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Mendeed

Storie von: arne, am 09.02.2007 ]

Mit ihrem zweiten Longplayer “The Dead Live By Love” setzten MENDEED aus Schottland zum Frontalangriff auf alle Fans modernen Metals an. Die Nuclear Blast-Kombo paart eine natürliche Hymnenorientierung mit ordentlicher Härte und Kompromisslosigkeit sowie handwerklicher Klasse. Über eben diese Zutaten verfügte zwar bereits das letztjährige Debüt “This War Will Last Forever”, doch hinsichtlich seiner brachialen Konsequenz ist die zweite Platte ein weitaus gefährlicheres Kaliber, auf das vor allem Fans von Trivium und Avenged Sevenfold anspringen sollten.

 
Shouter David Proctor ließ es sich zum Zeitpunkt des Interviews in der Heimat gut gehen, um Kraft für den anstehenden Live-Marathon zu sammeln: „Im Moment gönnen wir uns eine kleine Auszeit Zuhause in Schottland, nachdem wir die letzten zwei Jahre kontinuierlich auf Tour und u.a. mit Cradle Of Filth, Avenged Sevenfold, God Forbid, DragonForce und Trivium unterwegs gewesen sind. In Kürze startet das Ganze von vorne, und unsere Revolution geht in die nächste Runde.“ Nachdem das Quintett sein Potenzial mit dem Debüt noch nicht so recht entfalten konnte, scheint der Durchbruch nun um eine Platte verzögert mit “The Dead Live By Love” bevorzustehen. Die Schotten taten das Ihre, eine „große Metalplatte“ mit Wiedererkennungsfaktor einzuhämmern:

„Uns war es wichtig, ein weitaus flüssigeres und hörerfreundlicheres Album zu schreiben. “This War Will Last Forever” ist rückblickend doch etwas zu eindimensional ausgefallen und blieb sowohl Abwechslung als auch erkennbare Höhepunkte schuldig. Das sollte uns kein zweites Mal passieren, und so haben wir viel Arbeit und Zeit darauf verwandt, Metal-Granaten zu schreiben, die sich im Kopf der Hörer festsetzen.“ Angesichts der Sammlung zwölf moderner Metal-Hymnen kann diesmal eigentlich nichts mehr schief gehen. MENDEED überzeugen sowohl durch kompakte, runde und zutiefst eingängige Tracks als auch durch handwerkliche Klasse. Dabei hatten die Musiker kaum Zeit, die eigenen Fähigkeiten weiter zu entwickeln oder die eigene Arbeitsweise umzustellen:

„Wir haben unser zweites Album nur ein halbes Jahr nach dem Debüt geschrieben und aufgenommen, also waren die Möglichkeiten zur Veränderung eingeschränkt. In diesem kurzen Zeitfenster hat sich vor allen unsere Einstellung entscheidend verändert. Wir haben uns verglichen mit der ersten Platte weitaus stärker auf die Songs konzentriert. Schließlich wollen wir wahrgenommen werden und etwas erreichen. Dafür muss man auch etwas vorzuweisen haben. Ging es ein Jahr zuvor noch darum, einen Plattenvertrag zu bekommen, stand plötzlich auf der Agenda, ein weitaus besseres Album zu schreiben und den guten Start zu bestätigen. Uns war es wichtig, unter Beweis zu stellen, dass wir in unserer Stil-übergreifenden Anlage nicht einem populären Trend folgen, sondern dieser „Crossover“ aus unseren Herzen kommt. Wer den neuen Longplayer hört, wird erkennen, dass wir nicht dem Beatdown-Ding aufsitzen und eine richtige Metal-Band mit fetten Riffs sind. MENDEED sind eine europäische Metal-Band, und darauf legen wir wert.“

Anders als Bullet For My Valentine agiert man trotz clean gesungener Refrains, die teils cheesy wirken und mit einem Augenzwinkern versehen zu sein scheinen, musikalisch hart und jederzeit auf der Höhe des Geschehens. All diejenigen, die auf fette Maiden-Riffs in einem modernen Gesamtkontext stehen, sind bei den Schotten und ihrem “The Dead Live By Love” genau richtig: „Unsere neuen Tracks sollten sowohl heavy als auch melodisch sein, wobei dem technischen Aspekt eine ganz besondere Bedeutung zukommt. Ist man zu geradlinig und simpel aufgestellt, ist ja der ganze Reiz dahin. Uns geht es darum, an unsere Leistungsgrenze zu stoßen und uns herauszufordern. Alles andere ist doch langweilig und bringt keinen Spaß.“ In ihrer Entwicklung profitierten MENDEED vor allem vom straffen Live-Programm:

