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Dark Day Dungeon

Interview von: arne mit Attila, am: 19.11.2005 ]

Das Schweizer Powerhouse DARK DAY DUNGEON hat mit “By Blood Undone“ über Let It Burn kürzlich sein neues Studio-Album vor. Gegenüber dem Vorgänger “Know Your Enemy“ von 2002 markiert dieses eine beachtliche Steigerung. Zwischen viel Schweden-Tod und stets erkennbaren Hardcore-Wurzeln im Stop’n’Mosh-Stil ist ein knackiges, fokussiertes Album entstanden, das schlichtweg jede Menge Spaß bringt.

 

Musicscan: Nehmen wir zunächst mal Know Your Enemy als Ausgang. Was hat sich seitdem bei Euch getan, über das Du zu erzählen möchtest, abgesehen davon, dass Ihr wieder einmal Line-Up-Wechsel verkraften musstet?

Dark Day Dungeon: Tja da ging einiges, kann ich sagen! Nach dem wir Know Your Enemy released hatten, durften wir zahlreiche shows in vielen Ländern hier in Europa spielen. Wir waren zwischendurch immer wieder mal auf Tour. Manchmal auf eigene Faust oder mit kleinen Bands wie mit Fallen Into Ashes aus Ungarn. Darüber hinaus waren wir auch mit Bands wie Undying, Pro Pain und vielen mehr für kürzere oder längere Touren unterwegs. Dazwischen haben wir auch noch eine limitierte 7“ auf einem kleinen Schweizer Label mit 2 neuen und 1 Song von der Know Your Enemy veröffentlicht. Wir waren auch auf mehreren Samplern mit Songs vertreten. Zum Beispiel auf dem „Mosh or be moshed“ Sampler von Life Sentence Records in den Staaten oder auch auf dem „On top of life“ Sampler welcher durch das Schweizer Label Pitfire Records veröffentlicht worden ist. Wie du schon in deiner Frage sagst, hatten wir einen Line-Up-Wechsel und haben uns dabei von Brian und Alain leider trennen müssen. Berufliche und persönliche Gründe machten es für die beiden unmöglich mit uns weiter zu ziehen. Martin kam dann als neuer Drummer zur Band, kurz danach hatten wir Piotr als neuen Bassisten gewonnen. Die Jungs sind in jeder Hinsicht spitze und das macht uns als Band einiges stärker. Wir waren dann eine ganz schön lange Zeit im Studio um den Nachfolger von Know Your Enemy aufzunehmen. Wir genossen die Zeit riesig und vertieften uns so richtig in der Materie. Dabei besuchten wir unseren alten Freund Alesandro Azzali in Como, um die Insturmente aufzunehmen. Wir haben uns Fredrik Nordström vom Studio Fredman in Göteborg für den Mix ausgesucht, was eine gute Entscheidung war. By Blood Undone heisst nun unser aktuelles Baby und wir sind mächtig zufrieden damit.

Musicscan: Welche Hoffnungen und/oder Erwartungen habt Ihr an das Release von By Blood Undone geknüpft? Endlich könnt Ihr ja wieder in fester Belegschaft loslegen, und motiviert scheint Ihr auch wieder richtig zu sein...

Dark Day Dungeon: Ganz sicher werden wir wieder einen grossen Schritt nach vorne machen. Wir wollen touren, neue Städte sehen und Leute kennenlernen! Das ist uns eigentlich das wichtigste im Moment. Mal sehen, was alles drin liegt in nächster Zeit. Das Feedback zu By Blood Undone ist sehr gut und übertrifft bis jetzt alle unsere Erwartungen. Wir bekommen gute Angebote von allen Seiten und auch schon einiges mehr an Medienpräsenz als zuvor. Das ist grossartig und wir sind bereit, so richtig los zu legen. Dass unsere Belegschaft komplett ist, spielt dabei eine wesentliche Rolle. Martin und Piotr kamen dazu und konnten unser Team vervollständigen und kräftigen. Jetzt, nach den Aufnahmen zu By Blood Undone fühlen Sie sich auch selber als „echten“ Teil der Band, wie sie mir kürzlich erzählten.

