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A Traitor Like Judas

Interview von: arne mit Cut, am: 27.11.2005 ]

Mit “Nightmare Inc.“ haben die Braunschweiger A TRAITOR LIKE JUDAS soeben über Goodlife/Dockyard1 ihren neuen Longplayer veröffentlicht. Darauf sind prägnante Metal-Riffs, aggressives Drumming und catchy Melodie-Linien zu hören. Auch wenn Überraschungsmomente fehlen, ist dem Quintett doch eine brutale MetalCore-Scheibe gelungen...

 

Musicscan: Starten möchte ich mit einer Frage zu Eurer Labelwahl: Wieso habt Ihr Euch gerade für Good Life entschieden? Andere Bands im Genre sind zu Century Media, Roadrunner oder Metal Blade gewechselt, sonst niemand zu Good Life. Sicher hatten sie mal einen guten Status, doch das ist 7-10 Jahre her.

A Traitor Like Judas: Okay gleich eine Kernfrage zu Beginn ... also erst mal möchte ich klarstellen das zwar einige Bands zu Century Media , Roadrunner oder Metalblade gewechselt sind aber wir einfach nicht in der Position waren um uns das aus zu suchen. Da muß man ganz ehrlich sein, wir waren eine Band von vielen die sich zwar einen gewissen positiven Ruf erspielt hatte aber das zum Beispiel nicht durch soundtechnisch gute Releases unterstreichen konnte. Ich meine, den Versuch in allen Ehren, uns mit Caliban oder HSB auf ein Level zu heben, aber da sind wir noch nicht, und beim Sichtungsprozess der Labels waren wir es leider auch noch nicht. Darum empfanden wir den Wechsel von Let it Burn zu Goodlife Recordings als wichtigen Schritt für uns, weil wir dort quasi den Next Step Support bei den jetzigen Aufnahmen und im Promotionssektor bekommen haben, den wir vorher nicht hatten. Was den Status des Labels angeht, finde ich die Überlebensdauer eigentlich schon aussagekräftig!!! Ich meine 7 – 10 Jahre zu bestehen ist in der heutigen Zeit und in der Szene eigentlich eine Kunst und deutet auf gute Arbeit hin. Natürlich sind nicht alle Releases im Labelprogramm Granaten, aber ich denke, die eine oder andere Perle ist schon dabei und besonders im Bereich der neueren Veröffentlichungen beweisen Goodlife, dass sie durchaus noch Gespür für gute Bands haben ( As we Fight / In-Quest / Death before Disco ) und als Label nicht so schlecht sind, wie sie immer gern gemacht werden.

Musicscan: Gegenüber Let It Burn ist's keine wesentliche Verbesserung, oder wollte Chris nach der Split keinen Longplayer machen?

A Traitor Like Judas: Ich denke, es gibt schon einige wesentliche Verbesserung für uns, sei es der Vertrieb über Soulfood, die Labelarbeit an sich , die sehr gute Anbindung Goodlifes an Japan und nicht zuletzt die Zusammenarbeit zwischen Dockyard1 und Goodlife. Was Let it Burn angeht, steht es außer Frage, dass Chris ein hervorragendes Label führt, aber er hätte uns leider nicht das ermöglichen können, was GL uns bis jetzt schon ermöglicht hat ( gerade in Hinsicht auf die Aufnahmen ) und das war für uns als Band einfach Kernpunkt unseres weiteren Wirkens. Ich meine, wäre die Platte wieder an schlechtem Sound gefloppt oder uns während der Aufnahmeprozedur das Geld ausgegangen, hätten wir einpacken können. So habt Ihr uns am Hals und alles wird gut.

Musicscan: Euer Signing mit Good Life resultiert ja aus der Zeit, bevor sie die Kooperation mit Dockyard1 eingingen. Für Euch ist diese nur förderlich. Wie habt Ihr den glücklichen Umstand aufgenommen?

A Traitor Like Judas: Es gab im Vorfeld schon Gerüchte über eine geplante Zusammenarbeit der Labels und der Prozess unserer Vertragsverhandlungen und der von GL und DKY1 liefen fast parallel. Somit haben wir ab und an mal einen Happen News aufgeschnappt und waren mehr als erfreut über die sich eröffnenden Möglichkeiten.

Musicscan: Nachdem die große MetalCore-Welle durch ist, beweisen nicht mehr ganz so viele Bands Durchhaltevermögen. Ihr schon, und das beweist, dass Ihr mit Herzblut dabei seid. Welche Entwicklungen sind Euch in den letzten Monaten aufgefallen?

