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Final Prayer

Interview von: Janick mit Felix, am: 14.05.2006 ]

Auf “Right Here, Right Now, dem Debüt der Berliner Final Prayer wird energiegeladener, wütend nach vorne losgehender Hardcore geboten, wobei hier und da schön das Tempo verschleppt wird, um die ein oder andere fett rüberkommende Mosh-Runde einzuleiten. Gestützt werden die Songs durch fette Back-Up-Chöre. Das Ganze kommt ohne Schnörkel auf den Punkt und das Beste an der Sache ist, dass die Jungs wirklich was zu sagen haben und gesellschaftskritisch ihre Meinung vertreten.

 

Musicscan: Mit wem habe ich denn das Vergnügen, stell dich bitte kurz vor.

Final Prayer: Ich heiße Felix, spiele Bass bei FP und bin Politikwissenschaftler Ansonsten sind bei Final Prayer noch Pascal an den drums (freier Redakteur im Bereich Musikfernsehen), Flo und Mac an den Gitarren sowie Stephan am Gesang. Die letzten drei sind allesamt noch Studenten.

Musicscan: Wie lange seid ihr jetzt als FINAL PRAYER am Start?

Final Prayer: Flo und ich hatten schon ewig vor zusammen eine Band zu starten, aber die richtigen Leute dafür haben wir erst Anfang 2004 gefunden. Dann haben wir relativ schnell die ersten vier Songs als Demo rausgebracht und sind damit ein bisschen getourt. Wir haben dann Anfang 2005 die Split Cd mit Crisis Never Ends veröffentlicht, wieder massig Gigs gespielt und eine Tour mit Teamkiller. Und dann jetzt im April 2006 das erste Album…

Musicscan: Wie lange habt ihr denn an den Songs zu „Right Here, Right Now“ insgesamt gearbeitet?

Final Prayer: Da hat relativ lange gedauert, da wir erstens nicht wirklich viel proben und zweitens auch nicht die schnellsten Songschreiber sind. Alles in allem kann man sagen wir haben mit vielen Unterbrechungen etwa ein ¾ Jahr dafür gebraucht. Nicht wirklich Punkrock ich weiss, aber bei uns entstehen die meisten Songs als ein Kompromiss aus den Meinungen und Geschmäckern von 5 Leuten und das kann sich daher hinziehen.

Musicscan: Warum habt ihr euch für den Namen FINAL PRAYER entschieden bzw. ist dieser vielleicht auf unsere aktuellen gesellschaftlichen Verhältnisse zu beziehen?

Final Prayer: Der Name hat eigentlich wenn ich ehrlich bin keine tiefere Bedeutung, außer das er sich für uns gut angehört hat und zu unserer Musik gepasst hat. Wir hatten ein Liste mit 5 oder 6 potentiellen Namen, haben demokratisch darüber angestimmt und „Final Prayer“ hat die meisten Stimmen bekommen. So einfach war das.

Musicscan: Aus welcher Intension heraus habt ihr FINAL PRAYER gegründet und hat sich die Einstellung im Laufe der Zeit vielleicht geändert?

Final Prayer: Das ist eine Frage, auf die Du sicherlich von jedem in der Band eine andere Antwort bekommen würdest, daher hier nur meine ganz persönliche Ansicht: ich habe zusammen mit Flo Final Prayer gegründet, weil ich erstens total Bock hatte in einer musikalisch relativ straighten, brutalen HC-Band zu spielen, die ohne viel Schnörkel, komplizierte Breaks und Metaleinflüsse auskommt. Zweitens gab es zu der Zeit (Ende 2003) kaum Bands in Berlin, die solche Musik gemacht haben bzw. gibt es immer noch kaum welche. Drittens und für mich die Hauptmotivation: Spass haben, ein bisschen touren, Leute treffen etc. – was wahrscheinlich die Gründe sind, wegen denen die meisten Leute eine HC- oder Punkband starten.

Musicscan: Was ist unter dem Album Titel „Right Here, Right Now“ zu verstehen bzw. wofür steht dieser Titel, was sind die Hintergründe?

Final Prayer: Der Titel ist einem Song von uns entlehnt, denn im Chorus von Best of times heisst es: Right here, right now, best of times before my life runs out. Die Message des Songs ist relativ simpel: carpe diem; nutze den Tag; träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum… wie man sieht gibt es extrem viele Sprüche bzw. Lebensweisheiten, die in eine ähnliche Richtung zielen. Best of times ist einfach ein Stück weit, was FP für uns alle ist: die beste Zeit haben, jeden Tag so leben, als wäre es der letzte und daher auch jeden Gig so spielen, als wäre es der allerletzte. Einfach eine positive mental attitude bewahren und sich von dem ganzen Scheiss, der einen tagtäglich umgibt, nicht fertig machen lassen. Daneben bekommt der Titel allerdings im Kontext des Covers für mich eine wesentlich allgemeinere oder wenn man so will politischere Bedeutung.

