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Shelter

Storie von: arne, am 23.05.2006 ]

Um Ray Cappo und seine Band SHELTER ist es nach dem 2001er Release von “The Purpose, The Passion“ verdächtig still gewesen, und die Fans hatten längst mit einem Split gerechnet. Doch völlig unverhofft erscheint nun mit “Eternal” ein am Vorgänger anknüpfendes neues Album der Szene-Ikone, die mit Violent Children, Youth Of Today, Better Than A Thousand und natürlich auch mit SHELTER Hardcore-Geschichte geschrieben hat.

 
So überraschend wie ich “Eternal” in meinem Briefkasten vorfand, hatte ich den Sänger eines Abends plötzlich unangemeldet in der Leitung: „Hey, hier ist Ray Cappo. Ich hörte, ich solle mich bei dir für ein Interview melden. Du musst mir allerdings einen Gefallen tun und mich zurück rufen, denn das Guthaben meiner Telefonkarte ist fast erschöpft ist.“

Gesagt, getan und nach kleinerem Smalltalk über vergangene Treffen bat ich Ray seine heutigen Lebensumstände zu schildern und die letzten Jahre Revue passieren zu lassen: „Inzwischen lebe ich in Los Angeles. Vor drei Jahren habe ich eine Frau mit zwei Kindern geheiratet und im letzten Jahr bin ich zum ersten Mal richtig Vater geworden, so dass wir zu fünft leben. Die Musik habe ich im Prinzip völlig aufgegeben und gebe heute Yoga-Unterricht.“

Der Schritt aus dem „Punk-Dasein“ hatte sich bereits lange angekündigt: „Dass ich aufgehört habe, Musiker zu sein, ist das nur das Ergebnis der Veränderung meines gesamten Lebens. Yoga habe ich ja schon immer selbst praktiziert, so dass es nicht viel brauchte, denn Schritt zum Lehrer zu gehen. Natürlich ist es ein krasser Wandel, gerade wenn man aus einem hektischen Musikeralltag kommt, doch für mich macht es Sinn. Mein Leben lang habe ich nur Musik gemacht. Daneben habe ich lediglich Vorlieben für Yoga und brasilianische Kampfsportarten entwickelt. Bis vor kurzem war mein Leben durch Musik, Touren und kontinuierliches Training bestimmt. Dann habe ich geheiratet und wurde sesshaft. Von da an wollte ich nicht länger mehr nur unterwegs sein


und meinem Leben eine neue Richtung geben. Einer meiner Freunde brauchte eine Urlaubsvertretung und im Nu war ich Yoga-Lehrer geworden, was heute meinen Terminkalender ausfüllt. Ich bin zufrieden, und das Dasein als Lehrer ist für mich erfüllender als das eines Bandmitgliedes.“

Zudem sind Parallelen zwischen beiden „Berufen“ zu ziehen: „Mein neues Leben ist dem eines Entertainers auf der Bühne sehr ähnlich. Man steht auf einer Bühne, eine Anzahl an Leuten schaut zu dir auf und will unterhalten bzw. angeleitet werden. Allen Bands, auch SHELTER, lagen bestimmte Ideen zugrunde, die wir verbreiteten wollten, ob es sich nun um Lebenseinstellungen, Philosophien, Religionen oder Gesundheit- und Ernährungsthemen handelte. Ich persönlich habe mich dabei stets mehr als „Sprecher“ und Entertainer und weniger als Musiker verstanden. Als Yoga-Lehrer ist es nun das Gleiche, denn auch hier gebe ich Anweisungen. Nur man wird für das, was man sagt und tut, nicht kritisiert, wie es in der Hardcore-Szene der Fall ist.“

Der Sänger zieht mit “Eternal“, seinem nach heutigem Stand letzten Album, Resümee und ist froh darüber, nicht länger Teil des Punk-Undergrounds zu sein: “Mir gefällt es, dass sich die Musik- und die Yoga-Szene kaum überschneiden. Zum ersten Mal war das letzte Woche der Fall, als es im TV eine Reportage über Punk und Hardcore gab, und mich einer meiner Schüler erkannte. Davor hatten sie davon keine Ahnung, das ich Teil wichtiger Bands gewesen bin, was witzig ist, wo die Musik doch die längste Zeit meines Lebens bestimmt hat.“

 
 
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