Go There
INFOS > Interviews-Stories > Details
/ 1 2 3 6 A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W X Y Z [
Interviews/Stories gesamt: 1828

Xcanaanx

Storie von: arne, am 28.07.2002 ]

"Still Vengeance Stirs My Blood...
To The Straight Edge We Will Remain... Loyal To The Grave"

 
Im letzten Jahr lernte ich auf dem Fluff Fest in Plzen einen Engländer kennen, der mir von einer fetten Straight-Edge-Metal-Mosh-Band namens xCANAANx erzählte. Er selbst hatte den Weg nach Tschechien auf sich genommen um Caliban und Heaven Shall Burn zu sehen, mit denen er seine Landsleute auch prompt verglich.

Etwa einen Monat ist es nur her, dass mich über Ignition Records "Gehenna Made Flesh", das Re-Release der ersten MCD eben jener xCANAANx erreichte. So vielversprechend, wie sich Artwork und Texte darstellen, ist dann auch der Sound dieses Quintetts aus dem UK. Die Band selbst betitelt ihr Treiben als "Straight Edge metallic Hardcore from the black Heart of South East England". Damit sind sie auch hinreichend beschrieben, wie ich finde, und die Einordnung zwischen Caliban und Heaven Shall Burn ist, zumindestens für das alte Material der Gruppe, zutreffend. Andere sprechen auch von einer gewissen Nähe zu Day Of Suffering.

Ungestüme Moshparts und jede Menge fetter Metal formen ein Album, das sich deutlich vom Gro der vielen Nachahmerbands abhebt. xCANAANx spielen auf gleichem Niveau wie die Genre-Führer vom Festland und zeigen sich dabei nicht minder durchschlagend und vertrackt. Die Aufnahmen der MCD sind inzwischen über zwei Jahre alt und dennoch pumpen sie noch ordentlich; sind mit dem Material der deutschen Vertreten jener Zeit vergleichbar. Der Opener "Hollow Sky" ist dabei wohl noch der verträglichste Song auf "Gehenna Made Flesh".

Im August ist die Band auf Europa-Tour und diese Gelegenheit solltet ihr euch nicht entgehen lassen. Ich bin auf den direkten Vergleich zwischen xCANAANx, Caliban und Heaven Shall Burn gespannt. Mitte August findet in Nordhausen ein weiteres HC-Festival statt und da werden die drei Bands aufeinander treffen.

xCANAANx sind fünf Freunde aus dem Südosten Englands, die hörbar an das glauben, was sie da spielen und die wissen, wofür Straight Edge steht. Die Band tritt offen für ihre Überzeugungen ein und nimmt kein Blatt vor den Mund. Richard und Alan sind die beiden Gitarristen, Dan bearbeitet den Bass, Ross Bones sitzt hinter der Schießbude und NatexHate leiht dem Ganzen seine Stimme.

Ähnlich den Nordhausenern von xMAROONx haben auch Canaan x-e vor und nach dem Bandnamen positioniert, worauf ich Nate im Interview (natürlich) als erstes ansprach: "Wir entschieden uns für die X-e, weil wir sehr stolz darauf sind Straight Edge zu sein. Wir wollen das nicht verheimlichen. Vielen Bands scheint es peinlich zu sein und sie versuchen das zu kaschieren. Sie scheinen angst zu haben, die Kids würden sie dann nicht mehr mögen, wenn sie es offen zur Schau tragen würden. Das ist nichts für uns; wir stehen zu unserer Überzeugung. Straight Edge öffnete meine Augen und bewahrte mich vor einem Leben mit Drogen und Ärger. Ich habe inzwischen Ziele erreciht, die ich früher für unerreichbar gehalten habe. Warum sollte ich mich für meine Wahl schämen? Alan und ich sind seit nunmehr neun Jahren Straight Edge. Wir wuchsen in einem maroden Seebad mit vielen Problemen und wenigen Entwicklungsmöglichkeiten auf. Viele, mit denen wir groß wurden, ruinierten ihr Leben durch Drogen, Alkohol oder mit ungewollten Schwangerschaften. Wir erkannten schnell, dass wir Verantwortung für unser eigenes Leben übernehmen mussten, um nicht ebenso zu enden. Wir gaben unserem Leben eine andere Richtung. Schon immer waren wir diejenigen, die mehr vom Laben erwarteten als nur in der Hoffnungslosigkeit einer Kleinstadt gefangen zu sein. Früh kamen wir zu Punk und Hardcore und schnell fanden wir Minor Threat. Der Rest ist Geschichte..."