Musicscan: Ist auf dem Album-Cover nicht das Mädchen zu sehen, welches durch einen Napalmangriff verletzt wurde und nackt flüchtet?

Final Prayer: Das ist richtig, das Mädchen wurde während des Vietnamkrieges in den 1970er Jahren Opfer eines US-Napalmbombardements, welches sich gegen vermeintliche Vietcong-Guerillas bzw. deren Unterstützer richtete. Wie in allen Kriegen war auch hier, wie das von Napalm verbrannte Mädchen verdeutlicht, der Großteil der Opfer Zivilisten.

Musicscan: Wenn ja, wie ist das Ganze im Zusammenhang mit den auf dem Cover befindlichen Hochhäusern zu verstehen?

Final Prayer: Der Titel „right here, right now“ im Kontext des CD-Covers, auf dem ein von Napalm verbranntes Mädchen aus einer Industriemetopole herausläuft, verweist auf die Ungleichzeitigkeit der menschlichen Entwicklung. Während ein Viertel der Menschheit im reichen Norden bzw. der ersten Welt lebt (in den Industriemetropolen), leben drei Viertel arm und von Hunger und Krieg gezeichnet im armen Süden (verdeutlicht durch das von Napalm verbrannte vietnamesische Bauernmädchen). Wir alle leben in einer Welt, die vom Gegensatz von zwei „Welten“, die beide gleichzeitig Realität sind (right here, right now) aber dabei höchst ungleiche Charakteristika aufweisen, geprägt ist.

Musicscan: Die HC-Szene in Berlin ist wieder schwer aktiv mit Bands wie u.a. Final Prayer, Shortage oder Anti-Cops. Wie seht ihr die Berliner-Szene heute und welche Entwicklung hat sie genommen?

Final Prayer: Im Moment kann man wirklich nur positives über Berlin sagen… es gibt eine Masse an Bands, die in diesem Jahre Platten releasen werden (Alithia, Battle Royale, Shortage, Anticops, Ivan Drago…) und eine ganze Menge junger Bands, die Demos herausgebracht haben oder dies noch tun werden (Prohibited, Make it Count, Farewell to words…). Es sind fast jede Woche eine oder zwei Shows, die meisten Gigs sind gut besucht… Berlin ist im Moment sehr cool und wir spielen sehr gerne hier. Viele neue Kids, viele alte Leute, wenig elitäres Verhalten und (noch) wenig Eyeliner-Bands und Stylos… Berlin ist einfach laut, roh und dreckig, deswegen lieben wir es alle!

Musicscan: Früher habt ihr bereits in anderen Bands gezockt und seid deshalb schon seit einigen Jahren musikmäßig am Start, wie findet ihr die Entwicklung des HC hin zu metallischem HC und als Endresultat hin zum Metalcore?

Final Prayer: Hmm, als ich angefangen habe, hieß es von manch älterem Szenegänger Cro-Mags wären eine Metalband und würden den HC kaputt machen… Heute sagen die Old School Kids die einzig wahre HC-Band wäre Cro-Mags.. Was ich damit sagen will ist, dass man die Entwicklung von HC größtenteils immer nur ab dem eigenen „Eintritt“ in die Szene beurteilen kann. Seit ich HC höre hat es immer Bands gegeben, die Metaleinflüsse in die Musik haben einfliessen lassen, auch wenn es Anfang der 90er total uncool war Metal zu hören. HC war HC, Metal war Metal – die Szenen hatten kaum Berührungspunkte. Das ist mittlerweile anders und hat wie ich finde seine positiven und negativen Aspekte. HC ist musikalisch so vielfältig wie noch nie und leider auch so verkommerzialisiert wie noch nie zuvor. Ein Großteil der Bands ist technisch verdammt gut geworden, dafür fehlt mir oft der wütende, rotzige Spirit früherer Bands. Vieles klingt mir zu überproduziert und ist live mehr Show als die Darstellung eines Lebensgefühls (oder lifestyles). Gerade letzteres war für mich immer der Aspekt, der HC besonders gemacht hat… it´s more than just music, live it or leave it! Aber ich will hier nicht rumheulen, es gibt immer noch einen Haufen Bands und Leute, die HC leben – und auch eine Band wie Crisis Never Ends, die musikalisch wohl Welten von Minor Threat entfernt sind, haben verdammt noch mal derbe HC-Spirit…

Musicscan: Wie seht ihr die Vergleiche zu Hatebreed, Terror und Throwdown? Seid ihr damit einverstanden oder ist es eher als Namedropping des Promoters zu verstehen? ;-)

Final Prayer: Also Throwdown fand ich früher ganz cool, mit den neuen Zeugs kann ich nix anfangen – ist mir zu Nu Metal-lastig. Terror und Hatebreed finde ich beide sehr geil und würde auch nicht sagen, dass diese Bands uns nicht beeinflusst hätten.

