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Ocean, The

Storie von: arne, am 29.12.2005 ]

Das Berliner Künstlerkollektiv THE OCEAN legt seinen neuen Longplayer “Aeolian“ über Metal Blade vor. War “Fogdiver“ zunächst nicht viel mehr als ein viel beachteter, rein instrumentaler Achtungserfolg, unterstrichen die Musiker durch “Fluxion“ ihren berechtigten Anspruch auf einen festen Platz in der ersten Riege brachial-experimenteller Massiv-Kombos.

 
THE OCEAN positionierten sich von Beginn an in direkter Nähe zu etablierten Sound-Visionären wie Neurosis, Cult Of Luna, Isis oder Breach, und vor dieser internationalen Konkurrenz konnten sie schnell bestehen. Doch mit Teilerfolgen gaben sich die Berliner nicht zufrieden und verfeinerten ihren Sound weiter bzw. öffneten ihn für neue Einflüsse, die der Band einen eigenen, unverkennbaren Klang bescherten. Das konzeptionell an seinen Vorgänger anschließende “Aeolian“ ist der vorläufige Höhepunkt dieser Entwicklung.

Auffällig ist zunächst die „neue Härte“ der neuen Songs, die weitaus metallischer angelegt sind. Zu hören sind eher klassische Brachial-Metal-/Chaos-Strukturen denn unkonventionelle Sound-Experimente wie noch in der Vergangenheit. Ein Grund hierfür sind die zentral stehenden Vocals auf “Aeolian“, die u.a. von namhaften Gast-Shoutern beigesteuert werden. In punkto Komplexität, Dichte und Schwerverdaulichkeit steht der Metal Blade-Einstand von THE OCEAN seinen Vorgängern in Nichts nach, doch der musikalische Schwerpunkt ist verschoben.

Bandkopf Robin zeigt sich im Gespräch nicht im mindesten davon überrascht, dass THE OCEAN nunmehr über ein etabliertes Label veröffentlichen, vielmehr sei eben dies schon immer Ziel des Kollektives gewesen und eingeplante Etappe auf dem Weg zu größeren Zielen:

„Wir sind uns unserer Sache ziemlich sicher und haben nur darauf gewartet, dass auch mal große Fische anbeißen. Nicht, weil die kleinen nicht auch lecker wären, aber es ist schon eine schöne Vorstellung, wenn deine Platte nicht nur in Deutschland guten Vertrieb hat sondern auch in Ungarn oder in Japan. Das war mit unseren bisherigen Releases nicht der Fall und ist jetzt erstmalig anders. Wir hoffen natürlich, dass uns all dies ermöglichen wird, ausgiebigst zu touren. Deshalb machen wir ja diese Band, zuallererst um zu touren. Ich will nach Weißrussland, Brasilien, auf den Balkan und in noch ganz andere Gegenden.“

Angesichts des langen Entstehungszeitraumes von “Aeolian“ und dessen musikalischer Klasse bleibt nur zu hoffen, dass möglichst viele Hörer Zugang zu diesem Album und den THE OCEAN-Shows finden: „Wir haben mit den Aufnahmen am 1.1.2004 begonnen und sind im Juli 2005 fertig geworden. Aber wir haben natürlich nicht die ganze Zeit non-stop an den Aufnahmen gearbeitet, und uns auch bewusst Zeit genommen, weil wir sie einfach hatten. Diese anderthalb Jahre beziehen sich zudem auf die beiden letzten Alben "Fluxion" und "Aeolian" mit insgesamt gut 115 Minuten Spielzeit. Wir haben beide Alben in derselben Session aufgenommen.

Praktisch sah das so aus, dass wir in den ersten drei Monaten von 2004 zunächst sämtliche Drums und Gitarrenspuren aufgenommen haben. Anschließend wurde klar, dass unser damaliges Label das Projekt nicht als Doppelalbum veröffentlichen würde. Daher haben wir die Songs aufgeteilt, wobei die


epischen, orchestralen Stücke auf "Fluxion" gelandet sind und die härteren, weniger atmosphärischen auf "Aeolian". Nachdem die Aufteilung beschlossen war, haben wir uns auf "Fluxion" konzentriert und das Album fertig gebaut. Nach dem Release haben wir uns dann den übriggebliebenen Drums- und Gitarrenspuren gewidmet und an "Aeolian" gearbeitet.

Erst zu diesem Zeitpunkt kam die Sache mit den Gastsängern auf, das war erst so Anfang 2005. Dann haben wir lange an den Vocals gearbeitet, bis jeder Part die optimale Stimme hatte. So etwas zeigt sich ja oft erst durch ganz banales Ausprobieren. Gemastert wurde Ende September im Tonteknik in Schweden von Magnus Lindberg. Damit hatte der Marathon ein Ende, und ich war selten zuvor so glücklich wie an diesem Abend, als ich mit Magnus und Johannes von Cult of Luna in einer schwedisch-kubanischen Cocktailbar in Umea das Resultat begoss und feierte!“

Ohne ein Studio im eigenen Proberaum wäre ein solcher Arbeitsprozess natürlich unmöglich: „Wir haben unsere Platten von Anfang an selbst aufgenommen und produziert, was schlicht in der Not begründet war, dass es kein Budget gab. Das ist jetzt anders, und trotzdem erwägen wir, auch künftige Platten wieder selber zu produzieren. Wir haben einfach eine Menge gelernt und die Vorteile und die implizite Freiheit dieser Arbeitsweise sehr zu schätzen gelernt. Ich denke, wenn es das Oceanland nicht gäbe, würden wir einfach anders klingen. Das mit den Streichern und der grosspurigen Orchestrierung auf "Fluxion" wäre in der Form einfach nicht machbar gewesen. Der OCEAN-mässige Maximalismus, was Arrangements und Instrumentierung anbelangt, geht sicher auch auf unsere Eigen-Produktions-Herangehensweise zurück.“

Wahrscheinlich war es den Musikern nur so möglich, sich beständig der eigenen Idealvorstellung eines Albums anzunähern:

„Wir sind mit dieser Platte in allen Punkten sehr zufrieden: Kohärenz, Sound, Artwork, Song-Auswahl, Arrangements... Für meinen Geschmack fehlt da nichts. "Aeolian" ist eine sehr konsequente Scheibe, die dem Hörer keinen Raum zu Atmen lässt. Das kann man lieben oder hassen, und ganz so sind auch die bisherigen Reaktionen.

Leute, die "Fogdiver" mochten, müssen sich selbst genauso neu erfinden, um diese Platte zu mögen, wie wir es getan haben, um diese Platte zu machen. Das ist wunderbar und trennt die Spreu vom Weizen bzw. die echten Musikliebhaber von den genervten und frustrierten Redakteuren, die bei Geigen und Posaunen im harten Klangkleid sofort "ach wie ungewöhnlich" schreien und Höchstwertungen verteilen und nun halt die volle Metal-Kelle ohne orchestralen Schmuck übergebraten bekommen. Wir haben keinen Bock auf solche Leute, die unsere bisherigen Platten offenbar aus den falschen Gründen gemocht haben. Wer sich näher mit der Platte auseinandersetzt, wird ihre Größe erkennen. Davon bin ich überzeugt.“

 
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