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Remembering Never

Storie von: Daniel, am 05.08.2006 ]

Wem beim Gedanken an Florida in erster Linie noch an Altersruhesitze, Rentner in beigen Klamotten und Miami Vice denkt, dem ist per se nicht mehr zu helfen. Seit Jahren schon kriecht aus den feucht-heißen Sümpfen viel böse, aggressive und brutale Musik, vornehmlich aus dem DeathMetal – Sektor. Doch auch die Hardcore – Szene scheint viele beachtenswerte Gewächse in jenem Klima gedeihen zu lassen. Remembering Never zementieren mit ihrem neuen Album „Gode save us“, daß man verschärft mit Hardcore aus Florida zu rechnen hat. Grund genug Sänger „Mean“ Pete telefonisch ein wenig auf den Zahn zu fühlen.

 
Zunächst, nur um mich nicht in den ersten Minuten schon unvorsichtig zu disqualifizieren, frage ich den etwas wortkargen Pete nach seinem Spitznamen. So kann man ja auch in der offiziellen Bandbiographie nachlesen, daß es die Mitglieder nicht immer einfach gehabt haben und alles andere als mit dem goldenen Löffel im Mund geboren wurden. Pete, der sich in der Folge zwar nicht als gemein herausstellt, dafür aber kaum mehr als einen Satz am Stück herausbekommt bestätigt, daß die Herkunft aus einer sozial schlechtgestellten Umwelt einen großen Einfluss auf ihn gehabt habe. Letztlich sei es dies, was ihm eine bestimmte Perspektive auf die Gesellschaft beschert hat.

Allerdings, wie kommt es dann, daß man sich für Hardcore enscheidet, denn wie oben erwähnt, wesentlich bekannter ist Florida für eine vitale DeathMetal-Szene. Offenbar ist es eine lokale Ursache wie Mr.Mean betont. Aus der Gegend um Miami, aus der auch Remembering Never stammen, gebe es eine recht vitale Hardcore – Szene, während die Massen der DeathMetal – Bands eher aus der Region um Tampa stammen. Wer bei Erwähung der Stadt Miami immer noch an Crockett und Tubbs denkt, dem sollte gesagt sein, daß Miami eine der Städte mit der höchsten Kriminalitätsrate ist. Man mag sich nicht wundern, wenn es hier viel Licht und noch mehr Schatten gibt. Vielleicht ist da der Schritt hin zu politisch motivierter Musik nicht weit und nur natürlich!?

Die neue Scheibe „God save us“ ist ein enormer Brocken musikalischen Hasses. Hier werden tatsächlich keine Gefangenen gemacht und von Sekunde eins an haut uns die Band ihren Frust um die Ohren. Eine Entladung von ungeheurer Negativität. Wie kommt es dann zur im Albumtitel vorgetragenen Bitte ? Pete erklärt, daß es gerade momentan, in einer Zeit größter Sicherheit, in der die Regierung ihre Kontrolle dadurch ausübt, in dem sie Angst schürt, viele Menschen Zuflucht in der Religion suchen. Seit 9/11 lebe die amerikanische Bevölkerung in einer permanenten Bedrohungssituation, in der der nächste verheerende Anschlag, der nächste übelwollende Terrorist hinter der nächsten Ecke lauern könnte. Trotzdem, es ist


eine zynische Sicht der Dinge, Remembering Never sind keinesfalls eine religiöse Band. Doch eines ist trotz Zynismus und Wut und bei allen negativen Stimmungen beachtlich. Pete legt Wert auf die Tatsache, daß die Band eine positive Message habe und darüber hinaus sieht sie sich gegenüber potentiellen Fans in einer Verantwortung. Allein die Tatsache, daß Mean Pete gerade zu diesem Punkt plötzlich sehr redselig wird, mag als Beleg für die Wahrhaftigkeit seiner Worte gelten. Anstelle den Fans ein schlechtes Vorbild zu sein, Drogen zu verherrlichen und Kids zum Nachahmen zu veranlassen, solle man lieber zum Nachdenken anregen. Remembering Never sehen sich also in der Tradition des Hardcore nicht nur wütende Musik zu schreiben, sondern darüber hinaus auch alternative Lebensmodelle zu repräsentieren.

Dazu passt auch das wirklich stimmige und passende Artwork der neuen CD. Es zeigt eine Hand mit aufgeschlitzter Pulsader, die eine rauchende 100-Dollarnote in der Hand hält. Pete bestätigt, daß man bewußt eine etwas andere, mehr künstlerische Sicht der Dinge ausgesucht habe. Das Bild spräche wohl für sich und summiere alles, wofür Remembering Never stehen. Manche Pressereaktion auf die Band schmeißt sie gerne und voreilig in die mittlerweile mehr als überfüllte Metalcore – Schublade. Nicht nur, daß der Begriff völlig schwammig ist, er misachtet auch völlig die Tatsache, daß Hardcore wohl niemals ohne Einfluss des Metal auskommen würde und wird. Aber wie reagiert jemand, dessen Wurzeln völlig im Hardcore liegen darauf mit völlig anders klingenden Bands in einen Topf geworfen zu werden ? Pete gibt sich pragmatisch. Letztlich wäre es ihm, wie auch den anderen Bandmitgliedern völlig egal, welchen Namen man dem Kind gebe. Am Ende des Tages sei es doch nur wichtig, ob man die Musik möge, oder eben auch nicht.

Wie wahr. So sprechfaul sich Mean Pete auch im Interview gab, es tut der Qualität von Remembering Never keinen Abbruch. Eine Band, die ihren Wurzeln treu ist, die trotz aller Brutalität einen intelligenten Ansatz verfolgt und die Essenz des Hardcore lebt. Positivität als Summe aus Frust und Wut.

 
 Links:
  myspace.com/rememberingnever
 
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