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Virgin Black

Interview von: Daniel mit Rowan London, am: 06.07.2007 ]

Die Düstermetaller aus der freundlich-verschrobenen Ex-Strafgefangenenkolonie Australien waren von jeher bekannt für tiefschwarze, düster-ästhetische Musik. Doch was mit den Teilen der Requiem-Trilologie auf den Hörer wartet, dürfte selbst den eingefleischten Fan von VIRGIN BLACK ein zunächst nur schwer zu fassender Brocken sein. Drei üppige Teile, von denen dieser Tage der mittlere, "mezzo-forte" genannte erscheint, geschult an klassischen Vorbildern der Requiem-Komposition. Grund genug um Rowan London, einer der beiden kreativen Köpfe hinter VIRGIN BLACK zu befragen, um die Dunkelheit ein Stück zu erhellen.

 

Musicscan: Wie lange hat es gedauert, das gesamte Requiem in seinen drei Teilen aufzunehmen und habt ihr die beiden anderen Teile schon fertig gestellt ?

Virgin Black: Alle drei Teile des Requiems wurden zur gleichen Zeit komponiert und aufgenommen. Ursprünglich hatten wir noch nicht einmal das Bedürfnis drei Alben gleichzeitig zu schreiben, aber irgendwie lief es darauf hinaus, daß dieses Werk es einfach gefordert hat in drei Teilen geschrieben zu werden. Samantha (Escarbe, Sängerin) und ich gelangten an den Punkt, an dem wir bemerekten mehr Raum, mehr Freiheit zu benötigen. Verständlicherweise hat der gesamte Prozess eine lange Zeit benötigt, aber für die Komposition allein haben wir erstaunlicherweise nur etwa ein Jahr gebraucht.

Musicscan: Bitte erinnere Dich noch einmal an die Zeit des Recordings. Gibt es signifikante Unterschiede zum Aufnehmen eines "klassischen" Metal-Albums ?

Virgin Black: Wegen verschiedenster Gründe haben wir zwei Jahre benötigt um Requiem zu komplettieren. Einerseits hätten wir gerne jemanden engagiert um den gesamten Prozess zu co-koordinieren, jemand der die aktuellste Technologie und das modernste Equipment nutzen kann, schon um alles in einem Bruchteil der Zeit erledigen zu können. Vielleicht würde dem Gesamtwerk dann aber auch etwas fehlen. Niemand wird jemals wissen können, wie schmerzhaft es teilweise war diese drei Requiem-Alben zu verwirklichen, welche bitteren Niederlagen und ruhmreichen Siege sich darin vereinen. Selbst einige der Metal-Aspekte sind eher klassisch angegangen worden, so haben wir beispielsweise die Growls genauso wie den Chor aufgenommen, also aus der Distanz und nicht mit dem halben Mikrophon im Mund. Damit waren wir näher an der klassischen Methode, als am Metal. Es ist eben die Ausführung einer klassischen Totenmesse, vieles davon ist live und wunderbar imperfekt.

Musicscan: Auf wen geht die Idee des Requiems zurück?

Virgin Black: Das wirklich merkwürdige ist, daß meine Mit-Komponistin Samantha und ich die Idee unabhängig voneinander hatten. Offenbar ein Zeichen, das wir schlecht ignorieren konnten.

Musicscan: Wie ihr sicher wisst, steht ihr mit eurem Requiem in einer langen Reihe klassischer Komponisten (wie Mozart, Verdi und Dvorak). Welcher Komponist hat euch maßgeblich beeindflusst?

Virgin Black: Meine Lieblingskomponisten im Bereich des Requiems sind Brahms und Faure. Der zweite Satz au dem Requiem von Brahms gehört zum meinen absoluten Lieblingsstücken.

Musicscan: Hört ihr euch überhaupt noch andere Musik an und falls ja, welche Stile wären das, oder welche Bands ?

Virgin Black: Meine CD-Sammlung ist absolut dominiert von Metal und Klassik. Ich weiß, daß es für wesentlich interessanter gehalten wird, wen man behauptet, daß man sich fast alles anhört und viele Musiker scheinen stolz auf diesen Umstand zu sein, aber speziell Metal liegt mir einfach im Blut und das kann ich nicht verleugnen. Einige der eher wenig metallastigen Alben, die mir gehören wären das erste Counting Crows-Album, "Grace" von Jeff Buckley, Sanctum und vielleicht noch einiges von Björk.

Musicscan: Wie ist es denn momentan um die australische Musikszene bestellt, sieht man einmal von AC/DC ab?

