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The Haunted

Storie von: Daniel, am 29.10.2006 ]

Die Kontroversen um The Haunteds Vergangenheit und Zukunft werden sicher auch nicht mit der Veröfentlichung von "The Dead Eye" abschließen. Auch wenn die Band selbst es kaum in ihrem Fortbestehen hindern wird, spalten sich die Anhänger wohl oft genug in zwei sich gegenüberstehende Lager, die kaum je miteinander auszusöhnen sein werden.

 
Der Band wird zumindest immer der von außen herangetragene Makel bewußt gemacht, daß sich mit den Gebrüdern Björler zwei Musiker der Legende At The Gates in ihren Reihen befinden. So lautet der fast wehmütig vorgetragene Vorwurf an die Band, warum sich The Haunted von dieser Teilvergangenheit musikalisch wegbewegt haben. Doch The Haunted sind eine reife Band, nun mit "The Dead Eye" wird dies einmal mehr deutlich, wenn die kritischen Stimmen auch nicht verstummen mögen. Gerade aber wegen der beeindruckenden musikalischen Darbietung soll nun Anders Björler zu Wort kommen, der im Interview zum neuen Werk ausführlich Stellung nahm.

Zunächst muß man The Haunted ganz ohne Zweifel und bei aller Objektivität zu ihrem neuen Werk beglückwünschen. Nach diversen stilistischen Experimenten der Vergangenheit, die vieleicht nicht immer als gelungen zu bezeichnen waren, ist nun auch Peter Dolving zurückgekehrt, der "The Dead Eye" künstlerisch komplettiert und alle Zweifler, ob er der richtige Sänger sei, endgültig eines Besseren belehren dürfte.

Anders beschreibt, daß am Anfang die Auswahl des Produzenten anstand, die dann schlußendlich auf Tue Madsen fiel. Die Erfahrungen des Revolver – Albums gaben den Ausschlag, zudem die Vorstellung der Band, wie "The Dead Eye" zu klingen habe. Dazu sei das Aufnehmen mit Tue einfach sehr entspannt, er ist in etwa im gleichen Alter und hat einen ähnlichen musikalischen Hintergund. Die Gefahr, sich den Vorwurf gefallen lassen zu müssen mit einem derzeit sehr angesagten Produzenten zusammen zu arbeiten sah die Band nicht, die oben aufgeführten Gründe seien derer genug gewesen, zumal die Erfahrung auch eindeutig für Tue Madsen sprach. So verwundert es kaum, daß der Sound ungemein ansprechend geraten ist, wuchtig, transparent und doch heavy.

Zudem sprach der Wunsch nach einem abgelegen Studio, um in einer isolierten Atmosphäre aufnehmen zu können, wie eben derjenige nach einem offenen, natürlichen Klang, gerade des Schlagzeugs für Madsens Antfarm Studio in der schwedischen Einöde. So gelang es der Band, abseits von Bars und Fernsehern und ähnlichen Attraktionen, den Fokus ganz auf die Aufnahmen zu legen. Ebenso entschied man sich, das Schlagzeug live aufzunehmen, mit den anderen Musikern zusammen, anstelle der Benutzung eines Klicktracks, so daß das Ergebnis nur als wohltuend organisch zu bezeichnen ist. Der so erreichte, vielleicht salopp als Retro-Sound zu bezeichnende Klang der neuen Scheibe kam auch dadurch zustande, daß die Gitarristen eine Unmenge verschiedener Amps und Gitarren ausprobierten und schließlich verwendeten.

Ist man mit dem Sound von The Haunted noch nicht oft in Berührung gekommen und hat man vielleicht gerade At The Gates im Hinterkopf, verblüfft "The Dead Eye" auf ganzer Linie. Nicht nur, daß es nach wie vor moderne Thrash-Elemente gibt, daneben präsentiert sich eine reife Band, die ihren ganz eigenen musikalischen Background authentisch integrieren kann, ohne wie eine blosse Kopie zu klingen. Anders bestätigt, daß das deutlich hörbare Blues-Feeling ebenso, wie Einflüsse aus dem Bereich des sog. Stoner-Rock eine deutliche Rolle gspielt haben. Neben Bands wie Kyuss seien es vor allem die goßen alten Doom-Helden wie Cathedral und Candlemass und deren Vorbilder wie beispielsweise Black Sabbath, die sich als musikalische Weggefährten im Songwriting ausfindig machen lassen.

