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Sinking Ships

Storie von: Daniel, am 09.08.2006 ]

Während alle Welt mehr oder minder gebannt, manchmal auch fasziniert oder angeekelt in Richtung Metalcore schaut, um die letzten Auswüchse des Hypes zu bestaunen, zieht die durchaus vitale Hardcoreszene lautlos ihre Bahnen. Zur Zeit liegen alle Augen auf wenigen großen Bands und wer auf der Suche nach hörenswerten Bands ist, wird im weitgehend unbeachteten Underground schnell fündig. So eine bislang unentdeckte Perle sind die Sinking Ships aus der ehemaligen Grunge-Hochburg Seattle. Nach einer 5Track-EP im letzten Jahr, erscheint dieser Tage das interessante Debut „Disconnecting“. Grund genug bei Gitarrist Paul nachzuhaken.

 
Zunächst einmal wäre es interessant zu erfahren, welcher Gedanke der Bandgründung zugrunde liegt, lässt diese doch, wie der Bandname auch viel Freiraum für Interpretationen. Entgegen der Vermutung, es handle sich um ein Statement, erklärt Paul, daß die Band lediglich Ausdruck eines Wunsches sei, nämlich des Wunsches Hardcore zu spielen und etwas auf die Beine zu stellen, so lange man noch recht jung ist. So einfach kann es dann manchmal doch sein ! Gleiches gilt auch für den Namen. Mag manch einer noch wild spekulieren, welch an sich sozialkritische Message dahinter verborgen sein mag, so löst Paul das Rätsel unspektakulär auf. Letztlich war dies nur einer der möglichen Namen, der unter Zeitdruck dann am Ende übrig geblieben sei.

Verblüffend ist der Umstand, daß das Debut im positiven Sinne nicht nach einem Debut klingt. Paul hat eine einfache Erklärung. Zeit. Viel Zeit. Man habe oft genug schon Alben von Bands gehört, die unter Zeitdruck (ob von innen oder außen) entstanden seien und so eine Art Routine im Verlauf entstanden sei, die in gleichförmigen Songs mündet. Diesen Fehler habe man vermeiden wollen. In eine ähnliche Kerbe schlägt auch der Albumtitel. Zum einen trage er eine sehr persönliche Note, die in erster Linie das Gefühl des Verlustes verarbeite, zumal den Verlust eines nahestehenden Menschen. Es summiere einfach in einem Wort den seelischen Zustand, in der er sich als Mensch gesehen habe, so Paul. Zum anderen beschreibe er eben sehr selbstbewußt den sich entwickelnden Status der Band. Während man als Band reife, eine eigene Identität entwickle würde es mehr und mehr gelingen, sich von Rollenmodellen zu lösen, letztlich also den Schritt in die künstlerische Freiheit.

Auffällig ist, dass die Sinking Ships nicht einfach nur bereits ausgetretenen Pfaden folgen, sondern vielmehr bemüht sind, dem Thema Punk/Hardcore eine moderne Komponente zu geben, so, wie es Bands wie Lifetime und die Dillinger Four auch tun. Also was denkt Paul zu dieser Art von Wiederbelebung ? Bescheiden sieht er seinen kleinen Beitrag zur Szene, betont aber, daß es eine große Ehre für die Band sei mit diesen Legenden in einem Atemzug genannt zu werden. Man sei letztlich nur darum


bemüht, eine Hardcore – Band zu bleiben, während man sich zu dem Stellenwert hinarbeite, den die Bands der eigenen Jugend schon jetzt inne haben. Nach dieser ehrlichen und gleichzeitig sympathischen Selbsteinschätzung, wie würde man den Souns der Sinking Ships griffig zusammenfassen können? Denn von außen könnte man den Stil als perfekte Mixtur aus Punkrock und Hardcore umschreiben, während auch eine Straight-Edge Komponente durscheint.

Paul gibt sich bodenständig. Sinking Ships sei einfach eine Hardcore Band, simpel und ohne weitere Erklärung. Mittlerweile gäbe es so viele Stile und Strömungen und noch mehr Namen für diese, daß zumindest er selbst darum bemüht sei, sich selbst einfach als Hardcore zu bezeichnen. Man ist versucht zu sagen, nicht nur steckt hier der Wunsch nach Simplizität dahinter, sondern wohl auch der Wunsch zur Selbstverortung.

Wie nun aber entstehen die Songs ? Folgt die Band einem standadisierten Arbeitsprozess ? Wie erschafft man die stets präsente Atmossphäre ? Normalerweise beginnt das Songwriting mit einem Riff, das Paul dann der Band unterbreitet. Schließlich integriert man nach und nach alle anderen Bandmitglieder, bis dann irgendwann ein Sinking Ships Song entstanden ist. Also alles in allem ein demokratischer Prozess und genau diese mache wohl auch die Atmossphäre aus, deren Entstehung man sonst kaum erklären könne.

Was ist dann die Triebfeder, die Motivation hinter der Band ? Der Gitarrist kommt ins Grübeln, hat aber doch eine durchaus bekannte Antwort zur Hand. Es sei einfach nur der in der eigenen Jugend entstandene Wunsch den eigenen Vorbildern nachzueifern. Dazu wolle man auch etwas der Szene und der „Kultur“ etwas zurückgeben, der man selbst soviel zu verdanken habe. Und genau diesen überragenden Stellenwert hat Musik im Leben der einzelnen Bandmitglieder. Da passt es sogar gut ins Konzept, daß alle Mitglieder noch einem normalen Berufsleben nachgehen, so daß keinerlei Abhängigkeiten entstehen können. Wenn alles gut geht, werden die Sinking Ships Mitte September auf Tournee nach Europa kommen. Paul ist für das Interview dankbar und nun gilt es eine sympathische, bodenständige Hardcore-Formation zu unterstützen !

 
 Links:
  myspace.com/sinkingships
 
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