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Atreyu

Storie von: arne, am 13.04.2006 ]

Nach “Suicide Notes & Butterfly Kisses“ und “The Curse“ erscheint mit “A Death-Grip On Yesterday“ auch das dritte Album von ATREYU auf Victory Records. Bislang hat das Quintett dem Ruf der interessierten Major-Firmen, die durch Verkaufszahlen im sechsstelligen Bereich hellhörig geworden sind, noch widerstehen können, doch es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis man den Beispielen der einstigen Kollegen von Taking Back Sunday oder Hawthorne Heights folgen wird.

 
Denn die Grenzen des dem Indie-Label möglichen Supports der Band sind längst erreicht. Um weiter zu wachsen, wird eine Neuorientierung, ein Labelwechsel, unumgänglich sein. Angesichts der Tatsache, dass ATREYU, wie neben ihnen nur ganz wenige andere Bands, immenses Breitenwirkungspotenzial aufweisen, überrascht es fast, sie nach wie vor auf Victory veröffentlichen zu sehen. Denn von Punk bis Rock, Emo bis Screamo, Hardcore bis Metalcore und Metal bis hin zu was auch immer – ATREYU erfahren flächendeckenden Zuspruch aus allen Lagern!

Doch nicht nur die Fanschar der Band ist in den letzten Jahren exponentiell gewachsen, gleiches trifft auch auf die handwerklichen Fähigkeiten der beteiligten Musiker sowie ihren Aktionsradius hinsichtlich des Songwritings zu. Nicht zufällt erscheint mit “A Death-Grip On Yesterday“ im Jahr 2006 das bislang reifste Album der Band, das ein konstant hochwertiges Niveau erreicht. Kontinuierlich hat das Quintett die eigene Aufstellung zwischen offensiver Aggression und eingängiger Pop-Attitüde immer weiter verfeinert, um nun im Ergebnis eine treffsichere Hymnenplatte vorzulegen, an der kein Fan rockiger Gitarrenklänge vorbei kommt! Ohne die eigenen Hardcore-Roots zu verleugnen sind ATREYU zu einer sehr generell aufgestellten Gruppe gewaschen, deren Entwicklung noch längst nicht abgeschlossen ist. Und noch dazu ist gerade außerhalb der USA nach wie vor jede Menge Basisarbeit zu leisten, zeigte sich die Victory-Kapelle doch bislang kaum präsent: „In Deutschland konnten wir uns bislang nicht so häufig live zeigen, wie wir es gewollt haben.“ stimmt Gitarrist Travis Miguel zu:

„Das liegt vor allem daran, dass wir uns vorrangig auf den US-Markt konzentriert haben und eben dort unseren Status gefestigt haben. Der eigenen Heimat schenkt man schließlich immer erst die größte Aufmerksamkeit, und es lief für uns einfach richtig gut. Für den europäischen Markt wissen wir um die Wichtigkeit von England und Deutschland, aber, wie gesagt, fehlten uns bislang die zeitlichen Möglichkeiten, dort ausgiebiger zu touren und die Kids von unseren Songs zu überzeugen. Wir haben uns jedoch fest vorgenommen, die Situation jetzt mit “A Death-Grip On Yesterday“ offensiv anzugehen. Denn nicht nur Europa ist bislang von uns vernachlässigt worden. Auf der ganzen Welt gibt es Länder und Regionen, die wir bislang überhaupt noch nicht aufgesucht haben. Nachdem wir in den USA nun über eine gefestigte Position verfügen, werden wir nach und nach auch das Terrain außerhalb unserer Grenzen erkunden und hoffentlich auch erobern. Die Verkaufszahlen unserer Alben sind ja fast überall ordentlich, so dass das Unterfangen glücken sollte.“

Apropos Platten, die überdeutliche musikalische Entwicklung über die bisherigen drei Longplayer hinweg ist von ATREYU gar nicht bewusst forciert worden, sondern das geschah von ganz alleine, wie Travis verrät: „Allen unseren Veröffentlichungen liegt dasselbe Prinzip hinsichtlich der Entstehung von Songs und Texten zugrunde. Sieht man davon ab, dass wir als Musiker heute weitaus breitere Möglichkeiten nutzen können, da wir einerseits größere Produktionsbudgets ermöglicht bekommen und andererseits handwerklich gewachsen sind, hat sich für uns selbst nicht viel geändert. Von Zeit zu Zeit schreiben wir neue Songs, nehmen sie auf, sie werden als Album veröffentlicht und dann gehen wir wieder auf Tour.“