A Traitor Like Judas: Naja, ehrlich gesagt kann ich nicht erkennen, dass Metalcore am Ende ist. Massenveranstaltungen wie die Hell on Earth Tour sprechen eher dagegen, aber ich weiß schon was du meinst. Im Underground geht die überschwengliche Begeisterung etwas zurück, während gleichzeitig die Majors auf den Markt drängen. Aber das war Mitte der Neunziger genauso. Ich denke, das ist ebenso normal wie die Tatsache, dass Bands kommen und gehen. Was uns angeht: A TRAITOR LIKE JUDAS stehen besser da als je zuvor, sowohl von den Shows, der Popularität als auch von den Verkäufen her. Wir freuen uns über die fantastischen Reaktionen auf unser neues Material und wissen, dass wir mit dem neuen Album unser derzeit bestmögliches abgeliefert haben. Das macht uns schon recht selbstbewusst.

Musicscan: Jetzt hätte ich gerne eine Standortbestimmung aus der Sicht von ATLJ: Wie schätzt Ihr selbst Eure Position im deutschen und europäischen Hardcore-Metal-Sektor ein? Welche Verdienste könnt Ihr Euch bereits auf die Fahnen schreiben, wo seht Ihr noch Handlungsbedarf?

A Traitor Like Judas: Bestimmungen der eigenen Positionen finde ich immer sehr schwammig. Ich denke das es Europaweit viele Leute gibt die zumindest schon mal unseren Namen gehört haben. Wir sind Live sehr präsent und das auch außerhalb von Deutschland. Ich denke das ist etwas das man sich auf die Fahne schreiben kann sofern man das will. Positionieren würde ich uns irgendwo im Mittelfeld mit dem Willen die Tendenz nach oben zu verschieben. Handlungsbedarf sehe ich gegenwärtig nur im Bereich Booking aber das hat sich hoffentlich auch bald erledigt.

Musicscan: Nach Eurem eigenen, subjektiven Empfinden: Wie sehr sind A Traitor Like Judas Metal und wie sehr Hardcore ?

A Traitor Like Judas: Haha, da wird dir jeder aus der Band was anderes erzählen. Einige von uns haben definitiv viel Schweden-/Thrashmetal gehört,während andere mehr durch die ganze Mittneunziger Metalcorewelle mit Morning Again und Earth Crisis geprägt worden sind. Prinzipiell hören wir alles mögliche und halten nicht so viel von all diesen Kategorisierungen. Wir sind zwar mehr in der "Hardcore-Szene" sozialisiert, aber mit der Musik hat das nicht so viel zu tun. Schließlich hat sich die ganze Hardcoreszene musikalisch eh stark in Richtung Metal entwickelt hat, wie das Etikett "Metalcore" belegt. Aber selbst für Metalcore sind wir schon sehr metallastig.

Musicscan: Wer Euch Böses will, handelt "Nightmare Inc." schnell und einfach als weiteres solides MetalCore-Release ab. Was entgegnet Ihr?

A Traitor Like Judas: "Hör dir den Scheiss doch erstmal an!" Spaß beiseite, wir wissen einfach, dass uns solch ein vorschnell gefälltes Urteil nicht gerecht wird. Dagegen spricht auch die von dir angesprochene Divergenz der Songs.

Musicscan: Was war Euch beim Schreiben der Stücke wichtiger: prägnante Metal-Riffs zu setzen oder catchy Melodie-Linien?

A Traitor Like Judas: Ganz einfach: Gute Songs! Beides ist extrem wichtig. Ein Refrain, der als solcher hängenbleiben soll, muss einfach melodisch sein, daran haben wir schon sehr hart gearbeitet. Da wir auf cleanen Singsang verzichten, ist da schon ein bißchen Gitarrenarbeit gefragt. Knallende Strophenriffs und Mosher sind aber kaum weniger wichtig. Ich würde sagen 50/50

Musicscan: Im Gegensatz zu Euren früheren Releases scheinen mir die Vocals etwas weniger zentral gesetzt. Das geht in meinen Augen zulasten ihrer Wirkung, so dass letztlich nicht mehr so viel Charisma von ihnen aus geht. Dabei war dies etwas, wovon die anderen Releases lebten...

A Traitor Like Judas: Dem kann ich so nicht zustimmen. Björn ist wesentlich kraftvoller und konstanter als auf den bisherigen Releases, außerdem haben wir stärker an der Anpassung der Vocals auf die Musik gearbeitet als je zuvor. Aber gerade Gesang ist natürlich sehr Geschmackssache.. Auf der neuen As I lay dying nervt mich zum Beispiel, dass die Vocals einfach eine Spur zu laut sind.

Musicscan: Eine klare Weiterentwicklung ist im Songwriting zu erkennen. An welchen Punkten habt Ihr angesetzt, um die Effektivität der Stücke zu erhöhen und Den Soundfluss zu forcieren?