Musicscan: Im Gegensatz zu anderen Bands des Genres beschäftigt ihr euch nicht mit dem eigenen „Überlebenskampf“ und dem Unity-Gedanken, sondern habt ein starken soziopolitischen Anspruch. Wie wichtig ist das für euch?

Final Prayer: FP wurde nie als dezidiert politische Band mit klarer ideologischer Ausrichtung gegründet – in erster Linie sind wir eine HC-Band und da HC immer auch politisch Stellung bezogen hat gegen Kriegstreiberei, Rassismus, Sexismus und andere Formen der Unterdrückung sehen wir uns natürlich in dieser Tradition. Wichtig ist es für mich als die Person die 80% der Texte schreibt in der Hinsicht, das ich nur Texte über Sachverhalte schreibe, die mich auch beschäftigen. Da ich mich definitiv als politischen Menschen sehe, beschäftigt sich auch ein Teil der Texte mit Politik – ohne das ich deshalb aber versuche anderen meine Meinung aufzuzwingen oder Bands schlecht reden will, die keine politischen Texte haben.

Musicscan: Seht ihr euch als Tough Guy oder Bollo Band oder würde man mit diesen Bezeichnungen euch nicht gerecht werden?

Final Prayer: Wir sind eine HC-Band – nichts mehr oder weniger. Und by the way: in Berlin sagt kein Mensch „Bollo“, denn das ist ein Begriff der aus dem Ruhrpott kommt… hier sagt man dazu „Prollo“ – und „Prollo“ will in Berlin kaum jemand sein, haha. Nee, im Ernst – solche Labels sollen uns mal andere Leute geben, wir sind eine HC-Band und das reicht uns völlig aus.

Musicscan: Welch einen Stellenwert hat ein Song wie „The Anthem“, wie wichtig ist es für euch solch einen Song zu schreiben?

Final Prayer: Einen besonderen Stellenwert hat der Song eingentlich nicht für uns als Band, dann schon eher „Best of times“. Egal, in „the anthem“ geht es primär um die Massen an Leuten, für die HC ein oder zwei Jahre ein toller, non-mainstream Trend ist, bevor sie wieder Discomusik hören, CDU wählen oder was auch immer. Diese Leute wird es immer geben, deren dämliche Fragen wie „du hörst immer noch solche Musik?“ werden wir alle immer wieder gestellt bekommen und der Text ist einfach unser „fuck you“ an diese Leute. Sehr einfache message und geht raus an alle, für die HC/ Punk mehr als nur Musik ist…

Musicscan: Ist bei euch tourmäßig was geplant und wie wichtig sind für euch die Liveaktivitäten?

Final Prayer: Live spielen ist denke ich mal für jede HC-Band das wichtigste, weil nur live dieses feeling rüber kommt, eines mit dem Publikum zu sein. Daher versuchen wir, soweit es das unsere jobs bzw. die unis erlauben, so viel wie möglich live zu spielen. HC ist einfach keine Konservenmusik – wer HC verstehen will, der muss es sich mal live angesehen haben.

Musicscan: Ihr habt ja bereits eine Split mit den Jungs von Crisis Never Ends veröffentlicht, wie findet ihr die neue Scheibe der Jungs?

Final Prayer: Sehr fett, haben sich sehr nach vorne weiterentwickelt und wir freuen und auf die Tour mit CNE im Juni.

Musicscan: Als Gastsänger sind Micha TEAMKILLER und Jogges SIDEKICK am Start, wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Final Prayer: Den Jogges kenne ich noch von Disrespect –Zeiten, da habe ich immer tapes mit ihm getauscht –das muss so 1995 gewesen sein. Seitdem sind wir immer in Kontakt. Vor den Aufnahmen haben wir ihm die Demoversion von „No place to turn“ geschickt und gefragt, ob er nicht den Mittelpart singen will. Er fand die Idee cool, ist mit Micha zusammen im Studio vorbeigekommen und hat es eingesungen. Wir haben ihm gesagt, er soll wie eine Mischung aus Bad Brains und Underdog klingen… was dabei rauskam könnt ihr auf der Platte hören. Mit Teamkiller haben wir ewig viele Gigs und eine Tour zusammen gespielt, die sind unsere Brüder aus dem Süden und von daher war es klar, dass Micha eine Gastpart auf der Platte kriegt. Bei den Backups ist übrigen Michael, der Teamkiller Drummer noch dabei gewesen!

Musicscan: Pascal ist ja ebenfalls bei Shortage aktiv, wie bekommt er das alles unter einen Hut?

Final Prayer: Gute Frage, die ich mir sehr oft stelle. Der Mann lebt einfach für die Musik. Wahnsinn. Der liebt es einfach, Schlagzeug zu spielen. Zudem spielen Shortage nicht so viel live, daher kann er das irgendwie unter einen Hut bringen.

Musicscan: Das letzte Statement gehört euch, was wollt ihr noch unbedingt los werden?

Final Prayer: Danke für das Interview, für mehr Infos oder um in Kontakt mit uns zu treten checkt www.finalprayer.de.

 
 Links:
  finalprayer.de
 
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