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Agro

Storie von: Daniel, am 09.10.2006 ]

Vor einiger Zeit konnte man den Eindruck gewinnen, ein größeres Thrash – Revival stünde uns ins Haus. Alle Heroen der 80er Jahre, besonders jene aus deutschen Landen, waren mit teilweise bärenstarken Alben zurückgekehrt, sogar Kreator hatten nach einer längeren Phase des Experminentierens ein beinahe lupenreines Thrash – Album veröffentlicht.

 
Nicht zuletzt auch eine ganze Heerschar jüngerer Bands hielt die Fahne dieses Stils hoch und bereicherte den etwas angestaubten Sound mit modernen Elemente. Doch aus diesem Revival ist nicht viel geworden. Stattdessen werden wir in jüngster Zeit von einer Welle sogenannter Metalcore – Bands überrollt. Kurzer Themenwechsel. Wenn es ein überdeutliches Zeichen der vollständigen Globalisierung gibt und einer der wenigen Vorteile, die aus ihr erwachsen mag, ist der Umstand, daß auch Bands aus bisher exotisch unmutenden Gefilden in unser Gesichtsfeld geraten und somit eine Chance auf dem neben den USA wichtigsten Plattenmarkt erhalten. Solch ein weißer Fleck auf der Metal – Landkarte war bisher wohl auch Südafrika. Offenbar aber gibt es dort eine vitale, wenn auch dem Underground verhaftete Metal – Szene, und die Band Agro ist ein Teil von ihr. Allerdings handelt es sich mitnichten um eine Newcomer – Band. Nein, „Ritual 6“ ist bereits das sechste Album der fünf Jungs, die sich schon im Jahre 1992 zu einer Band formierten. Gänzlich unerwartet, da zumindest dem Verfasser dieser Zeilen nichts über die Band bekannt war, weht ein frischer Wind aus den Boxen und „Ritual 6“ ist ein bärenstarkes Album geworden. Grund genug um sich mit der Band in Kontakt zu setzen. Bassist und Backgroundsänger Robert Riebler stand per Mail Rede und Antwort.

Natürlich wäre es von Vorteil, die nun schon längere Biographie der Band aufzuarbeiten, schließlich feiert die Band in der momentanen Fünfer – Konstellation bald ihr fünfzehnjähriges Jubiläum. Anfang der Neunziger noch in einem klassischen Metal – LineUp gegründet (also mit Drums, zwei Gitarren plus Gesang und Bass) hatte man bald darauf einen tragischen Verlust zu verzeichnen. Bei einem fatalen Autounfall kam David „Mountain“ Kietzmann ums Leben. Nach weiteren Besetzungswechseln aus teilweise persönlichen Gründen, setzt auch die Geschichte von Bassmann Robert ein. Schließlich entscheidet sich die Band die klassische Besetzung mit zwei Gitarristen nicht weiter aufrecht zu erhalten. Man entscheidet sich einen festen Keyboarder in die Band zu integrieren, denn auch auf den Vorgängeralben verwendete man sie und war so fortan in der Lage diesen Sound auch live zu reproduzieren. Kurzum, der Band war es durch Konzerte, Konzerte und immer mehr Konzerten möglich, sich einen Namen zu machen, der auch schließlich zum glücklichen Umstand führte, daß Agro auf dem Wacken Open Air für eine kurzfristig ausgefallene Band einspringen konnten. Der wohl mit Abstand außergewöhnlichste Moment für die Band, wie auch Robert bestätigt. So steht man nun, nach einer längeren, wechselvollen Geschichte mit dem sechsten Album in den Startlöchern.

Robert erinnert sich, daß man etwa im September des letzten Jahres ins Bsharp Studio ging und dort unter der Regie von John Paul de Stefani mit den Aufnahmen begann. Es war nur eine Sache von Wochen, bis die Platte im Kasten war, kaum verwunderlich wenn man sich in Erinnerung ruft, wie eingespielt die Band nach all der Zeit wohl sein muß. So hatte man genug Zeit übrig, um einen adqäquten Mix zu finden. Etwa zur gleichen Zeit wurde das deutsche Label Armageddon Music auf die Band aufmerksam und auf dessen Initiative gab man den Mix vertrauensvoll in die Hände von Michael Hankel (Holy Moses), der dann das Mastering besorgte. Bis vor kurzem war man noch im Unklaren darüber, wie das fertige Produkt wohl klingen mag, aber wie der sympathisch rüberkommende Bassist


bestätigt, war man so überwältigt vom Resultat, daß man sich sehnlichst wünscht, beim nächsten Album direkt in einem deutschen Studio aufnehmen zu können.