Anders gibt trotzdem zu, daß jedes Bandmitglied einen bestimmten Background im Metalbereich habe, dies sei die Basis, auf der alles andere aufbaue. Darüber hinaus aber bringe jeder einzelne


seinen persönlichen Geschmack mit ein. Trotzdem, mit Mitte dreißig sei man in erster Linie mit älteren Bands vertraut, die einen sozusagen geprägt hätten. Dies ist wohl dann keine Frage von Scheu gegenüber neuen Dingen, sondern eher eine natürliche Entwicklung des Alters, die sich ja nicht zuletzt auch in "Revolver" als Statement wiederfinden lässt.

Genauso reif geht Anders, wie auch die Band mit den notorischen Vergleichen und Rufen nach At The Gates um. Es war eine spaßige Zeit, ohne die alles andere nicht hätte stattfinden können, aber da The Haunted mit sich selbst im Reinen seien und über ein gesundes Maß an Selbstbewußtsein verfügen, sei es auch kein Ärgernis, daß der Name in unschöner Regelmäßigkeit fällt. Auch wenn Anders einer möglichen At The Gates – Liveshow keine endgültige Absage erteilen mag, ein neues Album wird es sicher nicht geben. Die Band schätzt sich aber darüber hinaus glücklich nicht in einer ähnlichen stilistischen Sackgasse zu stecken, wie es beispielsweise Slayer tun. So gesehen, scheinen Slayer wohl in der Tat verängstigt zu sein, Neues zu probieren, auch wenn sie betonen, daß es genau der Sound sei, den sie spielen möchten.

Eine positive Veränderung brachte auch die Rückkehr von Sänger Peter. Nicht nur, daß er den übrigens Jungs den Gefallen tut und sich um die Texte kümmert, laut Anders nicht gerade eines der großen Talente des Restes, sondern er beteiligt sich, anders als seine Interimslösung auch am Songwriting und bringt durch seinen eher punkigen Einfluss und nicht zuletzt durch seine variable Stimme eine große Bandbreite an Möglichkeiten.

Ebenso zeichnet Peter auch für das lyrische Konzept verantwortlich, über das Anders leider, aber wohl nur verständlich nicht viel berichten kann. Dieses Konzept greift selbst auf das Artwork über (u.a. die Röntgenaufnahme eines menschlichen Schädels), das jeden Song wie den Bericht eines Pathologen präsentiert. Die Songtexte selber seien aber eine sehr persönliche Reflektion über Peters Leben, die er in der Tiefe auch nicht mit der Band geteilt habe. Doch letztlich sei das Album wie ein Buch über dreizehn Kapitel aufgebaut, die zwar keine zusammenhängende Story ergeben, aber eben künstlerisch trotzdem miteinander verbunden sind. Dreizehn Geschichten des Lebens, wenn man so will.

Der Titel sei letztlich von einem Buch inspiriert, über dessen eigenen Titel Anders keine Auskunft zu geben vermochte. Seine eigene Interpration sei es, daß "das tote Auge" eher ein Individuum innerhalb der Gesellschaft sei, eine bloße Statisktik, eine Nummer. Was wird die nähere Zukunft nun für The Haunted bringen ? Zunächst sind einige Konzerte geplant, die der Veröffentlichung von "The Dead Eye" folgen werden. Danach steht eine US-Tournee an (u.a. mit Lacuna Coil und Danzig), bis die Band schließlich im kommenden frühen Frühjahr als Headliner Europas Bühnen unsicher machen wird. Es bleibt zu wünschen, daß die US-Tour diesmal etwas sinniger wird, als die Teilnahme am Ozzfest-Spektakel, daß den Fans sicher die Gelegenheit gibt eine Menge Bands zu sehen, für diese aber eher unsinnig ist, wenn man bedenkt, daß eine Band wie The Haunted morgens um 9 Uhr vor einhundert Leuten spielen muß. Letztlich sei es nur eine Gelegenheit überhaupt einem fremden Publikum bekannt zu werden. Am Schluß sehe man dies einfach sportlich und eher als eine Art fahrenden Zirkus.

Der Worte sind genug geschrieben und so überlasse man Anders abschließend und kurz das finale Stament : Check out the album and come to see us on tour ! Man möchte hinzufügen : We will !!!

 
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