Virgin Black: Australien ist schon ein merkwürdiger Ort, dem es zwar gelingt vieles zu erreichen, was er sich vornimmt, aber mir wäre es lieber, man würde sich für einen breitgefächerteren Fokus auf die Künste interessieren. Man wird sicherlich nicht nach Australien kommen und viele Bands wie VIRGIN BLACK finden, aber in letzter Zeit hat sich in der Szene doch einiges verschoben. Während wir nun in der Vergangenheit eher für brutalen DeathMetal, Thrash und AC/DC bekannt waren, werden nun auch andere Schattierungen wertgeschätzt. Opeth beispielsweise sind sehr erfolgreich hier, so daß der Auftritt in Sidney während ihrer letzten Tour zum bestbesuchten Auftritt ihrer Karriere geriet. Es war wirklich wunderbar mit ihnen durch unsere Heimat zu touren und ich wünsche mir, daß das wieder passiert.

Musicscan: Seit ihr Autodidakten, oder hattet ihr Musikunterricht. Hat dies vielleicht eure Perspektive auf die Musik verändert?

Virgin Black: Meine Herangehensweise an Musik ist nicht sehr kalkuliert. Wenn ich etwas sehe, was ich gerne tun würde, dann versuche ich es einfach. Samantha und ich sind eher Leute, die sich auf das Spielen konzentrieren, als auf das Schreiben und Lernen. Zugegeben, Samantha hat einen theoretischen Background und ich hatte einige Stunden bei einer ausgebildeteten Opernsängerin, aber wir beide vertrauen nicht sehr darauf.

Musicscan: Wie kam denn die Zusammenarbeit mit dem klassischen Orchester zustande und wie waren die Reaktionen der anderen Musiker?

Virgin Black: Mit dem Adelaide Sinfonie Orchester aufzunehmen war eine extreme Herausforderung ! Ziemlich früh während der Komposition bemerkten wir, daß wir ein Orchester bräuchten und vielleicht auch tatsächlich mit einem zusammenarbeiten würden. Plötzlich wurde unser eher laxer Umgang mit Musiktheorie zum Problem, denn wir waren gezwungen über achtzig Minuten an Musik als Partitur auszunotieren für diese absoluten Elite-Musiker. Glücklicherweise liebte der Dirigent die Partitur, sie war bestens geschrieben und schließlich verbrachten wir den besten Tag unseres Lebens bei den Aufnahmen. Tatsächlich haben wir nicht sehr viel mit dem Musikern gesprochen, aber wir bekamen Komplimente, die uns durch den Dirigenten erreichten und ihm zufolge sei das ein riesiges Kompliment.

Musicscan: Warum erscheint dieser Tage erst der mittlere, "mezzo-forte" betitelte Teil?

Virgin Black: Vom Konzept her, muß man die Folge der drei Alben schon so sehen, daß sie mit dem leichtesten (pianissimo) Teil beginnen und dann immer heftiger werden, was natürlich dem tatsächlichen Veröffentlichungsplan entgegen steht. Ein Grund für diese Reihenfolge, liegt in der Geschichte von VIRGIN BLACK. Das mittlere Album sollte einfach für unsere bisherigen Fans am einfachsten zugänglich sein. Somit sparen wir uns die etwa "extremeren" Alben, die diesen Mittelteil einrahmen für später auf. Etwas merkwürdig, ich weiß, aber auf diese Weise ergibt sich sicherlich der beste Gesamtüberblick über das Werk in einem Album.

Musicscan: Gibt es schon Pläne für eine Tour? Wie werdet ihr das alles realisieren, wahrscheinlich auch eher ohne Orchester?

Virgin Black: Die Gesamtveröffentlichung von Requiem wird einen langen Zeitraum benötigen und vielleicht bringt das irgendwann eine Europatournee mit sich. Momentan haben wir eine Tournee für die USA, Kanada und Mexiko gebucht, die im Juni und Juli stattfinden wird. Zum jetzigen Zeitpunkt spielen wir auch noch reichlich Material der ersten beiden Alben, denn die Fans würde uns sicher lynchen, wenn wir das nicht täten. Aber sicherlich werden wir auch Material von Requiem spielen. Wir können auf jeden Fall auch Teile des klassischen Requiems spielen und ebenso ein paar kreativ veränderte von Mezzo-Forte. Ich sage immer, solange die Performance intensiv ist, macht es keinen wirklichen Unterschied, wenn sich die Songs etwas von der CD unterscheiden. Warum sollten die Leute auch wollen, daß es wie auf CD klingt, denn eine Live-Show sollte doch speziell und einzigartig sein.

Musicscan:Und so sollten die Fans mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurückbleiben. Es bleibt bedauerlich, daß die adäquate Umsetzung aller drei Requiem-Teile an den beschränkten finanziellen Mitteln der Band scheitern dürfte, denn eine üppige Live-Performance mit Orchester und Chor wäre sicherlich ein unvergessliches Spektakel geworden. Andererseits, so bleiben dem Hörer viele eindrückliche Stunden des Musikgenusses unter dem heimischen Kopfhörer.

 
 Links:
  virginblack.com
 
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