, hört sich meiner Meinung nach das neue Album einfach runder, aber auch abwechslungsreicher an, geht aber trotzdem mitten in die Fresse, hehe. Aber darüber muss sich natürlich jeder selbst ein Bild machen...

Musicscan: Ich bin leider nicht so intensiv mit euren Werken vertraut, aber wann ist bei Euch die Entscheidung gefallen, die Texte auf Deutsch zu halten ?

Obscurity: Also eine wirkliche Entscheidung gab es dazu nicht. Wir hatten bei BERGISCH LAND schon einen deutschsprachigen Song und bei THURISAZ sind es dann auch noch ein paar mehr geworden. Bei SCHLACHTEN & LEGENDEN waren Agalaz und ich vermehrt mit dem Textwriting beschäftigt und dabei kamen eben „nur“ deutschsprachige Songs heraus. Das bedeutet aber nicht, dass wir kein Englisch sprechen, hehe. Wir dachten uns einfach nur, dass die eher „harte“ deutsche Sprache sehr gut die, relativ durchgängige, Krieger- bzw Schlachtenthematik auf dem neuen Album unterstreicht und sie gut dazu passt. Das hat weder etwas mit politischer Gesinnung, noch mit mangelnden Englischkenntnissen zu tun, haha.

Musicscan: Welches Verhältnis habt ihr zu Eurer Muttersprache ?

Obscurity: Ein sehr gutes. Was soll ich dazu sagen!? Es ist nunmal unsere Muttersprache und ich mag sie eigentlich recht gerne, auch wenn sie, wie oben schon erwähnt, für nicht-deutschsprachige Menschen eher hart klingt und einen schweren bzw. schwierigen Eindruck macht. Ich komme damit ganz gut zurecht. Oder stottere ich?

Musicscan: Vorstellbar ist, daß ihr teilweise unter Anfeindungen leiden müßt, die euch gerne in eine recht politische Ecke drängen möchten, wie geht ihr damit um ?

Obscurity: Ach ja, also wirklich ernsthaft wurden wir noch nicht in eine solche braune Ecke gedrängt, allerdings ist das schon ein sehr ernstes und wichtiges Thema. Wir versuchen immer soviel Tranparenz in unser „Treiben“ zu bringen, wie möglich. Das bedeutet, wir stellen uns gegebenenfalls entstehenden Diskussionen, bringen unsere Einstellung gegen den braunen Abschaum in der Szene auf unserer Homepage, in unseren CDs ( bei „SCHLACHTEN & LEGENDEN“ gibt es da in zwei Songs klare Statements zu, man muss sich die Lieder nur aufmerksam anhören) und Interviews usw. zum Ausdruck. Unsere Songs sind eigentlich alle durchweg politisch unmotiviert, und wenn, dann wären sie sicherlich nicht von rechts beeinflusst. Natürlich müssen auf Worte auch Taten folgen. So versuchen wir immer auf Konzerten darauf zu achten, dass sich kein braunes Gesindel vor unserer Bühne tummeln darf. Sollten sich solche offensichtlichen Gestalten auf unsere Konzerte verirren, dann müssen sie eben wieder auf den „rechten“ Weg nach draussen gebracht oder einfach nicht eingelassen werden. Da wir aber nicht immer Veranstalter sind und es durchaus nicht jedem an der Nasenspitze abzulesen ist, ist das durchaus auch ein schwieriges Unterfangen. Da muss man sich dann auch situationsbedingt darauf einstellen, zusammen mit dem Veranstalter und den anderen Bands. Bisher ist das aber glücklicherweise noch nicht der Fall gewesen und wir konnten die Konzerte immer einfach nur geniessen.

Musicscan: Würdet Ihr Euch noch als eine BlackMetal-Band bezeichnen und wie ist Euer Verhältnis zur aktuellen, aber auch zur damaligen "Szene" ?

Obscurity: Ja schon, OBSCURITY hat schon ihre Wurzeln im Black Metal und das Brett auf dem wir zocken bzw. die Grundlage unserer meisten Songs sind durchaus dem Black Metal zu zurechnen. Wir hatten allerdings schon sehr früh Death, Viking und auch ein paar Thrash Metal Einflüsse in unserer Musik. Die Mitglieder von OBSCURITY hören selbst auch diverse Bands in jedem dieser Metal Genres und ebenso Old-School Metal. Dennoch sind wir der Black Metal Szene nahe. Ich hatte zu Zeiten von BERGSICH LAND, das war um 2000 herum mal gesagt, dass wir sowas wie „Battle“ Metal machen. Heutzutage scheint das ja schon ein quasi offizieller Begriff im Metal zu sein. Wir machen einfach Schlachtenmusik für jeden Metalhead, der seine eigenen Schlachten zu schlagen hat, seien es die alltäglichen Kämpfe oder der Kampf gegen die eigenen Dämonen.

Musicscan: Woher bekommt Ihr Eure Inspirationen ?

