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Daturah

Interview von: Matthias Rauch mit Mathias Heng, am: 14.07.2006 ]

Es dürfte nicht mehr lange dauern, bis Daturah nicht nur einem kleinen Kreis aus glücklichen Eingeweihten ein Begriff sind, denn mit ihrer faszinierend dichten Mischung aus instrumentalen Klangteppichen und intensiven Atmosphären ist die Band aus Frankfurt nicht weit von Kollegen wie Mogwai, Mono oder GYBE entfernt. Dass dies nicht nur auf Platte ganz fantastisch funktioniert, sondern auch im Livekontext ganz hervorragend umgesetzt wird, konnte man sich unlängst auf den zahlreichen Touren der Band vergewissern, die stets von intelligent arrangierten visuellen Projektionen untermalt werden. Wir sprachen mit Gitarrist Mathias über die Philosophie des Selbermachens, semantische Ebenen innerhalb der instrumentalen Musik und verschiedenste Zukunftspläne.

 

Musicscan: Erzählt doch bitte kurz etwas über die Band, da doch einige mit Daturah wahscheinlich noch nicht vertraut sind. Wie hat alles angefangen? Wie waren die Entwicklungsschritte?

Daturah: Wir sind 5 Leute die auf der Bühne stehen und Krach machen (Mathias- Gitarre / Flo – Gitarre / Benni – Bass / Ralf – Synths+Samples / Patrick – Drums) und einer vor der Bühne, der sich um die Video-Projektionen (Raul) kümmert, und wir kommen alle aus Frankfurt/Main und Käffern in der Umgebung. Angefangen die ersten Ideen zu sammeln, hab ich zusammen mit Ralf schon Anfang 2003. Die anderen Jungs sind dann nach und nach dazu gestoßen. Ende 2003 waren wir dann in dem jetzigen Line-Up komplett und im Juli 2004 haben wir unsere erste Show gespielt. Kurz danach haben wir angefangen, in unserem Proberaum, den wir ein bisschen Mini-Studio mäßig ausgestattet haben, unsere erste CD aufzunehmen. Da wir alles komplett selbst gemacht haben, davon vorher aber nicht allzu viel Ahnung hatten und mehr nach dem Learning-by-doing Verfahren gearbeitet haben, hat sich das Ganze dann etwas gezogen, aber im Mai 2005 war die CD dann endlich fertig und wir haben sie hierzulande erstmal selbst veröffentlicht, kurz darauf erschien sie dann auch noch mal in Amiland über Graveface Records aus Chicago. Danach haben wir dann soviel wie möglich live gespielt, im September 2005 unsere erste selbstgebuchte Tour, und seit 2006 kümmert sich Chris von www.bloom-explode.de um unser Booking, der hat uns dann im März 2006 noch mal 2 Wochen auf Reisen geschickt. So weit läuft also alles wunderbar.

Musicscan: Wie kam es zum Release auf einem amerikanischen Label?

Daturah: Das ist eigentlich ganz einfach. Ich veranstalte auch Konzerte in Frankfurt, und da hab ich den Bands die wir so gemacht haben natürlich immer schön Demo-CDs mitgegeben. Dabei waren dann auch einmal DREAMEND aus Chicago, die Band von Graveface-Betreiber Ryan. Und er war so begeistert davon, dass er mir schon 2 Tage später, als sie noch auf Tour waren, per Mail mitgeteilt hat, dass er die Scheibe unbedingt auf seinem Label veröffentlichen will. Ja und so kam das dann auch. Und wir werden wohl auch zukünftige Veröffentlichungen in Amiland über sie rausbringen.

Musicscan: Wie muss man sich bei euch den Songwriting-Prozess vorstellen? Gibt es einen Songwriter oder bringen sich alle recht gleichmäßig ein?

Daturah: Das ist unterschiedlich. Die Songs auf der CD z.B. hatte ich schon alle zuhause alleine am PC komplett vorproduziert. Das passiert heute auch noch manchmal, dass ich schon mit so fast fertigen Songskizzen ankomme. Aber inzwischen entsteht doch auch viel mehr zusammen im Proberaum. Irgendwer kommt mit einem Riff an, was wir dann gemeinsam zusammenbasteln. Besonders unser Bassist Benni hat da immer noch irgendwelche tricky Sachen auf Lager.

Musicscan: Inwieweit haben sich etwaige Zielsetzungen seit dem Beginn der Band verändert?

Daturah: Da hat sich eigentlich nicht allzu viel verändert. Eigentlich hatten wir aber auch nie so eine klare Zielsetzung vor Augen. Zu allererst mal wollen wir natürlich Spaß haben bei dem, was wir machen, und voll dahinter stehen. Wobei wir aber auch nicht im Proberaum verschimmeln und nur für uns selbst dahindudeln wollen. Wir wollen schon raus gehen zu den Leuten, soviel Konzerte spielen wie irgendwie möglich und Platten veröffentlichen.

Musicscan: Was ist in euren Augen das Besondere oder Einzigartige bei Daturah?

Daturah: Schwere Frage. Zum einen - finde ich haben - wir eine sehr gute menschliche Band-Chemie. Technisch gesehen sind wir vielleicht nicht die versierteste Truppe, dafür können wir, glaube ich, ganz gut Atmosphären aufbauen und die durch eine gewisse Intensität transportieren. Das funktioniert natürlich besonders gut in der Live-Situation. Außerdem sind wir auch für eine Instrumental-Band noch relativ Songstruktur-orientiert, das macht es vielleicht auch noch mal etwas eigener.

