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Muff Potter

Interview von: Matthias Rauch mit Nagel, am: 30.01.2006 ]

Eine Band gründet sich vor über zwölf Jahren in einer Kleinstadt bei Münster. Schnell wird klar, dass die Musik der zentrale Punkt im Leben der Protagonisten ist. Die Band macht vier Platten in Eigenregie, gründet dazu in bester DIY-Manier ein Label namens Huck’s Plattenkiste und spielt überall, wo noch eine Steckdose frei ist. Insgesamt weit über 400 Konzerte, unter anderem mit Punkprominenz aus Übersee. Zeit, Energie und Geld steckt man in seine Leidenschaft und Träume. Mit dem neuen, fünften Machwerk „Von Wegen“ ist die Band nun – vielleicht nicht ganz überraschend – zu einem Großkonzern gewechselt. Nicht nur das wirft Fragen auf, die uns Nagel, seines Zeichens Gitarrist, Sänger und Texter von Muff Potter, in gewohnt sympathischer Manier beantwortet.

 

Musicscan: Erzähl mir doch ein bisschen was zur neuen Platte.

Muff Potter: Die Studiophase war nicht unbedingt kürzer, sondern eher länger als bei den anderen Platten, aber die Songs sind in der Tat in ganz kurzer Zeit entstanden, zwar auch in einem Zeitraum von einem Jahr, aber in drei hochkonzentrierten Songwritingphasen in denen wir dann 7-8 neue Songs gemacht haben. Diese haben wird dann meist auch sofort aufgenommen. So hatten wir in recht kurzer Zeit sehr viele Songs zusammen, von denen die Hälfte auch Schrott war, der aussortiert werden musste, aber wir haben eben dieses mal nicht sofort alles aussortiert, was nicht funktioniert hat. Das macht man als Band wie wir eben gerne schnell wenn man wie wir im Proberaum eben noch viele Songs schreibt. Ist es nicht sofort das, was man vorhatte, dann gibt man schnell auf bei Songs. Das haben wir dieses Mal bewusst sein lassen, um Sachen nicht von vornherein kaputt zu denken, sondern vielleicht die Möglichkeit zu haben, da im Studio noch viel dran zu machen, und um die Songs spontaner zu halten. Weil bei der Platte davor, da haben wir drei Jahre gebraucht zwischen „Bordsteinkantengeschichten“ und „Heute wird gewonnen bitte“, und damals war es dann so, dass man viele Sachen auch ein bisschen zu viel geprobt hat und ein bisschen zu sehr zerdacht hat und die Spontaneität nachher bei manchen Sachen ein bisschen raus war. Das wollten wir diesmal nicht noch mal so machen.

Musicscan: Ihr habt die Platte komplett eigenfinanziert und vorproduziert und dann erst geguckt, wo ihr sie unterkriegt?

Muff Potter: Noch nicht mal. Wir haben die sogar komplett produziert und dann erst geguckt, wo wir sie unterkriegen. Wir haben schon mit den Vorabaufnahmen und mit dem Rohmix so ein bisschen sondiert, also Florian, unser Manager, hat mit Labels gesprochen. Da gab es dann schon Resonanz drauf, aber nichts Definitives. Und als wir dann den Mix und das Master komplett fertig hatten, da ging’s eigentlich erst darum, dass wir mit Labels gesprochen haben. Das war für uns aber eigentlich auch ganz angenehm, weil wir so die Situation hatten, dass wir nicht im Studio irgendwelche Leute sitzen hatten oder auch so vom Kopf her nicht so drüber nachdenken mussten, zu welchem Label das passen würde oder das Übliche, was man aus den Horrorbeschreibungen vieler Bands kennt. Das konnten wir uns dadurch komplett ersparen und uns darauf konzentrieren, eine gute Platte zu machen. Zum Schluss sah es dann für mich schon so aus, als würden wir die wirklich selber rausbringen, auf Hucks Plattenkiste, auf unserem eigenen Label. Und dann kamen auf einmal gleich mehrere Plattenfirmen, die Interesse hatten. Wir waren dann eigentlich auch in einer ganz guten Position, mit denen zu sprechen, weil wir die Platte fertig hatten und uns auf andere Sachen konzentrieren konnten und nicht so dieses Ding hatten, dass es eventuell auf die Musik Einfluss nehmen könnte.

