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Delight

Interview von: Daniel mit Paula, am: 02.02.2007 ]

Kaum jemand hatte wohl diesen vermutlich nächsten polnischen Exportschlager auf der Rechnung. Neben Schulkindern, die in überirdisch guten Death Metal Bands spielen und verwirrten Blackmetallern weiß der hiesige Metalfan doch erstaunlich wenig über die Musikszene unseres östlichen Nachbarn. Dies sollte sich mit der bärenstarken und porgrammatisch betitelten Scheibe "Breaking Ground" von Delight doch nachhaltig ändern. Lassen wir Frontfrau Paula (Maslanka) aber selbst zu Wort kommen.

 

Musicscan: Hallo Paula! Da ihr ja für die meisten deutschen Fans immer noch so etwas wie Necomer seit, bitte erinnere Dich an den Werdegang von Delight

Delight: Hallo! Wie Du vielleicht weißt, kommen wir aus Polen. Delight sind mittlerweile allerdings schon beinahe zehn Jahre alt. Es ist schon etwas her, seitdem wir den Entschluss fassten eine Band zu gründen. Irgendwann zwischen 97 und 98 trafen sich ein paar Teenager und begannen unter dem Namen "Sator" gemeinsam Musik zu machen. Eigentlich mischten wir nur weiblichen Gesang mit schweren Metalriffs. Nach einem Jahr änderten wir unseren namen in Delight und wurden von Metal Mind unter Vertrag genommen, unser größtes, hiesiges Label. Wir veröffentlichten immerhin viel Alben ("Last Temptation","The Fading Tale","Eternity" und "Anew"), sowie eine Live-DVD, aufgenommen in Krakau. Über die Jahre hatten wir einige Besetzungswechsel und von der Urformation sind nur Jaro und ich übrig geblieben. Musikalisch sind wir vom eher gothiclastigen Metal zu modernem Rock gereist. Am vierzehnten Mai spielten wir auf dem Wave Gotik Treffen in Leipzig und gewannen überraschenderweise den Wettbewerb als beste internationale Gothic-Band ohne Vertrag. Der Preis war ein längerer Vertrag mit Roadrunner. Anfang 2006 nahmen wir mit Rhys Fulber in Kanada "Breaking Ground" auf, das am 19. Januar erscheint.

Musicscan: Wie würdest Du die Situation für junge Menschen in Polen beschreiben, die versuchen Musik zu machen? Ist der Katholizismus immer noch ein großes Thema?

Delight: Wie die meisten anderen jungen und gebildeten Leute unterstütze ich die neue, rechtlastige Regierung nicht. Es macht mich wütend Fernsehen zu schauen, besonders wenn ich höre, wie über die Rechte der Frauen gesprochen wird, über Abtreibung und diesen Dingen. Polen ist die Hölle für Leute, die eben nicht hetero sind. Manchmal träume ich von einem nicht fremdenfeindlichen Polen, mit offenen und toleranten Menschen. Viele Polen, besonders diejenigen, die im kommunistischen System aufgewachsen sind haben Angst vor Veränderungen, sie leben immer noch in der Vergangenheit. Sie wählen schließlich die Leute, von denen sie meinen, daß sie damals gegen das kommunistische System gekämpft haben. Unsere Geschichte ist kompliziert, alles hat sich verändert, wir müssen mit anderen Nationen zusammenarbeiten und einfach vorwärts kommen. Sich Gedanken um die Zukunft zu machen heißt ja nicht die Vergangenheit zu vergessen. Ich denke, es braucht Zeit die polnische Mentalität zu ändern und vielleicht macht die nächste Generation alles richtig. Alles, was ich im Grunde sagen wollte ist, daß die neue Regierung in erster Linie großmäulig ist, aber die meisten Polen möchten, daß sich ihr Land verändert und wächst.

Musicscan: What is the Polish metal scene like? One only gets to know a few bands, like Vader or Decapitated.

Delight: Die polnische Szene ist stark und vielfältig. Es gibt eine Menge Bands und die decken beinahe alle Metalsparten ab. Behemoth, Vader, Decapitated, Yattering sind die bekanntesten DeatMetalBands in der Welt, aber darüber hinaus gibt e seine starke Gothic-Szene. Zum Beispiel Closterkeller, Artrosis, Moonlight, Desdemona und Fading Volours um nur einige zu nennen. Ich denke, in Deutschland ist die Metalszene sicherlich stärker und die Fans sind ein wenig offener gegenüber experimentellen Klängen als jene in Polen. Wir haben leider nicht so viele Radiostationen, die Rock und Metal spielen, oder Fachmagazine, aber das verändert sich gerade. Rock wird gerade immer populärer und es sickert langsam in die Mainstream-Medien ein. Es lohnt sich mal einen Blick ins Internet zu werfen.

Musicscan: Bitte erläutere kurz die musikalische Entwicklung von Delight und wie sich euer Sound im Laufe der Jahre verändert hat.

