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Fear My Thoughts

Storie von: arne, am 04.01.2007 ]

Die Freiburger von FEAR MY THOUGHTS haben Lifeforce Records den Rücken gekehrt und legen mit “Vulcanus“ ihren Einstand für Century Media vor. Auf diesem setzt das Quintett die mit “The Great Collapse“ und “Hell Sweet Hell“ eingeschlagene Richtung konsequent fort. Die Süddeutschen sind heute Metal durch und durch, ihre Songs stehen für komplexe und anspruchsvolle, jedoch auch eingängige und intuitiv zugängliche Modern-Metal-Tracks der Extraklasse.

 
Melodischen Death versetzen FEAR MY THOUGHTS um Elemente spröden Neo-Thrashs sowie eine progressive Schlagseite, die auch Raum für instrumental belassene Passagen lässt. Es gilt Gruppen wie Arch Enemy, Soilwork oder Darkane einerseits und Mastodon, Neurosis oder Opeth andererseits heranzuziehen, will man hinsichtlich des variablen, wandlungsfähigen Sounds des Fünfers Orientierungshilfen nennen.

Mit „Vulcanus“ stellt sich das Quintett noch einmal etwas spartiger und Genre-übergreifender auf, so dass es durchaus dazu kommen könnte, dass die Freiburger bald als „Prophet im eigenen Land“ dastehen könnten, weil man für die „breite Masse“ zu vertrackt und technisch orientiert dasteht. Gitarrist Patrick Hagmann stimmt zu: „Das ist durchaus etwas dran. Uns gibt es seit zehn Jahren, und wir haben glücklicherweise kreativ nie auf der Stelle getreten. Dafür sind wir bekannt und auch berüchtigt. Wir haben gerade neulich darüber gesprochen, dass es in Deutschland eigentlich kaum Bands gibt, die uns musikalisch ähneln. Da muss man wahrscheinlich eher in Skandinavien suchen, aber wie sich dieser Umstand auszahlt oder gar negativ auswirkt, keine Ahnung. Diese Außenseiterposition kann uns helfen oder genauso gut schaden. Wir lassen uns einfach nicht beirren und ziehen unser Ding durch.“

Besucht man Live-Shows von FEAR MY THOUGHTS hat man stets ein wenig das Gefühl, die Band sei für HC-Kids zu sehr Metal und für die Metaller noch zu stark im Hardcore verwurzelt (wenn auch das vielleicht nur optisch): „Die Position zwischen den Stühlen kann eine angenehme sein, da man dadurch auch mehr Aufmerksamkeit erlangt. Andererseits nervt oder enttäuscht es auch oft, wenn die Leute alles zu sehr vom Optischen abhängig machen. Lauscht einfach den Songs und macht dazu, was ihr wollt. Bangen, Pogen, Springen, Windmillen, Tanzen, Kopfnicken, egal! Es sind gerade die Shows mit breit gemischten Publikum vom Metaller über den Hippie bis hin zum Punk und HC-Kid, auf denen wir uns am wohlsten fühlen.“

Die geäußerte „Crossover-Tendenz“ geht mit der Einstellung der Musiker hinsichtlich der Band einher: „Eigenverständnis!? Hmm, keine musikalischen Grenzen vielleicht. Wir hören sehr viel verschiedene Musik. Unser Drummer ist beispielsweise genauso ein Metaller wie er ein Jazzer ist, und der soll diese Einflüsse gerne auch bei uns einbringen. Das hilft, uns von der Masse abzuheben, obwohl wir einfach nur das tun, worauf wir Bock haben.“ Rein zufällig kommen die komplexen, in sich stimmigen Tracks aber auch nicht zustande:

„Natürlich gibt es einen Qualitätscheck, und der sieht so aus, dass jeder Song allen in der Band gefallen muss. Hin und wieder gibt es Parts, mit denen jemand nicht glücklich ist, aber der Song muss allen einfahren, sonst bringt er es nicht. Wichtig ist es uns, immer ein gutes Hookline-mäßiges Leadriff zu haben, aber das


ist dann eher so ein unterbewusstes Streben.“ Es stimmt, trotz aller Brachialität und Verspieltheit sind auf „Vulcanus“ immer wieder auch eingängige Refrains und markante Hooks, die der Band wirklich wichtig zu sein scheinen:

„Neben all den sperrigen Parts und Stilwechseln müssen einfach wiedererkennbare Parts kommen. Nur all das zusammen macht einen Song interessant und lässt ihn im Kopf hängen bleiben. Früher wollte ich keine Hooklines, weil ich das zu wenig anspruchsvoll und oberflächlich fand, doch dann habe ich verstärkt darauf geachtet, was ich an meinen Lieblingsbands schätze und das sind einfach meistens Refrains gewesen, die man nicht mehr aus dem Kopf bekommen hat, sowie Lead-Riffs für die Ewigkeit, die man schon ab dem zweiten Ton erkennt und von denen man eine Gänsehaut bekommt.“

Hinsichtlich der Songs des Fünfers scheint es Methode zu haben, dass sich FEAR MY THOUGHTS musikalisch nicht festlegen lassen und stets vielschichtig agieren: „Die Übersicht zu behalten ist manchmal nicht ganz einfach, auch wenn die Songs auf uns schon sehr strukturiert und klar wirken. Wir sind ja nicht Watchtower oder Dillinger Escape Plan. Dennoch ist es eine große Herausforderung, die ganzen Stile, die wir verbraten, schlüssig auf einem Album unter zu bekommen.“ Nicht zuletzt aus diesem Grund bedarf der Umgang mit „Vulcanus“ sowohl einige Zeit als auch Aufgeschlossenzeit seitens der Hörer:

„Diesen Eindruck habe ich auch, aber gerade hier in Deutschland scheint komplexe Musik nicht sehr angesagt zu sein und die Leute setzen sich mit Platten nur ungern auseinander, ganz im Gegensatz zu England, USA, Frankreich oder Skandinavien. Ich habe keine Ahnung, woran das liegt, doch selbst eine so geniale Band wie Mastodon verkauft hier nichts verglichen mit England. Falls jemand Lust auf unerwartete Wendungen, Atmosphäre, verschiedene Stimmungen, Härte und Melodiösität hat, aber trotzdem Abrocken will, sollte er sich „Vulcanus“ anhören.“

Vielleicht verhilft ja der Gastauftritt von Destruction’s Schmier und Mike FEAR MY THOUGHTS dazu, im Metal-Lager noch ernster genommen zu werden: „Es ist natürlich eine Ehre für uns, die beiden auf der Scheibe zu haben, und da geht sicherlich ein Kindheitstraum in Erfüllung. Mike war einer der Gründe, warum ich vor 17 Jahren das Gitarrespielen begonnen habe und ich kann mich noch genau erinnern, wie ich als 14-jähriger in die Nachbarstadt geradelt bin, um mir bei einer Destructin-Autogramm-Session alles von Shirts über LPs bis hin zur Kutte signieren zu lassen. Unser Drummer Norman war ab und zu mit den Jungs als Drum-Techniker auf Tour und die Jungs proben in Normans Proberaum. Daher kennen sie uns, und weil Schmier auf FEAR MY THOUGHTS steht, kam die Idee eines Gastauftritts auf, wobei ich mich nicht mehr erinnern kann, von welcher Seite aus das Ganze eigentlich ausging.“

 
 Links:
  fearmythoughts.com
 
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