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Earth / Sunn O)))

Storie von: arne, am 12.11.2005 ]

Im Drone-Genre gab es 2005 vor allem zwei Veröffentlichungen, die von den Fans sehnsüchtig herbeigesehnt wurden: “Hex; Or Printing In The Infernal Method”, das fünfte Studio-Album von EARTH, und der neue Longplayer von SUNN O))) “Black One”!

 
Dabei ist es kein Zufall, dass beide Scheiben über Southern Lord veröffentlicht werden. Labelkopf Greg Anderson hat sich in den letzten Jahren einen ansehnlichen Bandkatalog zusammen gestellt, an dem man nicht vorbeikommt, sofern man eine Affinität für inspirierte, atmosphärische Platten zwischen Drone-, Stoner-, Black-, Heavy- und Prog-Metal mitbringt. Während Dylan Carlson’s EARTH als Begründer des Drone-Genres gelten, sind SUNN O))), die Band von Anderson, der wohl populärste, moderne Vertreter dieser Spielart. Der Einfluss EARTHs auf die Heavy-Szene lässt sich nur schwer abschätzen, doch ist klar, dass Acts wie BORIS, MOGWAI, GODFLESH, JESU, BOHREN & DER CLUB OF GORE und auch SUNN O))) stark von dieser Band aus Seattle beeinflusst sind.

Mit “Hex ” wagt das Duo Dylan Carlson/Adrienne Davies nach jahrelanger Release-Abstinenz einen Neuanfang, denn ein neuerliches Drone-Album ist gar nicht entstanden! Die neun Stücke der Platte stehen für dunkle Anmut und atmosphärische Schönheit. EARTH präsentieren sich so hypnotisch und bedächtig langsam wie in der Vergangenheit angelegt, doch die Integration von Posaune, Glockenspiel und Lap- und Pedal- Steel verschiebt im Zusammenspiel mit einer deutlich seltener verzerrten Gitarre die musikalische Schwerpunktsetzung des Materials. Bisweilen stellt sich sogar ein nicht zu leugnendes Country-Feeling (think NEIL YOUNGs “Dead Man“ Soundtrack) ein, und das scheint eben so beabsichtigt!

Mit einem Klassiker wie “Earth2“ ist das nicht mehr vergleichbar, denn EARTH haben sich weiterentwickelt und gehen heute einem “anderen“ Drone-Verständnis nach. Das Duo agiert deutlich fokussierter, hat stärkeres Augenmerk auf das Songwriting einerseits und einen stimmigen Fluss andererseits gelegt: „Ich persönlich verstehe EARTH als Band in der Tradition der großen, amerikanischen Musikstile Blues, Rock und Country.“ erläutert Carlson sein Musikverständnis im Gespräch: „Das war schon immer so. Natürlich gibt es auch eine experimentelle Seite, aber von jeher waren wir als Rock-Band aufgestellt. Und Rock ist letztlich auch Blues und Country. Jeder einzelne EARTH-Song beinhaltet Elemente großer, amerikanischer Roots-Musik. Bei den neuen Stücke ist das lediglich offensichtlicher an die Oberfläche getreten, doch da war es schon immer.“

Angesichts dieses Statements verwundert es nicht mehr, dass mit “Hex“ das bislang allgemeingültigste Werk der Band entstanden ist, dem ein stets nachvollziehbarer Songfluss zugrunde liegt: „Es freut mich, dass du das so empfindest. Von Beginn an strebte ich danach, dass sowohl jeder einzelne Song als auch das Album im Ganzen klare Spannungsbögen beinhaltet. Ebenso wollte ich auch schon immer möglichst unterschiedliche Instrumente in meine Stücke integrieren und so den Gesamtsound weiter füllen. Bevor ich damals von Sub Pop gedroppt wurde, war ein Album mit großer Produktion und umfangreichen Bläserparts geplant. Leider wurde das dann nicht umgesetzt, doch nun konnte ich das realisieren. Jedenfalls war EARTH für mich nie lediglich nur auf Gitarrenmusik reduziert. Zum ersten Mal konnte ich das für “Hex“ im Studio richtig ausleben. Nicht zuletzt deshalb klingt es anders als die alten Platten.“

Dabei war lange Zeit unklar, ob Carlson nach seinem Drogen-Entzug neu starten würde: „Als ich nach Seattle zurückging, wusste ich zunächst nicht einmal, ob ich jemals wieder Musik machen würde, von EARTH ganz zu schweigen. Recht schnell merkte ich aber, dass ich unbedingt wieder spielen wollte und große Motivation in mir hatte.


