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Hundred Reasons

Storie von: arne, am 22.04.2006 ]

Nachdem der letzte Longplayer “Shatterproof Is Not A Challenge” noch über Major Columbia erschienen ist, veröffentlichen die Hundred Reasons ihr Drittwerk “Kill Your Own“ über den Indie V2. Der Wechsel scheint sowohl einer „Frischzellenkur“ gleichgekommen als auch mit einer Reflektion der Musiker hinsichtlich des eigenen Schaffens einhergegangen zu sein. Denn die Band aus dem UK liefert elf Songs ab, die in ihrer Orientierung und Umsetzung äußerst fokussiert und reduziert wirken.

 
Natürlich haben die Hundred Reasons ihren so erfolgreich (200.000 verkaufte Einheiten) begründeten Weg harten Gitarrenrocks nicht verlassen, doch klingen sie heute trotz aller Leichtigkeit und latent poppiger Attitüde doch zugleich auch erdiger, härter und authentischer denn je. So erscheinen die Hooklines noch catchiger, die Chöre noch einprägsamer und “Kill Your Own“ im Ganzen sogar weitaus substanzhaltiger sowie auch dichter als seine Vorgänger.

Vom Songwriting überrascht die Band von Beginn an mit nachvollziehbareren, „zurück genommenen“ Arrangements. Die „vertrackte Sperrigkeit“ gehört der Vergangenheit an, da sich die Strukturen stets schnell allgemeingültig öffnen. Die Hundred Reasons sind weder Alternative, noch Indie, Hardcore, Postrock, Britrock oder was-auch-immer. Vielmehr spielt unter diesem Namen heute eine schön allgemein und breit angelegte Rock-Band auf, die sich aus verschiedensten Stilrichtungen die besten Elemente entleiht, um sie in nahezu perfekter Symbiose neu zu präsentieren. Das hat zur Folge, dass die Hitdichte auf “Kill Your Own“ ungewöhnlich stark ausgeprägt ist, und im Prinzip jeder einzelne Song über jeden Zweifel erhaben ist. Witzig ist, dass es den Musikern sogar gelingt, ihre britische Herkunft lange Zeit zu verschleiern.

„Es ist richtig, letztendlich wurden wir von Columbia gedropped,“ verrät Gitarrist Paul im Gespräch: „aber das hing mit der generellen Labelveränderung einher, der viele Leute und Künstler zum Opfer gefallen sind. Schon vor dem Release der letzten Platte waren alle Leute gegangen, mit denen wir damals den Vertrag unterschrieben hatten und die unsere erste Platte betreut hatten. Die zweite Platte wurde lediglich veröffentlicht, jedoch gab es weder Promotion noch Support in anderer Art und Weise. Niemand wusste so richtig etwas mit uns anzufangen, und am Ende waren beide Seiten unzufrieden, was in der Konsequenz zur Trennung führte.“

Mit V2 ist nun ein neuer interessierter, unterstützender Partner gefunden: „Die Kooperation war von Beginn an gut und sie bekundeten sofort ernsthaftes Interesse an uns. Es hat sich gleich alles richtig angefühlt und außerdem ist es ein Label mit Konstanz und dem musikalischen Background und einem Verständnis, das uns als Hundred Reasons entgegenkommt. Bislang haben sich all unsere Erwartungen erfüllt.“

Sogar eine Promo-Tour wurde angesetzt, die Paul nach Berlin Kreuzberg führte: „Diese Promo-Tour ist dafür der beste Beweis. So etwas haben wir niemals zuvor absolviert. Natürlich ist es auch deshalb nötig, weil


im Moment keine Shows von uns anstehen, aber dennoch hätten wir eine solche Möglichkeit früher nicht erhalten. Persönliche Gespräche sind immer besser als Interviews bei Telefon oder Internet.“ Und notwendig scheinen solche Termine auch deshalb, weil die Hundred Reasons in Deutschland noch „harte“ Basisarbeit leisten müssen: „Natürlich sind wir hier noch relativ unbekannt, jedoch hatten wir auch niemals die Chance, hier viel zu spielen und unseren Namen unter die Leute zu bringen. Mir scheint sogar, die Platten seien hier nie erschienen. Da sind sie zwar, allerdings wurden nur wenige Exemplare in die Läden gestellt. Außerhalb unserer Insel liegt noch ein weiter Weg vor uns.“

Auf der heimischen Insel ist man hingegen längst ein etablierter Rock-Act mit ansehnlichem Abverkauf: „Die hohen Verkaufszahlen haben viele Leute überrascht, doch für den Major war es scheinbar immer noch zu wenig. Wenigstens haben sie im Umstrukturierungsprozess für uns nicht ausgereicht, da Bands wie Destiny’s Child oder The Offspring schlichtweg noch mehr verkauft haben und wir mit ihnen verglichen wurden. Da standen wir natürlich hinten an. Und dennoch haben wir uns gut entwickelt, denn wir haben eine feste Fanbasis, und auch die neuen Tracks laufen wieder im Radio und TV. Wenigstens in dieser Beziehung werden wir schon immer stark supportet.“

Als „typisch“ britische Band wollen sich die Hundred Reasons nicht verstanden wissen: „Die britische Rock-Musik hat viele unterschiedliche Gesichte und eine lange Geschichte. Fest steht, dass wir eine britische Band sind, aber nicht bewusst danach streben, britisch zu klingen. Wenigstens machen wir uns darüber keine Gedanken. Wir spielen Rock Musik, und das ist unser Part. Alle weiteren Schlüsse sind den Hörern und Journalisten überlassen.“ Zu den ebenso „berühmten Kollegen“ unterhält man in jedem Fall intensive Beziehungen:

„Bands wie Funeral For A Firend oder Hell Is ForHeroes, Biffy Clyro und Lostprophets sind Freunde von uns, mit denen wir auch immer wieder auf Tour gehen. Was uns dann immer auffällt ist, dass jede Gruppe mehr oder weniger ihr eigenes Ding macht, wir alle damit erfolgreich sind, uns aber nicht gegenseitig wiederholen oder einander annähern. Vielleicht auch deshalb nicht, weil es keine feste Rock-Szene im UK gibt. Jede Band entwickelt sich zunächst für sich selbst und wächst, wenn sie gut ist. In diesem Punkt setzt sich über die Zeit nur Qualität durch, und das ist wohl der Grund für die Handvoll gleich starker Rock-Bands, die ich gerade aufgezählt habe.“

 
 Links:
  hundredreasons.com
 
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