Musicscan: Ihr spielt Euren Stil zwischen Metal und Hardcore nun schon viele Jahre lang, aber mir schien immer, Ihr würdet Euer Publikum nicht so richtig finden und auch die Presse nicht so recht begeistern. Gehen die neuen Songs aus diesem Grund noch offensichtlicher in Richtung melodischen Death Metals? Da dürften ja in jedem Fall größere Identifikationsmöglichkeiten für Metal-Hörer bestehen!?

Dark Day Dungeon: Wir spielen seit den ersten Tagen von Dark Day Dungeon metallischen Hardcore. Das war auch immer das Ziel, diese zwei Sounds für uns zu vereinen. Jedoch kann ich dir nicht zustimmen, dass wir unser Publikum nicht gefunden haben. Wir hatten gänzlich sehr gute Feedbacks an Shows und konnten dadurch womöglich auch in der Presse ab und zu punkten. Es gab schon immer Publikum für metallischen Hardcore, auch schon bevor der Begriff Metalcore Furore machte. Betreffend Reviews war praktisch alles positiv! Wir sahnten mehrmals die volle Punktzahl ab, was uns natürlich sehr ehrt. Darum kann ich dir auch nicht recht geben wenn du sagst, dass wir die Presse bis jetzt nicht so recht zu begeistern konnten. Dass die neuen Songs offensiver und noch metallischer sind, liegt unter anderem auch an unseren gewachsenen spielerischen Möglichkeiten und an der Tatsache, dass unser Herz nun mal für solche Klänge schlägt. Ein Nebeneffekt ist nun auch, dass wir uns scheinbar besser im Metalsektor integrieren. Jedoch ist das Nieschen-Denken in dieser Band nicht sehr ausgeprägt. Und das wird so bleiben.

Musicscan: Wie versteht Ihr Dark Day Dungeon denn selbst musikalisch positioniert?

Dark Day Dungeon: Wir wollen natürlich weiter im Hardcore Bereich gesehen werden, da hängt einfach unser Herz dran. Jedoch haben wir der Metalszene nie den Rücken gekehrt und wo möglich immer auch versucht dort Auftritte zu kriegen, was nicht immer einfach war. Ich denke, gewisse Metaller sind immer noch zu kritisch und zu wenig offen für neues. Doch sehe ich auch, dass dort einiges im Gange ist und die beiden Welten jetzt auch mehr die Gemeinsamkeiten aneinander suchen, anstelle sich von einander zu entfernen. Wir werden weiterhin aktiv versuchen diesen Trend voranzutreiben, denn wo Mauern niedergerissen werden, sind wir gerne an erster Stelle.

Musicscan: Nach den Reaktionen auf die neue Platte, die ich mitbekommen habe, scheint diese durchaus gut anzukommen. Ist das Umfeld heute endlich bereit für Dark Day Dungeon, und zahlt sich endlich aus, dass Ihr jahrelang an Euch geglaubt habt und durchgehalten habt?

Dark Day Dungeon: Wie ich schon gesagt habe, wir sind bereit wie noch nie. Zudem weiss ich, dass wir nun auch die nötige Erfahrung und Beständigkeit mitbringen, um uns als Band weiterhin zu bestätigen. Wie uns das Umfeld schlussendlich aufnimmt wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Die Zeichen stehen jedenfalls auf Sturm und wir sind bereit zu allem!

Musicscan: Wie sehen denn die Reaktionen der Fan-Seite auf die neuen Songs aus? Ihr spielt das Materal doch sicherlich schon live!? Gehen die Leute mehr ab als früher?

Dark Day Dungeon: Die Reaktionen sind unglaublich positiv und in einer Frequenz, wie wirs bis anhin nicht kannten. Wir spielen die Songs schon live und sind erstaunt, dass doch schon die einen oder anderen die Songs kennen, bevor die Platte offiziell raus ist. Aber so ist das nunmal und auch ganz ok für uns! Die Leute gehen allgemein mehr ab als früher würde ich sagen. Aber ob das mit unseren neuen Songs zusammen hängt oder einfach an der Tatsache, dass die Jungs heute härter sind als vor einigen Jahren, kann ich jetzt noch nicht beantworten. Warten wir mal ab wie’s wird wenn die Leute die Songs wirklich kennen!

