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The Hidden Hand

Storie von: arne, am 19.02.2007 ]

Mit “The Resurrection Of Whiskey Foote” (Southern Lord) veröffentlichen Scott “Wino“ Weinrich und Bruce Falkinburgh ihren dritten Longplayer und greifen dieses Mal auf die Unterstützung ihres neuen Drummers Evan Tanner zurück. Wo der direkte Vorgänger “Mother Teacher Destroyer“ noch durch einen modernen Anspruch und neuzeitliche „Crossover- Elemente“ auffiel, regiert heute wieder klassischer Doom-Rock, der um Folk- und Country-Elemente erweitert wird, deutlicher denn je in der Tradition amerikanischer Roots-Musik steht.

 
Die markanten Vocals stärken den gewohnt psychedelischen Charakter der Stücke zusätzlich wie nachhaltig, und so entsteht das zu erwartende, kompakt-brachiale Werk, auf das man im Vorfeld gehofft hatte. Auf dem Weg von der Schöneberger Ankerklause hin zum geparkten, deutlich ruhigeren PKW zeigte sich “Wino“ ob frühlingshafter Temperaturen über das Ausbleiben des Winters enttäuscht:

„In den Staaten gibt es schon keinen Schnee, und nun hatte ich auf Europa gesetzt. Doch hier ist es genau das Gleiche. Die Natur ist außer Rand und Band und nirgendwo ist mehr richtig Winter. Im Januar sollte es kalt und unfreundlich sein, doch es scheint die Sonne und man kann im Sweater vor die Tür. Das kommt dabei heraus, wenn man die Wünsche der Wirtschaft über alles andere stellt und sich nicht um die Natur kümmert. Erst langsam scheint sich das zu ändern, und endlich leitet auch unsere Regierung erste Schritte zum Schutz der Umwelt ein. Das war längst überfällig, auch wenn es noch längst nicht ausreicht.“

Obschon THE HIDDEN HAND eine Doom-Rock-Kapelle sind, haben die Musiker die sich ihnen bietende Plattform immer auch als Sprachrohr zur Kommentierung aktueller Problemfelder genutzt. Den offensivsten politischen Charakter wies das Debüt “Divine Propaganda“ auf, doch auch “Mother Teacher Destroyer“ und jetzt “The Resurrection Of Whiskey Foote” geben konkrete Hilfe für die Alltagsbewältigung bzw. kritisieren das bestehende Gesellschaftssystem. Für Wino ist es indes nicht selbstverständlich, dass er sich einerseits kritisch äußert und andererseits einen positiven Ausblick in seine Texte einbaut. Zu Zeiten von St. Vitus, The Obsessed oder Spirit Caravan gab es Derartiges nicht, und es ist der Ausdruck eines Selbstfindungsprozesses der Doom-Ikone:

„Mir sind in meinem Leben eine Menge negativer Dinge widerfahren, und obwohl ich dachte, mit der Situation zufrieden und glücklich zu sein, habe ich mir nur etwas vorgemacht. Ich dachte früher, man könne keine Heavy-Songs schreiben, wenn man gut drauf wäre, doch das stimmt nicht. Erst mit den Jahren hat sich meine Einstellung zum Leben langsam verändert. Heute will ich ganz bewusst leben und das genießen. Früher habe ich das Leben gehasst, und das transportierten meine Lyrics. Erst mit der Zeit bin ich dazu übergegangen, Texte mit einem positiven Ausblick zu verfassen. Ich weiß heute, dass man diesen braucht, auch wenn nach wie vor einige Lyrics dunkel und negativ sind. “The Resurrection Of Whiskey Foote” bietet diesbezüglich eine ausgewogene Mischung mit „Happy End“. Ohne Dunkelheit gibt es auch kein Licht.“

Wino selbst hat sein Leben heute im Griff, hat allen Drogen und Giften entsagt


und wird in Kürze zum dritten Mal Vater. Auch das prägt seine Einstellung und die Art und Weise, Lyrics zu verfassen: „Diese Welt ist für viele schon deprimierend genug. Mir ist es wichtig, Hoffnung auszudrücken und einen Ausweg zu zeichnen. Ich würde mich freuen, wenn die Leute mich auf Konzerten auf die Texte der neuen Platte ansprechen würden. Mich interessiert, wie sie diese verstehen und interpretieren. Es gibt Hoffnung, noch ist nicht alles verloren. Das ist die Essenz des Albums, doch es gibt viele Abstufungen, über die man diskutieren kann.“

Auch musikalisch bewegen sich THE HIDDEN HAND zwischen „Licht und Schatten“. Ihr drittes Album startet geheimnisvoll und „undurchsichtig“ und löst sich letztlich positiv auf. Von Beginn an spürt man, dass hinter der Dunkelheit und Schwere traditionell geprägter Doom- und Heavy-Klänge auch Schönheit und Anmut besteht, die am Ende durchbrechen. “The Resurrection Of Whiskey Foote“ gestaltet sich als abwechslungsreiche Reise durch unterschiedliche Schweregrade, die aber auch Elemente aus Folk und Country aufnimmt und so die musikalische Basis verbreitert:

„Du wirst es kaum glauben, aber wir haben lange über jeden einzelnen Song gesprochen, nachdem sie aufgenommen waren und alle endlos analysiert.“ verrät Wino: „Wir haben uns gefragt, ob etwa die Mundharmonika-Linie nicht doch zu viel des Guten ist, und haben uns letztlich doch getraut. Noch immer ist da vorwiegend Doom und Prog, und dazu passen Folk und Country meiner Ansicht nach hervorragend. Unser Album beweist es. Ich bin sowohl mit Sabbath als auch den Beatles, Frank Zappa und ZZ Top aufgewachsen. Da kommt heute alles durch und fließt in die neuen HIDDEN HAND-Stücke ein. Den Hauptteil bilden schon noch Obsessed-Mid-Tempo und Vitus-Stuff, aber auch ZZ Top-artiges findet seinen Platz. Das passt schon.“ Die Zeit für generelle Heavy-Musik, die von den Leuten dann auch verstanden wird, scheint endlich angebrochen, und alles kommt natürlich, teils auch ungeplant, zusammen:

„Das Cover des neuen Albums verdanken wir einem unglaublichen Zufall. Ein Bekannter rief an und sagte, er hätte ich einem Buchladen in Pennsylvania ein Buch mit dem Titel “THE HIDDEN HAND“ gefunden, das wir unbedingt sehen müssten. Er schickte uns einen Scan vom Einband und das wurde unser Cover. Es handelt sich um ein Buch aus den 1930er Jahren, das schon ziemlich mitgenommen ist. In seinem Zustand passte es perfekt zu uns und dem Konzept der neuen Platte.“ Rein optisch setzt es mit seinem abstrakten Herz die stark ausgeprägte emotionale Seite des Trios glänzend um, und gleichfalls ist da auch etwas Bedrohliches. Licht und Schatten eben.

 
 Links:
  thehiddenhand.com
 
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