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Provenance, The

Storie von: arne, am 11.12.2006 ]

Nach drei Longplayern für das italienische Scarlet Records legt die Göteborger Metal-Rock-Formation THE PROVENANCE ihr neues Album “Red Flags“ über die Institution Peaceville vor. Dessen zehn Stücke sind schwermütig, hoffnungslos, melancholisch, aggressiv und auch ungemein verführerisch. Musikalisch setzt die Gruppe um Sängerin Emma Hellström auf progressiv-dunkle Metal-Klänge, bei denen die sich entwickelnden Atmosphären und emotionalen Intensitäten von zentraler Bedeutung sind.

 
Es ist wohl kein Zufall, dass THE PROVENANCE in vielen Momenten an frühe The Gathering (oder auch Katatonia) erinnern, auch wenn die Schweden noch einen Tick metallischer und technisch verspielter als die Niederländer auf “Mandylion“ agieren:

„Es ist uns gelungen, mit der Band den nächsten Schritt zu gehen, indem wir mit “Red Flags” unser bislang prägnantestes und komplettestes Album vorlegen.“ äußert sich Drummer und Texter Joel Lindell im Gespräch: „Die Stücke leben gleichermaßen von ihrer Aggression, Frustration, Ehrlichkeit und ihrem Zynismus. Auf den vordergründig offenen Charakter der Platte sind wir besonders stolz, aber auch das handwerkliche Niveau, das wir erreicht haben, ist nicht zu verachten. Wir alle haben unsere bislang beste Arbeit abgeliefert und ein rundes, starkes Album erschaffen. Wann immer man als Künstler einen Longplayer veröffentlicht hat, beginnt man wenige Monate später damit, diesen auseinander zu nehmen und an ihm herum zu kritisieren, weil man einzelne Aspekte rückblickend anders gemacht hätte. Im Falle von “Red Flags” verhält es sich zum ersten Mal nicht so. Nach wie vor steht das Album als moderne, zeitgemäße Dokumentation der heutigen Zeit und der Gefühlszustände, die wir vertonen wollten. Uns ist es gelungen, für die Band eine neue Ausdrucksebene zu erschließen.“

Nicht zuletzt der Wechsel zu Peaceville hat neue Kreativität freigesetzt: „Peaceville ist ein Label, das seit mehr als einem viertel Jahrhundert besteht und das es in dieser Spanne stets verstanden hat, talentierte Bands aufzubauen, die uns als Jugendliche maßgeblich beeinflusst haben. Es erfüllt uns daher mit Stolz, heute Teil dieses respektablen Labels zu sein und für uns ist es ein Privileg. Wir haben uns Scarlet niemals in vergleichbarer Weise verpflichtet gefühlt, zumal wir ihrem Geschäftsgebaren immer kritisch gegenüber standen. Auf einem Label, das jede Woche neue Bands signt, deren Entwicklung nach nur einer Platte aber nicht weiter begleitet, kann man sich nur schwer heimisch fühlen. Die angelaufene Kooperation mit Peaceville verstehen wir daher als Neustart für THE PROVENANCE, was einer der Gründe für unser bislang komplettestes Album ist.“

Und “Red Flags“ bietet wirklich eine Menge, da aus Elementen von Metal, Gothic und experimentellem Rock ein zeitloses und schaurig schönes Stück Musik entstanden ist: „Es ist uns ein Anliegen gewesen, auf der Platte verschiedene Einflüsse zwanglos zu kombinieren. Inspirationen sammelten wir sowohl in der Indie-Pop-/Rock-Szene, im melancholischen


EmoCore/Hardcore als auch im experimentellen Doom. Von jeher haben wir neben den individuellen Einflüssen der Bandmitglieder auch immer nach weiteren Facetten in der Musik gesucht, die unseren Sound füllen und dessen Atmosphäre steigern. Aus diesem Grund arbeiteten wir auf “25th Hour; Bleeding…” neben Black Metal-Zitaten auch mit Folk-Elementen, auf “Still At Arms Length” mit einem progressiven 70ies Touch und auf “How Would You Like To Be Spat At” mit klassischem Doom und Elektronika. Für “Red Flags“ haben wir uns nun mit Indie-Pop/-Rock und Emo/Hardcore beschäftigt.“

THE PROVENACE experimentieren gerne und ausgiebig mit Sounds und deren Wirkungen, und vielleicht macht gerade dies den Unterschied aus: „Ein Großteil der Bands sträubt sich davor, die Gewohnheiten hinsichtlich der eigenen Musik und Arbeitsweisen zu verändern, und genau aus diesem Grund fangen sie irgendwann an, zu langweilen. Sie fürchten sich davor, durch stilistische Veränderungen Hörer zu verlieren, weil sie keine anderen Qualitäten kennen als die, denen sie gerade nachgehen. THE PROVENANCE begegnen der Musik aus einem anderen Verständnis heraus. Wir begreifen Veränderungen als unumgänglich, wenn man sich als Künstler weiterentwickeln will und scheuen auch nicht davor zurück, ein Album immer und immer wieder zu überarbeiten, bis wir alle damit zufrieden sind. Egal welcher Art von Musik wir auch nachgehen, ob das nun Jazz, Soul, Elektro oder was auch immer ist, in gewisser Weise würden wir stets nach THE PROVENANCE klingen, da die Konstanten jeweils Tobias, Emma, Joakim, Jonnie und meine Wenigkeit sein werden.“

Als größtes Charakteristikum von “Red Flags“ sticht neben den generell gehaltenen Kompositionen die gefühlvolle und herrlich wandelbare Stimme von Sängerin Emma Hellström hervor, die sich immer wieder überzeugend mit ihrem männlichen Gegenpart duelliert bzw. ergänzt: „Es ist genau das Album geworden, das wir im Sinn haben und auch vom heutigen Standpunkt gibt es nichts, was ich verändern würde.“ resümiert Lindell abschließend: „Keiner von uns hätte sich ein derart zeitloses und allumfassendes Album erträumen können, und einen entscheidenden Anteil am Ergebnis trägt unser Produzent Roberto Laghi, mit dem wir bereits für “Still At Arms Length” zusammen gearbeitet hatten. Wir bewegen uns mit ihm auf gleicher Wellenlänge und sein Mix ist optimal, für einen Teil des Reizes verantwortlich, den “Red Flags“ verströmt. Ohne mich zu wiederholen, es ist unser bislang stärkstes und noch dazu ein fantastisches Album.“

 
 Links:
  theprovenance.com
  myspace.com/theprovenancesweden
 
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