Musicscan: Inwieweit habt ihr euch gegen Vorwürfe gewappnet bezüglich der doch wesentlich poppigeren Ausrichtung und dem Wechsel zu Universal?

Muff Potter: Ehrlich gesagt gar nicht. Dazu war die Zeit viel zu kurz. Das ist eigentlich auch nichts, was wir machen oder worüber wir nachdenken, weil wir ja aus einem totalen DIY-Ding kommen. Wir haben ja immer alles selber gemacht. Und wenn es da mal Ausverkaufvorwürfe gab, dann gab es die schon vor Jahren. Vor Jahren als wir endlich unsere Internetseite fertig hatten, kamen sofort Vorwürfe, dass das ja jetzt Kommerz wäre, dass wir jetzt eine Internetseite haben. Da muss ich selbst immer noch drüber lachen. Das ist dann schon wieder so absurd, dass man nicht mehr darüber nachdenkt, was andere Leute vielleicht davon halten könnten.

Musicscan: Ihr spielt ja schon sehr lange mit dem Gedanken, zu einem anderen Label zu wechseln, um nicht ständig alles selbst machen zu müssen. Was erwartet ihr euch von dem Wechsel zum Major?

Muff Potter: Also für mich persönlich ist der große Wechsel, dass eine Menge Energie bei mir frei wird, die ich vorher viel auf dem ganzen Labelkram und Organisatorischem verschwendet habe. Gerade bei „Bordsteinkantengeschichten“ war es so, dass ich den ganzen Tag mit Muff Potter beschäftigt war und der kleinste Teil davon war Musik machen. Das hat mich irgendwann richtig genervt. Mit der „Heute wird gewonnen, bitte“ hat sich das dann schon etwas korrigiert, weil dann Florian Brauch mit an Bord war, mit dem ich jetzt „Hucks Plattenkiste“ zusammen mache und der managt uns auch. Dadurch ist es schon wesentlich cooler und relaxter für mich geworden. Das ist jetzt einfach nur der nächste Schritt, indem wir die völlige Kontrolle über das behalten, was uns wichtig ist, also im kreativen Bereich, aber eben nicht mehr jedes Detail selber machen müssen und das finde ich sehr gut. Ich habe jetzt wieder angefangen Lesungen und Unplugged-Shows zu machen mit meinem Projekt Freunde der Nacht/Ruhe. Denis, unser anderer Gitarrist, macht Musik fürs Theater und für Hörspiele und das sind eben Sachen, für die wir endlich den Kopf frei haben, um das zu machen, warum es uns geht, nämlich Musik.

Musicscan: Inwieweit hat sich deine Beziehung zur Musik und auch zur Band seit „Bambule“ 1994 verändert? Gibt es Ziele mit der Band und wie haben die sich über die Jahre verändert?

Muff Potter: Also eigentlich nicht so sehr. Der eigentliche Anfang liegt ja 12 Jahre zurück. Da war ich 16, natürlich sieht man da Sachen anders, aber was sich nie geändert hat, ist dass die Band bei uns immer einen ganz hohen Stellenwert hatte und wir deshalb alle keine Ausbildungen abgeschlossen haben. Von uns hat auch keiner sein Studium, das er vielleicht mal angefangen hatte, beendet. Es war immer so, dass die Band für uns im Vordergrund stand. Früher waren das selbstgebuchte Touren durch die Jugendzentren in Deutschland und im Prinzip ist es das heute immer noch. Von der Herangehensweise sind wir schon professioneller geworden und wir proben auch mehr als früher, schon allein deshalb, weil wir jetzt alle vier in Münster wohnen, denn das war ja auch schon mal anders, wo wir alle über verschiedenen Städte verteilt waren. Dieser unbedingte Wille, dass was man macht, mit möglichst viel Leidenschaft und mit möglichst viel Intensität zu machen, ist nach wie vor da. Die Herangehensweise war immer die gleiche, es war nur eine andere Qualität.

Musicscan: Für mich wart ihr immer eine Band, die den amerikanischen Weg gegangen ist, also Scheißjobs zwischen Touren und Platten gemacht hat und ansonsten alles in die Band gelegt hat. Ist für mich auch ein Grund, warum es vergleichsweise wenige Bands in einer gewissen Größenordnung hierzulande gibt, da dieser Wille zum Risiko nicht da ist. Wenn eine deutsche Band vor die Entscheidung gestellt wird, studieren bzw. einen sicheren Job haben oder Band, fällt die Entscheidung meist sehr deutlich in eine Richtung aus. Siehst du das ähnlich?