Delight: Wir haben uns als Band formiert, als wir alle noch Teenager waren, damals in der Oberschule. Wir wollten eigentlich nur unseren Vorbildern nacheifern. Am Anfang klangen wir also wie eine Mischung aus Iron Maiden, Death, Nightwish und einer Menge anderer Bands. Nicht sehr originell aber eben sehr spontan. Wir haben Jahr für Jahr ein Album aufgenommen, wie verrückt eigentlich. Ziemlich plötzlich wurde uns klar, daß diese "Gothic-Formel" nicht genug erschien. Wähend wir also aufwuchsen, entdeckten wir neue Musikstile und so veränderte sich auch unsere Musik. Auf unserem dritten Album "Eternity" tauchten erstmals neue Elemente auf. Wir fügten neue Sounds und elektronische Elemente hinzu. Die große Revolution kam allerdings auf unserem vierten Album "Anew". Wir veränderten den Bandsound sehr dramatisch, ich probierte neue Arten meine Stimme einzusetzen und das Resultat dieser Entwicklung bescherte uns letztlich "Breaking Ground". Wir haben all die Jahre wirklich hart daran gearbeitet einen eigenen Klang zu entwickeln. Es ist wirklich reinster Eklektizismus, weil wir uns durch so viele Musikstile inspiriert fühlen. Jetzt könnte man unsere Musik als melodischen HeavyRock mit Metal-Wurzlen beschreiben. Unsere Texte sind emotional ohne dabei depressiv zu wirken.

Musicscan: Wie würdet ihr euren Sound einem tauben Menschen näher bringen oder erklären?

Delight: Ich denke unsere Musik ist so grün wie eine sommerliche Niederung und es gibt Dir das Gefühl in einen sommerlichen Regen rennen zu wollen, nass zu warden, um sich danach im nassen Gras zu rollen. Das ist mein erster Gedanke.

Musicscan: Wie war der Dreh zu eurem ersten Video "Divided"

Delight: Es war einfach toll! Wir haben mit netten Leuten zusammengearbeitet, mit der Gruppe 13, die sind richtig talentiert und waren voll in das Projekt involviert. Sie produzieren eine Menge Rock- und auch Popvideos in Polen. Es war eine Ehre mit ihnen arbeiten zu dürfen. Alles in allem hat der Dreh nur einen Tag gedauert. Das Lustige war, daß es ausgerechnet an diesem Tag schweinekalt und weit unter null Grad war. Außerdem wurde mir auch noch zusätzlich kalte Luft ins Gesicht geblasen. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so gefroren!

Musicscan: Erzähl mir mehr über die Zeit im Studio

Delight: Das Schreiben des Materials zog sich letztlich über drei Jahre hin. Auf "Breaking Ground" findest Du Songs, die noch aus der Phase des vierten Albums stamman. Die Idee für den Song "Divided" stammt zum Beispiel aus dem Jahre 2003. Als wir den Vertrag mit Roadrunner unterschrieben, stand zunächst die Idee im Raum "Anew" noch einmal komplett neu einzuspielen, denn die Aufnahmen dafür stammten aus Jaros Heimstudio, der die Scheibe auch produziert hat. Aber dann haben wir uns doch dafür entschieden, die besten Songs von "Anew" zu nehmen, dazu noch komplett neue Songs zu schreiben und alles nochmal mit Rhys Fulber (u.a. Fear Factory, Paradise Lost, Front Line Assemly) aufzunehmen. Die Vorproduktion haben wir in Polen erledigt und sind im Januar 2006 nach Kanada geflogen, um das Album aufzunehmen. Dabei half uns der Sessiondrummer der Devon Townsend Band Ryan van Poedrooyen. Die Zeit im Studio war wirklich toll, denn es war eine Ehre mit einem so bekannten Produzenten aufnehmen zu dürfen. Er ist darüber hinaus auch ein sehr begabter Musiker.

Musicscan: Was würdet ihr gerne mit der Band erreichen? Gibt es so etwas wie eine künstlerische Vision?

Delight: Ich träume davon die Musik als Beruf ausüben zu können. Musik ist das einzige in meinem Leben was Sinn macht. Es ist mein Hobby, meine Passion, das einzige, was wirklich Kraft zum Leben gibt. Vielleicht werde ich eines Morgens mit dem Gedanken aufwachen, daß alles, was ich tue Musik ist.

Musicscan: Wer ist für die Texte verantwortlich und liegt ihnen ein Konzept zu Grunde?

Delight: Ich arbeite mit meinem besten Freund Krystian Aparta zusammen an den Texten. Er ist Englischlehrer und als mein bester Freund, kennt er mich besser als ich mich selbst. Eigentlich gibt es ein umfassendes Konzept in den Texten. Sie handeln von verschiedenen Beziehungen. "Divided" zum Beispiel handelt vom Ende einer Beziehung, die auf Stereotypen aufgebaut war. Wir lernen mit diesem starren Junge-Mädchen-Schema zu leben, aber manchmal engt das alles zu sehr ein. Vielleicht sind all diese Enden nur neue Anfänge und letztlich bewegen wir uns im Kreis?

Musicscan: Was würdest Du als generellen Einfluss sehen? Gibt es Bands und/oder Künstler, die Dich besonders beeinflusst und beeindruckt haben?

Delight: Ich bin ein riesiger Fan von Tori Amos! Ich mag eine Menge Bands und Künstler, aber Tori ist sicherlich der bedeutendste Künstler in meinem Leben. Sie ist nicht nur eine begnadete Musikerin und Songwriterin, sondern auch die Sorte Künstler, die dich praktisch dazu zwingen neue Dinge über dich selbst herauszufinden.

Musicscan: Die berühmten letzten Worte!

Delight: Hallo Leute! Wir danken euch für all eure Unterstützung. Wir hoffen euch alle auf der Tour zu seen und bitte besucht auch unsere Website www.delight.art.pl ode www.myspace.com/delightspace. Genießt "Breaking Ground"!

Musicscan: Nun, dem ist gar nichts hinzuzufügen. Leider mußte die ausgedehnte Tournee mit Exilia aufgrund der Erkrankung eines Bandmitglieds kurzfristig abgesagt werden, aber diese Daten werden sicher nachgeholt. Nun gehet hin und kauft euch "Breaking Ground"!

 
 
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