A Traitor Like Judas: Danke für das Kompliment! Nun, wir haben einfach unglaublich viel Zeit im Proberaum verbracht und an den Songs gefeilt, bis wir wirklich zufrieden waren. Außerdem sind wir deutlich besser an unseren Instrumenten geworden. Das Schöne an Musik ist ja, dass man immer was lernen kann.

Musicscan: Auffällig ist, das einzelne Tracks wie gerade das Titelstück "Nightmare Inc." sich deutlich von anderen absetzen und amtliche Hitqualitäten aufweisen. Anders ausgedrückt: Das Songwriting ist nicht auf einem durchgängig konstant hohen Niveau. Was fehlt noch, um eine in ihrer Anlage homogene Platte zu schreiben und aufzunehmen?

A Traitor Like Judas: Ehrlich gesagt war es nicht unser Ziel eine möglichst gleichförmige Platte abzuliefern. Das könnten wir auch gar nicht. Bedingt dadurch, dass unsere beiden Gitarristen unterschiedliche Backgrounds und Vorlieben haben, wird es bei uns auch immer unterschiedliche Songs geben. Manche fallen halt melodischer aus wie "No more silence", andere dagegen härter und brutaler wie "Nightmare Inc.". Darin sehe ich keinen Nachteil, denn ein bißchen Abwechslung hat schließlich auch ihren Reiz. Ich denke zwar auch, dass der Titeltrack besonders stark ist, aber da gehen die Meinungen auseinander. Manche stehen eher auf die melodischen Songs, oder die langsameren etc. Wir werden auf jeden Fall ein Rating auf unsere Homepage setzen.

Musicscan: Inwieweit profitieren die neuen Stücke von der guten Produktion von "Nightmare Inc."? In der Vergangenheit seid Ihr oft nicht so glücklich mit den Aufnahmen gewesen. Wie sieht's diesmal aus?

A Traitor Like Judas: Von einer guten Produktion kann man nur profitieren! Gerade in Zeiten, wo Metalcore immer größer wird und der Markt die Sättigungsgrenze erreicht,kann eine schlechte Produktion sehr viel kaputt machen. Es ärgert uns daher natürlich, dass die älteren Aufnahmen nicht annähernd dieses Niveau erreichen. Um es auf den Punkt zu bringen: Wir sind sehr zufrieden mit dem Sound der neuen Platte.Ist sehr transparent und knallt ohne Ende. Man kann daneben jede Ami-Produktion hören, die Scheibe in der Disco spielen ohne dass es wummert etc. Da haben Kohle und Kai einfach sehr gute Arbeit abgeliefert.Überhaupt hat uns Arbeit und Herabgehensweise im Kohlerkeller sehr gefallen. Ich kann nur jeder jungen Band raten: Überlegt euch hundert mal, in welches Studio ihr gehen wollt! Und scheut euch nicht 500-600km zu fahren. Es hat schon seine Gründe, dass man die Studios in Europa, die vernünftige Metalproduktionen abliefern in Europa an zwei Händen abzählen kann.

Musicscan: Was ist zu den Texten zu sagen? Leider liegt mir allein eine Promo-Copy ohne Lyrics vor.

A Traitor Like Judas: Wir haben dieses Mal viel Wert auf einen einheitlichen Kontext der Lyrics gelegt und dem ganzen einen konzeptionellen Rahmen gegeben. Schwerpunkt ist hierbei der Begriff Freiheit und die damit verbundenen Rechte und Pflichten um den Zustand „ Freiheit „ zu waren und zu pflegen.

Musicscan: ATLJ waren schon immer live sehr präsent. Was ist in Support von "Nightmare Inc." in Planung? Habt Ihr auch mal Aussicht auf eine richtig fette Tour?

A Traitor Like Judas: Wir werden eine zehn Tage Releasetour spielen danach einzelne Gigs und dann im neuen Jahr gleich mit einer UK Tour an den Start gehen. Was die fette Tour angeht wird da gerade für Mitte nächstes Jahr etwas größeres geplant aber was und wann das sein wird entscheidet sich in den nächsten zwei Wochen.

Musicscan: Letzte Worte?

A Traitor Like Judas: Vielen Dank für das Interview! Wie schon gesagt, auf Tour sind viel, deshalb: Checkt uns live, hört die neue Platte, quatscht uns voll, hängt ein bißchen mit uns ab und habt Spaß! Tourdates und aktuelle Infos unter www.atraitorlikejudas.com und www.myspace.com/atraitorlikejudas. stay metal!

 
 Links:
  myspace.com/atraitorlikejudas
 
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