Musicscan: Profitiert Ihr als Dark Day Dungeon davon, dass Bands wie Hatebreed, Sworn Enemy oder auch Cataract in den letzten Jahren so gewachsen sind und auch für andere Acts viele Türen geöffnet haben?

Dark Day Dungeon: Auf jeden Fall. Genau wie diese Bands wiederum von noch grösseren Bands profitieren konnten. Wir begrüssen es sehr, dass die alternative Szene wieder zugelegt hat und allgemein wieder mehr Rock als Pop im Radion gespielt wird. Es macht das leben einfach lebenswerter und den Underground zeitgleich etwas lebendiger. Vom Major Boom halten wir allerdings wenig. Wir haben auch nicht mal versucht, unsere neue Platte an solchen Orten zu platzieren. Aber es muss schon gesagt werden, dass wir es jeder Band gerne gönnen, wenn Sie mit einem Major Vertrag möglicherweise eine Leidenschaft zum Beruf machen können.

Musicscan: Es dürfte Euch ebenfalls zugute kommen, dass sich der Metal-Hardcore-Sektor deutlich professionalisiert hat. Ihr habt diese Entwicklung schon sehr früh genommen. Jedenfalls schien mir bei Dark Day Dungeon die Einstellung in Bezug auf die Band und die Songs schon immer zu stimmen. Wie kam das und wie schätzt Ihr das Segment derzeit ein?

Dark Day Dungeon: Da hast du vollkommen recht. Es war schon lange nötig, dass die HC Szene etwas mehr an Professionalität ausübt. Dies ist nun der Fall und zwar auf allen Ebenen. Booking, Labels, Bands – alles hat zugelegt und das kommt allen zugute. Wie dies so zu stande kam ist schwer zu erraten. Bei uns war es halt so, dass wir immer schon über die Grenzen des Hardcores hinweg gesehen haben und uns von überall her die richtigen Inputs geholt haben. Diese lassen sich dann einfach auf unser Schema angepasst verwenden. Vor alle dem steht dann aber der Wunsch auf Weiterentwicklung, ist diese nicht gegeben, gibt es keinen Fortschirt oder Verbesserung.

Musicscan: Obwohl ich Euch nicht als Tough Guy Band verstehe, wirken Dark Day Dungeon zusammengenommen schon recht tough. Wie hart seid Ihr drauf ;-) und wie reagiert Ihr auf eine mögliche Betitelung als Tough Guy Band?

Dark Day Dungeon: Auf die Betitelung Tough Guy Band reagieren wir mit schmunzeln, was ja wohl nicht wirklich tough sein kann, oder? Nein mal im ernst: Wir wollen nicht als Tough Guy Band in die Geschichte eingehen, da ja bei den meisten Bands mehr Image als Wirklichkeit ist. In brenzligen Situationen steht jeder bei uns seinen Mann und auch, wenns mal nötig ist, für die Bandkollegen ein. Wir haben in den letzten Jahren persönlich und auch als Band einiges durchgemacht. Von der Kündigung bis zum Todesfall in der Familie und im Freundeskreis war da leider alles dabei und das in einer Frequenz, die wir bei solchen unangenehmen Geschehnissen zuvor nicht kannten. Solche Erlebnisse machen einen schon härter, wobei es für uns dann immer schon wichtig ist, dass sich keiner von uns Emotional total abschotet. Wir schauen aufeinander und sehen uns als eine Familie. Gegen aussen legen wir Wert auf Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft und erwarten das eigentlich auch von den Leuten, die uns gegenüber treten. Damit sind wir bis jetzt gut gefahren. Aber wenns jemand auf die harte Tour will, kann er das gerne haben.