Und doch sind da deutlich wahrnehmbare Unterschiede zwischen “The Curse“ und “A Death-Grip On Yesterday“, erklingt die neue Scheibe insgesamt doch sowohl straffer und prägnanter, als sie auch eingängiger und nachhaltiger wirkt: „Auf der letzten Platte haben wir bestimmte Dinge noch zurückgehalten,


um ein möglichst homogen klingendes Album zu erschaffen. Diesmal war es uns wichtig, sowohl einen hochwertigen Songwriting-Standard als auch gute Kontraste innerhalb der Songs und des ganzen Albums zu schaffen. Uns war es wichtig, für noch mehr Abwechslung zu sorgen, und so das Material noch breiter und zeitloser werden zu lassen.“ Und auch noch massenkompatibler selbstverständlich, doch groß Herummäkeln lässt sich an “A Death-Grip On Yesterday“ nicht, das in sich geschlossen und vollends zeitgemäß ist. Eine effiziente Vorbereitung machte es ATREYU einfach:

„Diesmal stand alles bis auf einen Song bereits vor dem eigentlichen Recording exakt fest und wurde auch so eingespielt, wie wir es vorher geprobt hatten. In dieser Hinsicht haben wir diesmal richtig professionell gearbeitet und sind wie noch bei “Suicide Notes & Butterfly Kisses“ und teilweise bei “The Curse“ in „wüstes“ Experimentieren verfallen. Es war uns wichtig, schon vorher zu wissen, wie die Songs der Platte letztlich klingen würden. Dennoch ist es uns geglückt, uns selbst zu überraschen. Denn mit einer solch brachialen Platte hatten selbst wir nicht gerechnet.“ Sicherlich auch aus dem Grund, dass der Gesang endlich einmal über die volle Albumlänge hinweg stark und über jeden Zweifel erhaben erklingt:

„Das stimmt, aber wir hatten in der Vergangenheit immer das Pech, dass einer von beiden Sängern angegriffen war, wenn es an die Aufnahmen ging, oder dass etwas anderes schief lief. Für die neue Scheibe haben Brandon und Alex erneut vorbereitende Gesangsstunden genommen und sich inzwischen auch angeeignet, sowohl vor Aufnahmen als auch vor Gigs Warm-Ups vorzunehmen, was zur Folge hat, dass ihre Stimmen heute weitaus stärker und voller klingen und fast immer ein gleichklingendes Niveau erreichen.“ Hinsichtlich der „Schubladisierungen“ ATREYUs stellt Travis vor allem eines klar:

„Fest steht, dass der Begriff Emo seit Jahren viel zu häufig verwendet wird, und dass niemand mehr sagen kann, was eigentlich damit gemeint ist. Inzwischen fällt fast jede Band, die ich kenne, in diese Schublade, und dann muss etwas nicht stimmen. Für mich ist Emo das, was Mitte bis Ende der 1990er Jahre von Bands wie Sunny Day Real Estate, Mineral, Braid oder Texas Is The Reason gespielt wurde, doch das gilt heute eher als Indie, scheint mir. Emo ist für mich zu einem Unwort verkommen, ganz genau wie MetalCore. Wer bitteschön kann mit diesen Begriffen noch etwas anfangen? Sprechen wir über ATREYU, reden wir selbst schlicht und ergreifend von aggressiver Musik.“

Und diese Musik passt scheinbar perfekt auf all die großen Festival-Reisen der Staaten wie Ozzfest, Taste Of Chaos oder auch die Warped Tour. Das Quintett ist regelmäßiger Act auf allen von ihnen, wobei Travis bislang keine Präferenzen für eine der Touren entwickelt hat: „Jedes dieser Festivals hat seinen Reiz. Ich schätze es sehr, dass wir sowohl auf den eher Punk-orientierten Events mitfahren können als auch auf einer richtigen Metal-Veranstaltung wie dem Ozzfest. Noch unglaublicher ist aber die Tatsache, das, wo immer wir auftreten, das Publikum unsere Songs kennt, mitsingt und richtig abgeht. Der Vorteil der großen Festival-Touren liegt ja daran, dass man innerhalb kurzer Zeit unglaubliche Mengen an Leuten erreichen kann, was mit keiner Club-Tour funktioniert. Zudem ist es so, dass inzwischen all unsere Freunde einen zu uns vergleichbaren Status erreicht haben und ebenfalls auf diesen Touren zu finden sind. Es gibt nichts Schöneres, als Abend für Abend gemeinsam mit seinen Freunden aufzutreten und Spaß zu haben. Insofern bin ich für all das, was wir mit ATREYU bislang erreicht haben, überaus dankbar.“

 
 Links:
  atreyurock.com
 
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