Muff Potter: Ja, ich sehe das genauso. Es gibt natürlich interessante Bands, aber wir haben uns ja am Anfang schon im Fahrwasser von so Referenzbands wie Boxhamsters und EA80 bewegt und uns aber dann doch zunehmend davon distanziert, weil das nicht unser Weg war. Ich respektiere, wenn eine Band sagt, dass das eben ihr Weg ist und sie eben nur zwei Mal die Woche proben und zehn Konzerte im Jahr spielen wollen. Bei uns war das eben nicht so. Wir wollten immer so viel Musik machen wie möglich. Wir haben uns da stetig drauf zu bewegt. Wir haben früher fünf Mal die Woche gejobbt und zwei Mal geprobt. Heute ist es eher so, dass wir fünf Mal proben und zwei Mal jobben. Da haben wir einfach schon mehr Bock drauf.

Musicscan: Ist es ein Anliegen von euch, subversiv zu wirken? Welche Bedingungen müssen dafür deiner Meinung nach gegeben sein?

Muff Potter: Ich glaube nicht, dass das ein Anspruch ist, den wir uns vorher stellen und dann schauen, wie wir den umsetzen können. Das ist immer etwas, dass automatisch passiert. Ich denke schon, dass wir durchaus noch subversive Elemente in unserer Musik, in unserer Herangehensweise, in unseren Texten und unserem Auftreten haben. Das ist jedoch nicht, das uns wichtig wäre, dass das so sein muss, sondern das passiert immer automatisch.

Musicscan: Ihr habt da euch keine Bedenken, dass das mit dem Labelwechsel in irgendeiner Weise untergraben wird?

Muff Potter: Nein, überhaupt nicht. Wir fühlen uns da zum einen sehr wohl und wissen, dass wir da mit coolen Leuten zusammenarbeiten, die das unterstützen, was wir sowieso machen. Allein die Tatsache, dass die Platte schon komplett fertig war, zeigt dies. Vielleicht ist dieser Ansatz im Grunde schon subversiv, aber wenn er das nicht wäre, dann ist mir das im Prinzip auch egal, weil das eben nicht meine Herangehensweise ist. Ich will machen, was für mich Sinn macht und was mir Spaß macht.

Musicscan: Ich finde bei euch wird immer eine recht gute Balance aus Politischem und Persönlichem getroffen. Inwieweit ist das Persönliche denn bei euch politisch? Siehst du da eine direkte Verbindung?

Muff Potter: Ich sehe da auf jeden Fall eine Verbindung. Es ist schon so, dass wir unser eigenes Wertesystem haben und man sich am Ende eines Tages natürlich im Spiegel angucken können will. Das ist natürlich eine Sache bei der Politisches und Persönliches zusammenkommen. Da wir eben eine sehr persönliche Band sind, spiegelt sich das auch in den Texten und der Musik wieder. Wir wollen natürlich etwas machen, hinter dem wir selbst stehen können. Das ist auch unser Hauptanspruch an die Band. Wenn es um ganz konkrete politische Fragen geht, dann ist es so, dass wir uns nie davor gescheut haben, politische Aussagen zu treffen oder bestimmte Kampagnen zu unterstützen, aber uns ging es nie in erster Linie darum, eine Polit-Band oder gar eine Themen-Band zu sein. Bei mir als Texter kommt es mehr darauf an, Qualität abzuliefern und manchmal auch nur einen Text schreibe, weil ich eine gute Idee habe. Auf der zweiten Platte war es zum letzten Mal so, dass ich zu einem bestimmten Thema unbedingt einen Song machen wollte, z.B. Vegetarismus oder Tierrechte im weitesten Sinne. Danach hatte ich bis zu dieser Platte mit dem „Punkt 9“ Song nie wieder das Gefühlt, dass ich zu irgendeinem Thema meinen Senf abgeben musste. Ich mache das gerne, aber eben nur wenn ich einen Ansatz finde, der für mich Sinn macht. Sonst ist das so eine Kopfgeburt und das wird oft irgendwie doof und peinlich. Ich finde, wenn man im politischen Bereich nicht qualitativ hochwertige Sachen macht, dann ist das kontraproduktiv. Bei ganz vielen Leuten stellt sich bei dem Wort „Antifa“ die Fußnägel hoch, weil sie an ganz schlechte Deutschpunk-Texte denken.

