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A Traitor Like Judas

Storie von: arne, am 01.01.2006 ]

Der Goodlife/Dockyard1-Einstand von A TRAITOR LIKE JUDAS ist “Nightmare Inc.“ betitelt und markiert zugleich den zweiten Longplayer für die Braunschweiger Band, die mit diesem nahtlos an ihre bisherigen Releases anknüpft. Mit prägnanten Metal-Riffs, aggressivem Drumming und catchy Melodie-Linien gespickt, ist ein gleichsam eingängiges wie brutales MetalCore-Album entstanden, das vor allem von seiner druckvollen Produktion lebt.

 
Sicherlich misst “Nightmare Inc.“ mitunter Eigenständigkeit und bietet keine wirklichen Überraschungsmomente, doch für eine unterhaltsame Platte reicht es allemal. Denn was A TRAITOR LIKE JUDAS auffahren, hat letztlich schon „Hand und Fuß“. Nicht grundlos steht die Formation im Ruf, ein Garant für explosive Live-Shows zu sein. Das Zweitwerk steht da ein wenig hinten an, denn die Gigs des Fünfers sind noch um Einiges intensiver und knalliger als die Tracks ihres Goodlife-Einstandes. Neben ein-zwei anderen Stücken sticht aus diesem vor allem der Titeltrack hervor, der ein amtlicher Hit ist. Warum sind nicht alle Songs derart brachial und treffsicher? In Summe steht “Nightmare Inc.“ vor allem für eine noch deutlichere Metal-Fixierung der Band, ohne aber die Hardcore-typischen Mosh-Parts und Breakdowns sowie latente New School-Zitate zu vernachlässigen.

Die eigene, subjektive Standortbestimmung nimmt Gitarrist Cut wie folgt vor: „Einige von uns haben definitiv viel Schweden-/Thrash-Metal gehört, während andere mehr durch die ganze mittneunziger MetalCore-Welle mit Morning Again und Earth Crisis geprägt worden sind. Prinzipiell hören wir alles mögliche und halten nicht so viel von Kategorisierungen. Wir sind zwar mehr in der "Hardcore-Szene" sozialisiert, aber mit der Musik hat das nicht so viel zu tun. Schließlich hat sich die ganze Hardcore-Szene musikalisch eh stark in Richtung Metal entwickelt hat, wie das Etikett "Metalcore" belegt. Aber selbst für Metalcore sind wir schon sehr metallastig.“

Diese Einschätzung trifft den so häufig beschworenen Punkt. Doch trotz positivem Feedback auf die eigenen Releases und abgefeierte Touren gestaltete es sich für A TRAITOR LIKE JUDAS schwer, ein interessiertes Label für das Zweitwerk zu finden. Heaven Shall Burn, Caliban oder Cataract zu folgen, blieb dem Quintett verwährt:

„Zwar sind einige Bands zu Century Media, Roadrunner oder Metal Blade gewechselt, aber wir waren einfach nicht in der Position, um uns das auszusuchen. Da muss man ganz ehrlich sein. Wir sind eine Band von vielen, die sich zwar einen positiven Ruf erspielt hatte, dieses aber nur bedingt durch soundtechnisch gute Releases unterstreichen konnte. Darum empfinden wir den Wechsel von Let It Burn (Split mit Under Siege) zu Goodlife als wichtigen Schritt für uns, weil wir dort quasi den „Next Step-Support“ bei den jetzigen Aufnahmen und im Promotionssektor bekommen, den wir vorher nicht hatten. Was den Status des Labels angeht, finde ich die Überlebensdauer eigentlich schon aussagekräftig!!! Ich meine 7 – 10 Jahre zu bestehen, ist in der heutigen Zeit und in der Szene eigentlich eine Kunst für sich und deutet auf gute Arbeit hin. Natürlich sind nicht


alle Releases im Labelprogramm Granaten, aber ich denke, die eine oder andere Perle ist schon dabei. Besonders mit den neueren Veröffentlichungen haben Goodlife bewiesen, dass sie durchaus noch Gespür für gute Bands haben (As We Fight, In-Quest, Death Before Disco) und als Label nicht so schlecht sind, wie sie immer gern gemacht werden.“

A TRAITOR LIKE JUDAS tragen ihren Teil dazu bei, den Ruf des Labels wieder zu festigen. Lediglich als weiteres, solides MetalCore-Release will die Band “Nightmare Inc.“ nicht verstanden wissen und beweisen in der Entgegnung Selbstvertrauen:

„Hör dir den Scheiß doch erst mal an!" Spaß beiseite, wir wissen einfach, dass uns solch ein vorschnell gefälltes Urteil nicht gerecht wird. Dagegen spricht auch die von dir angesprochene Divergenz der Songs.“

Stimmt schon, die Tracks sind variabel und unterhaltsam angelegt, basieren sie doch durchweg auf der Kombination prägnanter Metal-Riffs und catchy Melodie-Linien:

„Es sind einfach gute Songs, und dafür ist Beides extrem wichtig. Ein Refrain, der als solcher hängen bleiben soll, muss einfach melodisch sein, daran haben wir schon sehr hart gearbeitet. Da wir auf cleanen Singsang verzichten, ist da schon ein bisschen Gitarrenarbeit gefragt. Knallende Strophenriffs und Mosher sind aber kaum weniger wichtig. Ich würde das Verhältnis mit 50:50 angeben.“

Dennoch ist auffällig, dass sich einzelne Stücke deutlich von den anderen absetzen, was nicht für ein durchgängig konstantes Niveau im Songwriting spricht:

„Ehrlich gesagt war es nicht unser Ziel, eine möglichst gleichförmige Platte abzuliefern. Das könnten wir auch gar nicht. Bedingt dadurch, dass unsere beiden Gitarristen unterschiedliche Backgrounds und Vorlieben haben, wird es bei uns auch immer unterschiedliche Songs geben. Manche fallen die halt melodischer aus wie ’No More Silence’, andere dagegen härter und brutaler wie ’Nightmare Inc.’ Darin sehe ich keinen Nachteil, denn ein bisschen Abwechslung hat schließlich auch ihren Reiz. Ich denke zwar auch, dass der Titeltrack besonders stark ist, aber da gehen die Meinungen auseinander. Manche stehen eher auf die melodischen Songs oder die langsameren. Wir werden auf jeden Fall ein Rating auf unsere Homepage setzen.“

In jedem Fall ist ein Fortschritt im Songwriting von A TRAITOR LIKE JUDAS erkennbar, der belegt, dass der Fünfer sein Potenzial noch längst nicht ausgeschöpft hat:

„Danke für das Kompliment! Nun, wir haben einfach unglaublich viel Zeit im Proberaum verbracht und an den Songs gefeilt, bis wir wirklich zufrieden waren. Außerdem sind wir deutlich besser auf unseren Instrumenten geworden. Das Schöne an Musik ist ja, dass man immer was lernen kann.“

 
 Links:
  myspace.com/atraitorlikejudas
 
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