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Shadows Fall

Storie von: arne, am 21.04.2007 ]

Mit ihrem Major-Debüt “Threads Of Life“ setzen SHADOWS FALL endgültig zum Angriff auf den Metal-Thron an. Mosh-Parts und Breakdowns wurden auf ein Mindestmaß reduziert, während neben den gewohnten Metallica- Referenzen stärker denn je Iron Maiden-Zitate durchscheinen.

 
Die Bostoner nutzen die Inspiration durch ihre „Helden“, um den eigenen Bandsound weiter zu verfeinern, auszubauen und aufzuwerten. Wie schon bei “The War Within“ tritt die Eingängigkeit zugunsten zur Schau gestellter Technik und zurückgewonnener Härte etwas in den Hintergrund. Brain Fair hat weiter an seinen sängerischen Fähigkeiten gefeilt und sorgt mit souveränen Linien für den Rahmen, der den Elf-Tracker zusammenhält und die Stücke miteinander in Verbindung setzt.

Die Promo-Tour zur Platte führte Matt und Brain zur Faschingszeit nach Köln: „Wir hatten keine Ahnung und waren ziemlich überrascht, dass wir genau zum Karneval in Köln aufgeschlagen sind.“ gibt sich Gitarrist Matt unschuldig: „Wir haben wohl einfach das Glück des richtigen Timings und werden versuchen, etwas von dem ganzen Trubel mitzunehmen. Denn wenn wir etwas können, dann ist es, Party zu feiern!“

Kritischer bewertet er die „Notwendigkeit“ der PR-Rundreise: „Das hängt von der Sichtweise ab. Da wir eine Band sind, die sehr viel und intensiv tourt, fällt es uns schwer, zusätzlich unterwegs zu sein, um Rede und Antwort zu stehen. Eigentlich sollten wir ja zu Hause abhängen, relaxen und Kräfte für die anstehende Tour sammeln. Allein für Interviews um die ganze Welt zu fliegen wird vor diesem Hintergrund zu einem toughen Unterfangen, aber es gehört inzwischen einfach zum Spiel. Es könnte uns schlechter gehen, ich mag mich gar nicht beschweren.“ Wenigstens haben sich die Lokalitäten verändert. Statt wie gewohnt zu Century Media nach Dortmund führte es die beiden Musiker diesmal zu Roadrunner nach Köln:

„Das ist keine große Geschichte. Unser Vertrag mit Century Media lief schlichtweg aus und nach sieben Jahren fanden wir, es sei an der Zeit, weiterzuziehen und die Band wieder einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Wir begreifen die Veränderung als Neustart und werten ihn allein positiv. Nach der langen Zeit wollten wir einfach erfahren, was noch so geht.“ Nicht zuletzt eröffnet man sich durch das Umfeld des Roadrunner-Roasters neue Möglichkeiten, auch wenn man einer der traditionell aufgestelltesten Acts des Labels ist: „Dem stehe ich gelassen gegenüber. Auch in Europa sind SHADOWS FALL als Metal-Band etabliert und die Leute kennen uns. Zwar hat es hier länger als in den Staaten gedauert, doch wir haben unsere Fans. Zum Roaster von Roadrunner passen wir ausgezeichnet, denn wir sind nicht zu sehr auf einen bestimmten Stil ausgerichtet. RR deckt alle Facetten schwerer Musik ab, die unseren Sound ausmachen.“

Apropos „Heavy-Sounds“, den beeindruckendsten Aufstieg der letzten Jahre verzeichneten Mastodon, die wie SHADOWS FALL in den Staaten über einen Major veröffentlichen und dort vortrefflich funktionieren: „Der Erfolg von Mastodon hat uns gleichermaßen gefreut und überrascht.“ sagt Shouter Brain: „Wir kennen und schätzen sie schon lange und gönnen ihnen das alles. Dass eine solch komplex und herausfordernd aufgestellte Band derart breiten Zuspruch erfährt, hätten wir im Vorfeld nicht erwartet. Das zeigt, wie offen die breite Masse gegenüber neuen Ideen ist. All das, was man in der Vergangenheit über Funktionieren bzw. Scheitern von Underground-Bands auf Major-Labels sagte, wurde spätestens durch sie über den Haufen geworfen. Auch für uns läuft es gut.“ Über eine mögliche, kommerziell zu kennzeichnende Grenze des Aufstiegs ihrer