Überhaupt, auffällig ist der Umstand, daß Agro sich keinerlei Grenzen zu setzen scheinen. Mag die Basis zwar irgendwo im 80er Bay Area Thrash zu finden sein, finden sich darüber hinaus ungemein viele Facetten im Sound der Band. Robert teilt meine Einschätzung und führt aus, daß es innerhalb der Gruppe einige konsensfähige Bands gäbe, aber darüber hinaus, hätten gerade die Hauptsongwriter Shane und Cliff einen breitgefächerten Geschmack, der sich naturgemäß auch in den Agro-Songs niederschlägt. Bleibt die aus europäischer Sicht sicherlich interessante Frage, wie es einem als Fan harter Musik in einem Land geht, das immerhin viermal so groß ist wie Deutschland und bisher kaum als Hort dutzender Bands bekannt war.

Robert bestätigt die Vermutung, daß es in erster Linie ein Ding des Undergrounds ist. Zudem machen die großen Entfernungen die Sache nicht eben leichter. Die Fans sind über das ganze Land verstreut. Die meisten dort beheimateten Bands versuchen ihr Glück auch eher im Ausland und nur wenn sie es dort zu einiger Bekanntheit gebracht haben, werden sie von den südafrikanischen Medien wahrgenommen. Eine frustrierende Situation. Ähnlich unschön sieht es an der Live-Front aus, denn die meisten internationalen Acts verirren sich nur selten nach Südafrika. Und wenn die Bereitschaft ohnehin nicht sonderlich groß ist in Südafrika aufzutreten, dann machen die schwache Währung und die hohen Kosten für die Promoter endgültig alles zunichte. Umso erstaunlicher ist also der Langmut und das Durchhaltevermögen einer Band wie Agro, die auch nach so lange Zeit immer noch munter und kraftvoll agiert, wie eh und je. Geht man nach den spärlichen Meldungen, die man in hiesigen Medien über Südafrika aufschnappen kann, so sind es in aller Regel die reinsten Horrormeldungen. Wie also sieht es dort tatsächlich aus ?

Robert sieht die Sache realistisch. Schließlich sei Südafrika in den letzten Jahrzehnten durch eine Zeit riesiger Umbrüche gegangen. Die Apartheid ist abgeschafft, aber die Demokratie ist noch jung. Trotzdem, der Bassist beschreibt die allgemeine Stimmung als ungemein positiv, man benötige einfach mehr Zeit. Nicht zuletzt die kommden Fußball-Weltmeisterschaft gibt dem Land vielleicht den Aufschwung und positiven Schub, um das Land weiter nach vorn zu bringen. Die noch unstabile Situation schlägt sich aber in den Texten nieder. Hier reflektiert man ganz ungeschönt die sozialen Probleme, die uns allen aus den Nachrichten bekannt sind. Schließlich formuliert Robert die Ziele, die er und wohl auch der Rest der Band sich mit Agro gesetzt haben und bleibt dennoch sympathisch bescheiden. Letztlich sei man glücklich mit dem Standing, daß die Band ohnehin schon habe. Wenn man schon einen Wunsch formulieren müsse, so wünsche man sich nur die Gelegenheit die Musik der Band einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen und vor allem viel live zu spielen.

Was bleibt zu sagen ? Man kann nur inständig hoffen, daß die Band mit einem starken, in Europa verwurzelten Label endlich die Aufmerksamkeit erlangen mag, die sie eindeutig verdient. Mit einem so guten Album wie „Ritual 6“ sollte ebenso eine exzessive Tour möglich sein. Uns Europäern ist so auch zu wünschen, daß wir in Zukunft an diesen Vorteilen der Globalisierung weiter Teil haben dürfen !

 
 
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