Mich interessierte weiter, was Nate am Hardcore fasziniert und was ihm persönlich gibt in einer Band wie xCANAANx zu singen: "Sich selbst durch Musik und Zines ausdrücken zu können, hat mich in die Hardcore-Szene gezogen. Nirgendwo anders würde ich mich derart heimisch fühlen. Schon immer wollte ich in einer harten sXe-Band, die sich gegen die normale Laufrichtung der UK-Szene bewegt, singen. Wir haben keine Angst davor

aufzustehen und die Leute auf aktuelle Problemfelder anzusprechen. Meinen Freunden ging das ebenso und so starteten wir die Band. Wir wollten die Sachen in die Szene zurückbringen, die ihr damals fehlten und das haben wir auch geschafft, behaupte ich."

Zugegebenermaßen kenne ich nicht viele englische Bands. Anthem Of The Century, Freebase und Knuckledust sind spontan die einzigen, die mir einfallen. Daher bat ich Nate in kurzen Worten die HC-Szene auf der Insel zu beschreiben: "Der Szene im UK geht es in bezug auf Shows und den Support der Kids inzwischen deutlich besser. Ich denke auch, dass wir inzwischen Bands hervorgebracht haben, die dem internationalen Standard gerecht werden. Der englische Hardcore wurde vom europäischen Festland stets belächelt, aber das ändert sich langsam. Natürlich haben auch wir hier die Probleme, mit denen auch die etablierte europäische und amerikanische Szene zu kämpfen hat. Auch bei uns gibt es Wichtigtuer, verlogene Kids, die gegen die "wahren" HC-Kids propagieren, und vorstädtische Dummköpfe, die ihren Platz beanspruchen... Knuckledust machen nach wie vor ihr Ding und der letztjährige Anthem Of The Century- Split bescherte uns zwei neue, großartige Bands; Sworn In (CD auf Bridge9/Reflections) und Steel Rules Die, von denen man sicher noch hören wird."

...und wie ist es um die Straight Edge-Szene bestellt? "Die sXe-Szene hier ist sehr klein und so etwas wie eine eingeschworene Gemeinschaft. Das mag ich sehr. Viele Kids leben die Ideen von sXe, sind aktiv dabei und geben Zines heraus. Es gibt neben uns natürlich noch andere Bands wie z.B. Last Chance,Sworn In, One Truth, Seventh Judgement und Black Ops, die auch ihren Teil beitragen. Die Kids übernehmen mehr und mehr die Initiative und holen die Shows aus den teuren Pubs in altersunbegrenzte und drogenfreie Jugendzentren."

Ich erinnere noch einmal daran, dass das Material von "Gehenna Made Flesh" schon mehr als zwei Jahre alt ist und auf Ignition als Re-Release erschienen ist. Das Besetzungskarussell hat sich in der Zwischenzeit gedreht und xCANAANx zwei neue Mitglieder beschert. Nach Nate weisen aber auch die neuen Songs alle wesentlichen Elemente guter Hardcore-Musik auf: "Wir versuchen all die Elemente zu verbinden, die wir in unserer Band haben wollen; harte Mosh-Parts, Crew-Singalongs, nachdenkliche Texte, sXe-Pride - All die guten Sachen eben! Wir haben die krassen, vordergründigen Death Metal- Einflüsse der ersten MCD ein stückweit abgestreift, denn die Ideen dazu kamen von unseren alten Mitgliedern. Uns spricht das heute nicht mehr derart an. Dennoch soll die Musik heavy bleiben; härter und schneller als alte NY-HC Oldschool- Sachen, und mit vielen Melodien angereichert."

Doch auch die Lyrics von Nate haben es in sich. Sie sind stark metaphorisch und nicht in jedem Fall sofort zugänglich: "Vor einigen Jahren sang ich in einer traditionelleren Hardcore-Band. Nach einiger Zeit war ich von den Texten, die ich schreiben sollte, gelangweilt. Als xCANAANx dann starteten, wollte ich meine eigene Kreativität herausfordern. Verwendet man Metaphern, müssen die Leute ihre eigenen Schlüsse ziehen und das schätze ich sehr. Dennoch sind sie allesamt mit klarer Intention geschrieben. Für die neuen Songs habe ich versucht, die Texte deutlicher und verständlicher zu formulieren und dennoch interessant und vielseitig zu bleiben."

Vielseitig ist auch die Fanbase der Band im UK: "Unsere Shows sind vom Publikum her sehr durchmischt und das schätze ich. Es kommen ebensoviel Kids mit Floorpunch- und American Nightmare- Shirts wie andere mit Hatebreed, Slipknot oder Heaven Shall Burn. Sie alle haben gemein, dass sie wütend und aufgebracht sind und harte, ehrliche Musik mit einer durchdachten Botschaft hören wollen."

In Kürze erscheint auf Ignition eine Split 7Inch von xCANAANx mit Thirty Seconds Until Armageddon und im Herbst kommt dann eine neue MCD auf Sober Mind. Man darf wohl zurecht gespannt sein und sollte Nate's letzte Worte im Hinterkopf behalten: "Mosh hard, keep it edge and we'll see you soon!"
 
 Links:
  Canaan- Bandpage
 
oben