Musicscan: Hast du denn dann noch das Gefühl, dass die Punkszene eine gesellschaftliche, soziale, politische Alternative schaffen kann oder ist diese nicht vielmehr zu einer Art exklusivem Club mutiert, der sich vor allem durch die Abgrenzung nach außen auszeichnet?

Muff Potter: Nein, das glaube ich überhaupt nicht. Das ist eher so ein rückwärtsgewandter Rentnerverein mit Werten von vor 30 Jahren, an denen krampfhaft festgehalten wird. Natürlich gibt es gute Punkbands und auch gute Leute in der Szene, aber die Szene an sich hat sie überhaupt keine Bedeutung mehr.

Musicscan: Inwieweit fühlt ihr euch mit dieser Szene denn überhaupt noch verbunden?

Muff Potter: Mit der Szene an sich eigentlich nicht mehr. Wir wissen natürlich woher wir kommen und wir sind auch dankbar dafür und wir sind ja auch Teil des ganzen DIY-Gedanken und wir haben immer noch sehr viel mit der Szene und den Bands zu tun und regelmäßig in so Läden spielen wie dem Gleis 22 in Münster oder dem Molotov in Hamburg. Da sind auch gute Leute und natürlich respektieren wir das, aber diese Szenegrenzen haben für uns keinerlei Bedeutung. Das sind auf jeden Fall nicht die Koordinaten, nach denen ich irgendetwas beurteile, zu welcher Szene jetzt jemand gehört. Für mich geht es ausschließlich darum, ob es gute Musik ist und ob sie mir gefällt, ob sie spannende Ansätze bietet. Das kann dann auch schon mal mexikanischer Jazz sein. Das ist mir völlig egal.

Musicscan: Lass uns noch mal auf das Album zurückkommen. Gibt es einen thematischen roten Faden für dich auf dem Album? Was lag dir bei „Von Wegen“ besonders am Herzen?

Muff Potter: Ich sehe die Platte aus einem sehr musikalischen Blickwinkel, weil ich glaube, dass wir schon immer gute Songs hatten, aber vielleicht noch nicht so gut gespielt und nicht so gut produziert. Dieses Mal haben wir eben sehr darauf geachtet, etwas wirklich Kraftvolles zu machen, vor allem von der Soundästhetik her. Wir hatten keine Lust darauf, etwas Vorsichtiges zu machen oder nur den halben Weg zu gehen. Dazu hatten wir jetzt zum ersten Mal auch die Möglichkeit, denn mit Nicolai Potthoff hatten wir zum ersten Mal jemanden, der auch schon bei der Vorgängerplatte involviert war. Dadurch hatten wir eine echt gute Basis, um uns auf das konzentrieren zu können, was wir machen wollen.

Musicscan: Wenn ihr eine Platte fertig habt, braucht ihr da erstmal Abstand um die Sache beurteilen zu können? Wessen Urteil vertraut ihr außerhalb der Band?

Muff Potter: Wir schätzen uns sehr glücklich, dass es einen sehr großen kreativen Pool um die Band gibt. Wir arbeiten mit ganz vielen Leuten schon seit Jahren zusammen. Marc Schmitt zum Beispiel, der das Coverartwork für die beiden letzten Platten gemacht hat oder Matze Kampmann, der unsere Internetseite und unser Layout macht oder Aku, der ein Comiczeichner aus Hamburg ist, mit dem wir schon sehr lange Sachen machen und der zum ersten Mal einen Kurzfilm für uns gemacht hat, der auf die Bonus-DVD kommen wird. Und natürlich auch Nikolai Potthoff, der die Platte produziert hat. Das ist ein Rahmen, innerhalb dessen wir den Leuten künstlerisch vertrauen. Das sind alles Leute, auf dessen Urteil wir großen Wert legen. Natürlich wird sich keine Band davon frei machen können, dass es sie nicht interessiert, was anderen Leute von ihr denken. Das interessiert mich schon, aber es ist auch gut, sich etwas davon frei zu machen. Das meinte ich auch mit dieser Produktionsweise: erst die Platte fertig machen und dann ein Label suchen. Das hält den Kopf frei, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, nämlich auf die Musik, die man machen will, ohne vorher viel darüber nachzudenken, denn das kann man nachher immer noch machen.

