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Two Gallants

Storie von: Matthias Rauch, am 24.02.2006 ]

Der Grundstein von Two Gallants wurde schon vor vielen Jahren gelegt, als sich Adam Stephens und Tyson Vogel in der ersten Klasse anfreundeten und einige Jahre danach begannen, musikalischen Unfug zu treiben. Zum ersten Mal machten sie mit Straßenkonzerten im ehemaligen Künstlerviertel um die Mission Street in ihrer Heimatstadt San Francisco auf sich aufmerksam. Diese Entscheidung hatte ganz pragmatische Gründe, denn die beiden waren zuvor bei allen Clubs sang- und klanglos abgeblitzt, da sie noch nicht die nötigen Referenzen vorweisen konnten.

 

Wie auch? Man hatte ja gerade erst den musikalischen Lebensweg für sich entdeckt. Diese Ignoranz von Seiten der Booker und der Medien dürfte sich allerdings spätestens mit dem Debütalbum „The Throes“ fundamental geändert haben. Denn nicht nur in den USA wurde man lobend bis überschwänglich aufgenommen, sondern auch in England machte sich allgemeine Euphorie breit, die in den Performances bei den Festivals in Reading und Leeds ihren bisherigen Höhepunkt fand.

Kurze Zeit später wurde auch das amerikanische Indie-Aushängeschild Saddle Creek auf die Band aufmerksam und nahm sie kurzer Hand unter Vertrag. Und das zweite Album der Band mit dem Titel „What The Toll Tells“ macht deutlich, dass es für Two Gallants wohl kein passenderes Zuhause geben könnte. Pendeln die neun Songs doch zwischen einer Brüchigkeit und Verletzlichkeit, wie man sie bestens von Conor Oberst kennt, und wilden, eruptiven Arrangements, die stets eine gewisse Punksozialisation durchscheinen lassen. Stephens und Vogel spielen sehr gekonnt mit bekannten Versatzstücken im Spannungsfeld von Singer/Songwriter, Folk, Country und Rock, ohne sich dabei jemals festnageln zu lassen. Vielmehr setzt man sich stets sehr gekonnt zwischen alle Stühle und überlässt die Schubladisierung verzweifelten Kritikern.

Wenn man den organisch warmen und ungemein direkten Sound der Platte in Betracht zieht, überrascht es kaum, dass auch dieses Album im Tiny Telephone Studio mit Scott Solter aufgenommen wurde. Aufmerksame Beobachter kennen den


Mann unter anderem durch seine Arbeit mit Spoon, Mountain Goats oder dem Studiobesitzer und Musiker John Vanderslice. So gelang es Solter, trotz der recht minimalistischen Instrumentierung ein fülliges Klangspektrum zu schaffen, das stets den rauen Charme des Duos einzufangen versteht. Dieser direkte und ungeschliffene Ausdruck versteckt sich bisweilen hinter einer Brüchigkeit, die sich sowohl in Stephens Stimme als auch in den minimalistischen Arrangements widerspiegelt. Doch immer wieder blitzen Momente der Angst, der Frustration, der Verzweiflung und des Schmerzes auf, die in ihrer ungeschminkten Art eigentümlich berührend wirken. Fast ausschließlich mit Gitarre und Schlagzeug bewaffnet, kehren Two Gallants ihre Zweifel nach außen und erzählen kleine, wunderbare Geschichten, die den frühen Dylan genauso in Erinnerung rufen wie den bestechenden Dilettantismus der Anti-Folk Szene.

Als erste Single wurde übrigens der Opener „Las Cruces Jail“ ausgewählt, der von einer akustischen Version des ebenfalls auf dem Album vertretenen „Long Summer Day“ abgerundet wird. Die beiden Songs dienen auch sehr gut als Anspieltipps, wenn es darum geht, die beiden fast schizoid angelegten Charakteristiken im Sound der Band einzufangen: zum einen die besinnlichen, introspektiven und mit weichen Harmonien versehenen Momente und auf der anderen Seite die von dreckigen und wütend rockigen Klängen getriebenen Phasen, die in ihrem unvorhersehbaren Wechselspiel immer wieder kleine Überraschungen parat haben.
 
 Links:
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