Die Musik war schon immer meine große Liebe, und ich konnte einfach nicht von ihr lassen. Es brauchte jedoch seine Zeit, bis ich mich zu der Entscheidung durchgerungen hatte, es erneut als professioneller Musiker zu versuchen und EARTH neu zu beleben.“

Sowohl die zurückgekehrte Motivation als auch der neu gewonnene Optimismus in Bezug auf die Band und das Leben im allgemeinen spiegeln sich in den Songs von “Hex“ wieder.

Ganz im Gegensatz dazu wirkt der sechste SUNN O))) Longplayer “Black One”, der sich zwar einerseits als bislang “hörerfreundlichste” Veröffentlichung des Extrem-Duos O'Malley/ Anderson (u.a. Thorr's Hammer, Goatsnake, Lotus Eaters, Khanate) entpuppt, doch andererseits legt die Kult-Drone-Sludge-Doom-Experimental-Band ebenso ihre destruktivsten und dunkelsten Songs vor. Immerhin ist diesmal offenkundig, dass die sieben, „gewohnt“ bizarren Minimal-Arrangements konzeptionell miteinander verbunden sind und musikalisch nicht allein improvisiert wird:

„Dein Gefühl resultiert wahrscheinlich aus der Tatsache, dass alle Songs in einem zeitlich abgegrenzten Aufnahmefenster entstanden sind und dadurch sowohl ähnliche Gefühle als auch einen vergleichbaren Sound transportieren.“ klärt Southern Lord-Kopf Anderson im Gespräch auf: „In der Vergangenheit haben wir die einzelnen Songs der Alben über weitaus längere Zeiträume hinweg eingespielt. Wann immer es sich ergeben hat, nahmen wir Stücke auf. Oftmals bestand dabei kein richtiges Konzept, und am Ende mussten wir mehrere Einzel-Songs zu einem Album zusammen zu setzen. Da fehlte letztlich vielleicht tatsächlich ein wenig der rote Faden. Verstärkt wird der Effekt dadurch, dass wir früher im Studio häufig improvisiert und diese Jams sofort mitgeschnitten haben. Nur bei “Black One“ und teilweise auch bei “00 Void“ gingen wir mit relativ konkreten Vorstellungen ins Studio und spielten Songs ein, die vorher schon fast völlig fertig gewesen sind. Zwar ist “00 Void“ damals auch in mehreren Aufnahme-Sessions entstanden, doch wir haben versucht, ein Konzept über alle Stücke hinweg durchzuziehen. Das Resultat zeigt, dass es wohl der bessere Weg ist, unsere Platten aufzunehmen. In Bezug auf “Black One“ haben wir den Konzept-Charakter noch stärker forciert, was sich als richtige Entscheidung erwiesen hat. Es ist das bislang stärkste SUNN O)))-Album.“

Die Entwicklung der Band wird dabei gleichberechtigt von O'Malley und Greg selbst voran getrieben. Gemeinsam entscheiden die beiden, welche Künstlern sie für ihre Releases ins Studio einladen:

„Steven und ich haben sehr ähnliche Vorstellungen in Bezug auf die Entwicklung von SUNN O))) sowie die Personen, mit denen wir zusammenarbeiten wollen. Für “Black One“ war uns vor allem wichtig, mit verschiedenen Sängern arbeiten. Wir suchten uns die nach unserer Ansicht spannendsten Frontmänner der amerikanischen Black Metal-Szene aus, die schon mit ihren eigentlichen Bands die Grenzen der Underground-Musik ausloten. In der Kooperation mit SUNN O))) motivierten wir sie zu noch extremeren Leistungen.“ Dieses Ziel wurde erreicht, denn sowohl Wrest (LEVIATHAN, LURKER OF CHALICE) als auch Malefic (XASTHUR, TWILIGHT) liefern einige der klaustrophobischsten Vocals, die man bislang hörte!

In punkto Atmosphäre und Ausdruckskraft sind sowohl mit “Black One“ als auch mit “Hex“ richtungsweisende Drone-Werke entstanden. Für die Hörer ist dabei vor allem die Tatsache spannend, dass beide Acts Neues ausprobiert und ihren minimalistischen Experimental-Metal erweitert haben. Groß!

 
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