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Meshuggah

Storie von: arne, am 04.11.2006 ]

Die aus Umeå, Schweden stammenden MESHUGGAH haben seit Jahren ihren ganz eigenen Platz in der internationalen „Extrem-Frickel-Ecke“ sicher. Für viele Musiker und Fans zählen sie zu den inspiriertesten und originellsten Bands überhaupt, und ihr präziseres, markerweichenderes Stakkato ist gleichsam markant wie brutal. Da die Nuclear Blast-Kombo mit ihrem 2002er Output “Nothing“ hinsichtlich Produktion und Druckkulisse nicht so recht zufrieden gewesen ist, erscheint die Scheibe heuer als Re-Release der ganz besonderen Art, wie Gitarrist Mårten Hagström verrät…

 
„Wir haben die Gitarren komplett neu eingespielt. Die Idee eines Re-Releases diskutierten wir schon eine ganze Weile, und um ehrlich zu sein, begannen wir damit kurz nach der ursprünglichen Veröffentlichung von “Nothing“ 2002. Mit der Produktion der Platte sind wir nie so recht zufrieden gewesen, was das Resultat einer zu knappen Deadline war. Wir spielten damals zum ersten Mal die Ozzfests und mussten in die Staaten fliegen, was uns einen weiteren Aufschub verwehrte. Seit diesen Tagen fühlten wir, die Songs hätten weitaus besser in Szene gesetzt werden können. Das haben wir nun nachgeholt.“ Der neue Mix wirkt noch klinisch-trockener und ist schlichtweg optimal, bringt die Stärken von Klassikern wie ’Nebulous’ oder ’Rational Gaze’ toll zur Geltung:

„Wenn ich an die eigentlichen Aufnahmen zurückdenke, fällt mir ein sehr chaotischer Arbeitsprozess ein, in dem wir mit allen Mitteln versuchten, das Album fristgerecht fertig zu bekommen.“ resümiert der Klampfer: „Am Ende waren wir völlig verausgabt und haben tagelang ohne Schlaf durchgemacht. Als es schließlich ans Mixen ging sind wir alle zusammengebrochen und konnten uns kaum mehr konzentrieren. Fredrik ist beim Mixen tatsächlich eingeschlafen und musste deshalb einige Arbeitsschritte wiederholen. Die Neubearbeitung in diesem Jahr gestaltete sich da weitaus relaxter und inspirierte uns für die Arbeit an der neuen Platte.“

Nicht zuletzt wohl auch aus deshalb, weil “Nothing“ über die Jahre immer mehr Zuspruch erhielt: „Ja, das stimmt schon, die Scheibe erfährt heute eine weitaus größere Wertschätzung als noch 2002, als sie veröffentlicht wurde. Das verhält sich jedoch mit all unseren Alben so. Nimm beispielsweise “Chaosphere”, es hat Jahre gebraucht, bis Leute anfingen, sich dafür zu interessieren und es zu verstehen. Bei “Destroy Erase Improve“ ist es ähnlich gewesen. Zunächst waren die Reaktionen bescheiden und irgendwann platze dann der Knoten. Viele Leute behaupten heute, sie hätte das Album vom ersten Moment an geliebt, doch abgesehen von wenigen überschwänglich guten Reviews hat es seine Zeit gebraucht, bis wir unseren Respekt erhielten.“

Den beziehen MESHUGGAH heute von allen Seiten, was Hagström ein wenig unheimlich ist: „Wir haben nicht aufgehört, darüber nachzudenken, woran das liegt. Es ist bekannt, dass wir Hörer unterschiedlichster musikalischer Lager ansprechen, und dass unsere Alben inzwischen allerorten akzeptiert und anerkannt werden. Nach unseren frühen Werken hat sich das mit “Nothing“ und später mit “Catch 33“ immer weiter gesteigert. Warum das so ist, kann ich mir nicht erklären, jedoch freue ich mich, wenn MESHUGGAH von vielen Bands und Künstlern als Inspirationsquelle genannt werden.“ Dabei fühlen sich die Schweden weder stilistisch noch in der eigenen Arbeitsweise außergewöhnlich oder gar anders:

„In meinem


Verständnis spielen wir schlichtweg aggressive Musik. Metal. Ich kann mit Genrebezeichnungen und Subszenen von jeher nicht viel anfangen und möchte über so etwas nicht einmal nachdenken müssen. In dieser Antwort verbirgt sich sicherlich ein Klischee, weil keine Band kategorisiert werden will. Wir fühlen uns auch nicht besonders oder sonst was, doch es gibt so viele unterschiedliche Ansätze, Bands oder Stilrichtungen zu beschreiben, dass man letztlich immer inkorrekt wird. In Bezug auf uns reicht das Spektrum von Death Metal über Cyber Metal bis hin zu MetalCore. Mit all diesen Begriffen kann ich nur schwerlich etwas anfangen. In meinen Augen muss jede Band danach streben, auf eigenen Beinen zu stehen und unverwechselbar aufzuspielen. Gelingt dies, kann man automatisch keiner Strömung zugeordnet werden und die Leute müssen sich ein eigenes Urteil bilden.“

Und weiter: „Ein Geheimnis haben wir jedenfalls nicht, wir folgen schlichtweg unseren Ideen und lassen uns vom jeweiligen Moment inspirieren. Bewusst geplant ist das nie, und wir denken auch nicht: „So, diesmal müssen wir noch krasser als auf der letzten Platte sein, um diese zu toppen.“ Alles, wonach wir streben ist es, uns selbst herauszufordern und gute Songs zu schreiben.“ Vielleicht ist es diese offene, grundehrliche Einstellung, in der MESHUGGAH ihre Stärke finden. Sie reden nicht, sie tun es einfach. Dem technischen Aspekt ihrer Musik widmen sie dabei keine sonderlich große Beachtung: „Das ist für uns kein Thema. Wir schreiben Songs und wir spielen sie. Um ehrlich zu sein proben wir nicht einmal auf den Instrumenten, wenn es nicht darum geht, neue Songs zu schreiben. Gut auf seinem Instrument zu sein ist nicht gleichbedeutend damit, inspirierte Musik zu machen, auch wenn das uns und anderen von Zeit zu Zeit unterstellt wird. Instrumente sind letztlich nicht mehr als die Werkzeuge, mit deren Hilfe man seine Ideen umsetzt. Inwieweit das Ergebnis technisiert klingt oder nicht spielt letztlich keine Rolle. Nur wenn du wert auf Technik legst, musst du auch in der Lage sein, das umzusetzen. Meiner Ansicht nach ist gutes Songwriting wichtiger als die bloße Technik.“

Hört man sich die Neuauflage von “Nothing“ an, klingen Hagströms Worte nach bloßen Understatement. Hinsichtlich der anstehenden völlig neuen Platte verrät er indes wenig: „Die Kugel ist gerade erst ins Rollen gekommen, wie man so schön sagt. Wir haben eine Handvoll guter Ideen, an denen wir derzeit arbeiten, aber wie schnell das zu einem konkreten Ergebnis führen wird, muss sich erst noch erweisen. Alles, was ich verraten kann, ist, dass es ein sehr (!) interessantes Werk werden wird. Den Sommer haben wir damit verbracht, unser Studio auf den neuesten Stand der Technik aufzurüsten und uns auf die Aufnahmen einzustimmen. Die eigentliche Arbeit liegt erst noch vor uns.“

 
 Links:
  meshuggah.net
 
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