Musicscan: Lest ihr euch Interviews/Features über euch durch? Inwieweit beeinflusst das die Art und Weise, wie ihr euch selbst bzw. eure Musik seht? Kann man das denn immer streng trennen? Gibt es als Band überhaupt eine Möglichkeit, darauf einzuwirken, wie man dargestellt wird?

Muff Potter: Das ist bei allen in der Band unterschiedlich. Ein paar machen das, ein paar nicht. Ich persönlich mache das schon, aber wie ich zugeben muss, auch mehr als mir lieb ist. Ich wünschte, dass ich da mehr Abstand hätte und mir das alles egal wäre, aber ich merke dann immer wieder an mir selbst, dass es das doch nicht ist. Auf die ersten Rezensionen zu einer neuen Platte bin ich schon meist richtig begierig drauf. Ich würde jetzt gerne eine saucoole Antwort darauf geben, wie etwa „das ist meine Kunst, wenn es anderen gefällt, schön, wenn nicht, auch egal.“ Das wäre jedoch absolut gelogen.

Musicscan: Was mich häufig interessiert ist dann der nächste Schritt und zwar ob du glaubst, dass du aufgrund der divergierenden Fremdzuschreibungen deine Musik jetzt anders betrachtest als zuvor, wenn man merkt, dass sie vielleicht ganz anders interpretiert wurde, als man dies eigentlich intendiert hatte?

Muff Potter: Nein, das eigentlich nicht. Ich hab ja die komplette Produktion mitgemacht und ich hab die Songs geschrieben und aufgenommen und ich war bei dem kompletten Mix und beim Mastern dabei und habe mir Ideen für ein Video ausgedacht. Also einen Blick auf einen Song kann mir keiner nehmen, der ihn anders sieht. Die öffentliche Wahrnehmung und wie wir generell wahrgenommen werden und wie wir wirklich sind, ist relativ deckungsgleich. Zumindest mehr als bei vielen Bands, die ich kenne. Wahrscheinlich weil wir eben sehr viel Persönliches in die Band legen. Ich will auch das Wort „authentisch“ gar nicht benutzen, weil ich das so blöde abgenudelt finde im Zusammenhang mit Musik. Ich schätze aber, dass wir schon als das wahrgenommen werden, was wir sind, obwohl natürlich immer mal wieder Blödsinn geschrieben wird. Als wir bei Universal unterschrieben haben, fiel unter anderem ein Satz, der mir immer noch in Erinnerung ist, der so halb im Scherz gemeint war: „Ihr habt ja schon euer Image, dann brauchen wir keines mehr für euch ausdenken.“ Das fand ich ganz lustig. Uns gibt es eben schon so lange und wir sind über einen so langen Zeitraum mitunter auch sehr langsam gewachsen. Das kann man schon eine natürliche Entwicklung nennen, deshalb mach ich mir um so etwas relativ wenig Sorgen.

Musicscan: Wie muss man sich die Rollenverteilung innerhalb der Band bei euch vorstellen? Gibt es da klare Rollenverteilungen, die sich über die Jahre herauskristallisiert haben?

Muff Potter: Wir haben erst vor ein paar Jahren begonnen, uns „professionell“ zu organisieren, das heißt wir haben schon Aufgaben verteilt in der Band, dass einer sich um das Merchandise kümmert und der andere die Buchhaltung macht. Ansonsten versuchen wir seit Jahren das Ganze zunehmend zu demokratisieren. Ich versuche beispielsweise seit Jahren Brami, unseren Schlagzeuger, dazu zu überreden, dass er anfängt Texte zu schreiben, weil er ein unglaublich wortgewandter Mensch ist und sehr kreativ ist, wenn es darum geht, sich einen Witz auszudenken. Da dachte ich immer, dass es verdammt schade ist, dass er das nicht aufschreibt, denn da steckt so viel drin, woraus man super Songs machen könnte. Das hat jetzt endlich zum ersten Mal geklappt.

 
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