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Now It’s Overhead

Storie von: Matthias Rauch, am 21.09.2006 ]

Wer die Band um Andy LeMaster schon einmal live gesehen hat, wird schnell beipflichten, dass man sich in der Präsenz keineswegs aufdrängen möchte und auch sonst eher schüchtern und zurückhaltend wirkt. Das lässt sich jedoch über die Musik auf dem dritten Now It’s Overhead Album Dark Light Daybreak nicht gerade sagen, denn hier wimmelt es von ausgiebigen Arrangements, breitflächigen Atmosphären und einem sympathischen Hang zur großen Geste. Wer jetzt vorschnell an Kitsch denkt, hat nur teilweise recht, denn hinter dieser Fassade aus ungebremstem Pathos schimmern immer wieder fast naiv schöne Popsongs durch, die einen weiten Bogen zwischen Depeche Mode, Spiritualized und einem entschlackten Singer/Songwriter-Gestus spannen.

 

Irgendwo dazwischen lassen sich die neuen zehn Songs von Dark Light Daybreak einordnen, die wieder einmal Unterstützung von großartigen Künstlern wie Orenda Fink und Maria Taylor erfahren haben, welche man außer durch ihre Soloaktivitäten auch mit ihrer wunderbaren Band Azure Ray schätzen gelernt hat.

Wenn man bedenkt, dass Andy LeMaster ein mittlerweile sehr gefragtes Studio in Athens, Georgia betreibt, verwundert es nicht weiter, dass immer nur alle 2-3 Jahre mit einem neuen Album zu rechnen ist. Dazu kommt noch der von LeMaster selbst nie verleugnete Perfektionismus, der die Arbeit im eigenen Studio natürlich nicht gerade verkürzt, vor allem wenn man die Zeit dafür nicht bezahlen muss. „Perfektionismus ist nicht unbedingt eine positive Eigenschaft, zumindest nicht in allen Aspekten des Lebens“, erklärt Andy. „Aber ich versuche die Perfektion auf die Musik zu fokussieren, denn diese ist ein gesundes Outlet dafür.“ Diese Fokussierung hört man dem dritten Album ebenfalls an, denn die Songs entwickeln erst nach mehrmaligem Hören ihre vollen Qualitäten, die sich vor allem in den zahlreichen Nuancen und Details der vielschichtigen Arrangements verbergen und bei beiläufigem Hören nur wenig von ihrer Brillanz offenbaren können. Doch wenn man sich näher mit dem Album auseinandersetzt, wird schnell deutlich, wie viel Hirn und Herz in diesen Songs steckt: vom melancholischen Opener Let The Sirens Rest über das überraschend beschwingte Walls mit seiner feinsinnig


komplexen Rhythmik, dem fast schon Pink Floydschen Believe What They Decide bis hin zum majestätischen Abschluss Nothing In Our Way.

Die Verbindung zum Qualitätslabel Saddle Creek entstand schon vor vielen Jahren praktisch per Zufall, als LeMasters Band eine Show zusammen mit einer Band namens Commander Venus in Florida spielte, in der auch ein gewisser, damals höchst adoleszenter Connor Oberst aktiv war. Man freundete sich an, ging zusammen auf Tour und da war es nur noch eine Frage der Zeit, bis das erste Now It’s Overhead Album das Licht der Welt mit Hilfe des Labels aus Omaha erblicken sollte. Es verwundert etwas, dass LeMaster nach all den Jahren immer noch das kleine Uni-Städtchen Athens im erzkonservativen Süden der USA sein Zuhause nennt. Gab es da nicht einmal Überlegungen sein Studio irgendwo anders aufzuschlagen? „Sicher gab es die, aber Athens ist da eine ziemliche Ausnahme, was den Süden angeht. Es ist eine sehr progressiv denkende und liberale Stadt, eine Art Oase im Süden sozusagen. Ich könnte im Süden nirgendwo anders leben. Außerdem bin ich sowieso kaum Zuhause. Ich habe mir schon überlegt, nach Omaha zu ziehen, aufgrund der Nähe zu Saddle Creek und den ganzen Bands dort, doch dort ist es kalt“, gibt LeMaster mit einem Lachen zu. Wenn er weiterhin solch gelungene Popsongs wie auf seinem neuen Machwerk schreibt, soll ihm das warme Wetter mehr als vergönnt sein, denn die funktionieren auch ohne Gäste wie Michael Stipe oder Connor Oberst ganz prima.
 
 Links:
  Now It's Overhead
  Saddle Creek Records
 
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