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Deerhoof

Storie von: Matthias Rauch, am 19.03.2007 ]

Wenn Bands wie Radiohead, Sonic Youth, The Flaming Lips, Beck oder Wilco nicht müde werden, von der unerschütterlichen Brillanz einer Band zu reden, dann ist dies praktisch schon der Ritterschlag in diesem nach wie vor merkwürdigen Spiel namens Musikgeschäft. Dass sie nicht nur Kritiker- und Kollegenlieblinge sind beziehungsweise sein wollen, unterstreichen Deerhoof mit einem weiteren grandiosen Album.

 

Ihr neuntes übrigens. Zugängiger, offener, strukturierter und doch gleichsam verspielter ist Friend Opportunity geworden, auf dem sich die Band in ungewohnt harmonischen Kontexten präsentiert. Deerhoof tun genau das, was Musikjournalisten eigentlich wollen: Sie stellen sie vor unlösbare Aufgaben, denn die Vielseitigkeit und die eklektizistische Herangehensweise an ihre Musik entzieht sich konsequent rigiden Festschreibungen oder eindimensionalen Kategorisierungen. Diese Unvorhersehbarkeit zelebrieren Deerhoof nicht nur innerhalb eines Albums, sondern auch zwischen den Alben lassen sich erstaunlich wenige Konstanten für einen greifbaren, charakteristischen Sound festmachen. Doch das soll natürlich nicht heißen, dass man sich als Schreiber nicht ein weiteres Mal daran die Zähne ausbeißen soll.

Wirklich angefangen hat alles im Jahr 1994, als Greg Saunier und Rob Fisk die Band in San Francisco aus der Taufe heben und kurz darauf die erste Single „Return Of The Wood M’Lady“ auf dem Vorzeige-Indie Kill Rock Stars veröffentlichen. Kurz darauf wird dem Duo bewusst, dass man einen Sänger braucht, um die gesammelten Ideen adäquat umsetzen zu können und nach einiger Zeit lernt man über gemeinsame Freunde die spätere Sängerin Satomi Matsuzaki kennen, die gerade von Tokio nach San Francisco übergesiedelt ist. Das erste Album The Man, The King, The Girl erscheint 1997, gefolgt von Holdypaws und Halfbird, die allerdings nur in ausgewählten Szenekreisen Beachtung finden. Mit Reveille ändert sich dieser Missstand allerdings schlagartig, als das Album zum Kritikerliebling


des Jahres 2002 avanciert. Das darauf folgende und etwas ungestüme Apple O’ wird kurz darauf vom wesentlich songorientierteren Milk Man abgelöst, das schon die stärkere Hinwendung zu nachvollziehbareren aber keinesfalls durchsichtigen Popstrukturen andeutet, wie sie sich auf The Runners Four konkretisieren.

Mit ihrem neuen und wieder einmal mit Ideen nur so strahlenden Machwerk Friend Opportunity geht die Band noch einen Schritt weiter und zeigt sich gegenüber harmonischen Verortungen wesentlich empfänglicher als dies auf den Vorgängern der Fall war. Dabei pendelt die Band scheinbar mühelos zwischen Math-Rock, Art-Pop, Indie-Gestus, Blues-Anspielungen und kurzen Noise-Ausbrüchen hin und her, ohne sich auch nur einmal wirklich festlegen zu wollen. Und genau diese Wandelbarkeit, die jedoch niemals in einer postmodernen Beliebigkeit endet, ist es auch, die diese Band und dieses Album so faszinierend machen. Deerhoof begeistern mit ihrer Hybridität und mit ihrem spielerischen Zustand des „Dazwischen“, der gewährleistet, dass sich ihre künstlerische Komplexität und Vielschichtigkeit nicht durch starre Zuschreibungen festzurren und damit auch ihrer kreativen Kraft berauben lässt. Denn hier lassen sich noch wahrhaftige Überraschungen und unverhoffte Wendungen finden, ohne dass dabei jemals der Eindruck des Strukturlosen entsteht. Die sanfte und harmonieverliebte Stimme Matsuzakis trifft auf eine meist kratzige instrumentale Grundlage und schafft in dieser sich ständig verschiebenden Verbindung zweifellos eines der beeindruckendsten Alben des noch jungen Jahres.
 
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