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Walking Concert

Storie von: arne, am 09.11.2005 ]

Der Name Walter Schreifels ist untrennbar mit den legendären Hardcore-, Post-Core-Gruppen Rival Schools, Quicksand und Gorilla Biscuits verbunden. Schon in wenigen Jahren wird man auch sein neuestes Projekt Walking Concert in diese Reihe zu stellen haben. Einmal mehr erfindet sich der Musiker neu, denn Schreifels bricht erneut mit der eigenen Historie und widmet sich Gitarren-orientierten Klängen, die es so von ihm noch nicht zu hören gab.

 
Entscheidend ist hierbei vor allem die enorme Allgemeingültigkeit, die in das Songwriting des New Yorkers Einzug gehalten hat. Sicherlich waren bereits Rival Schools breit angelegt, doch Walking Concert ist noch generalistischer, zugleich auch musikalisch bodenständiger. Zudem wurde das Tempo reduziert und die Komplexität der Stücke auf ein Minimum beschränkt. „Run To Be Born“ ist kurzweilige Unterhaltung und ein schlicht schönes Indie-Rock-Album mit Hang zu Singer/Songwriter-Parts. Reifes Songwriting, einprägsame Melodien und weitaus größerer Tiefgang, als es zunächst den Anschein hat, prägen das Debüt des Projektes.

Beck, Robert Pollard, Elliot Smith, Pavement oder The Flaming Lips müssen herhalten, wenn man nach Vergleichsgrößen Ausschau hält, und Walking Concert steht den Genannten in Nichts nach und wird gerade unter den Anhängern dieser Acts seine Hörer finden.

Schreifels war bereits vor einigen Wochen auf Solotour in Deutschland unterwegs, um einerseits die Werbetrommel für „Run To Be Born“ zu rühren und andererseits sein bisheriges Schaffen Revue passieren zu lassen. Denn lediglich mit Akustik- bzw. E-Gitarre auf der Bühne stehend, spielte er die größten Hits der Gorilla Biscuits sowie von Quicksand und Rival Schools. Einige Walking Concerts Stücke gesellten sich natürlich ebenfalls hinzu.

Über die Motivation zu seiner neuerlichen Europa-Rundreise sowie Problemen mit unbefriedigten Fanerwartungen befragt, äußerte Walter im Gespräch Folgendes: „Aus den verschiedenen Phasen meiner Vergangenheit, habe ich unterschiedliche Fangruppen mit unterschiedlichen Erwartungen. Dabei finde ich interessant, dass sich diese Gruppen untereinander oft nicht kennen und musikalisch auch nicht in Bezug zueinander stehen. Nur wenige scheinen den großen Zusammenhang zu sehen und nachzuvollziehen, was ich in all den Jahren gemacht habe. Sicherlich fällt es selbst mir manchmal schwer, meine Entwicklung zu verstehen, doch es ist möglich, wenn man sich den verschiedenen Bands und Songs aufgeschlossen nähert. Die Solotour bietet in meinen Augen hierfür einen guten Rahmen.“

In diversen Internet-Foren waren nach dem ersten Gig in Hamburg jedoch alsbald kritische Statements zu lesen, die sich vom Gig enttäuscht zeigten: „Ich selbst sehe da kein großes Problem, denn die Songs stehen für sich selbst. Natürlich kann ich Leute verstehen, die meine derzeitigen Interpretationen nicht mögen, doch als Künstler bin ich nicht nur auf eine meiner Bands oder Phasen festzulegen. Alles baut aufeinander auf, und ohne die Gorilla Biscuits hätte es Quicksand und Rival Schools nicht gegeben. Das sollten auch die Leute verstehen und ein offenes Ohr mitbringen. Letztlich ist meine Art, Musik zu machen, immer recht ähnlich, auch wenn sie vielleicht unterschiedlich klingt. Am Ende kann man jedoch alles auf mich und eine Gitarre zurück vollziehen.“