Musicscan: Wie wichtig ist euch die visuelle Umsetzung bzw. Untermalung eurer Musik im Livekontext? Was erhofft ihr euch durch Visuals?

Daturah: Sehr wichtig. Wir versuchen das eigentlich immer irgendwie zu realisieren, wenn es auch manchmal organisatorisch oder Location-abhängig etwas schwierig ist. Raul, unser Mann fürs Visuelle, findet da aber meistens irgendeine Lösung und ist sehr gut im improvisieren. Die Projektionen sind inzwischen fast so was wie ein zusätzliches Instrument, denke ich. Raul produziert diese auch völlig eigenständig, meist nachdem ein neuer Song fertig ist, überlegt er sich die bildliche Umsetzung dazu. Zudem machen die Bilder es dem Publikum vielleicht etwas einfacher, sich in die Musik total fallen zu lassen, da somit der optische Fixpunkt ganz klar vorgegeben ist. Uns fünfen einfach nur beim spielen zuzugucken, stell ich mir doch eher langweilig vor, wir sind doch alle nicht unbedingt die Frontsäue. Zu guter letzt helfen die Projektionen auch uns selbst manchmal dabei, uns live schneller in eine ganz bestimmte Stimmung zu bringen, um eben ein gutes Konzerte zu spielen, also als Inspirationsquelle.

Musicscan: Was macht einen guten Song eurer Meinung nach aus?

Daturah: Noch so eine schwierige Frage. Solange ein Song uns selber beim spielen völlig in seinen Bann zieht, ist es für uns ein guter Song. Das können ganz primitive Krachorgien sein, oder aber auch total verfrickelter Scheiß mit tausend Parts und Wendungen. Das ist dann eigentlich gleich. Wenn wir live spielen, krieg ich eigentlich nicht viel um mich herum mit. Ich denke, das ist ein ganz gutes Zeichen.

Musicscan: Lassen sich semantische bzw. inhaltliche Elemente mit instrumentaler Musik transportieren?

Daturah: Eher schwierig, aber darum geht es uns eigentlich auch gar nicht. Das sind dann eher universellere Gefühlszustände, die wir da vermitteln, die jeder Hörer dann für sich wahrscheinlich automatisch mit Inhalten fühlt, je nach dem was gerade so in ihm vorgeht. Also für mich erzählt jeder unserer Songs eigentlich schon auch eine Geschichte die dahinter steckt, was meist mit meinen persönlichen Gefühlslagen und Gedanken während des Entstehungsprozess der Songs zu tun hat. Das kann aber für die anderen schon wieder etwas völlig anderes sein und für außen stehende Zuhörer sowieso. Das ist aber auch gut so.

Musicscan: Inwieweit fühlt ihr euch einem gewissen DIY/Punk-Kontext zugehörig und inwieweit hat dieser auch künstlerisch und menschlich geformt?

Daturah: Wir kommen eigentlich alle nicht unbedingt aus dieser Ecke. Aber vor allem durchs selber Konzerte organisieren, bin ich automatisch damit in Kontakt gekommen. Und natürlich finden auch die meisten der Konzerte, die wir spielen in diesem Kontext statt. Das ist zum einen gut, da wir, und im besonderen ich, schon leichte Control-Freaks sind, und gerne alles selbst in der Hand haben. Zudem bleibt einem als junge, unbekannte Band ja auch gar nix anderes übrig, als selbst loszulegen, Konzerte/Touren zu buchen, Songs aufzunehmen und selbst zu veröffentlichen. Im Proberaum zu sitzen und darauf zu warten bis man „entdeckt wird und dann groß rauskommt“, hat da wenig Sinn, gibt’s aber leider immer noch viel zu viele, die an dieses Märchen glauben. Wir sind da jetzt bestimmt auch nicht das Paradebeispiel für diese DIY-Philosophie, aber dennoch machen wir nach wie vor so viel wie möglich selbst und werden das auch für die Zukunft nicht anders handhaben.

Musicscan: Was kann man von euch in der nächsten Zeit erwarten? Irgendwelche neuen Aufnahmen, Pläne, Kollaborationen?

Daturah: Natürlich nach wie vor viel live spielen, da stehen auch wieder einige schöne Sachen an in nächster Zeit. Außerdem waren wir im April im Studio und haben einige neue Songs aufgenommen. Die werden wir jetzt demnächst noch mit einigen zusätzlichen Spuren bereichen und dann müssen sie noch gemixt werden. Bis es da was zu hören gibt, dauert es also noch einen Moment. Im Moment sind wir uns noch nicht ganz sicher, ob wir das Material als Album oder auf mehrere Splits und EPs verteilt veröffentlichen wollen. Einige Wunschkandidaten für Split-Releases hätten wir da auch schon, z.B. SCRAPS OF TAPE aus Schweden oder IRA aus Konstanz, beides ganz großartige Bands. Da gibt’s auch schon einige Ideen und interessierte Labels dafür, spruchreif ist da aber bisher noch gar nichts. Wird wohl 2007 werden bis dann wirklich was erscheint. Die etwas ruhigere Sommerzeit werden wir wohl auch nutzen, um noch mal etwas intensiver an neuen Songs zu arbeiten. Personell wird es auch eine kleine Veränderung geben, da Ralf, der Samples und Synthie bedient, sich in Zukunft mehr auf sein Studium und seine Arbeit konzentrieren will und uns leider in absehbarer Zeit verlassen wird. Im Moment sind wir gerade auf der Suche nach einem Ersatz.

 
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