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Burst

Storie von: arne, am 16.10.2005 ]

BURST sind eine der inspiriertesten und progressivsten Bands sowohl ihrer schwedischen Heimat als auch des Programms ihres Labels Relapse. Dennoch scheint das Quintett wenigstens in Deutschland nach wie vor unterbewertet zu sein, und für ihren letzten Longplayer “Prey On Life“ reichte es zu kaum mehr als zum Status eines heißen Insider-Tipps. Nur langsam spricht sich herum, dass die Schweden in punkto musikalischen Potenzials sowie intensiver, breitflächiger Metal-Arrangements populären Visionären wie Neurosis, Isis, Cult Of Luna oder Opeth in Nichts nachstehen.

 
Nicht zuletzt die Euro-Touren im Vorprogramm von Mastodon und The Dillinger Escape Plan sorgten für ein verbessertes Standing von BURST, doch nun legen die sympathischen Schweden gewichtig nach. “Origo“ ist das neue Studio-Album betitelt. Der Fünfer arbeitet darauf mit der ganzen Bandbreite moderner Gitarrenmusik. Von fragilen Ambient-Sounds bis hin zu chaotischen Ausbrechpassagen umfasst der dritte Longplayer der Gruppe alle nur erdenklichen Abstufungen und Zwischenausprägungen. Für größtmögliche Dynamik sorgen dabei sowohl gewichtige „Laut-Leise-“ als auch „Hart-Zart-“Kontraste.

Vom Label des „emotionalen Metals“, mit dem das Outfit in der Vergangenheit häufig belegt wurde, ist die Formation spätestens durch diese neun Kompositionen endgültig befreit. Denn gleichberechtigt zu emotionaler Intensität ist “Origo“ durch experimentelle Progressivität geprägt. BURST agieren musikalisch ebenso zurück genommen wie massiv. Und gerade die Mischung aus Beidem lässt ein atemberaubendes, bombastisches Album auf höchstem Niveau entstehen:

„Wir hatten diesmal so viele Ideen in Bezug auf das neue Album, dass es im Ergebnis einfach großartig werden musste!“ sprudelt es aus Trommler Patrik Hultin im Interview hervor: „Das ist sicherlich nur schwer zu klären, doch es verhält sich genau so. Wenn wir fünf zusammen arbeiten, stellt sich schnell ein verbindendes Gefühl ein. Wir alle wissen, welche Art von Musik wir kreieren wollen und wie diese klingen soll. Mit der Zeit hat das zu einer deutlichen Straffung des Songwritings geführt, was gerade mit “Origo“ sehr deutlich wird. Sicherlich ist auch dieses Album nicht perfekt, doch alles andere wäre ja auch langweilig. Wir alle fühlen jedoch, dass wir auf einem sehr guten Weg sind und fast das Optimum erreicht haben, das uns vorschwebte. Gegenüber “Prey On Life“ sind wir musikalisch gereift und weitaus variabler angelegt. Ebenso ist es uns heute leichter möglich, unseren eigenen Songs kritisch zu begegnen und sie ausgehend davon weiter zu verbessern.“

Vom Tempo her ausgebremst versteht der Schlagzeuger das neue Album nicht, obwohl man als Hörer dieses Gefühl durchaus gewinnen kann: „ Sicherlich werden viele sagen, “Origo“ sei ein zugänglicheres Album als es “Prey On Life“ war. Für mich ist das genaue Gegenteil der Fall. Sicherlich ist es strukturierter, und in den „weichen“, emotionalen Momenten, sind wir so richtig „weich“. Doch dort, wo das Album hart und brutal klingen soll, tut es das auch. Sowohl die Dosierung als auch die Akzentuierung der musikalischen Gegensätze ist in Bezug auf “Origo“ einfach optimal ausgefallen. Es ist ähnlich “Prey On Life“ angelegt, jedoch weitaus


durchdachter und komplexer.“

Die offenkundige Weiterentwicklung des Songmaterials resultiert dabei aus der natürlichen Einstellung der Musiker:

„Wir alle lieben die Herausforderung und streben danach, uns beständig zu entwickeln. Letztlich tut dies doch jede Band. Ein zweites “Prey On Life“ konnte nicht entstehen, denn damit hätten wir uns selbst gelangweilt. Die Idee hinter BURST ist, mit jedem neuen Song andere Wege zu beschreiten und musikalisch zu wachsen. Dabei bewahren wir uns unseren grundlegenden Stil, versuchen diesen jedoch so effektiv und kontrastreich wie möglich auszugestalten. Wiederholen werden wir uns dabei nicht, denn das widerspricht unserem selbst auferlegten Anspruch.“

Dennoch arrangieren die Schweden für jedes ihrer Releases äußerst intensive, emotional gefärbte Stücke, wobei diese auf “Origo“ weitaus positiver anmuten als das Material der Vergangenheit: „Die Songs entstehen primär ohne, dass wir vorher schon eine bestimmte Stimmung im Hinterkopf haben, die wir gezielt umsetzen wollen. So etwas kann man als Künstler eh kaum beeinflussen. Vielleicht wirken die neuen Stücke aus dem Grund positiv ausblickend, weil sie in ihrer Summe stärker und homogener ausgefallen sind!? Viele unserer Lyrics transportieren ja ebenfalls optimistische Botschaften. Wenn man so wie wir das Leben liebt, kann man nicht nur dunkel gestimmte Songs schreiben. Dennoch brauche ich die Melancholie und Aggressivität unserer Musik als Ausgleich für meinen Alltag.“

In punkto Akzeptanz im harten Metal-Genre haben es BURST nicht überall so schwer wie in Deutschland, aufgeschlossene Hörer zu finden. Patrik berichtet:

„Sicherlich könnte man das vermuten, da wir musikalisch keiner Schublade zuzuordnen sind. Doch sowohl auf den Touren mit Mastodon und The Dillinger Escape Plan als auch auf Support-Shows für u.a. Deathchain oder Torture Killer wurden wir von den Leuten recht gut aufgenommen. Bislang hatten wir fast immer das Glück, vor interessierten Hörern unterschiedlichster Szenen zu spielen. Das verstärkt unsere Zuversicht für die Zukunft. Letztlich ist es auch eine Frage des Erwachsenwerdens und Entdeckens neuer, bzw. anderer Musik. Als ich noch jünger war, hätte ich niemals Miles Davis oder Pink Floyd gehört. Heute tue ich es. Mit der Zeit lernt man gute Musik schätzen und erkennt einfach gute Songs oder Bands, unabhängig davon, in welchem Gerne sie verankert sind. Wenn allein die Qualität zählt, haben wie eine Menge zu bieten.“ Word!

Neben “Origo“ auf Relapse erscheint fast zeitgleich auf dem niederländischen Garden Of Exile Records auch eine Split-7Inch von BURST und den Berliner von The Ocean.

 
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