Band denken die Metaller nicht nach:

„Von solchen Gedanken halten wir uns ganz bewusst fern.“ entgegnet Matt: „Wenn die Leute der „kommerziell orientierten Welt“ Gefallen an uns finden, ehrt uns das. Ist es nicht der Fall, auch okay. Das ändert nichts an daran, wie unsere Songs und Alben klingen werden. Wir selbst setzen uns keine Limits und streben stets nach dem Maximum. Wer in falschen Kategorien denkt oder sich von materiellen Erwägungen leiten lässt, beeinflusst sich unbewusst in einer negativen Weise, und das soll uns nicht passieren.“ Und doch wird selbst eine Band wie SHADOWS FALL von illegalen Downloads, sprich verminderten Einnahmen durch CD-Verkäufe, tangiert:

„Das ist eine schwierige Kiste, denn es hilft und schadet uns zugleich. Freie Downloads ermöglichen es den Leuten, Bands anzutesten und gewinnen ihnen neue Fans, die dann zu den Shows kommen und Merchandise kaufen. Wenn die Leute Gefallen an deiner Platte finden, werden sie sich auch die reguläre CD mit Case, Texten usw. holen. Davon bin ich überzeugt. Downloads sind nicht pauschal zu verteufeln, wie es gemeinhin gemacht wird. Das Problem sind die illegalen Downloads, bei denen es sich ganz klar um Diebstahl handelt. Dessen muss sich jeder bewusst sein, auch wenn mir klar ist, dass es Leute gibt, die kein Geld für CDs ausgeben können. In jedem Fall finde ich es uns und anderen Künstlern gegenüber unfair, wenn Platten bereits vor den eigentlichen Erscheinungsterminen als Downloads zu haben sind.“ Die als „entspannt“ zu kennzeichnende Einstellung Matts begründet sich vielleicht dadurch, dass SHADOWS FALL nicht primär von den CD-Absätzen abhängig sind:

„Unser Geld verdienen wir hauptsächlich auf Tour. Heutzutage scheint kaum eine Band mehr viel mit CD-Verkäufen zu verdienen. Solange die Leute zu den Shows kommen, ist für uns alles okay.“ Gerade live sind die Bostoner noch immer eine Bank gewesen. Die explosiven Tracks des neuen Albums lassen auf eine baldige Euro-Rundreise hoffen, auch wenn derzeit noch keine konkreten Pläne existieren. Zur neuen Platte befragt, äußert Matt: „Aus meiner Sicht gibt es ebenso viele Gemeinsamkeiten wie Unterschiede zur letzten Scheibe. “Threads Of Life“ ist das Ergebnis der natürlichen Entwicklung, die SHADOWS FALL gehen musste. In der Vergangenheit fehlte uns stets die Zeit, beim Songwriting und den Recordings fokussiert an den Songs zu arbeiten. Das war uns nicht möglich, weil wir feste Zeitpläne hatten, die eingehalten werden mussten. Diesmal stand uns für Songwriting und Pre-Produktion alle Zeit der Welt zur Verfügung. So konnten wir verschiedene Arrangements einzelner Songs auszuprobieren und an den Feinheiten der Stücke feilen. Das Mehr an Zeit haben wir vor allem für Melodien und die Stimmigkeit der Kompositionen aufgewendet.“

Das Ergebnis spricht für sich, “Threads Of Life“ ist eine tolle Metal-Scheibe geworden, die eher von Iron Maiden denn wie die früheren Alben von Metallica inspiriert scheint: „Maiden sind von jeher ein sehr wichtiger Einfluss für uns gewesen.“ entgegnet Brian: „Als wir mit ihnen die Ozzfests spielten und sahen, wie die Leute ihre zeitlosen Klassiker mitsangen, hat das auf die Arbeit am neuen Album durchgeschlagen. Einen solch legendären Status möchten wir auch erreichen. Maiden steht für die perfekte Balance aus Melodien und Aggressivität, und eben darum geht es im Metal.“

 
 Links:
  shadowsfall.com
 
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