Und eben das gab es auf der Solo-Tour. Schreifels spielte seine größten Hits und das ganz bewusst: „Da musste ich nicht lange überlegen, schließlich sind alle Songs von mir, und damit Teile meiner Karriere. Sie alle bedeuten mir etwas und stehen für Abschnitte meines Lebens. Noch immer habe ich viel Spaß, die Stücke zu spielen, auch in veränderter Form. Natürlich gibt es einzelne Tracks,


die ich heute nicht mehr spielen würde, weil mir die Verbindung fehlt, aber die zentralen Stücke aller Platten haben von ihrer Kraft und Aussage bis heute nichts verloren.“

Daneben galt es aber auch das Release von „Run To Be Born“ auf Devil Duck Records vorzubereiten: „ Natürlich bin ich auch hier, um Walking Concerts zu promoten, aber da wird noch eine richtige Support-Tour zu unserem Album folgen. Fans der Gorilla Biscuits würden der Band aber wohl keine Chance geben bzw. nicht einmal Notiz von dieser Band nehmen. So verhält es sich wohl auch bei Quicksand- und Rival Schools-Hörern. Man muss die Band ja erst mal kennen lernen. Deshalb bin ich hier. Gestern in Hamburg habe ich 20 Walking Concert CDs verkauft, und ohne die Tour hätte ich das wohl nicht getan. Das Interesse und auch Aufgeschlossenheit scheinen da zu sein. Man muss die Leute einfach informieren, und das tue ich mit der Solo-Tour.“

Musikalisch steht das neue Projekt dabei für kurzweiligen Indie-Rock und ein verändertes Musik-Verständnis: „Die neuen Songs unterscheiden sich stark von dem, was ich in der Vergangenheit gemacht habe, doch ich bin ja auch nicht mehr die Person, die ich mit 16 Jahren gewesen bin. Auch ich habe mich entwickelt. Im Verlauf meiner Karriere habe ich aggressive, leichtere und künstlerisch ernste Musik gemacht. Man kann mich nicht auf eine Spielart reduzieren, doch viele Leute versuchen es. Mit Walking Concert beweise ich nun neuerlich, dass es nicht möglich ist.“

Zum Status des neuen Betätigungsfeldes gibt es Folgendes zu berichten: „Alle Songs stammen von mir, und das Album war eine Sologeschichte, doch momentan entwickelt sich eine gewisse Eigendynamik und aus Walking Concert könnte eine richtige Band werden. Wir spielen ja jetzt schon ein Jahr zusammen, und in dieser Spanne hat sich ein eigenes Feeling eingestellt. Die Leute, mit denen ich arbeite, sind geblieben, aber noch sind es ausschließlich meine Songs. Es bleibt abzuwarten, was kommen wird.“ An Zielen und Motivation mangelt es den Musikern jedenfalls nicht: „Für mich steht Walking Concert vor allem für musikalische Weiterentwicklung und das Brechen mit meiner Vergangenheit. Derartiges habe ich noch niemals zuvor gespielt, und es stehen nicht Riffs sondern das Songwriting im Fokus. Das soll auch der Projektname ausdrücken. Die Songs sind reduziert, nachvollziehbar und unterhaltsam. Man kann sie praktisch bei jeder Gelegenheit hören. Das Bild von Musik, die man sowohl nebenbei hören kann als man sich auch auf sie konzentrieren kann, gefällt mir. Das meint Walking Concert.“

Der positive Ausblick der gewohnt treffsicheren Lyrics stützt das: „Schon immer habe ich positive Texte verfasst. In meinem Leben begegnen mir vor allem Hoffnung und Optimismus. Negativen Gefühlen sollte man keinen Raum geben. Es gibt so viel Positives, das einen neu motiviert und Probleme überwinden lässt. Sicherlich gibt es lustigere Texter als mich, aber ich versuche das mir Mögliche, die Leute zu unterhalten und ihre Laune zu verbessern. Das heißt jedoch nicht, dass ich nicht auch klare Statements gebe oder den roten Faden aus den Augen verliere.“ ...und das tat Walter Schreifels sowohl auf seiner Show als er es auch mit den gefühlvollen Stücken von „Run To Be Born“ tut.

 
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