Obscurity: Rein musikalisch gesehen frickeln wir alle im Proberaum an neuen Sachen herum und daraus ergeben sich meistens weitere Inspirationen zu einem kompletten Song. Es kommt aber auch oft vor, das einer ein Riff oder sonstwas, das ihm zu Hause eingefallen ist mitbringt und daraus entsteht dann im Proberaum ein Song. Was die Texte angeht, bekommen wir unsere „Inspiration“ von allem Möglichen her. Einige von uns beschäftigen sich mit der Zeit vom alten Germanen-/Wikingertum bis hin zum Mittelalter und auch anderer Geschichte. Das ist dann schon sehr inspirierend. Es ergeben sich aber auch manchmal einfach so Thematiken, die man dann in einem aktuellen Song verarbeitet. Persönliche Dinge werden zwar auch verarbeitet, aber nur in einem sehr sehr geringen Masse.

Musicscan: Gibt es eine für Euch nachvollziehbare Erklärung, warum sich Eure Kreativität ausgerechnet den Black Metal (nennen wir es einfach mal so) als Ventil ausgesucht hat ?

Obscurity: Nun ja, wie gesagt ein wenig differenzieren muss man da schon, aber wir haben uns nicht hingesetzt und einfach beschlossen „Komm, wir machen jetzt ´ne Black Metal Kapelle auf“. Wir sind alles Kumpels, die zusammen aufgewachsen sind und schon immer Metalheads waren. Irgendwann wollten wir nicht mehr nur Metal hören, sondern auch selbst machen. Da ist es einfach eine logische Entwicklung, dass man sich dem Metal annimmt, den man auch selbst hört und gerne etwas dazu beitragen möchte. So waren unsere ersten Jahre im melödiösem Black Metal angesiedelt. Wie es dann so kommt entwickelt sich der Musikstil dann auch ein wenig, eben bis dahin, wo wir uns nun seit einiger Zeit bewegen. Bei einer guten Mischung zwischen Black/Death/Viking Metal oder auch, wie schon erwähnt, Battle bzw. Schlachten Metal.

Musicscan: Erzählt ein bisschen etwas über den texlichen Inhalt zur neuen Scheibe, gibt es gar ein Konzept ?

Obscurity: Ein klares Konzept Album ist SCHLACHTEN & LEGENDEN nicht, jedoch gibt es, wie der Titel schon impliziert, einen roten Faden der Krieger-/Schlachtenthematik, der sich durch das komplette Album zieht. Agalaz und ich, wir beschäftigen uns sehr mit kriegerischer Geschichte und so haben wir in unseren Texten diesmal ein besonderes Augenmerk auf diese Thematik gelegt, was nicht bedeutet, dass wir nur historisch fundierte Texte geschrieben haben. Es gibt einige frei erfundene „Geschichten“ was der 2. Teil im Album Titel „LEGENDEN“ schon besagt, dann einen Song mit persönlichen, bzw. allgemeinen Hintergrund und einen Song, der vom Bergischen Land handelt. Wir sind alle sehr mit dem Bergischen Land (unserer Heimat Region) verbunden und haben dies bisher auch in zwei Songs zum Ausdruck gebracht. Diese Verbundenheit ist allerdings weder mit falschem oder stark übertriebenem Patriotismus, noch mit rechtsradikalen Tendenzen zu bewerten. Wir leben hier einfach gerne in dieser schönen Landschaft, mit seiner doch reichlich bewegten und prägenden Geschichte, was viele nicht wissen und/oder dem Bergsichen Land nicht zutrauen. Es ist eher mit der ungefährlichen und unbedenklichen Lebensfreude zu vergleichen, die man auch sehr oft im Ruhrpott findet, besonders im Raum „ auf Schalke“.

Musicscan: Abschließend noch die Frage nach eurer Zukunft. Was würdet Ihr gerne mit der Band erreichen und wie sieht die nähere Zukunft für Obscurity aus ?

Obscurity: Tja, das ist relativ einfach zu beantworten. Unser Hauptziel ist natürlich so viele Metalheads mit unserer Musik zu erreichen wie möglich (damit meine ich jetzt nicht aus komerzieller Sicht) und zocken, zocken, zocken... Wir hoffen noch mehr, wie bisher, live präsent sein zu können und auch auf grossen Festivals vertreten zu sein. Auf der Bühne zu stehen und zu zocken ist für uns einfach das Grösste, besonders wenn man dann noch ein wunderbares Publikum hat. Wir haben alle soweit ein „normales“ Arbeitsleben und sind nicht so töricht zu glauben, dass wir irgendwann alles hinauen können und einen auf Rock Star machen, dafür sind wir auch die falschen Typen. Wir werden auch weiterhin hart arbeiten müssen, wie jeder andere auch und uns nach der Arbeit auf die Musik konzentrieren, was bei zwei Vätern in unserer Band auch nicht immer so einfach zu bewerkstelligen ist. Wir feiern in diesem Jahr unser 10 jähriges Jubiläum und wir haben da schon so einige Erfahrungen mit Leuten gemacht, die sich etwas zu wichtig genommen haben und damit können wir uns mal sowas von überhaupt nicht identifizieren. Da sind hingegen Bands wie z.B. Desaster, die ja sehr lange dabei sind, sehr bodenständig und erfrischend geblieben, weil sie eben Metalheads sind, die die Musik machen, die sie lieben und mit groß geworden sind. So sehen wir uns bei Obscurity auch, Metalheads machen Musik für Metalheads! Wenn dann am Ende unserer Reise auch noch ein heldenhafter Einzug in Walhalla rausspringt, werden wir mehr als glücklich sein, haha.

 
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