„Durch das intensive Touren sind wir was das Songwriting anbelangt um einiges tighter geworden. Die Beziehung zu den Instrumenten ist heute eine andere als noch


vor einem Jahr, und wir können ganz andere Schwierigkeitsgrade meistern. Eben das war unser erklärtes Ziel. Es muss beständig voran gehen. Wenn man als Band ein gemeinsames Ziel definiert und alles gibt, dieses zu erreichen, wird das zu einer entspannten Operation. So hat sich das Album praktisch von selbst geschrieben.“ Ob des brachialen “The Dead Live By Love” klingt das fast zu einfach: „Im Ernst, es entspricht genau unseren Erwartungen und ist innerhalb kürzester Zeit entstanden. Wir haben nichts dem Zufall überlassen, einfach nur fokussiert gearbeitet, so dass alles wie von selbst kam. Die größte Herausforderung ist es gewesen, darauf zu achten, dass neben der metallischen Schwere, die wir von jeher hatten, auch ausreichend viele Hooks mit auf die Platte kamen. Unser Anspruch hierbei ist es gewesen, die Hörer so richtig zu catchen, als auch Eigenständigkeit unter Beweis zu stellen. In meinen Augen ist uns beides gelungen.” Durchaus, und auch der beständige Wechsel zwischen verschiedenen Stilen beeindruckt:

“Unsere Entwicklung ist schon immer von den unterschiedlichsten Metal-Spielarten beeinflusst gewesen. Deshalb streben wir danach, unsere vielfältigen Einflüsse zu vermischen, um etwas Größeres zu schaffen, das es vorher noch nicht gegeben hat.“ Kein Wunder also, dass MENDEED breites Identifikationspotenzial bieten: „Dass uns Hörer unterschiedlichster Lager positiv aufgenommen haben, hat uns gefreut, aber nicht überrascht. Viel eher waren wir darüber verwundert, dass wir mit einem MetalCore-Label bedacht worden sind. Ich weiß bis heute nicht so richtig, wie das gekommen ist. Gemeinhin assoziiert man damit doch Gruppen, die Metal und Hardcore vermengen, und das tun wir nicht. Andererseits ist das vielleicht die Begründung, weshalb so viele Leute auf uns aufmerksam geworden sind. Für uns ist ziemlich schnell klar gewesen, dass wir etwas Großes angestochen hatten. Viele fühlten, wir würden in unserem Metal-Verständnis neue Wege gehen. Das hat uns gefreut, denn genau das ist unser Anspruch.“

Verglichen mit den durchaus ähnlich positionierten Trivium, Avenged Sevenfod oder Bullet For My Valentine erlangten die Schotten jedoch keine ebenbürtige Medienpräsenz: „Wir fühlen uns keinesfalls benachteiligt und freuen uns für Trivium und Avenged Sevenfold, dass sie solche Erfolge feiern. Mit beiden sind wir getourt und haben einstückweit von ihnen profitiert. Es sind tolle, hart arbeitende Bands, denen alle Wertschätzung zusteht. Gleiches gilt auch für Bullet. In meinen Augen sind MENDEED ein gutes Stück härter und nicht so sehr Mainstream-orientiert. Das ist der Grund, weshalb wir etwas langsamer aufsteigen. Mit der Zeit werden auch wir uns durchsetzen, denn wir haben die nötige Substanz und folgen keinem Trend. Bei uns geht es weder um Haare noch um die Sachen, die wir tragen. Für uns steht die Musik im Mittelpunkt, und darauf kommt es langfristig an. Es wäre uns ein Leichtes, Bullet oder Trivium zu kopieren, um schnellen Erfolg einzufahren, doch das ist nicht der Anspruch. Sicherlich könnte man eine Menge Geld damit verdienen und große Hallen problemlos füllen, aber die Herausforderung bliebe auf der Strecke.“

Das korrespondiert mit der Einstellung der MENDEED-Jungs, in der sich die Schotten durchaus Hardcore-verbunden zeigen: „Bleibe so, wie du bist. Folge nicht der Mehrheit, weil das so gewünscht ist. Tue, wonach dir ist, und stehe für deine Überzeugungen ein. In diesem Leben hast du nur diese eine Chance. Nutze sie!“

 
 Links:
  myspace.com/mendeed
 
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