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Minsk

Storie von: arne, am 12.02.2007 ]

Nur zwölf Monate nach ihrem tollen At A Loss-Einstand “Out Of A Center Which Is Neiter Dead Or Alive” melden sich MINSK über Relapse mit ihrem zweiten Album “The Ritual Fires Of Abandonment“ in der Heavy-Szene zurück und halten den Ball am Laufen. Noch akzentuierter und ausladender verfolgen die Musiker ihre dichten Monumentalsounds, die so herrlich drückend und kraftraubend vorgetragen werden.

 
Es sind keinesfalls positive Emotionen, die MINSK wecken wollen, denn dafür sind die schleppenden Mid Tempo-Stücke viel zu destruktiv und melancholisch angelegt: „Als wir mit der Band starteten, noch bevor wir überhaupt die Instrumente zur Hand nahmen, setzten sich Chris (Gitarre und Gesang) und ich uns hin und diskutierten lange darüber, welche Ziele wir mit der neuen Gruppe erreichen wollten und wie sie aufgestellt sein sollte.“ führt Timothy Mead (Vocals und Effekte) zum Ansatz und Selbstverständnis von MINSK aus:

„Wir steckten die konzeptionellen Ziele ab und fanden einen Weg, der uns in dem Maße inspirierte, das wir uns beständig entwickeln und ausleben können. Die Liste der Ideen und Wünsche war anfangs unendlich lang und für zwei Typen zu großen Teilen unrealistisch, die ohne Band an das Vorhaben gehen wollten. Doch rückblickend ist es fast unglaublich, wie nah wir mit dem heutigen Sound an dem sind, was wir uns damals vorgenommen haben.“ In der Entwicklung ging es Schlag auf Schlag, nachdem das Line-Up zu einem Quartett aufgestockt wurde:

„Tony (Drums) stieß zu uns und fügte sich perfekt in unsere Vision. Mit Sanford (Bass und Vocals/ex- Buried At Sea) verhielt es sich ebenso. Innerhalb kürzester Zeit hatte sich eine Einheit formiert, die auf ein gemeinsames Ziel hin eingeschworen war und alles daran setzte, dieses zu erreichen. Jeder, der schon einmal Mitglied einer Band gewesen ist, weiß, dass die größte Herausforderung darin besteht, eine Gruppe von Leuten zu finden, die sich blind und intuitiv versteht. Wir teilen dieselben Vorlieben und kommen perfekt miteinander aus. In der Startphase schien es mir, Chris und ich sprächen über etwas weit in der Zukunft liegendes. Etwas, das wir wollten, jedoch nicht würden umsetzen können. Heute sind wir eines Besseren belehrt und fühlen uns in der Position, die wir uns erarbeitet haben, sehr wohl. Die Gruppe ist eingeschworen, wir haben erste Erfolge eingefahren, auf die wir stolz sind, und dabei hat unser Weg doch gerade erst begonnen.“

Schnell mauserten sich MINSK zu einem Geheimtipp im Heavy-Underground, was den Musikern nicht verborgen blieb: „Die Wertschätzung, die wir bereits erfahren, ehrt uns, aber noch sind wir auf der Suche nach unserem Platz im Gefüge. Dabei dürfte es von Vorteil sein, dass unsere Einflüsse aus unterschiedlichen Richtungen stammen, und wir deshalb mit fast allen Bands auftreten können, wie verschieden sie verglichen mit MINSK auch aufgestellt sein mögen. Wir glauben daran, dass sich gute Musik unabhängig von Genre- oder Labelrestriktionen durchsetzen wird. Es ist toll, dass wir bereits heute über eine kleine, treue Anhängerschaft verfügen, aber wir orientieren uns an einem größeren Rahmen und möchten aus


der spartigen Enge ausbrechen. Wenn die Relapse-Platte erscheint, werden uns viele Leute zum aller ersten Mal überhaupt hören, und ich bin schon jetzt gespannt, zu erfahren, wohin die Reise für uns gehen wird.“

Der Wechsel hin zum weltweit größten Extrem-Label wird dem Quartett definitiv viele Türen öffnen: „Was soll ich schon groß über Relapse sagen? Es ist hinlänglich bekannt, dass es ein tolles Label ist, das viele der wichtigsten und bahnbrechendsten Bands der letzten 15 Jahre hervorgebracht hat. Als sie anklopften, mussten wir ihr Angebot einfach annehmen. Auf wen sonst hätten wir warten sollen? Natürlich hat man immer die Angst, unter vielen Veröffentlichungen übersehen zu werden, aber wir sind selbstbewusst genug und setzen auf unsere Stärken. Uns ist klar, dass wir keine Band sind, die Millionen von Alben verkaufen wird, doch mit den Möglichkeiten von Relapse sollten wir unseren Namen noch besser unter die Leute bekommen. Mehr kann man von einem Label nicht erwarten.“

Nicht zuletzt werden MINSK auch vom anhaltenden Prog-Revival profitieren: „Ich höre immer wieder, dass progressiver Metal “das neue Ding” ist und bekomme dabei Kopfschmerzen. Wir gaukeln uns vor, dass sich der Heavy Metal in großem Umfang für Kreativität und neue Einflüsse öffnet, aber ich glaube nicht so recht daran, dass es tatsächlich so ist. Sollte es aber stimmen, ist unser Timing perfekt, denn dann müssten die Leute für Musik wie die unsere aufgeschlossen und bereit sein. Von den bisherigen Erfahrungen her, ist dies allerdings nicht der Fall. Vielleicht liegt das daran, dass wir in vielerlei Hinsicht keine typische Metal-Band sind, aber das kann nicht der alleinige Grund sein. Doch es wendet sich um Besseren, und einstückweit ist da schon eine neue Offenheit für frische Ideen, andere Sounds und ein größeres Maß an Kreativität. Noch vor wenigen Jahren hätten Mastodon oder Opeth auf dieser breiten Front nicht funktioniert. Eigentlich hasse ich es, Klischees zu benutzen, aber es scheint fast so, als habe sich ein Zeitgeist in die Heavy-Community geschlichen, von dem auch wir profitieren könnten. Als wir vor fünf Jahren mit MINSK starteten war er jedenfalls noch nicht da. Ob er in weiteren fünf Jahren noch existent sein wird, bleibt abzuwarten. Wie dem auch sei, wir bleiben auf unserem Weg und entwickeln uns weiter. Gegenüber "Out Of A Center" haben wir unsere Position mit “The Ritual Fires Of Abandonment“ merklich verändert, und das wird sich mit dem nächsten Album wiederholen. Aus der Reflektion dessen, was man geschaffen hat, geht man voran und kreiert Neues. Ob die Kids bei unserer nächsten Scheibe noch immer zwölf Minuten lange Songs hören wollen, bezweifle ich stark, doch das ist der Lauf der Dinge.“

 
 Links:
  thesoundofminsk.com
 
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