Musicscan: Worin seht Ihr die grundlegenden Unterschiede zwischen Know Your Enemy und By Blood Undone abgesehen von der besseren Produktion, sofern Ihr welche benennen könnt? Vom Prinzip her denke ich, dass Ihr Euren Stil weiter abgerundet habt und keine gravierenden Änderungen da sind neben der stärkeren Fokussierung auf die melodische Death-Seite...

Dark Day Dungeon: Du hast die Frage eigentlich schon selbst beantwortet. Uns war es wichtig, mal endlich auf den Punkt zu kommen. Daher sind die Songs wie auch die Texte einiges härter ausgefallen. Wie ich schon angsprochen habe, waren die letzten Jahre kein Zuckerschlecken für uns und das hat die Songs stark beeinflusst. Sie sind brutaler, schneller und zum Teil etwas überraschend und angepisst, so wie unser tägliches Leben heute nun mal ist. Die Produktion ist komplett anders, auch wenn wir wieder mit Alessandro Azzali in Como die Instrumente aufgenommen haben. Der Mix hingegen wurde in Schweden im Studio Fredman durch Fredrik Nordström erledigt. Die Jungs haben zauberhände und wir sind richtig zufrieden mit der Produktion.

Musicscan: Wie wichtig ist es Euch, straight und knackig auf den Punkt zu spielen? Auf mich wirken die Songs schon recht straff, was mir gut gefällt...

Dark Day Dungeon: Wichtig! Wir wollten nicht mehr so stark ausufern, wie wir das früher ab und zu mal machten. Wir waren jung und wollten etwas experimentieren. Heute sind wir zwar immer noch jung, aber einiges erfahrener und wissen, wie wir auf den Punkt kommen können. Vielleicht hast du bemerkt, dass wir unsere Songs nicht nach einem Strophe-Refrain-Strophe-Refrain Schema schreiben sondern da unseren eigenen Weg gehen. Trotzdem wirken die Songs aber nicht chaotisch, sondern bleiben leicht nachvollziehbar. Ich denke, dass wir da eine gute Mischung gefunden haben, die die Songs sehr ansprechend macht.

Musicscan: Bringt doch bitte kurz die textliche Aussage von By Blood Undone auf den Punkt. Wofür stehen Dark Day Dungeon inhaltlich?

Dark Day Dungeon: Es gibt keine allgemeine textliche Aussage auf dem Album. Jeder Text steht für sich alleine und spiegelt andere Aspekte und Ereignisse des Lebens wieder. Wir haben sehr persönliche Texte verfasst und auch solche, deren Inhalt vielleicht nicht gleich nach dem ersten hören ersichtlich ist. Kriege und Katastrophen prägten zudem die Grundstimmung einiger Songs schon beim Schreiben der Riffs.

Musicscan: Jede neue Platte ist für eine Band quasi ein Neustart. Welche Ziele habt Ihr Euch denn selbst vorgegeben?

Dark Day Dungeon: Wir werden die neue Platte überall promoten wo sich uns die Gelegenheit bietet. Dazu haben wir mit Let It Burn, On Firepromotion und Fastbeast Entertainment gute Partner an unserer Seite. Ein klares Ziel haben wir uns allerdings nicht gesteckt. Wir nehmen die Sachen so wie sie kommen und werden sicher unser bestes geben um weiter als Band wachsen zu können. Natürlich wollen wir auch die Verkaufszahlen von Know Your Enemy toppen und mehr shows mit dem neuen Set spielen.

Musicscan: Bestehen schon Pläne für eine Support-Tour für By Blood Undone?

Dark Day Dungeon: Eine Tour wird sicher stattfinden, wenn auch Details zu diesem Zeitpunkt noch nicht spruchreif sind. Wir sind aber an ein paar Interessanten Support Slots dran und hoffen, dass wir bald wieder in den Tourbus steigen werden. Eine weitere Tour für Ende des Jahres mit Pro-Pain mussten wir leider aus terminlichen Gründen absagen. Bis unsere nächste Tour allerdings steht, spielen wir jede Menge Weekendshows in der Schweiz und im nahen Ausland.

 
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