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Noumena

Storie von: Daniel, am 18.12.2006 ]

Hochmelodischer Death Metal hat gerade keine sonderlich große Konjunktur. Metalcore und die gerade höher werdende Welle an als progressiv deklariertem Metal schwappen immer noch mit Macht an unsere Küste. Umso erstaunlicher, daß aus dem Nichts und unerwartet eine Band wie Noumena auftaucht und mit "Anatomy Of Life" ein Album abliefert, daß sowohl Nostalgiker, wie auch Neulinge begeistern dürfte. Zu Herzen gehende, überaus gefühlvolle Melodien, gepaart mit düster-aggressiven DeathMetal-Elementen, die man in so hervorstechender Qualität in den letzten Jahren selten gehört hat.

 
Wie mag es bloß immer wieder dazu kommen, daß sich in nordischen Gefilden häufig Musiker zusammenfinden, häufiger als vielleicht hierzulande? Auch Nuomena haben eine längere Geschichte, die bis ins Jahr 1998 zurückdatiert. Damals fanden sich Musiker im beschaulich kleinen Städtchen Ähtäri in Finnland zusammen und es entstand die Idee Musik gemeinsam zu spielen, die es so nicht gab. Einige der Musiker kannten sich ohnehin schon sehr lange und im Laufe der Jahre kristallisierte sich die heutige Konstellation der Band heraus.

Nun, nach Jahren des Zusammenspiels enterte man im Sommer 2006 das Studio und ohne größere Rückschläge nahm man "Anatomy Of Life" auf, das obwohl man den Frühsommer als Datum erwählte, eine wundervoll düstere Atmossphäre aufweist. Hört man genau hin und behält man im Hinterkopf, daß die Band düsteren Metal spielt und aus Finnland kommt, mag der Vergleich mit Sentenced (R.I.P.) nicht fern liegen. Allerdings, bis auf eine gemeinsame melancholische Grundstimmung sind die Parallelen nicht allzu groß. Viel mehr beschreibt die Band ihren eigenen Sound als gesunde Mischung aus alten Amorphis, addiert hier noch Paradise Lost, The Gathering und eine Prise Iron Maiden hinzu und ohne die Einflüsse nur zu kopieren, kommt ein eigenständiges musikalisches Pflänzlein zustande. Zur Grundstimmung passen auch die Texte hervorragend, die zwar kein duchgehendes Konzept aufweisen, jedoch ebenso melancholisch und nachdenklich daherkommen, wie die Musik an sich.

Etwas aus der Reihe tanzt hingegen das Artwork. Dem Wunsch der Band folgend, generell etwas Eigenes zu kreieren und nicht einfach bereits ausgetretene Pfaden zu folgen, verwendet man hier ein gemaltes Bild anstelle eines neu angefertigten Coverdesigns. Und man kann nur beipflichten, wenn Nuomena behaupten,


daß dieses Gemälde im Gegensatz zu manch anderem Cover die Vorstellungskraft stimuliert und zum Nachdenken und Phantasieren anregt. Genauso originell und alles andere als stumpf ist der Bandname. Zwar mag er irgendwie finnisch klingend anmuten, aber es steckt weit mehr dahinter. Er basiert auf der Philosophie des deutschen Aufklärers Immanuel Kant ("Der kategorische Imperativ") und zieht sich zusammen aus den Begriffen Phänomen (Die Erscheinung) und Nuomenon (Das Ding an sich). Nicht nur, daß es einen originellen Bandnamen ergibt, es lädt auch zur Beschäftigung mit einer der Ikonen der Philosophie ein.

Ebenso wählerisch geht die Band mit musikalischen Einflüssen um. Zwar verschliesst man sich nich modernen Strömungen und Trends, verwehrt sich aber dem musikalischen Overkill durch beispielsweise Metalcore. Viel lieber, auch wenn es in manchen Fällen klischeehaft und nach dem immer gleichen Muster passiert, verwendet man weibliche Vocals zur Auflockerung. Der Track "Monument Of Pain" sticht deutlich hervor. Der Gesang von Gastsängerin Hanna passt ganz hervorragend zum Song, der tatsächlich einer der letzten aufgenommenen war und somit in der Tat recht frisch klingt.

Man kann sich also nicht nur über ein gelungenes Album freuen, daß so einer etwas verdrängten Musikrichtung vielleicht zu neuer Frische verhilft, sondern auch auf die geplanten Auftritte, denn Noumena sind erwartungsvoll, was eine Tour angeht, auch wenn noch nichts geplant ist, in dieser Hinsicht. Wie von Seiten der Band auch, so sei hier jeder ermutigt, der brutalen DeathMetal mit zu Herzen gehenden Melodien zu schätzen weiß, sich "Anatomy Of Life" anzuhören. Daraufhin wird sich die Spannung und Freude bis zur geplanten Tour vor dem Sommer nächsten Jahres sicher stetig steigern.

 
 Links:
  myspace.com/Noumena
 
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